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·22 aprile 2026

Alex Popp stellt die Frage, die sich der Männerfußball nie zu stellen wagte

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Alexandra Popp kritisiert im Interview mit 11 Freunde den Männerfußball als warnendes Beispiel und fordert faire Gehälter statt reiner Kommerzialisierung im Frauenfußball.

145 Länderspiele, 67 Tore, Olympiagold, eine Bronzemedaille in Paris zum Abschied – und jetzt, aus dem Ruhestand vom Nationalteam heraus, ein Satz, der in der Branche hängen bleibt: Im Männerfußball, sagt Alexandra Popp bei "11 Freunde", sei "die Liebe zum Sport" verloren gegangen. Das ist keine weichgespülte Funktionärsprosa. Das ist der Versuch, dem Frauenfußball einen eigenen Wertekompass zu geben, bevor er gedankenlos ins Fahrwasser der Männer gerät.


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Popps Einwand zielt präzise auf das Betriebssystem des modernen Profifußballs. "Da geht es oft nur noch um Ablösesummen und exorbitante Gehälter. In diese Falle sollten wir im Frauenfußball nicht tappen." Wer die Sätze überliest, verpasst das eigentliche Argument: Popp fragt nicht, ob der Frauenfußball professioneller werden soll. Sie fragt, nach welchem Vorbild.

Bemerkenswert ist, wie wenig Romantik in dieser Position steckt. Popp fordert im selben Atemzug, dass Spielerinnen in den ersten beiden Ligen "zumindest so viel verdienen, dass sie sich voll auf den Fußball konzentrieren und hundert Prozent Leistung bringen können". Das ist kein Plädoyer gegen Geld – es ist eines gegen die Logik, in der Geld zum einzigen Maßstab wird. Professionalisierung ja, Kommerzialisierung als Selbstzweck nein. Wer diese Unterscheidung verwischt, macht aus einer differenzierten Haltung einen Nostalgie-Reflex, der sie nicht ist.

Der zweite Teil ihrer Kritik macht die Position angreifbar – und gerade deshalb ernst zu nehmen. Popp attestiert dem DFB-Team, sich "zu stark auf althergebrachte Tugenden zurückgezogen" zu haben; "schönen, qualitativ hochwertigen Fußball" habe die Nationalelf zuletzt nicht angeboten. Eine Spielerin, die gerade mit Bronze aus Paris zurückkam, sagt öffentlich: Das reicht uns nicht. Das ist unbequem für Verband und Vereine, die lieber über Zuschauerrekorde und TV-Deals sprechen als über Nachwuchsausbildung. Popp will beides zusammendenken, Werte und Wettbewerb: "Vereine und der Verband müssten enger zusammenarbeiten und die Nachwuchsausbildung mehr fördern und intensivieren."

Natürlich lässt sich dagegenhalten, dass der Frauenfußball noch lange nicht an dem Punkt ist, an dem er sich vor Überhitzung schützen müsste. Die Gehaltsstrukturen in der Bundesliga sind davon entfernt, Multimillionärinnen zu produzieren. Popp weiß das – und genau deshalb kommt ihre Warnung jetzt. Ein Wertekompass, den man erst justiert, wenn das System bereits entgleist ist, nützt niemandem. (Beim Blick auf die Männer-Transferfenster der vergangenen Jahre lässt sich besichtigen, wie schwer eine nachträgliche Korrektur fällt.)

Dass Popp im Sommer zu Borussia Dortmund wechselt – also in einen Verein, der im Frauenfußball ganz am Anfang steht –, passt in dieses Bild. Eine Spielerin, die alles gewonnen hat, was man in Wolfsburg gewinnen kann, geht dorthin, wo nicht Gehaltsklassen, sondern Aufbauarbeit den Takt vorgeben. Man muss diesen Schritt nicht als Symbol überhöhen. Man darf ihn aber auch nicht übersehen.

"Muss ich mit dem Fußball unbedingt Multimillionärin werden?" Diese Frage hat im Männerfußball niemand mehr laut gestellt, als es noch möglich gewesen wäre. Popp stellt sie jetzt – in einem Moment, in dem die Antwort im Frauenfußball noch offen ist.

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