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·4 agosto 2026
Barça zahlt 90 Prozent – und ter Stegen spielt in Amsterdam

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·4 agosto 2026

Neunzig Prozent. So viel vom Gehalt eines Torhüters überweist der FC Barcelona in der kommenden Saison weiter – für Spiele, die dieser Torhüter in Amsterdam bestreitet. Um genau diese Zahl wurde wochenlang gerungen.
Ajax übernimmt rund zehn Prozent, gestaffelt nach Einsätzen kann der Anteil leicht steigen. Eine Kaufoption gibt es nicht, eine Kaufpflicht ebenso wenig. Die Leihe endet am 30. Juni 2027, ter Stegens Vertrag in Katalonien läuft ein Jahr länger.
Das ist die ungewöhnliche Konstruktion dieses Sommers: Barcelona spart durch den Abgang fast nichts an Gehalt, gewinnt aber Luft im Kader und in der Registrierung. Ajax bekommt einen 34-jährigen Nationaltorhüter zum Preis eines Ergänzungsspielers – und trägt kaum Risiko, weil er in elf Monaten ohnehin wieder weg ist.
Warum ist ter Stegen so schwer zu vermitteln? Weil sein Vertrag ein Denkmal katalanischer Finanzakrobatik ist. Der Keeper hatte in früheren Jahren zugestimmt, Teile seines Salärs nach hinten zu verschieben – damit der Klub unter den LaLiga-Gehaltsobergrenzen bleiben und Neuzugänge registrieren konnte.
Diese Stundung ist keine Wohltat auf Dauer, sondern eine Rechnung mit Fälligkeitsdatum. Und das Datum ist jetzt. Die aufgeschobenen Beträge machen ausgerechnet die letzten Vertragsjahre am teuersten – also exakt jene Jahre, in denen Barcelona ihn loswerden möchte. Ein sauberer, endgültiger Verkauf wird dadurch fast unkonstruierbar.
Wie weit die Verflechtung ging, zeigte schon der vergangene Sommer. Damals brauchte Barça ter Stegens Unterschrift unter einen medizinischen Bericht an LaLiga, der eine Ausfallzeit von mindestens vier Monaten bestätigt hätte. Über die spanische Verletztenregel wären 80 Prozent seines Gehalts freigeworden – und Joan García endlich spielberechtigt gewesen. Ter Stegen ließ sich Zeit. Über die Kapitänsbinde wurde in dieser Phase ebenfalls verhandelt.
Der Rest des Sommers verlief in Wellen: erst steuerliche Fragen, dann Financial Fair Play, dann wieder steuerliche Fragen. Konkret ging es laut spanischen Berichten darum, welche steuerlichen Folgen bestimmte Posten in der Aufschlüsselung seines Gehalts für diese Spielzeit hätten – ein Punkt, den ter Stegen selbst zunächst nicht überblicken konnte.
Zwischenzeitlich lag der Deal so tot, dass Hansi Flick den Torhüter kurzerhand für das Trainingslager im englischen St. George’s Park nominierte. Ter Stegen stand im Test gegen den Drittligisten CE Europa sogar eine Halbzeit im Tor. Ob das Personalplanung war oder ein Verhandlungssignal, muss jeder selbst einordnen. Wirkung hatte es.
Am 30. Juli verließ er das Camp, flog nach Amsterdam, unterschrieb wenig später. Dass die offizielle Meldung noch einige Tage brauchte, lag an Ajax: Der Klub ist börsennotiert und muss vor Bekanntgaben bestimmte Verfahren einhalten.
Eingefädelt hat das Ganze Jordi Cruyff, Technischer Direktor in Amsterdam, mit langer Barcelona-Vergangenheit und entsprechenden Telefonnummern. In der Vereinsmitteilung sagt er schlicht, er und ter Stegen kennten sich gut.
Der zweite Bekannte sitzt auf der Bank: Míchel Sánchez, seit dem 2. Juni Ajax-Trainer, war im Januar der Coach beim FC Girona, der ter Stegen holte. Diese Leihe dauerte zwei Spiele, endete mit einer Oberschenkelverletzung samt Operation und kostete ihn die WM. Girona stieg ab, Míchel ging nach Amsterdam – und holte den Torwart gleich noch einmal.
Ter Stegen kam 2014 für zwölf Millionen Euro aus Mönchengladbach. Zwölf Jahre später ist er der Posten, den Barcelona am dringendsten aus den Büchern haben will – und zugleich der, den es sich am wenigsten leisten kann, wirklich abzustoßen.
Wer Gehälter in die Zukunft schiebt, kauft sich Gegenwart. Die Zukunft kommt trotzdem, und sie bringt die Rechnung mit.
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