FC Bayern München
·18 febbraio 2026
Barcala: „Meine Spielerinnen können den Mond erreichen“

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·18 febbraio 2026

José Barcala hat den FC Bayern gut studiert, ehe er Trainer der Frauen wurde. Navigation ist für den Spanier ein Schlüsselbegriff. Hier skizziert er seine Methoden und spricht über magische Momente, Musik und Michelin-Sterne.
Wie vertraut waren Sie mit dem FC Bayern, bevor Sie hier gestartet sind? José Barcala: „Wenn man im Fußball zu Hause ist, ist es unmöglich, die Geschichte dieses Clubs nicht zu kennen. Ich habe den Verein immer verfolgt, die großen Generationen, vor allem dann das Bayern von Pep Guardiola, das Bayern von Hansi Flick. Ich habe geliebt, wie sie über Jahre ihre Dominanz ausgebaut haben und wie eine spezielle Siegerkultur entstand.“
Was ist die Identität der FC Bayern Frauen? „Im modernen Fußball spielt man innerhalb von 90 Minuten unterschiedliche Spiele. Es geht um Navigation. Wir wollen eine dominante Mannschaft sein. Aber was bedeutet das? Manchmal heißt dominant sein, im Positionsspiel präzise, konstant und gut koordiniert zu sein, die Struktur des Gegners zu durchbrechen und Chancen zu kreieren. In anderen Momenten baut man unter Druck auf – mit anderen Verhaltensweisen. In weiteren Phasen verteidigt man im hohen Pressing oder im mittleren oder tiefen Block. Dominant zu sein heißt auch zu verstehen, dass man in unterschiedlichen Spielkontexten lebt – und reif genug zu sein zu erkennen, was jede Phase des Spiels verlangt. Diese Reife – über 90 Minuten durch verschiedene Spielkontexte zu navigieren – macht die Stärke eines Spitzenteams aus. Es ist nicht dasselbe, zu Hause gegen Hamburg zu spielen oder auswärts in Barcelona. Die Identität bleibt gleich, aber der Gegner zwingt dich in andere Kontexte. Deshalb ist es so wichtig, flexibel genug zu sein, diese Kontexte zu verstehen.“
Was sind Ihre zentralen Erkenntnisse der ersten Monate? „Diese Mannschaft hat eine unglaubliche Reife. Wenn man diesen Spielerinnen eine taktische Lösung gibt, setzen sie sie um. Sie brauchen nur ein klares Bild. Die Lernfähigkeit und der Hunger nach Details sind enorm: Diese Spielerinnen wollen immer das „Warum“ verstehen. Das ist in meinen Augen entscheidend, um das nächste Level zu erreichen. Um nach einem Double hungrig zu bleiben, braucht man dieses Mindset. Und: Bayern wird niemals müde zu gewinnen.“
Sie haben in einem Ihrer ersten Interviews gesagt, Sie suchen „magische Momente“. „Schon die Vorrunden-Zahlen sind magisch: 54 Tore geschossen und 4 kassiert. Das erfordert ein hohes Maß an Konstanz und Organisation. Magische Momente hängen mit drei Faktoren zusammen: individuelle Qualität, Koordination und Interaktion. Das Comeback in der zweiten Halbzeit gegen Arsenal war ein magischer Moment. Nach dem 1:7 in Barcelona Mentalität zu zeigen, gegen Wolfsburg 3:1 zu gewinnen und wirklich guten Fußball zu spielen – auch magisch. Aber das Schönste ist, auf meine Spielerinnen zu schauen und zu sehen, wie sie sich umeinander kümmern und gegenseitig schützen.“
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Wie richtungsweisend war das Last-Minute-3:2 gegen den Champions League-Sieger Arsenal nach dem 0:2-Pausenrückstand in der Allianz Arena? „Ich erinnere mich, wie schwierig die Situation in der Halbzeit war. Wir nehmen uns mit dem Staff immer fünf Minuten, um Clips für die Spielerinnen vorzubereiten. Du kannst nicht vor die Mannschaft treten und Zweifel ausstrahlen. Du musst überzeugend sein und zeigen: Das sind die Probleme, das sind die Lösungen. Wir werden dieses Spiel gewinnen, und wir haben das Talent dafür. Die Spielerinnen müssen das Gefühl haben: Okay, das ergibt Sinn. In fünf Minuten ist das nicht leicht vorzubereiten. Wir lagen zurück, in der Allianz Arena, und wir hatten eine sehr schlechte Version von uns selbst gezeigt.“
Wie sind Sie vorgegangen? „Wir sind mit einer klaren Idee vor die Spielerinnen getreten: „Das passiert gerade. Das ist die Lösung.“ Und sie haben alles umgesetzt. Ich habe seither das Gefühl: Wenn wir als Staff in der Lage sind, mit einem klaren Plan vor diese Spielerinnen zu treten, dann können sie mit der Qualität, die sie haben, bis zum Mond kommen. Arsenal war immer noch ein starker Gegner, aber das Spiel hatte sich verändert.“
Eine wichtige Botschaft: immer Lösungen finden. „Wenn ich etwas aus diesen ersten sechs Monaten hervorheben müsste, dann ist es die Arbeit, die wir im Management des Matchplans machen. Auch während des Spiels: Diese Spielerinnen sind fantastische Spiel-Leserinnen. Glauben Sie mir: Sie stehen unter so viel Druck, aber sie sitzen in der Kabine, die Dinge funktionieren nicht, sie schauen dich an – und sie sind ruhig. Sie hören zu. Wir gehen den Kontext durch: „Die Lösung ist hier. Wir finden dort die freie Spielerin. Der Gegner presst auf diese Art, also müssen wir es so lösen.“ Und dann gehen sie auf den Platz und es ist, als wären sie nicht nur auf dem Spielfeld, sondern würden das Spiel gleichzeitig von der Tribüne aus betrachten. Als würden sie mit einer neuen Perspektive spielen.“
Was ist nach dem 1:7 in Barcelona passiert? „Wir haben uns in die Augen geschaut und die Probleme aufgearbeitet – die taktischen, aber auch die emotionalen. Wir sind mit großen Erwartungen in dieses Match gegangen, wollten den Ball haben, hoch pressen, dominieren – so wie normalerweise. Aber wir konnten es nicht. Das erste Meeting nach dem Spiel war sehr angespannt, weil die Dimensionen so groß waren. Aber wir haben verstanden, warum wir nicht performt haben und was wir verbessern müssen.“
Danach sagten Sie: „Barça ist die größte Herausforderung – aber das ist keine Ausrede. Wir sind Bayern! „Wir haben die Kapitäninnen von Deutschland und Dänemark und absolute Führungsspielerinnen aus England, Norwegen und Kanada - einen Kader voller Talent. Der Grund, warum ich in dieses Spiel gegangen bin mit der Idee zu dominieren, war, dass ich meinen Spielerinnen vertraue. Wir hätten auch tief stehen und auf Konter hoffen können. Doch dann wäre meine Botschaft gewesen: Ich vertraue euch nicht, auf diesem Level mitzuhalten. Aber das tue ich, und da hat sich nichts verändert. Ich habe dem Team gesagt: Vielleicht war ich als Trainer ein bisschen naiv, aber wenn wir dieses Spiel morgen noch einmal spielen würden, würden wir ein paar Dinge anpassen – und dennoch mit derselben Idee reingehen. Weil wir der FC Bayern sind. Das war einer der zentralen Schlüsse.“
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Viele Menschen wären vermutlich zurückhaltend, ein Team zu übernehmen, das gerade das Double gewonnen hat. Sie waren es nicht. „Weil es ein Traum ist. Seit ich mit 18 zu coachen begonnen habe, habe ich nach dieser Chance gesucht. Ich war als Head of Coaching, Head of Methodology, Co-Trainer, Athletiktrainer im Männerfußball, in Nachwuchsakademien, im Frauenfußball tätig. Wenn man so eine Möglichkeit bekommt, kann man nicht Nein sagen. Diese Mannschaft hat nach drei Jahren mit Alexander Straus ein fantastisches Fundament. Es gibt Muster, die super funktioniert haben. Warum sollte ich sagen: „Jetzt starten wir bei null!“ Das würde Unsicherheit erzeugen, obwohl das gar nicht nötig ist. Also behalten wir alles, was funktioniert – das ist eine Menge – und implementieren dazu neue Impulse. Es geht nicht um eine Revolution, es geht um eine Evolution.“
Wie wichtig ist Mut für Ihr Team auf dem Platz? „Es geht um Unterhaltung - und du kannst niemanden unterhalten, wenn du kein Risiko eingehst, wenn du nicht kreativ bist. Wir haben so viel Talent und Qualität in diesem Kader – es wäre unmöglich, mit diesen Spielerinnen nicht mutig zu sein. Mut ist ein täglicher Prozess. Es geht nicht darum, keine Fehler zu machen – Fehler sind Teil des Lernens. Entscheidend ist, zu verstehen, warum du einen Fehler machst. Kreativität, Innovation und Mut sind essenziell. Als Kinder verlieben sich Spielerinnen in den Ball. Sie träumen davon, großartige Dinge zu machen. Wenn sie keinen Spaß haben, haben die Fans auch keinen Spaß. Vielleicht verlieren wir auch mal, weil wir zu mutig sind. Aber das Risiko gehe ich ein.“
„Unser Fußball muss Raum für Innovation schaffen“, ist Ihr Credo. „Ich vergleiche es gern mit Michelin-Sterne-Restaurants. Es gibt Momente, in denen du reproduzierst, was du zuvor geschaffen hast – das Menü, das funktioniert. Aber wenn du immer nur Rezepte reproduzierst, schaffst du nie Raum für Innovation. Innovation braucht Zeit. Clubs müssen Zeit schaffen, damit recherchiert werden kann, um Ideen zu entwickeln und zu implementieren. Ideal wäre ein Thinktank für Innovation und Entwicklung. Das ist die Zukunft.“
Sie vergleichen Ihre Arbeit immer wieder mit der des Starkochs Ferran Adrià. „Ja, weil es für mich auch in seiner Welt um Hochleistung geht und da viele Parallelen zum Fußball sind: Du hast Zutaten, du suchst Mischungen, du willst kreativ sein, und was du anbietest, muss den Menschen schmecken – am besten so gut wie nie zuvor.“
Vincent Kompany mag sehr viel Pfeffer im Essen. „Ich mag scharfes Essen auch. Aber was ich wirklich liebe, ist Slow Cooking – Gerichte, die drei oder vier Stunden dauern. Traditionelles galicisches Essen wie Fabada oder Caldo Galego.“
Er sagte in „51“, er möchte ein Team mit der Kraft eines Hurrikans. Ist das etwas, womit Sie sich identifizieren? „Warum nicht, das klingt sehr aufregend. Ich nehme oft das Symbol eines Orchesters: Manchmal spielt man klassische Musik, aber manchmal braucht man Heavy Metal oder Rock. Wir haben unterschiedliche Musikerinnen: Eine spielt Klavier, eine Geige, eine Posaune. Aber wenn wir als Team zusammenkommen, müssen wir dasselbe Lied spielen. Wir brauchen eine „Mindmap“ von dem Lied, das wir spielen wollen. Gleichzeitig können wir nicht immer dasselbe spielen. Ich genieße Positionsangriffe wie bei Pep Guardiola – und ich genieße Umschaltfußball wie bei Jürgen Klopp. Der FC Bayern ist mit Kompany ein großartiges Team – taktisch eines der Teams in Europa, die sich am stärksten weiterentwickeln. Wie sie sich positionieren, wie sie Positionen rotieren, diese „Hurrikan“-Positionierungen, die es den Gegnern so schwer machen, Zugriff zu bekommen – und wie sie hoch pressen: Das ist absolut beeindruckend.“
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Es gibt Parallelen zwischen Ihnen beiden: Sie beide bekamen bei Bayern erstmals die Chance, ein großes Team zu coachen … „Wir sind beide hungrig, das ist die Chance unseres Lebens, ja. Und in der Grundidee der Spielphilosophie sind wir uns ähnlich. Wir wollen dominant sein, aggressiv, wollen den Ball – wenn möglich – in fünf oder sechs Sekunden zurückerobern.“
Was macht für Sie eine Spielerin zu einer Vorbildfigur – auch abseits des Platzes? „Die Menschen können sich kaum vorstellen, wie ungemein lernwillig und zukunftsorientiert diese Spielerinnen sind; das sind Persönlichkeiten und bei allen Anforderungen des Leistungssports stets auf das Gemeinsame bedacht. Für mich ist das die Basis, das Fundament. Wenn du nicht demütig bist, ist es sehr schwer, das nächste Level zu erreichen. Du musst demütig genug sein, um zu lernen – und auch um zu akzeptieren, dass manche Dinge, die du lernst, nicht funktionieren werden, und dass du da durch musst. Für alle Menschen im Leben, die ihre Träume oder Ziele erreichen wollen, sind sie wahre Vorbilder, wie man Herausforderungen überwindet – einzeln wie als Teil einer Gemeinschaft.“
Fußballerinnen als Inspiration für neue Generationen. „Vor 10 oder 15 Jahren hatten junge Spielerinnen nur Männer als Vorbilder. Heutzutage können sie zu Giulia Gwinn aufschauen, zu Klara Bühl, zu Pernille Harder. Sie haben konkrete Vorbilder. Und diese Frauen stehen für eine fairere Welt. Sie arbeiten so hart für ihre Ziele, ich sehe das jeden Tag: Sie verdienen alle Möglichkeiten, die das Leben bietet.“
Gibt es einen Unterschied zwischen der Arbeit mit Männern und Frauen? „Aus methodischer Sicht muss man verschiedene Dinge berücksichtigen: das Management von Komplexität, Lernprozesse, Belastungssteuerung, Kommunikation. Manchmal ist Stille wichtiger als jedes Wort. Auch die Führungsstrategie ist anders – aber es geht nicht nur um Männer oder Frauen. Es geht auch um den Kontext: Frauen bei Servette Genf oder Bordeaux zu trainieren, ist etwas anderes als eine Mannschaft wie Bayern mit Top-Spielerinnen, die es gewohnt sind zu gewinnen. Meine Kommunikation und die Art, wie ich bei Bayern arbeite, sind nur zu 40 Prozent so wie früher. Für mich geht es jetzt viel mehr um Intuition. Es ist essenziell, dass ein Trainer flexibel und anpassungsfähig ist – und nicht denkt, dass das, was in Bordeaux funktioniert hat, in der Schweiz genauso funktioniert und dann exakt genauso in München.“
Wann ist es für Sie am Ende eine gute Saison? „In einem Top-Club wird vieles an Titeln gemessen. Abgesehen davon ist es für mich eine gute Saison, wenn ich am Ende sagen kann, dass wir den Spielerinnen geholfen haben, sich vielleicht um fünf Prozent individuell weiterzuentwickeln, und dass die Mannschaft die nächste Version von sich selbst geworden ist: flexibler, konstanter, widerstandsfähiger. Eine Mannschaft, die den Menschen Freude bereitet, Emotionen weckt – und auf die die Fans stolz sind. Für mich geht es mehr um die Art, wie wir gewinnen und wie wir verlieren, als um das Endprodukt – auch wenn das natürlich das Ziel ist. Man beendet ein Spiel, schaut sich an und sagt: „Das hat Spaß gemacht!“ Und am Ende der Saison möchte ich sagen: „Wow, das war aufregend!“ Zu diesem Fazit kommt man normalerweise, wenn man gewinnt. Wir müssen gewinnen. Gerade bei Bayern.“
Der Text erschien in der Februarausgabe des Mitgliedermagazins „51“:
Die FCB-Frauen spielen ihr Champions-League Viertelfinale in der Allianz Arena. Alle Informationen:
Am Sonntagnachmittag empfangen die FC Bayern Frauen den VfL Wolfsburg – so verfolgt ihr die Partie auf unseren Kanälen live:
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