MillernTon
·14 marzo 2026
Borussia Mönchengladbach vs. FC St. Pauli 2:0 – Torschuss ist Lava

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·14 marzo 2026

Viel Ballbesitz, defensiv (eigentlich) stabil – aber der FC St. Pauli zeigte gegen Borussia Mönchengladbach leider eindrucksvoll, wie schwach die eigene Offensive ist.(Titelfoto: Dean Mouhtaropoulos/Getty Images/via OneFootball)
Dieses Spiel hat kein anderes Ergebnis als ein 0:0 verdient. Borussia Mönchengladbach hat fußballerisch fast die gesamten 90 Minuten lang offensiv nichts angeboten außer lange Bälle auf den eigenen Mittelstürmer. Und der FC St. Pauli? Hat viel versucht, hatte viel Ballbesitz, hat aber erneut große Probleme offenbart, sich Torchancen zu erspielen. So gewann am Freitagabend das spielerisch zwar deutlich limitiertere Team, das dann aber seine Chancen nutzte.
Auf die Ausfälle von Manos Saliakas und James Sands reagierte der FC St. Pauli erwartungsgemäß mit der Hereinnahme von Adam Dźwigała und Lars Ritzka. Dźwigała spielte rechts in der Innenverteidigung, Hauke Wahl besetzte die zentrale Innenverteidiger-Position, Eric Smith rückte vor ins defensive Mittelfeld. Die freie Saliakas-Position nahm Arek Pyrka ein, der von der linken auf die rechte Außenbahn rückte, Ritzka spielte auf der linken Schienenposition. Ebenfalls erwartet werden konnte die Kader-Rückkehr von Matti Rasmussen, David Nemeth und Andréas Hountondji. Letztgenannter feierte sogar noch sein Comeback auf dem Rasen, blieb aber, wie auch alle anderen FCSP-Spieler, offensiv blass.
Eine Überraschung gab es aufseiten von Borussia Mönchengladbach, denn Franck Honorat stand nicht in der Startelf. Stattdessen begannen die Fohlen mit dem Duo Hugo Bolin und Wael Mohya auf den offensiven Außenbahnen. Zudem kehrte Yannik Engelhardt nach Gelbsperre zurück in die Startelf, ersetzte dort den Rot-gesperrten Rocco Reitz. Mönchengladbach agierte in einem asymmetrischen 3-4-2-1, der FC St. Pauli im gewohnten 5-2-3.

Aufstellung bei der Partie Borussia Mönchengladbach – FC St. Pauli
BMG: Nicolas – Sander, Elvedi, Diks – Scally, Engelhardt, Stöger, Castrop – Mohya, Bolin – Tabaković
FCSP: Vasilj – Pyrka, Dźwigała, Wahl, Andō, Ritzka – Smith, Irvine – Fujita, Sinani, Pereira Lage
In den ersten 15-20 Minuten der Partie konnten Ansätze des Vorhabens von Borussia Mönchengladbach bei Ballbesitz beobachtet werden. Das Spiel der Fohlen war gewohnt asymmetrisch: Auf der rechten Seite schob Scally weit mit nach vorne, sodass Mohya in den offensiven rechten Halbraum auswich. Auf der linken Seite sah man diese Bewegungen nicht vom Außenverteidiger, der stattdessen etwas tiefer blieb, sodass Bolin den „Außenposten“ des Gladbacher Spiels markierte. Gefahr erzeugte das Team von Eugen Polanski aus diesen Situationen des geordneten und flachen Spielaufbaus nicht. Es ist mehr eine Chronisten-Pflicht, dass kurz beschrieben wird, wie Mönchengladbach sich im flachen Aufbau formierte. Denn nach der Anfangsphase war davon dann schlicht nichts mehr zu sehen.
Für den FC St. Pauli war klar, dass man Borussia Mönchengladbach nicht zu viel Raum schenken darf. Während es in Spielen gegen andere Teams durchaus ratsam ist, sich auch mal tiefer reinzustellen und die gegnerische Angriffswelle im eigenen Drittel ausgleiten zu lassen, ist das Spiel der Fohlen nicht sicher und stabil genug, wenn es Druck vom Gegner gibt. Die nun drei absolvierten Spiele gegen den FC St. Pauli haben gezeigt: Wenn Mönchengladbach aktiv unter Druck gesetzt wird, dann fällt das Vorhaben des kontrollierten, flachen Spielaufbaus wie ein Kartenhaus zusammen.
Genau das machte der FC St. Pauli mit einer Verzögerung von rund 15-20 Minuten, wenngleich es zwei Szenen gab, in denen er dann doch zu passiv agierte (was dann direkt mit je einem Gegentreffer bestraft wurde). „Wir waren in den ersten 15 Minuten nicht gut drin“, erklärte Alexander Blessin entsprechend auch nach Abpfiff, ergänzte dann aber, dass man im Anschluss besser reingefunden habe, aktiver geworden sei. Dieses Mehr an Aktivität äußerte sich ziemlich direkt darin, dass der FC St. Pauli sofort das Heft des Handelns übernehmen konnte – und in Form der Großchance durch Fujita in der 27. Minute durchaus in Führung hätte gehen können. Doch Fujita entschied sich dazu, die scharfe Hereingabe von Ritzka mit dem rechten Fuß auf das Tor zu bringen, der linke wäre vermutlich die bessere Wahl gewesen. Das diese Szene dann aber die einzig wirklich nennenswerte Chance des FCSP im gesamten Spiel gewesen ist, ist leider eine Wahrheit, der man sich stellen muss.
Das Gladbacher Offensivspiel lag zum Zeitpunkt der Fujita-Chance eigentlich bereits komplett in Trümmern. Durch die deutlich aktivere Verteidigungsweise des FC St. Pauli (= höheres Anlaufen, mutigeres Vorwärtsverteidigen auf den Außen- und Halbpositionen) brachte das Heimteam nicht viel mehr als lange Bälle zustande. Sagenhafte 42 gab es davon laut FotMob allein in der ersten Hälfte zu sehen, 81 waren es insgesamt. Hohe Bälle auf Stürmer Tabaković waren nach einem Viertel der Spielzeit bis zum Abpfiff das einzige Offensivrezept, das Borussia Mönchengladbach präsentierte. Dass sie mit dieser dürftigen und einfallslosen Vorstellung zu drei Punkten gekommen sind, ist extrem ärgerlich und einzig das „Verdienst“ des FC St. Pauli.
Denn auch wenn es dem Team von Alexander Blessin gelang, nun insgesamt wesentlich aktiver gegen den Ball zu arbeiten, so gab es eben Momente, in denen das nicht der Fall gewesen ist. So zum Beispiel, als Eric Smith rund 25 Meter vor dem eigenen Tor einen Ball ergattern wollte, sich aber nicht versicherte, ob da nicht vielleicht ein Gegenspieler hinter ihm ist. Smith nahm das Bein zu hoch, Mönchengladbach bekam richtigerweise einen Freistoß zugesprochen. Und Kevin Stöger versenkte diesen leider traumhaft im Knick. So kam Borussia Mönchengladbach nach 37 Spielminuten zur Führung und konnte selbst sicher auch keine Argumente dafür finden, warum diese nun verdient gewesen ist. Aus dem Spiel heraus kam Mönchengladbach jedenfalls in den ersten 45 Minuten auf einen xG-Wert von 0,03 (ein Abschluss von Stöger in der 21. Minute). Allen anderen Abschlüssen – und das waren auch nur vier – ging eine Standardsituation voraus. Defensiv hatte der FC St. Pauli also eigentlich alles im Griff. Eigentlich.

Aus objektiver Sicht hatte die Partie zwischen Borussia Mönchengladbach und dem FC St. Pauli nicht wirklich viel zu bieten. Aber dieser Moment, als Stöger einen Freistoß maßgenau in den Knick jagte, war dann schon ein Highlight. Leider.
(Dean Mouhtaropoulos/Getty Images/via OneFootball)
Am Spiel änderte der Treffer leider eine ganze Menge. Denn Mönchengladbach wurde nun gegen den Ball sehr passiv. In der zweiten Halbzeit bekamen die Fohlen gerade noch so mehr als 100 erfolgreiche Pässe zusammen. Der Ballbesitzanteil des Heimteams sank auf unter 30 Prozent. Viel zu passiv also eigentlich, um ein Fußballspiel in der Bundesliga zu gewinnen. Eigentlich.
Die Passivität der Gladbacher wurde aber nicht bestraft. Stattdessen zeigte das Team von Polanski dem FC St. Pauli, wie man mit gegnerischer Passivität umzugehen hat: Mehrfach hatte der FC St. Pauli auf der eigenen linken Seite einen Gladbacher Angriff eigentlich (yay, da ist wieder das „eigentlich“…) bereits unterbunden. Doch die Spieler verpassten es, entscheidend nachzusetzen. Fast schon kitschig offensichtlich wurde diese Passivität dann, als Hauke Wahl einen Ball bereits im Toraus wähnte (und auch Andō die Abwehrarbeit bereits einstellte), Gladbachs Scally dieses kollektive Abschalten aber für einen Rückpass auf Honorat nutzte. Der kurz zuvor eingewechselte Offensivspieler brachte zwar nicht mehr als einen halbgaren Abschluss zustande, doch Dźwigała fälschte den Schuss noch entscheidend ab, sodass Vasilj diesen nicht mehr abwehren konnte. Was für ein Scheiß-Tor.
Das 0:2 fiel nach 62 Spielminuten. Im Anschluss wäre eigentlich noch genug Zeit gewesen, um schwache Gladbacher nochmal in Verlegenheit zu bringen. Eigentlich. Doch der FC St. Pauli fand trotz drückender Feldüberlegenheit keine Lösungen im letzten Drittel. Bezeichnend oft ruderten Spieler wie Sinani, Smith oder Fujita rund 30 Meter vor dem Gladbacher Tor mit den Armen, hilflos nach Anspielstationen näher am Gladbacher Tor suchend. Die Fohlen mögen sich dafür feiern, dass sie stabil standen im zweiten Abschnitt. Der FC St. Pauli brachte aber auch das Kunststück fertig, diese klare Feldüberlegenheit nicht zu nutzen. Er schaffte es in fast schon bemitleidenswerter Weise, eine Art Handballspiel ohne Torabschlüsse zu erzeugen.
Auch die Einwechslungen, unter anderem kamen Kaars und Hountondji nach 67 Minuten in die Partie, änderten nichts am Offensivspiel des FC St. Pauli. Das Team agierte im letzten Drittel weiter völlig einfallslos, lief sich immer und immer wieder fest. Der FCSP hatte zwar eigentlich sogar die Räume direkt vor dem Gladbacher Strafraum unter Kontrolle, doch das Spiel war viel zu statisch. Es fehlte an Abstimmung, Ideen und Mut, um sich zwingende Torchancen zu erspielen. 64 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 254 erfolgreiche Pässe in der Gladbacher Hälfte, 19 Ballkontakte im Fohlen-Strafraum – das sind eigentlich Zahlen, die klar für Torgefahr sprechen. Eigentlich. Es sprangen aber nur drei Abschlüsse heraus (xG: 0,18). Keiner davon gefährlich, nicht einer auf das Tor von Mönchengladbach (natürlich kam auch Irvine wieder zu seiner Chance, die durfte nicht fehlen – leider genauso wenig, wie die Tatsache, dass dieser Abschluss nicht einmal den Weg in Richtung gegnerisches Tor findet).Puuh, das ist wirklich dürftig gewesen, vor allem, da Borussia Mönchengladbach bisher die drittmeisten Schüsse aller Bundesligateams zugelassen hat. Der FC St. Pauli hat leider eindrucksvoll bewiesen, warum er nach der Anzahl an Treffern und den xG-Werten die schwächste Offensive der Bundesliga stellt.
Umso ärgerlicher ist es, dass es an diesem Freitagabend nicht gelang, zumindest die Null zu halten, so wie es gegen Frankfurt gelang. Wobei: Während das 0:0 gegen Frankfurt noch als Erfolg zu werten ist, weil man eine Partie dann einfach torlos beendet, wenn vorne der Ball einfach nicht den Weg ins Tor finden mag, so ist es gegen einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf genau das eben nicht. Da war viel mehr drin für den FC St. Pauli als ein 0:0. Aber nichtmal das gab es. Diese Partie hat nicht Borussia Mönchengladbach gewonnen, der FC St. Pauli hat sie verloren.Das tut weh und frustriert, aber das muss es auch, denn für so eine Leistung wird es in den verbliebenen acht Partien für den FCSP vermutlich genauso viele Punkte geben wie Tore in Mönchengladbach.
Das Gute ist, dass der FC St. Pauli seit der Winterpause bereits mehrfach gezeigt hat, dass es ihm gelingt, solche Spiele schnell aus den Kleidern zu schütteln. Spiele, in denen nichts geht für den FCSP, das kennen wir schon aus dieser Saison. Sind scheiße, aber gehören leider aktuell dazu. Aber wir kennen eben auch die Reaktion darauf: Auf das enttäuschende 0:0 im Derby folgte der überzeugende Punktgewinn gegen Leipzig. Auf das 0:3 im Pokal folgte das 2:1 gegen Stuttgart. Auf das 0:4 in Leverkusen das 2:1 gegen Werder. Nun wird dann eben der SC Freiburg kommenden Sonntag erfahren, wie es ist, gegen einen angefressenen FC St. Pauli spielen zu müssen. Allerdings muss sich bis dahin dringend etwas tun, um der eigenen Offensive wieder mehr Power zu verleihen.
Immer weiter vor!// Tim
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