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·13 maggio 2026

Brasilien Trainer Carlo Ancelotti zu Neymar & den WM-Chancen Brasiliens

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Carlo Ancelotti geht mit Brasilien in die heiße Phase vor der WM und hat die Kaderfragen nach eigenen Worten fast komplett sortiert. Offen bleibt vor allem, ob Neymar nach seiner langen Verletzungspause noch einmal eine Rolle spielt. Gleichzeitig verteidigt der 66-Jährige seine Arbeitsweise bei Real Madrid und weist den Mythos zurück, die Stars dort spielten einfach nach Belieben. Bei der Fußball WM 2026 spielt Brasilien in der WM Gruppe C gegen Marokko, Haiti und Schottland.

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Der Trainer der brasilianischen Fußballnationalmannschaft, der Italiener Carlo Ancelotti, spricht während einer Pressekonferenz in Guayaquil, Ecuador, am 4. Juni 2025, am Vorabend des Qualifikationsspiels zur FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in Südamerika gegen Ecuador. (Foto: Rodrigo BUENDIA / AFP)


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Brasilien zwischen Neymar-Frage und WM-Plan

Ein Monat vor der Weltmeisterschaft wirkt Ancelotti, wie so oft, bemerkenswert gelassen. Der Brasilien-Coach kennt inzwischen alle Machtzentren des Fußballs aus nächster Nähe und hat für Clubs wie Milan, Chelsea, Paris Saint-Germain, Napoli und Real Madrid unter Silvio Berlusconi, Roman Abramovich, dem Emir von Katar, Aurelio De Laurentiis und zweimal Florentino Perez gearbeitet. Bei den Spielern, die er betreut hat, reicht die Liste der Namen von beiden Ronaldos über Zlatan Ibrahimovic, Karim Benzema, Didier Drogba, Zinedine Zidane, Kaka, Gareth Bale und Clarence Seedorf bis zu vielen weiteren.

Für Brasilien war die Verpflichtung dennoch ein Schritt außerhalb der gewohnten Bahnen. Erstmals seit mehr als 60 Jahren arbeitet ein ausländischer Chefcoach für die Seleção. Am Montag will Ancelotti den 26-köpfigen Kader für den Angriff auf Brasiliens ersten WM-Titel seit 2002 bekanntgeben. 24 Plätze seien für ihn bereits klar, sagt er. “Das sind die leichtesten.” Die letzten beiden Entscheidungen seien am schwierigsten, weil die Konkurrenz extrem hoch sei.

Zusammen mit seinem Stab habe er mehr als 70 Brasilianer im Vereinsfußball weltweit beobachtet, zusätzlich Spieler in Brasilien sowie in den führenden Ligen Europas. Der Blick ging auch in die Türkei, nach Russland und Saudi-Arabien. Je näher der Termin rückt, desto weniger gehe es um Leistungsbewertung als um die Hoffnung, dass sich niemand verletzt. “Ich habe wirklich Angst, ich mache mir wirklich Sorgen, wenn ich Spiele anschaue”, sagt er. Bereits verloren hat er das Madrid-Duo Eder Militao und Rodrygo für längere Zeit, außerdem ist Chelsea-Flügelspieler Estevao nach einer schweren Oberschenkelverletzung sehr wahrscheinlich kein Thema.

Die Debatte in Brasilien dreht sich dennoch weiter um Neymar

Der 34-Jährige spielt inzwischen wieder für Santos in der heimischen Liga, hat aber seit seinem Kreuzbandriss im linken Knie im Oktober 2023 mit Form und Fitness zu kämpfen. Ancelotti reagiert auf die Frage nach ihm mit einem halben Lächeln. “Ich habe diese Frage erwartet”, sagt er halb scherzhaft, halb ermüdet. Neymar sei “war und ist” Teil seiner Überlegungen, die Entscheidung falle aber “am Ende der Bewertung”. “Er ist ein großes Talent”, erklärt der Italiener. “Worauf wir bei ihm schauen müssen, ist nicht, ob er den Ball annehmen oder passen kann. Es geht darum, ob sein Zustand gut ist.”

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Carlo Ancelotti präsentiert seinen ersten Kader als Trainer der brasilianischen Nationalmannschaft. Die Confederação Brasileira de Futebol (CBF) nominierte unter anderem die Torhüter Alisson, Bento und Ederson sowie die Angreifer Endrick, Gabriel Martinelli, Igor Thiago und Luiz Henrique.

Warum Ancelotti zu Brasilien ging

Erstmals habe er mit dem Verband schon im Frühjahr 2023 gesprochen, berichtet Ancelotti. Damals sei er aber kurz davor gewesen, seinen Vertrag in Madrid zu verlängern. “Ich habe ihnen gesagt: ‘Wenn ich den Vertrag mit Real Madrid nicht abschließe, kann ich kommen.’ Aber am Ende habe ich mit Real Madrid verlängert.” Erst danach habe der CBF gewartet, ehe er im vergangenen Jahr unterschrieb.

Der Reiz sei offensichtlich gewesen. Ancelotti bringt Ordnung dorthin, wo andere Chaos finden. Genau diese Fähigkeit sucht Brasilien, das auf dem Weg zum Turnier in Nordamerika eine klare Struktur und eine belastbare Hierarchie aufbauen will. Seine Mannschaft habe mit Blick auf die Offensive reichlich Qualität, betont er, doch der Kader sei nicht in allen Bereichen lückenlos besetzt. Zu den Angreifern und Offensivkräften zählen Raphinha, Vinicius Junior, Matheus Cunha, Joao Pedro, Neymar, Gabriel Martinelli, Endrick, Estevao, Rayan und Igor Thiago.

Über die WM-Chancen bleibt er nüchtern. “Meine Mannschaft ist eine gute Mannschaft”, sagt Ancelotti. “Wir können mit allen konkurrieren. Es gibt andere wirklich starke Teams: Frankreich, Spanien, Argentinien, England, Deutschland und Portugal. Ich habe mir im Laufe dieses Jahres alle Teams angeschaut. Es gibt keine perfekte Mannschaft. Jedes Team hat seine Probleme. Wir haben Probleme. Wir sind nicht auf allen Positionen komplett abgedeckt. Die Mannschaft, die gewinnt, wird nicht perfekt sein. Es wird die Mannschaft sein, die stärker ist und nach Fehlern weitermachen kann.”

Was Ancelotti von seiner Mannschaft verlangt

Für Ancelotti ist der Austausch mit den Spielern kein Zeichen von Schwäche, sondern Kern seiner Methode. “Mit den Spielern über Strategie zu sprechen, war in meiner Karriere sehr wichtig, weil ich viele Ideen von Spielern bekommen habe”, sagt er. Als Beispiel nennt er Andrea Pirlo, dessen Rückversetzung auf die Sechserposition bei Milan auf dessen eigenen Vorschlag zurückgehe. “Er sagte: ‘Coach, probieren Sie mich als defensiven Mittelfeldspieler aus. Ich kann das.’”

Mit Brasilien sieht er sich nun in einer Rolle, die dem Madrider Sonderstatus ähnelt. Die Seleção gewann zwischen 1958 und 2002 fünf von zwölf Männer-Weltmeisterschaften, das gelb-grüne Trikot ist weltweit so unverkennbar wie das makellose Weiß von Real. Sein Sohn Davide, einer seiner Assistenten, bezeichnete die Aufgabe als “das Land zu vertreten, das den Fußball repräsentiert”. Ancelotti selbst nennt Brasilien die “historischste Nationalmannschaft” der Welt und spricht von etwas “Genetischem”, das die Begabung von einer brasilianischen Generation zur nächsten weitergebe.

Brasiliens letzte beiden WM-Titel 1994 und 2002

Doch bei aller Verehrung will er sich nicht von Nostalgie leiten lassen. Er erinnert daran, dass Brasiliens letzte beiden WM-Titel 1994 und 2002 gewonnen wurden. “Jeder erinnert sich, und ich auch, an das Duo Romario und Bebeto 1994 und natürlich an das Trio Ronaldinho, Rivaldo und Ronaldo”, sagt er. “Aber ich vergesse nicht, dass Brasilien 1994 mit zwei Viererketten spielte, mit vier starken Verteidigern und vier starken defensiven Mittelfeldspielern: Mazinho, Dunga, Mauro Silva, Zinho. Alles Mittelfeldspieler. Keine Flügelspieler. Vier Mittelfeldspieler plus großes Talent vorne mit Romario und Bebeto.”

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Brasilien – schon lange kein WEltmeister mehr! AFP PHOTO / EITAN ABRAMOVICH

Auch 2002 habe die Balance den Unterschied gemacht. “Niemand vergisst Ronaldinho, Ronaldo, Rivaldo. Aber ich vergesse nicht, dass Brasilien bei dieser WM zum ersten Mal mit drei Innenverteidigern spielte. Die Kombination aus defensiver Organisation und Talent ist der Schlüssel zum Erfolg, und daran arbeiten wir.” Talent müsse man selbstverständlich bewahren, denn kein anderes Land bringe so zuverlässig außergewöhnliche Begabung hervor. “Aber wir müssen alle anderen Komponenten hinzufügen: guten Geist, Haltung, harte Arbeit, Opferbereitschaft, all diese Dinge. Denn Talent allein kann keine Weltmeisterschaft gewinnen. Die letzte Erinnerung an einen Spieler, der die WM allein gewonnen hat, ist für mich Diego Maradona 1986.” Dann fügt er hinzu: “Aber von 1986 bis 2026 sind es 40 Jahre. Und der Fußball hat sich verändert.”

Nach 34 Jahren als Trainer ist es Ancelottis erste Station als Nationalcoach. Internationale Erfahrung sammelte er zuvor nur als Assistent von Arrigo Sacchi bei Italien, auch beim WM-Finale 1994 im Pasadena Rose Bowl, das die Italiener nach Elfmeterschießen ausgerechnet gegen sein inzwischen adoptiertes Land Brasilien verloren. Damit schließt sich für ihn ein Kreis, denn erstmals seit der US-WM 1994 kehrt er zu einer Weltmeisterschaft in Nordamerika zurück.

Dass Italien, das viermal Weltmeister wurde und dessen Nationalmannschaft er als Spieler bei den Turnieren 1986 und 1990 vertrat, nun zum dritten Mal in Folge fehlt, findet er “unglaublich”. “Es gibt viele Probleme im italienischen Fußball”, sagt er. “Ich hoffe, sie können dieses Problem sehr schnell lösen. Aber jetzt denke ich, dass mehr Italiener Brasilien unterstützen werden.”

Er will die Erwartungen nicht kleinreden, sondern trägt die Last bewusst. “Brasilien will nicht Teil der Weltmeisterschaft sein”, sagt er. “Brasilien will versuchen zu gewinnen. Das ist unsere Verantwortung.”

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