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·24 marzo 2026
Der Fußball im Jahr 2026: Männer, Macht und Machosprüche

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·24 marzo 2026

Macho-Sprüche, Cybermobbing und Rassismus prägen den Fußball. Ein Kommentar fordert Zivilcourage, Kinderschutzbeauftragte und klare Regeln in Vereinen.
Was hat der Kampf von Collien Fernandes gegen digitale Gewalt mit dem Amateurfußball zu tun? Mehr als man(n) denkt, denn Netzkriminalität kann auch beim Sport jederzeit auftreten. Wer ehrlich ist, weiß: Auch im Jahr 2026 riecht es in vielen Kabinen nicht nur nach Schweiß, sondern nach einem überholten Männerbild.
Noch immer wird an den Seitenlinien und auf dem Platz mit Macho-Vokabular geschossen, das nicht mal Kreisklassenniveau hat. „Mädchenhaftes Verhalten“ im Zweikampf, ein „schwuler Pass“ im Spielaufbau oder der Klassiker: Schiedsrichterinnen gleich mal grundsätzlich die Kompetenz absprechen. Es ist notwendig, die toxischen Verhältnisse in männlich dominierten Umfeldern, also fast überall im Fußball, zu bekämpfen.
Alten Rollenbildern widersprechen Fußball wird immer noch vorwiegend als Männerdomäne gesehen. Und solange Männer den Ton angeben, bestimmen sie auch das Klima – Frauenverachtung inklusive. Wer etwas dagegen sagt, gilt schnell als empfindlich oder „woke“. Doch wer meint, Stärke zeige sich im Mitlachen über sexistische Sprüche, sollte mal seine Definition von Stärke überdenken.
Mut zeigt, wer widerspricht. Das ist nicht schwach, oft findet man gar Verbündete. Schwach ist, wer den Mund hält. Noch heikler wird es, wenn Handys ins Spiel kommen. Digitale Gewalt wie Cybermobbing, Bloßstellung, heimliches Filmen – auch Fußballkabinen sind nicht zwangsläufig sichere Zonen.
Eine aktuelle Studie zeigt: Jeder sechste Schüler erlebt Mobbing im Klassenchat. Warum sollte der Fußball da eine Ausnahme sein? Es ist naiv zu glauben, dass nicht auch dort heimlich Fotos oder Filme erstellt und hinterher verbreitet werden. Ein Problem: Trainerinnen und Trainer sind darauf kaum vorbereitet.
Die meisten kommen nicht aus der Pädagogik, viele wissen schlicht nicht, wie man mit digitaler Gewalt umgeht. Trotz aller sinnvollen Kinderschutz-Siegel des DOSB bleibt der Schutz löchrig. Fortbildungen wären wichtig – aber wer soll sie leisten, wenn Ehrenamtliche ohnehin schon am Anschlag sind?
Ein Tipp: Eltern könnten sich nützlich machen, indem sie vor dem Training die Handys einsammeln, diese vertrauenswürdig verwahren und erst nach dem Verlassen der Kabine wieder an die Spieler zurückgeben. Man kann das gut im Wechsel machen, so wie die Betreuung der Unparteiischen auch.
Wie auch immer: Vereine müssen sich mit der Sache beschäftigen. Denn sie tragen Verantwortung. Spielerinnen und Spieler verbringen oft mehr Zeit mit ihrem Trainer als mit ihren Eltern. Wer diese Nähe ignoriert, verkennt das Risiko.
Es braucht Kinderschutzbeauftragte, klare Regeln (auch für Eltern und Coaches), ernsthafte Auseinandersetzung mit Themen wie Cybermobbing, Gewalt und Diskriminierung. Und ja, auch der Umgang mit rechtsextremen Parolen, Rassismus und anderen Diskriminierungen gehört dazu.
Aktuell postuliert nicht zuletzt der DFB wieder, Politik habe im Fußball nichts verloren. Das ist falsch! Denn das Spielfeld ist an vielen Stellen längst ein Spiegel der Gesellschaft. Vom Frankfurter DFB-Campus bis runter zur Kreisliga gilt: Wegschauen ist keine Option. Nicht bei digitaler Gewalt, nicht bei Diskriminierung, nicht bei der Bedrohung von Menschenrechten und Demokratie!
„Männer, zeigt mehr Zivilcourage!“ Ein Beispiel gefällig? Bei einem Berliner B-Jugendspiel legten die Gastgeber zur Einstimmung in der Kabine Böhse-Onkelz-Musik auf, nach dem Spiel lief der Song „toujours amour“, der in einer brandenburgischen Disco jüngst für Schlagzeilen sorgte: rassistischer Text, 100 Kinder und Jugendliche grölten mit.
Der Ministerpräsident fragte empört, warum erst so spät eingegriffen wurde. Gegenfrage: Wo bleibt das Geld für Prävention? Eine Betreuerin der Gäste-Elf reagierte richtig. Sie meldete die Vorfälle, die Musik war längst nicht das einzig Verwerfliche an diesem Tag.
Neben dem Anstand hat der Heimverein auch das Spiel verloren, denn man war nicht einmal in der Lage, ordnungsgemäße Spielerfotos hochzuladen. Das Sportgericht wird sich zudem mit den rassistischen Äußerungen und Bedrohungen befassen. Man darf auf das Urteil gespannt sein.
Eins steht fest: Der Mut dieser Frau war wichtiger als jedes Tor, sie hat wahrlich Zivilcourage gezeigt. Wäre schön, wenn auch viele Männer diesen Mut aufbrächten – auf und neben dem Platz. Wäre schön, wenn der Kampf gegen Sexismus und Rassismus nicht nur in den Satzungen festgehalten, sondern als Pflicht in den Köpfen abgespeichert würde.
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