OneFootball
Justus Pludra·30 novembre 2025
In partnership with
Yahoo sportsOneFootball
Justus Pludra·30 novembre 2025
Die UEFA hat nach eindrücklichen Protesten (vorerst) eingesehen, dass das mit der Super League doch keine so gute Idee war. In Argentinien ist man da nicht so zimperlich. Dort wurde letzte Woche kurzerhand ein Wettbewerb erfunden und der Sieger auch prompt gekürt. Im Mittelpunkt stehen dabei der Verbandsboss und ein Volksheld.

Nach seinem beispiellosen Siegeszug durch den europäischen Fußball kehrte Ángel Di María im Sommer in seine argentinische Heimat zurück. Seinen Jugendklub Rosario führte der 37-Jährige seitdem auch regelmäßig zu Siegen, nur für den ganz großen Wurf reichte es auch mit dem Weltmeister nicht. Bis der letzte Freitag kam.
Gespielt hatte der Klub aus der drittgrößten Stadt des Landes da zwar nicht, aber unter anderem Di María und sein Trainer Ariel Horan hielten im Hauptquartier des argentinischen Fußballverband (AFA) eine Trophäe in den Händen. Nach 38 Jahren ohne Titel wurde Rosario zum "Champion of the League" gekürt und löste eine Welle der Empörung aus.
Gipfel des Ganzen war dann eine Boykott-Aktion am letzten Sonntag. Im ersten Spiel nach dem "Titelgewinn" von Rosario wurde der Gegner Estudiantes dazu gezwungen, für seine Kontrahenten vor dem Anpfiff Spalier zu stehen. In einem von Klubpräsident und Ex-Weltklasse-Kicker Juan Sebastián Verón orchestrierten Protest drehten sich die Spieler aus La Plata deshalb um. Sie zeigten damit unmissverständlich ihren Unmut über die willkürliche Trophäenvergabe und die forcierte Huldigung.
Schlechte Verlierer waren die "Rattenpiekser" indes allem Anschein nach nicht. Wie unter anderem "The Athletic" berichtete, suchten die Estudiantes-Spieler um Kapitän Santiago Núñez im Spielertunnel den Kontakt zu Di María & Co., gratulierten zur Trophäe und deuteten ihren folgenschweren Boykott an.
Denn der Strippenzieher hinter der bizarren Erfindung, AFA-Präsident Chiqui Tapia, warf anschließend mit Strafen um sich. Die fragwürdige Grundlage dafür wurde der Öffentlichkeit am folgenden Montag präsentiert.
In einer Pressemitteilung, angeblich verfasst im Februar 2025, verbot der Verband unter Androhung von Sanktionen die Widersetzungen gegen zukünftige Ehrenformationen. Blöd nur, dass sich mit ein paar technischen Kniffen das tatsächliche Erstelldatum des Dokuments herausfinden ließ: Samstag, 23. November 2025.
Mit einer weiteren Meldung widersprach der Verband den Recherchen eilig, der Schaden war aber nicht mehr zu korrigieren und sorgte für landesweites Aufsehen. Dabei ist Argentinien, was solche Dinge angeht, nur noch schwer zu schocken.

AFA-Präsident Tapia gelingt seit seiner Amtsübernahme immer wieder das eigentlich unmögliche Kunststück, den längst verworrenen nationalen Fußball noch komplizierter zu machen. Den Modus - und sei es nur der Liga - in seinen Einzelheiten aufzudröseln, würde den inhaltlichen Rahmen hier bei Weitem sprengen. Ein Vorgeschmack: Rosario darf sich "Champion of the League" nennen, weil sie die meisten Punkte sammelten, bevor die Liga in den Playoff-Modus überging, um den Meister zu ermitteln.
Zwei starke Indikatoren für die neue Komplexität unter Tapias Regentschaft sind darüber hinaus die Tatsachen, dass die erste Liga mittlerweile 30 Teams zählt und jetzt neun (!) Pokale jährlich einen Sieger suchen. Verón kritisiert diese Entwicklung schon lange, entsprechend hart wird sein Klub jetzt bestraft.
Alle elf Spieler von Estudiantes, die den Spalier in der letzten Woche verweigerten, sind für die ersten beiden Spiele 2026 gesperrt. Santiago Núñez muss zudem sein Kapitänsamt für drei Monate ablegen. Verón wurde sogar für ein halbes Jahr von allen fußballbezogenen Aktivitäten verbannt.
Was das Ganze soll? Darüber lässt sich nur spekulieren. Nahe liegt allerdings die Vermutung, dass Tapia mit der plötzlich erfundenen Trophäe Volksheld Di María huldigen will. Aus ärmlichen Verhältnissen arbeitete sich der 145-fache Nationalspieler bis zu Real Madrid hoch und hatte unter anderem mit einem eigenen Treffer im Finale maßgeblichen Anteil am argentinischen WM-Titel 2022.
Estudiantes muss derweil versuchen den ganzen Ärger abzuschütteln und sich wieder auf das Sportliche zu konzentrieren. Denn dort steht La Plata im Viertelfinale um die Meisterschaft, weil sie Rosario nach dem Eklat mit 1:0 besiegten. Gegner am heutigen Sonntag? Central Cordoba, ein Klub der Tapia und den von ihm geführten Verband öffentlich unterstützt. Wenn Estudiantes da mal nicht neuer Ärger droht..
📸 Luciano Bisbal - 2025 Getty Images









































