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·30 marzo 2026
Hoeneß redet öffentlich über Kane – und zeigt, wer bei Bayern wirklich die Macht hat

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·30 marzo 2026

Ehrenpräsident Uli Hoeneß lobt Kane öffentlich, nennt einen Marktwert von 250 Millionen Euro und thematisiert eine mögliche Vertragsverlängerung bis 2028.
Uli Hoeneß hat wieder gesprochen. Und wie so oft lohnt es sich, nicht nur zuzuhören, sondern genau hinzuschauen, was zwischen den Zeilen passiert. Der Ehrenpräsident des FC Bayern bewertet Harry Kane öffentlich mit 250 Millionen Euro, schwärmt von dessen Laufwegen unter Vincent Kompany und erzählt von einer Familie, die sich in München „extrem wohlfühlt". Das klingt nach Liebeserklärung. Es ist aber vor allem eins: Kommunikationspolitik durch die Hintertür. Denn Hoeneß bekleidet kein operatives Amt mehr – und führt trotzdem die lauteste Debatte des Frühjahrs.
Die Fakten zunächst: Kane hat seine Ausstiegsklausel nicht gezogen, sein Vertrag läuft bis Sommer 2027. In dieser Saison steht er bei 31 Bundesliga-Toren in 26 Spielen, ligaübergreifend bei 41 Treffern in 35 Einsätzen – ein Tor alle 69 Minuten. Seit seinem Wechsel von Tottenham 2023 hat er 133 Tore in 136 Pflichtspielen erzielt. Es gibt schlicht keinen Stürmer in Europa, der zuverlässiger trifft. Hoeneß' Vergleich mit Alexander Isak, der für 150 Millionen Euro zu Liverpool wechselte, ist daher nicht aus der Luft gegriffen. Die Schlussfolgerung – Kane sei mindestens 250 Millionen wert – ist trotzdem keine Marktanalyse. Sie ist ein Signal. Und zwar eines, das weniger an potenzielle Käufer gerichtet ist als an Kane selbst.
Zur Wahrheit gehört auch: Die Vertragssituation ist komfortabel, aber nicht beruhigend. Ein Jahr Restlaufzeit ab Sommer 2026 wäre für einen Spieler dieser Kategorie ein Druckmittel – nicht für Bayern, sondern für Kanes Berater. Hoeneß weiß das. Sein Hinweis auf den Saudi-Markt – „wenn ein Saudi kommt und das dicke Geld auf den Tisch legt" – ist keine beiläufige Anekdote. Es ist die öffentliche Benennung des einzigen Szenarios, das Bayern wirklich wehtun würde. Dass beide Seiten sich eine Verlängerung bis 2028 vorstellen können, ist bekannt. Dass sie noch nicht vollzogen ist, eben auch.
Die interessantere Frage betrifft aber nicht Kane, sondern Bayern. Sportvorstand Max Eberl führt seit März 2024 die operative Transferpolitik, CEO Jan-Christian Dreesen bestätigte öffentlich, dass Kane die Klausel nicht gezogen hat. Es gibt Strukturen, es gibt Zuständigkeiten. Und dann gibt es Uli Hoeneß, der im kicker-Interview Marktwerte festlegt, taktische Entwicklungen unter Kompany lobt und Kanes Vorbildfunktion für die jungen Spieler hervorhebt. Das ist kein beiläufiges Geplauder eines 74-Jährigen. Das ist ein Mann, der als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender formal über den Dingen steht – und inhaltlich mittendrin agiert. Bayern hat dieses Spannungsfeld nie aufgelöst. Es hat es institutionalisiert.
Die sportliche Grundlage gibt Hoeneß recht: Bayern führt die Bundesliga mit 70 Punkten nach 27 Spieltagen an, neun Punkte vor Dortmund. Kompany hat in seiner ersten Saison die Meisterschaft gewonnen, seinen Vertrag bis 2029 verlängert und steht nun im Champions-League-Viertelfinale gegen Real Madrid. Das 10:2 im Aggregat gegen Atalanta Bergamo war eine Machtdemonstration. Wenn Hoeneß prophezeit, dass Bayern mit jungen, hungrigen Spielern vor einer großen Zukunft steht, spricht die aktuelle Form nicht dagegen.
Und doch bleibt ein Unbehagen. Nicht wegen des Inhalts – sondern wegen der Methode. Vertragsgespräche gehören an den Verhandlungstisch, nicht in den Kicker. Marktwerte gehören in die Kalkulation der Sportdirektion, nicht in die Sonntagsrede des Ehrenpräsidenten. Hoeneß weiß das besser als jeder andere, schließlich hat er diesen Klub über Jahrzehnte geformt. Dass er es trotzdem tut, verrät mehr über die Machtverhältnisse an der Säbener Straße als jedes Organigramm: Bei Bayern entscheiden die Strukturen – aber die Narrative setzt immer noch Uli Hoeneß.









































