Miasanrot
·11 febbraio 2026
Ist Noël Aséko der perfekte Goretzka-Ersatz beim FC Bayern?

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·11 febbraio 2026

Noël Aséko spielt bei Hannover 96 eine starke Saison. Unter Vertrag steht er beim FC Bayern – wo er bald vom Abgang von Leon Goretzka profitieren könnte.
Noël Aséko ist einer der Shootingstars in der 2. Bundesliga. Mit Hannover 96 startet der 20-Jährige durch. Bald auch beim FC Bayern München?
Dort steht der Mittelfeldspieler noch bis 2028 unter Vertrag. Im kommenden Sommer könnte er womöglich eine Chance bekommen, wenn Leon Goretzka den Verein verlässt. Doch ist der gebürtige Berliner wirklich so gut und vor allem schon weit genug?
Miasanrot erklärt, wo seine Stärken liegen, wie er den Münchnern helfen könnte und was er noch verbessern muss, um wirklich eine Chance beim erfolgreichsten Fußballklub Deutschlands zu erhalten.
Aséko kam im Sommer 2022 von Hertha BSC in die bayerische Landeshauptstadt. Der Transfer war ein langes Tauziehen mit den Berlinern. Denn dort hatte das Top-Talent noch einen sehr guten Vertrag. Am Ende sollen die Münchner mindestens eine Million Euro gezahlt haben – eine Wahnsinnssumme für einen damals noch 16-Jährigen.
Am Campus hatte Aséko dann gleich mehrere Probleme. Aus dem Umfeld des Nachwuchsleistungszentrums war damals zu vernehmen, dass er sich mit der Integration in die jeweiligen Mannschaften und seinem Umzug in eine neue Stadt sehr schwer getan haben soll. Hinzu kam später der Aufstieg von Aleksandar Pavlović, der sich so langsam die Aufmerksamkeit der Entscheidungsträger erkämpfte.
Aséko sammelte zwar Minuten, konnte aber nicht richtig auf sich aufmerksam machen. Dazu beigetragen haben zahlreiche Verletzungen, die ihn immer wieder aus dem Rhythmus warfen. Weil ihn seit jungen Jahren bereits viele Scouts verfolgen, hatte er im Winter 2025 schließlich zahlreiche Optionen für einen Wechsel.
Die Entscheidung für Hannover 96 schien ambitioniert zu sein für einen Spieler, der nicht richtig Fuß zu fassen schien. Doch Aséko setzte sich durch, ist mittlerweile einer der Vielspieler des Kaders. 1.606 Minuten absolvierte er bereits (mit Nachspielzeiten) und steht damit vereinsintern auf dem sechsten Rang.
Doch Aséko spielt nicht nur viel, er spielt auch gut und zählt zu den besten Mittelfeldspielern der 2. Bundesliga. Auf gängigen Portalen wird der U-Nationalspieler als defensiver Mittelfeldspieler geführt. Seine Rolle in Hannover ist aber deutlich offensiver. Das erklärt auch seine bisher drei Tore und vier Vorlagen.
Die vielleicht größten Stärken von Aséko liegen in einer für Gegenspieler fiesen Mischung aus Technik, Handlungsschnelligkeit, Spielintelligenz und Physis. Seine Durchsetzungsfähigkeit in der sehr körperlichen zweiten Liga ist bemerkenswert.
Unter allen zentralen Mittelfeldspielern in der 2. Bundesliga hat Aséko laut Wyscout die meisten „Deep Completions“ pro 90 Minuten. Das sind erfolgreiche Pässe oder Flanken in den Raum direkt vor dem gegnerischen Tor – mit einem Radius von 20 Metern.

Via Wyscout
1,4 sind es pro 90 Minuten. Etwa zweieinhalb Pässe spielt er im Schnitt in den gegnerischen Strafraum, etwas mehr als die Hälfte davon kommen an – der zweithöchste Wert unter Sechsern und Achtern sowie eine im Ligavergleich überdurchschnittliche Erfolgsquote.
Aséko spielt in dieser Saison eher wie ein sehr offensiver Achter. Seine Heatmap unterstreicht den hohen Offensivdrang.

Via Wyscout
Seine vielleicht größte Stärke sind kurze Dribblings. Kommt Aséko erstmal in Fahrt, ist er nur schwer vom Ball zu trennen. Wird er angespielt, dreht er meist sofort auf und sucht vertikale Lösungen. Etwas mehr als drei Dribblings pro 90 Minuten sind deutlicher Bestwert unter allen zentralen Mittelfeldspielern der 2. Bundesliga. Seine Erfolgsquote von 60 Prozent ist stark, wenn man bedenkt, wie viel Risiko er dabei teilweise geht. Insgesamt sind es 55 Dribblings.
Miasanrot hat sich jedes einzelne bei Wyscout angesehen. Eigentlich wären bestimmt 20 oder 30 davon es wert, sie gesondert zu analysieren. Doch hier eine kleine Auswahl.
In all seinen Dribblings nutzt Aséko seine körperliche Wucht, aber auch seine feine Ballführung, um den Ball zu behaupten. Im Spiel gegen Kiel war er in der Nähe der Eckfahne mit dem Rücken zum Gegenspieler positioniert, schaffte es aber mit einer Drehung um die eigene Achse, ihn auszuspielen und gefährlich in den Strafraum zu dribbeln.

Generell fällt auf, wie effizient der Leihspieler des FC Bayern Körpertäuschungen und -drehungen einsetzt. Wird er mit dem Rücken zum Gegenspieler angespielt, hat er manchmal eine Drehung drauf, die man so in München früher von Thiago kannte: Den Gegner in die eine Richtung verladen und an der anderen Seite vorbeigehen. So geschehen im Duell mit dem VfL Bochum.

Aséko läuft sich offensiv zwischen den Linien frei und wird von der linken Außenbahn aus angespielt. In seinem Rücken nähert sich ein Gegenspieler. Aséko macht einen kurzen Schulterblick, ahnt, dass der Bochumer eher die offene Schnittstelle absichern wird und geht außen vorbei. Anschließend hat er eine sehr gute Schussposition, wenngleich keine Top-Chance daraus entsteht. Der VfL bekommt die Situation noch verteidigt.
Die Kieler hingegen konnten einen hervorragenden Assist des 20-Jährigen nicht mehr verteidigen – obwohl sie in Überzahl waren. Auf dem rechten Flügel war Aséko wieder mit dem Rücken zu seinen Gegenspielern positioniert und schaffte es mit einer eleganten Drehung und guter Vororientierung dennoch, zwischen beiden in den Strafraum zu kommen.

Dort spielte er dann einen sehenswerten Pass vor das Tor, der mit dem Treffer belohnt wurde. Aséko spielt mutig, will immer einen Raumgewinn erzeugen und scheut dabei keine anspruchsvollen Pässe oder Dribblings. In einer Szene gegen den 1. FC Nürnberg zeigte er innerhalb von wenigen Sekunden seine ganze Power in der Vorwärtsbewegung.

Zunächst wird er in der eigenen Hälfte angespielt. Schulterblick, aufdrehen, Pass nach außen. Andere Sechser würden ihren Job im Aufbau jetzt als erledigt sehen. Doch Aséko zieht zum intensiven Lauf an, geht an seinem Gegenspieler ohne Ball vorbei. Derweil kombiniert Hannover von außen diagonal in die Spitze und von dort wird auf den durchstartenden Aséko klatschen gelassen. Mit nun viel Raum probiert der ehemalige Herthaner es mit einem Dribbling, trennt sich aber etwas zu spät vom Ball.
Dennoch eine herausragende Aktion mit Feinschliffpotenzial am Ende. Ein Feinschliffpotenzial, das im Moment noch typisch für ihn ist. Denn Aséko hat bei allem Talent, das er in solchen Situationen zeigt, noch eine große Streuung in seinem Spiel. Von fast 60 Aktionen pro 90 Minuten gelingen ihm nur 56 Prozent. Ein Weltklasse-Mittelfeldspieler wie Joshua Kimmich kommt hier auf 84 Prozent, Aleksandar Pavlović steht bei etwas mehr als 85 Prozent.
Teamkollege Enzo Leopold hat im Mittelfeld von Hannover 78 Aktionen pro 90 Minuten und kommt auf eine Erfolgsquote von 80 Prozent. Asékos Risikobereitschaft bringt dem Team oft wichtige Raumgewinne und er kann mit Dribblings und Geniestreichen Spiele entscheiden. Gegen Magdeburg verursachte er damit aber auch ein Gegentor.

In diesem Fall hatte Aséko eine schlechte Vororientierung. Bevor er den Ball vom Torhüter bekommt, macht er nur einen einzigen Schulterblick zu seiner rechten Seite, unterschätzt aber, dass in seinem Rücken noch zwei weitere Magdeburger stehen. Er dreht auf, statt den Ball klatschen zu lassen und versucht das Dribbling. Dabei verliert er den Ball und der FCM trifft.
Gegen Elversberg gab es eine ähnliche Szene, als Aséko mit dem Kopf durch die Wand wollte, statt sich rechtzeitig vom Ball zu trennen. Diesmal wurde der Ballverlust aber nicht bestraft.

Gerade im Spielaufbau muss er besser abwägen, wann das Aufdrehen und ein anschließendes Dribbling okay sind und wann das Risiko zu groß ist, einen gefährlichen Ballverlust zu provozieren. Asékos Mut zeichnet ihn aus und hat Hannover bereits mehr Freude als Leiden bereitet. Und doch liegt hier noch Entwicklungspotenzial, wenn es um die entsprechende Vororientierung und die Entscheidungsfindung geht.
Aséko ist aber auch erst 20 Jahre jung und spielt erstmals konstant auf diesem Niveau. Seine Lernkurve ist extrem steil und solche Momente werden ihm voraussichtlich dabei helfen, weitere Schritte nach vorn zu gehen.
Dass er in Hannover offensiver eingesetzt wird, dürfte auch daran liegen, dass er seine Stärken dort besser einbringen kann. Defensiv fehlt es ihm oft noch an jener Handlungsschnelligkeit, die ihn mit Ball auszeichnet. Ein Beispiel:

Gegen Magdeburg erkennt Aséko rechtzeitig, dass sein Gegenspieler dem ballführenden Spieler entgegengehen will. Der Blick ist klar zu erkennen. Trotzdem unterschätzt er die Situation und läuft nur etwas intensiver hinterher, statt direkt in den Sprint zu gehen. Als der Magdeburger angespielt wird, kommt Aséko nur gerade so in den Zweikampf, muss wegen seines Abstands aber volles Risiko gehen.
Dabei fälscht er den Ball zwar auf den Flügel ab, verschafft sich aber einen Raumnachteil gegen seinen Gegenspieler, der wiederum in die Tiefe läuft. Denn der Ball bleibt in Magdeburger Ballbesitz.

Aséko hat nun mindestens einen Meter Rückstand auf den Magdeburger, der frei in den Strafraum eindringen kann. Glück für Aséko, dass der Pass in die Tiefe misslingt. Es gibt auch viele Szenen, in denen der Bayern-Leihspieler gute, robuste und aggressive Zweikämpfe führt und vor allem in der Situation bleibt.
Dennoch sind Momente wie der gegen Magdeburg keine Seltenheit. Dass er es grundsätzlich in manchen Situationen besser macht als in anderen, bedeutet jedoch, dass Entwicklungspotenzial da ist. Selbiges gilt für seine Dribblings und Pässe.
Will er es beim FC Bayern eines Tages schaffen, wird er sich in beiden Bereichen verbessern müssen. Vor allem aber muss Aséko an seiner Präsenz arbeiten. Nicht in den Aktionen, die er hat, sondern generell. Fast 26 Pässe pro 90 Minuten sind zu wenig für einen Achter. Auch die knapp 60 Aktionen pro 90 Minuten sind im Vergleich zu Mitspielern und anderen Spielern aus der 2. Bundesliga eher mager.
Mit Asékos Aktionen lassen sich lange Highlightclips produzieren, die auf YouTube vermutlich durch die Decke gehen würden. Und doch taucht er über die 90 Minuten gesehen noch etwas zu häufig ab. Zumal Hannover in der Regel viel Ballbesitz hat. Hier liegt vielleicht das größte Fragezeichen bei einer möglichen Rückkehr: Kann Aséko im dominanten System von Vincent Kompany präziser und präsenter werden?
Für ihn spricht, dass er keine Angst zu haben scheint. Wer so mutig spielt, kann mit entsprechender taktischer Rolle auch quantitativ noch zulegen. Fokussiert man sich mehr auf die Stärken des Spielers, bringt er zudem ein interessantes Profil mit. Als offensiver Achter könnte er die Lücke füllen, die Goretzka im Sommer hinterlassen wird.
Aséko kann viel Dynamik in statische Situationen bringen und mit Läufen und Dribblings Gegenspieler auf sich ziehen – was wiederum mehr Raum für die Offensivspieler bedeutet. Eine Qualität, die im Bayernkader durchaus interessant wäre.
Bei aller Freude, die man in München über seine Entwicklung haben wird, ist jedoch unklar, ob im Mittelfeld Platz für einen weiteren sehr jungen und noch sehr rohen Spieler ist. Aséko muss noch viele Entwicklungsschritte gehen und vor allem konstanter in seiner Entscheidungsfindung werden. Schafft er das, ist er gewiss ein hochinteressanter Spieler für viele Topklubs.
Die Bayern sind mit Joshua Kimmich, Aleksandar Pavlović und Tom Bischof bereits hervorragend im Zentrum aufgestellt. Es wird im Sommer eher darum gehen, wer als Ergänzung dazu taugt. Sollten die Bayern bereit sein, einem jungen Spieler aus der eigenen Jugend Fehler und Entwicklungszeit zuzugestehen, könnte Aséko eine interessante und gute Wahl sein.
Treffen sie eher die Entscheidung, auf Erfahrung zu setzen, weil Pavlović und Bischof bereits sehr junge Spieler sind und sie eher Beständigkeit wollen statt eine potenzielle Wundertüte, wird man mit Aséko einen anderen Plan ausarbeiten müssen. Laut Abendzeitung sollen die Bayern aber bereit sein, ihm den vierten Kaderplatz im Mittelfeld zu geben.
Es wird erwartet, dass Hannover 96 die Kaufoption von einer Million Euro zieht und die Bayern ihn dann mit 1,4 Millionen Euro Verlust per Rückkaufklausel direkt zurückholen. Angesichts der Entwicklung im letzten Jahr wäre das so oder so eine gute Entscheidung – und das Geld ist vor dem Hintergrund der erfolgreichen Leihe gut investiert.
Selbst wenn Aséko am Ende doch nicht den vierten Kaderplatz erhalten sollte, wird man entweder einen weiteren Leihklub für ihn finden oder viel Geld mit ihm verdienen. Denn Spieler mit seinem Profil sind in Europas Topligen gefragt. Dribbelstarke Mittelfeldspieler, die ein gutes Passspiel und viel Physis mitbringen, sind extrem wichtig, um gegnerisches Pressing aufzulösen.
Der bisherige Saisonverlauf mit Lennart Karl zeigt, dass es sinnvoll sein kann, den einen oder anderen Kaderplatz an junge Talente zu geben. Aséko hat bei Hannover auf jeden Fall gezeigt, welch großes Talent in ihm steckt.








































