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·24 luglio 2026
Jürgen Klopp offiziell Bundestrainer: „Ich werde alles reinlegen“ – alle Aussagen der PK

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Jürgen Klopp ist Bundestrainer. Am Freitag, 24. Juli 2026, stellte der DFB den 59-Jährigen am Frankfurter Campus als 13. Bundestrainer der Verbandsgeschichte vor, sein Vertrag läuft bis 2030. In 67 Minuten Pressekonferenz lieferte er eine Ruck-Rede, eine unmissverständliche Warnung an die Medien und erste Hinweise auf seine Spielidee. Sein Amt tritt Klopp am 15. August an, sein Debüt gibt er am 24. September beim Nations-League-Auftakt in Amsterdam.

Jürgen Klopp strahlt bei seiner Vorstellung als neuer Bundestrainer auf der Pressekonferenz am DFB-Campus in Frankfurt am Main am 24. Juli 2026. (Copyright AFP/John MacDougall)
Um 8.42 Uhr traf Jürgen Klopp am Campus ein, ab 9.00 Uhr nickten die Verbandsgremien die Personalie einstimmig ab, danach zeigte der mächtigste Bundestrainer seit Franz Beckenbauer sein berühmtes Zahnpastalächeln. „Es ist eine große Ehre, hier zu sitzen. Die Nationalmannschaft kann uns Deutsche verbinden wie kaum etwas anderes. Genau das macht diese Aufgabe für mich so besonders“, sagte der neue Bundestrainer, flankiert von DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Vizepräsident Hans-Joachim Watzke. 14 Kameras zeichneten auf, das ZDF fragte in einer Sondersendung: „Rettet Klopp Fußball-Deutschland?“
Er gehe die Aufgabe „mit Demut und Geduld“ an, sagte Klopp, mit einem klaren Ziel: „Eine Mannschaft zu entwickeln, die füreinander kämpft, die Freude am Fußball hat und hinter der sich die Menschen in unserem Land mit voller Überzeugung versammeln können.“ Mitten in seiner teils bockig-grimmigen Ruck-Rede senkte der Mainzer Aufstiegsheld und Meistermacher von Dortmund und Liverpool dann die Lider und begann zu träumen: „Wenn ich ein paar Sekunden die Augen zumache und mir vorstelle, Deutschland wird in vier Jahren Weltmeister, am nächsten Tag wäre der Nachbar nicht mehr so ein Arschloch, das Wetter nicht mehr so schlecht und Friedrich Merz würde nicht mehr alles schlecht machen, obwohl er versucht, es richtig zu machen.“
„Ich habe dreimal erlebt, wie Fußball eine Stadt verändern kann“, sagte Klopp, „ich bin überzeugt, dass er auch ein Land verändern kann.“ Zum Gehalt, kolportiert werden mehr als sieben Millionen Euro pro Jahr, sagte er nur: „Ich werde sehr gut bezahlt.“ Den Job mache er trotzdem nicht für sich: „Ich werde alles da reinlegen, was mir zur Verfügung steht. Wir müssen jeden Stein umdrehen!“ Bundestrainer allein reiche nicht, er wolle „tief rein in die Strukturen“.
Eine klassische Ablöse floss nicht. „In Anerkennung dessen, dass die Freigabe hier so unkompliziert und unbürokratisch erfolgt ist“, so Neuendorf, habe sich der DFB zu zwei Dingen bereit erklärt: einer Zuwendung von einer Million Euro an die Red-Bull-nahe Stiftung „Wings for Life“ sowie drei Länderspielen der A-Nationalmannschaft in Leipzig bis zur WM 2030. Klopp stand bei Red Bull als „Head of Global Soccer“ unter Vertrag. Der Dank des DFB-Präsidenten ging an Red-Bull-Boss Oliver Mintzlaff, Watzke räumte ein, alles sei „relativ kompliziert“ gewesen. Klopp selbst sagte, man habe die Verträge „vernünftig aufgelöst, das ist uns gelungen“. Die Details stehen in unserem Bericht Keine Ablösesumme, aber DFB-Millionenspende.
Für die größte Aufregung sorgte eine Ansage in Richtung der Journalisten. „Wenn ihr euch danebenbenehmt und meine Familie nicht in Ruhe lasst, bin ich weg, um es klar zu sagen“, betonte Klopp. „Wenn ihr morgen sagt, der ist scheiße, bin ich weg! Wenn der DFB sagt, so machen wir nicht weiter, bin ich weg!“ Gleichzeitig warb er um Unterstützung: „Ich mache das nicht gegen euch, sondern für euch. Auf diesem Weg, den wir im Idealfall alle gemeinsam einschlagen, werden wir euch auch brauchen. Ich lade euch ein, ich habe Bock. Es geht nur um die Sache.“ Bei „doofen Fragen“ werde er sicher auch mal bissig antworten.
Seinem Vorgänger gratulierte Klopp nachträglich zum 39. Geburtstag und schob eine Spitze hinterher: „Ich mache den Job, obwohl ich mitbekommen habe, wie ihr mit Julian umgegangen seid.“ Bei ähnlichen Angriffen schmeiße er hin, „ohne Abfindung“. Und noch eine Klarstellung gab es: „Wer Jürgen will, bekommt Jürgen. Ich habe Lust auf die Nummer.“
Klopps erster Auftritt wurde weit über Deutschland hinaus verfolgt. In der Schweiz und in Österreich tickerten mehrere Medien die PK live, der Tagesanzeiger titelte: „Klopp giftelt gegen allfällige Nörgler.“ Die englische Daily Mail erinnerte während des Auftritts der „Liverpool-Legende“ an die Debatte um Julian Nagelsmann und dessen Ehefrau im Teamcamp in Winston-Salem. Die BBC fragte: „Messias oder bloße Kosmetik? Klopp muss beim Umbau in Deutschland die Zweifler überzeugen.“ Der deutsche Fußball sei nach dem WM-Aus gegen Paraguay in eine „tiefgreifende Identitätskrise“ gerutscht. Und die spanische Marca schrieb, Klopps Fähigkeit, konkurrenzfähige Mannschaften aufzubauen, sei „die große Hoffnung eines Deutschlands, das daran arbeitet, verlorengegangenes Prestige zurückzugewinnen“.

Jürgen Klopp erläutert bei seiner Vorstellung als 13. Bundestrainer seine Pläne für die deutsche Nationalmannschaft. Die Pressekonferenz dauerte 67 Minuten. (Copyright AFP/John MacDougall)
Wie der Fußball ab dem 24. September aussehen soll, skizzierte Klopp zumindest in Umrissen. „Gegenpressing wird eine Rolle spielen“, sagte der Erfinder des sogenannten Heavy-Metal-Fußballs, er wolle „mutig bleiben“. Geplant sind eine Viererkette und echte Flügelspieler, dazu „definitiv ein Rechtsverteidiger“, eine deutliche Anspielung auf die unglückliche WM-Rolle von Kapitän Joshua Kimmich. 57 Feldspieler stehen derzeit auf seiner Liste. „Spielen wird, wer gut ist, Riesenbock hat und noch besser wird, wenn er das Trikot an hat.“ Seine Elf solle begeistern und ein „Wow-Gefühl“ hinterlassen.
Vor überzogenen Erwartungen warnte Klopp trotzdem. Ein „logischer Kandidat“ für Titel sei die Nationalmannschaft nach dem dritten WM-Desaster in Serie nicht mehr: „Sind wir so gut wie Frankreich? Nein! Haben wir Spieler wie Frankreich? Nein! Aber schlagen können wir sie trotzdem.“ Der Weg dorthin führe nicht darüber, wie Franzosen, Spanier, Engländer oder Argentinier spielen zu wollen, sondern wieder wie „wir“. Auch Vergleiche mit dem neuen Weltmeister Spanien wies er als verfrüht zurück, seine Mission brauche Zeit.
Orientieren will sich der 13. Bundestrainer „an den erfolgreichsten“ Vorgängern, „die Mannschaften entwickelt und sich am Ende den verdienten Lohn abgeholt haben“. Wie Weltmeister-Trainer Helmut Schön wohne er in Wiesbaden, erzählte Klopp. Franz Beckenbauer, Weltmeister-Teamchef von 1990, „habe ich geliebt für alles, was er gemacht hat“. Und auch Rudi Völler, in der ersten Reihe sitzender Zuhörer, „darf ich nennen“. Eine Einordnung, wo Klopp in der Reihe der DFB-Trainer steht, liefern die Zahlen und Rekorde aller 13 Bundestrainer.

DFB-Präsident Bernd Neuendorf, Sportdirektor Rudi Völler, Bundestrainer Jürgen Klopp und DFB-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke (von links) zum Abschluss der Pressekonferenz am DFB-Campus. (Copyright AFP/John MacDougall)
Wie umfassend der Neuaufbau ausfällt, zeigen die weiteren Personalien. Peter Krawietz und Pepijn Lijnders, über Jahre an Klopps Seite in Mainz, Dortmund und Liverpool, werden Co-Trainer, dazu kommt der frühere Nationalspieler Sven Bender. Berater Marc Kosicke gibt für den DFB den Posten als Geschäftsführer seiner Agentur „ProjectFive“ ab und wird „Co-Trainer für Strategie, Entwicklung und Innovation“. „Dass nur ein Cheftrainer kommt, reicht nicht“, sagte Klopp dazu. Sportdirektor Rudi Völler bleibt im Amt, Per Mertesacker übernimmt zum 1. Januar 2027 als Geschäftsführer Sport von Andreas Rettig. Wer künftig alles zum Führungszirkel gehört, haben wir in der Übersicht Das 7-Kopf-Team rund um Jürgen Klopp zusammengestellt.
Die Reaktionen fielen euphorisch aus. „Er war von Anfang an unsere Wunschlösung, da waren wir uns im Verband einig“, sagte Bernd Neuendorf. DFB-Vize Hans-Joachim Watzke ergänzte: „Jürgen ist für mich einer der besten Trainer der Welt. Wir greifen ins höchste Regal.“ Rudi Völler betonte: „Er hat es seit vielen Jahren verdient, diesen Job zu bekommen.“ Rekordnationalspieler Lothar Matthäus verglich Klopp mit Franz Beckenbauer: „Er ist normal und trotzdem ganz besonders.“ Matthias Sammer sieht in ihm „genau den Richtigen“, er stehe „für etwas Physisches und hohes Tempo“. Bayern-Präsident Herbert Hainer nannte Klopp einen „Menschenfänger auf allen Ebenen“. Ilkay Gündogan traut ihm zu, „das ganze Land wieder zu vereinen“, Mario Götze lobt, wie Klopp „Menschen als Gruppe zusammenbringen“ könne. Michael Zorc nennt die Verpflichtung „die einzige und logische Wahl“. Nur Christian Heidel bremst: „Wir haben den Besten! Aber er ist nicht der Messias. Er muss auch die Spieler haben.“
Sportlich geht es sofort um Punkte. In der UEFA Nations League 2026/27 trifft Deutschland in der Liga A, Gruppe 2 auf die Niederlande, Griechenland und Serbien. Klopps Debüt steigt am 24. September in Amsterdam gegen die Niederlande (20:45 Uhr, RTL), das erste Heimspiel folgt am 27. September in Augsburg gegen Griechenland (ARD). Insgesamt stehen bis Mitte November sechs Gruppenspiele an, den kompletten Fahrplan gibt es in unserer Übersicht zu den nächsten DFB-Länderspielen.
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