FC Bayern München
·14 gennaio 2026
Mit Teamgeist & Joker-Power: FC Bayern schreibt Geschichte

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Laut dem Mitarbeiter des Kölner Zoos darf Hennes IX. bei Heimspielen des 1. FC Köln länger bleiben, wenn das Spiel spannend ist. „Heute wird er deswegen wohl schon nach 60 Minuten gehen müssen“, sagte der gut aufgelegte junge Mann vor dem Anpfiff, der den Geißbock vor jedem Spiel des Traditionsclubs zum Stadion fährt. Vor dem Stadion darf das stolze Tier ein bisschen Luft schnappen und Fotos mit den Effzeh-Fans machen. Ob Hennes wirklich vor Schlusspfiff das Stadion verlassen musste, ist nicht überliefert, denn der Zoo-Mitarbeiter war an diesem Tag aus Kölner-Sicht ein bisschen zu pessimistisch: Das Hinrundenfinale zwischen den Kölnern und den Münchnern war lange offen - am Ende setzte sich der FC Bayern dennoch verdient mit 3:1 durch.
Die Kulisse für das letzte Spiel der Hinrunde hätte an diesem Januarabend in der Englischen Woche weit weg von der Allianz Arena fast nicht besser sein können: Ein Großteil der 50.000 Zuschauenden im Stadion in Müngersdorf schmetterte vor dem Anpfiff die FC-Hymne, kurz zuvor war Hennes bereits an der Eckfahne durch einen Spalier und zur Musik der Rocky-Filme aufs Feld stolziert. Alles war angerichtet, damit der FC Bayern einen Allzeit-Rekord brechen konnte, der von den Münchnern selbst in der Saison 2013/2014 aufgestellt wurde: die beste Bundesliga-Hinrunde zu spielen. Letztlich gelang es der Mannschaft von Vincent Kompany, 47 Punkte und 66:13 Tore schaffte noch kein Team nach 17 Spielen.
Außerdem schoss auch noch kein Bundesligist nach der ersten Saisonhälfte so viele Tore, die bisherige Bestmarke stellten die Bayern in der Saison 2021/22 mit 56 Treffern auf. „Es ist ein innerlicher Konflikt mit meiner Mentalität, dass wir schon inmitten der Saison einen Rekord bejubeln. Wir nehmen das mit, ich gratuliere den Jungs. Normal mache ich das nicht, aber dieses Mal habe ich den Jungs gratuliert“, sagte Coach Kompany. Eine historische Halbserie also! Doch lange sah es nicht danach aus, dass der Tabellenführer in der Karnevalshochburg Köln als Sieger vom Platz gehen würde.
Aber der Reihe nach: Es läuft die 41. Minute an diesem überraschend lauen Mittwochabend, da geht ein Urschrei aus zahlreichen Kölner Kehlen wie sonst für gewöhnlich am Rosenmontag durch das Stadionrund. Nach guten Chancen von Said El Mala (2. Minute) und Ragnar Ache (38.) bringt Linton Maina die Kölner gegen den Rekordmeister in Führung. Sein Schuss knallt nach einem Sololauf und einem beherzten Abschluss von Manuel Neuers Fäusten ins Netz. Ekstase unter Flutlicht.
Die Münchner waren zwar die überlege Mannschaft gewesen, streuten aber immer wieder Unkonzentriertheiten und Abspielfehler ein. 7:4 Schüsse und 73 Prozent Ballbesitz sprachen zu diesem Zeitpunkt zwar für die Gäste, 7:7 Flanken und 50 Prozent gewonnene Zweikämpfe auf beiden Seiten jedoch auch für ein ausgeglichenes Kräftemessen. Man hatte ein wenig das Gefühl, das könnte eines dieser Spiele sein, in denen der Wurm drin bleibt, in dem einfache Dinge nicht klappen, obwohl man alles reinwirft. Es könnte die erste Saisonniederlage im deutschen Oberhaus drohen, das Ende der makellosen Serie. Doch nicht mit diesen Bayern. „Sie gehen in Führung, dann kommt hier die Atmosphäre dazu. Wir wussten aber, wenn wir geduldig bleiben und unser Spiel spielen, gehen die Räume irgendwann auf“, analysierte Serge Gnabry.
Da die Kölner direkt nach Anpfiff Pyrotechnik im Fanblock gezündet hatten und eine Spielunterbrechung daraus resultierte, gab es elf Minuten Nachspielzeit in Halbzeit eins. Die Münchner ließen sich nicht beirren und stürmten mit breiter Bayern-Brust Richtung Kölner Tor. Die Bilanz des Rekordmeisters in dieser Saison nach einem 0:1-Rückstand: Zwei Siege, ein Remis. Es war, als würden die Bayern-Spieler bei ihrem Vorwärtsdrang bis auf die Tribüne rufen: Keine Angst, wir schaffen das schon. Der FCB verlor keines seiner vergangenen neun Bundesliga-Spiele, in denen er zwischenzeitlich hinten lag (fünf Siege, vier Unentschieden).
Nach guten Chancen von Serge Gnabry, Hiroki Ito und Michael Olise in Durchgang eins belohnte Gnabry die Bayern mit dem Ausgleich noch vor der Pause (45.+5). Der agile Leon Goretzka, der an diesem Tag Teil eines auffällig starken Mittelfeldduos - bestehend aus ihm und Aleksandar Pavlović - war, spielte Olise per Steckpass frei. Dieser bediente Gnabry, der den Ball in den Lauf mitnahm und aus äußerst spitzem Winkel per Aufsetzer über Effzeh-Keeper Marvin Schwäbe ins Tor traf. Für Gnabry war es bereits sein zwölftes Bundesliga-Tor gegen Köln - gegen keinen anderen Club traf er häufiger.
Michael Olise steht nun bei zehn Assists, keiner ist besser in den Top-Fünf-Ligen Europas in der aktuellen Saison. Zum Vergleich: Seit Beginn der Datenerfassung in der Saison 2004/2005 sammelte nur Vereinslegende Thomas Müller (13) zweimal mehr Vorlagen in einer Bundesliga-Hinrunde als Olise.
„Wir waren selbst dafür verantwortlich, dass es in der ersten Halbzeit nicht so gut lief. Wir haben da etwas unsauber gespielt“, sagte Leon Goretzka nach Schlusspfiff. Nach dem wichtigen Ausgleichstreffer vor der Pause rechneten viele damit, dass die Gäste in Halbzeit zwei schnell weitere Treffer nachlegen würden. Doch Köln blieb weiter bei Kontern gefährlich, etwa nach 56 Minuten: Jakub Kaminski war nach einem weiten Ball frei durch, doch Minjae Kim holte den Kölner im letzten Moment noch ein und klärte in höchster Gefahr. 15 Minuten später sorgte der Südkoreaner auch auf der Gegenseite für ein Highlight. Nach einer sehenswerten Seitenverlagerung von Luis Díaz köpfte Hiroki Ito den Ball von der Grundlinie vors Tor, wo Minjae den Ball zum 2:1 aus Bayern-Sicht einköpfte. „Ich habe mich sehr für Minjae gefreut. Er war der Man of the Match und hat ein überragendes Spiel gemacht“, lobte Abwehrkollege Jonathan Tah.
Kein anderes Team toppt die neun Kopfballtreffer der Münchner in dieser Bundesliga-Saison bisher. Dasselbe gilt für die Serie von 25 Spielen in der ersten Liga mit mindestens zwei Treffern - laufender Bundesliga-Rekord. Doch es sind nicht nur die nackten Zahlen, die für die Formstärke der Bayern sprechen, sondern auch die Zwischentöne. Auch die Rotation läuft reibungslos, Spieler wie Ito oder Minjae kommen neu ins Team und zeigen direkt spielentscheidende Szenen. Für die Entscheidung sorgte dann auch passenderweise ein Einwechselspieler. Auch die zwölf Jokertore der Bayern in der laufenden Saison sind Bundesliga-Spitze.
In der 84. Minute bekam Harry Kane den Ball mit dem Rücken zum Tor weit in der eigenen Hälfte. Dann drehte sich der Engländer einmal um die eigene Achse und spielte einen sensationellen Flugball in den Lauf des umtriebigen Luis Díaz. Der Kolumbianer legte anschließend ein Solo hin und querte Richtung rechten Pfosten, wo er den eingewechselten Lennart Karl bediente. Der 17-Jährige demonstrierte erneut seine Kaltschnäuzigkeit und schloss mit links überlegt ins lange Eck ab - 3:1! Lucho Díaz steht damit bereits bei neun Bundesliga-Vorlagen, der überzeugende Neuzugang war in den vergangenen fünf Bundesliga-Spielen immer jeweils an mindestens einem Tor beteiligt (drei Treffer, fünf Assists). „Wir haben verdient gewonnen. Im Moment schaffen wir es, bei Setbacks wieder ins Spiel zu finden, unserem Spiel treu zu bleiben“, sagte Torschütze Gnabry.
Was bleibt also von diesem Kölner Abend? Der Rekord ist eingetütet, die Bayern scheinen unaufhaltsam und die Vorfreude auf das entscheidende Pflichtspiel-Frühjahr steigt. Und dann wäre da noch Effzeh-Maskottchen Hennes, der nun im Kölner Zoo glücklich über die Kölner Performance sein dürfte, auch wenn sein Team das 1:1 nicht bis zum Ende halten konnte. Die Bayern marschieren dagegen weiter durch die Bundesliga als angriffslustiges Rudel. „Das wird es ein schwieriges Spiel in Leipzig. Wir werden alles geben müssen, um erfolgreich zu sein“, so GOATkeeper Manuel Neuer. Am Samstag geht es zum Topspiel beim Tabellendritten - dann erwartet die Bayern zwar kein Geißbock, dafür aber elf hochmotivierte Rote Bullen.









































