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·30 marzo 2026
Nagelsmanns WM-Plan hat eine Schwachstelle: Es gibt keinen Plan B außer Musiala

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·30 marzo 2026

Musiala kommt nach Verletzung kaum in Tritt – acht Wochen bis zum WM-Start. Wirtz überragte in Basel, doch das offenbart Deutschlands Strukturproblem im Angriff.
Florian Wirtz war an allen vier deutschen Toren beim 4:3 in Basel direkt beteiligt – zwei Tore, zwei Vorlagen. Es war eine dieser Vorstellungen, die man als Einzelleistung feiert und die gleichzeitig ein Unbehagen hinterlässt. Denn so beeindruckend der Abend für Wirtz war, so laut stellte er eine Frage, die Julian Nagelsmann lieber noch nicht beantworten möchte: Was passiert mit dem deutschen Offensivspiel, wenn das geplante Herzstück nur zur Hälfte funktioniert?
Die Fakten sind schnell sortiert. Jamal Musiala, 23 Jahre alt, brach sich im vergangenen Sommer bei der Klub-WM das Schienbein und verrenkte sich den Knöchel. Im Januar feierte er sein Comeback, doch der Rhythmus kam nie wirklich zurück. In der gesamten Bundesliga-Saison stehen acht Einsätze, 301 Minuten, ein Tor. Dann, Anfang März beim 6:1 gegen Atalanta Bergamo in der Champions League, meldete sich das operierte linke Sprunggelenk mit einer Schmerzreaktion zurück. Seitdem kein Mannschaftstraining, kein Länderspiel, nur eine erste individuelle Einheit auf dem Platz vor wenigen Tagen. Nagelsmann selbst sagte es ungewöhnlich deutlich: „Er hat nicht mehr so viel Zeit. Er hat jetzt noch acht Wochen."
Acht Wochen bis zum WM-Start am 11. Juni. Das klingt nach Spielraum – ist es aber nicht. Die WM-Kaderbekanntgabe ist für den 12. Mai terminiert, Ende Mai beginnt die Vorbereitung, am 2. Juni reist der Tross in die USA. Musiala müsste also nicht nur schmerzfrei sein, sondern Wettkampfhärte aufgebaut haben. Bei einem Spieler, der in der gesamten Saison auf elf Pflichtspieleinsätze kommt – drei Tore, zwei Assists – ist das eine gewaltige Wette. Nagelsmann plant sein Duo fest ein, das hat er mehrfach betont. Doch Planen und Verfügen sind zwei verschiedene Dinge.
Wirtz hat in Basel gezeigt, dass er auf höchstem Niveau auch allein entscheidend sein kann. Aber gerade diese Show offenbarte das Strukturproblem: Wenn ein Einzelner an sämtlichen Toren beteiligt sein muss, damit die Offensive funktioniert, ist das kein Zeichen von Stärke – es ist ein Warnsignal. Wirtz selbst klang nach dem Spiel weniger wie ein Solist, der seinen Moment genießt, als wie jemand, der seinen Partner vermisst: „Natürlich kann er uns sehr gut helfen. Deswegen freue ich mich, wenn er bald wieder zurück ist." Auch gegen Ghana am Montag in Stuttgart fehlt Musiala.
Wirtz' eigene Saison bei Liverpool liest sich nicht wie die eines Spielers, der alles im Alleingang reißt. Vier Tore, zwei Assists in über 2.000 Premier-League-Minuten – solide, aber kein Zahlenwerk, das den Über-100-Millionen-Transfer rechtfertigt. Im Nationalmannschaftstrikot aber blüht er auf, gerade wenn er Freiheiten bekommt. Die Frage ist, ob Nagelsmann ein System bauen kann, das diese Freiheiten auch ohne Musialas Gravitationskraft im Zentrum garantiert. Bisher deutet wenig darauf hin.
Die WM in den USA, Mexiko und Kanada soll für Nagelsmann das Turnier werden, mit dem er seinen im Sommer 2024 begonnenen Neuaufbau krönt. Das Fundament steht, der Kader hat Tiefe auf vielen Positionen. Aber im offensiven Herz der Mannschaft gibt es keinen Plan B, der erprobt wäre – nur den Glauben, dass Musiala rechtzeitig zurückkommt. Und Glaube ist eine schöne Sache, nur eben keine Turnierstrategie.









































