Oliver Bierhoff im Interview – „Um auf lange Sicht Erfolg zu haben, musst du einfach Geld haben“ | OneFootball

Oliver Bierhoff im Interview – „Um auf lange Sicht Erfolg zu haben, musst du einfach Geld haben“ | OneFootball

In partnership with

Yahoo sports
Icon: Fussballnationalmannschaft.net

Fussballnationalmannschaft.net

·20 aprile 2026

Oliver Bierhoff im Interview – „Um auf lange Sicht Erfolg zu haben, musst du einfach Geld haben“

Immagine dell'articolo:Oliver Bierhoff im Interview – „Um auf lange Sicht Erfolg zu haben, musst du einfach Geld haben“

Oliver Bierhoff sieht den modernen Fußball längst von Geldströmen und Investoren geprägt. Im Sportschau-Interview betont der frühere Manager der deutschen Nationalmannschaft, dass man für nachhaltigen Erfolg nicht nur Kompetenz, sondern vor allem finanzielle Mittel brauche. Zugleich verweist er auf Ligen und Klubs, die mit kluger Arbeit auch ohne gigantische Budgets konkurrenzfähig bleiben.

Immagine dell'articolo:Oliver Bierhoff im Interview – „Um auf lange Sicht Erfolg zu haben, musst du einfach Geld haben“

Teammanager Oliver Bierhoff bei der Auslosung zum World Cup 2018 im Konstantin Palast in Saint Petersburg am 25.Juli 2015. AFP PHOTO / OLGA MALTSEVA


OneFootball Video


Der 57-Jährige, der heute als Berater bei den New England Patriots aus der US-amerikanischen Football-Liga NFL arbeitet, ordnet die Debatte um Kommerzialisierung und Wettbewerbsfähigkeit im Fußball ein. Dabei nimmt er sowohl die Bundesliga mit ihrer 50+1-Regel als auch den internationalen Markt ins Visier.

„Geld gepaart mit Kompetenz“

Auf die Frage, ob Geld inzwischen der wichtigste Faktor im Fußball sei, antwortete Bierhoff: „Geld gepaart mit Kompetenz. Durch fehlende Kompetenz kann man natürlich auch viel Geld verbrennen.“ Als warnende Beispiele nennt er Manchester United und den FC Chelsea, wo hohe Ausgaben nicht automatisch zu sportlichem Mehrwert geführt hätten. Gleichzeitig zeigt er auf Klubs wie Eintracht Frankfurt oder den SC Freiburg, die auch mit geringeren Mitteln „sehr gute Arbeit“ leisten.

Werde gefragt, ob Vereine ohne entsprechende finanzielle Kraft überhaupt noch Titel gewinnen oder weit im Europapokal kommen könnten, werde die Lage aus seiner Sicht immer schwieriger. „Das ist mittlerweile sehr schwer“, sagt Bierhoff. Im europäischen wie im nationalen Fußball gehe die Schere weiter auseinander, und zwischen Kaderwerten beziehungsweise Ausgaben und den in einer Saison erzielten Punkten sei eine klare Beziehung erkennbar. Seine Einschätzung fällt eindeutig aus: „Ich würde behaupten, um auf lange Sicht einen gewissen Erfolg zu haben, musst du einfach Geld haben.“

Warum die Schere immer weiter auseinandergeht

Dass dieses Ungleichgewicht seit Jahren diskutiert werde, hält Bierhoff nicht für überraschend. Besonders interessant findet er den Vergleich mit dem US-Sport, der in Europa oft als extrem kommerziell wahrgenommen werde. „Man sagt hier aber, es ist kein fairer, kein richtiger Sport, es gibt ja nur geschlossene Ligen“, erklärt er mit Blick auf die amerikanische Struktur.

Gerade die NFL schaffe es jedoch, die Unterschiede zwischen den Klubs klein zu halten, weil sie auf einen fairen und spannenden Wettbewerb setze. Im europäischen Fußball sei das nicht gelungen, „weil es zu viele Spiele auf dem Markt gibt“, so Bierhoff. Hinzu komme, dass sich die Transfer- und Gehaltsentwicklung seit Jahren immer weiter nach oben schraube.

Transferboom, Gehälter und 50+1

Die Entwicklung der Budgets beschreibt Bierhoff mit einem bildhaften Vergleich: Bei Ablösen und Spielergehältern sei es „wie mit Immobilien in Kitzbühel oder in München“. Man denke immer wieder, die Grenze sei erreicht, doch dann werde noch einmal nachgelegt. „Das Geld ist da“, sagt er. Es komme meist aus besonders kapitalstarken Märkten wie England oder auch Saudi-Arabien und übertrage sich auf den Rest des Marktes. Ein Profi, der eigentlich zehn Millionen Euro wert sei, werde durch diese Aufwertung plötzlich mit 20 Millionen bewertet.

Auch die 50+1-Regel in Deutschland, die Investoren keine Mehrheitsübernahme an Vereinen erlaubt, bewertet Bierhoff aus internationaler Perspektive. Auf Top-Niveau werde es ohne Geldgeber schwer, meint er. Investoren könnten schneller und entschlossener handeln und eine klare Strategie umsetzen, während Entscheidungsprozesse in anderen Konstellationen oft komplizierter seien. Gleichzeitig mahnt er zur Vorsicht: Nicht selten handle es sich bei den Geldgebern um erfolgreiche Unternehmer, die glauben, automatisch alles richtig zu machen.

„Wenn Deutschland den Markt aufmachen würde, wird es einen Run auf die Vereine geben“

Was passiere, wenn sich die Bundesliga nicht für Investoren öffne? Bierhoff ist klar: „Ganz einfach: Das Kapital wird woanders hinfließen.“ Er habe mit vielen Investoren gesprochen und sei überzeugt, dass ein geöffneter Markt in Deutschland sofort enormes Interesse auslösen würde. „Wenn Deutschland den Markt irgendwann aufmachen würde, dann wird es einen Run auf die Vereine geben“, sagt er. Das gelte nicht nur für die Bundesliga, sondern reiche bis in die dritte Liga, in der viele Traditionsklubs beheimatet seien. Der Fußball sei wegen seines Live-Erlebnisses und seiner Reichweite eben ein äußerst attraktives Investment.

Auch den Protest gegen Investoren in Deutschland ordnet Bierhoff ein. Er frage sich, ob der deutsche Fußballfan bei diesem Thema zu romantisch denke. Aus seiner Sicht sei das zumindest in der Diskussion oft so, in der Realität aber anders. Er erinnert an seine Zeit bei der Nationalmannschaft, in der er die Kommerzdebatte ebenfalls geführt habe. Sein Argument damals: Der kommerziellste Klub sei Bayern München, denn der Rekordmeister erziele enorme Werbeeinnahmen, habe zahlreiche Sponsoren und bekomme zudem Gelder von FIFA und UEFA.

Gleichzeitig verfüge Bayern über die größte Fanbasis, das Stadion sei stets voll. Sogar Anhänger von Union Berlin stünden in der Champions League stolz vor dem Stadion, sagt Bierhoff – und verweist damit auf den kommerziellsten Wettbewerb Europas. Tradition sei für ihn vor allem ein emotionales Argument, das gerne herangezogen werde, um bestimmte Entwicklungen zu bremsen.

Visualizza l' imprint del creator