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·20 aprile 2026
Rumänien setzt auf den Nationalheiligen Hagi: Nostalgie ersetzt keine ehrliche Analyse

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·20 aprile 2026

Nach dem Tod von Mircea Lucescu verpflichtete Rumänien Gheorghe Hagi als Nationaltrainer. Sein erster Versuch 2001 dauerte nur fünf Monate – nun erhält er einen Fünfjahresvertrag.
Fünf Monate. So lange hielt Gheorghe Hagis erstes Abenteuer als rumänischer Nationaltrainer im Jahr 2001 – vier Spiele, eine verpasste WM-Qualifikation, dann der Rücktritt. Jetzt, 25 Jahre später, bekommt derselbe Mann einen Vertrag bis 2030. Die Botschaft des rumänischen Verbands lautet: Wir glauben an die Legende. Die Realität dahinter: Uns fällt nichts anderes ein.
Man muss den Kontext sehen, um die ganze Dimension dieser Entscheidung zu begreifen. Mircea Lucescu, der älteste Nationaltrainer der Fußballgeschichte, war am 29. März bei einer Taktikbesprechung zusammengebrochen, trat am 3. April zurück, verstarb am 7. April mit 80 Jahren. Ein Mann mit 35 Trophäen, der dritterfolgreichste Trainer der Fußballgeschichte hinter Alex Ferguson und Pep Guardiola. Und der dennoch das Wesentliche nicht geschafft hatte: Rumänien zur WM 2026 zu führen. Die Gruppe wurde auf Rang drei abgeschlossen, das Playoff-Halbfinale gegen die Türkei ging 0:1 verloren. In dieser Situation greift der Verband nicht nach vorne – sondern zurück.
Hagi, inzwischen 61, war zuletzt Vereinstrainer beim rumänischen Erstligisten FCV Farul Constanta, wo er von 2021 bis 2025 arbeitete. Ein respektabler Job, gewiss. Aber der Sprung von einem Erstligaklub zum Nationalteam mit einem Fünfjahresvertrag ist kein kalkuliertes Risiko – es ist ein Vertrauensvorschuss, den nichts in seiner Trainerlaufbahn rechtfertigt. „Ich bin geboren, um zu gewinnen, nicht nur um zu existieren", sagt Hagi bei seiner Vorstellung. Der Satz klingt nach Kinotrailer, nicht nach Trainerkonzept.
Natürlich steckt in der Personalie auch etwas Verführerisches. Der „Maradona der Karpaten", 124 Länderspiele, 35 Tore, drei WM-Endrunden als Spieler – Hagi verkörpert die beste Ära des rumänischen Fußballs. Sein Sohn Ianis, 27 Jahre alt, 53 Länderspiele, gehört zum aktuellen Kader. Die Geschichte schreibt sich fast von selbst. Und genau das ist das Problem: Sie schreibt sich zu leicht. Schöne Erzählungen ersetzen keine Strukturen.
Hagis Ziele – Nations-League-Gewinn, EM-Qualifikation 2028 – sind ambitioniert. Die nächste Bewährungsprobe kommt im September in der Nations League B, Gruppe B4 gegen Polen, Schweden und Bosnien-Herzegowina. Das sind keine Gegner, die sich von einem großen Namen beeindrucken lassen. Und die Nations League C hatte Rumänien unter Lucescu mit sechs Siegen in sechs Spielen bereits gewonnen – eine Liga höher wird die Fallhöhe eine andere sein.
Der rumänische Verband hätte nach dem Tod Lucescus eine ehrliche Analyse gebraucht: Warum reicht es seit 1998 nicht mehr für eine WM-Endrunde? Warum scheitert man im entscheidenden Playoff an der Türkei? Diese Fragen beantwortet kein Name, und sei er noch so groß. Stattdessen inszeniert man eine Rückkehr, die vor allem eines erzeugt – Gefühl. Das reicht für eine Pressekonferenz, aber nicht für einen Turnierfußball, der in zwei Jahren beginnen soll.
Fünf Monate beim ersten Mal, fünf Jahre beim zweiten: Der Vertrag ist länger geworden. Ob der rumänische Fußball in dieser Zeit erwachsener wird, steht auf einem anderen Blatt.









































