GazeteFutbol.de
·8 marzo 2026
Sergen Yalcin rastet aus: „Komödie“ im Derby – auch Kökcü und Destanoglu gehen auf Schiedsrichter los

In partnership with
Yahoo sportsGazeteFutbol.de
·8 marzo 2026

Nach der 0:1-Heimniederlage von Besiktas gegen Galatasaray drehte sich im Tüpras-Stadion fast alles um die Schiedsrichterentscheidungen. Trainer Sergen Yalcin, Kapitän Orkun Kökcü und Torhüter Ersin Destanoglu äußerten sich nach dem Derby ungewöhnlich scharf und griffen vor allem die Linie des Referees und die Arbeit des VAR an. Für Besiktas war der sportliche Schaden durch die Niederlage groß, doch der Ärger über einzelne Szenen war nach dem Abpfiff mindestens ebenso präsent.
Zunächst sprach Sergen Yalcin gegenüber beINSPORTS über das Spiel selbst und den Verlauf der Partie. „Wir sind enttäuscht. Das Ergebnis ist immer wichtig. Die erste Halbzeit war nicht besonders spannend. Osimhen hat ein Tor geschossen. Die zweite Halbzeit wurde sehr einseitig gespielt. Wir hätten es drehen können„, sagte der Besiktas-Trainer. Damit war seine Analyse des Sportlichen aber schnell beendet, denn kurz darauf verlagerte er den Fokus konsequent auf die Entscheidungen des Schiedsrichterteams.
Yalcin formulierte seine Kritik dann in aller Deutlichkeit. „Es gibt Regeln für Fußballspiele. Es gibt Rote und Gelbe Karten. Sie haben einen Schiedsrichter und einen VAR eingesetzt. Sane hätte in der 20. Minute vom Platz gestellt werden müssen. Osimhen musste in der zweiten Hälfte zu 100 Prozent runter. Du stellst El Bilal in Trabzon vom Platz, du erteilst Orkun im Fenerbahce-Spiel einen Platzverweis. Warum haben wir diese Karten gesehen und die Gegner nicht. Warum gelten Regel mal und dann wieder nicht?“ Der Besiktas-Coach ließ erkennen, dass ihn weniger die Niederlage an sich als vielmehr die aus seiner Sicht fehlende Konsequenz bei vergleichbaren Szenen aufbrachte.
Im nächsten Schritt verschärfte Sergen Yalcin seinen Ton sogar noch einmal. „Du schaust in die Position, hebst ständig die Hände, da ist nichts. Ich glaube nicht, dass das normal ist. Wir können dieses Spiel verlieren. Es war so frustierende belustigend für mich. Es ist keine angemessen Arbeit“, sagte der Trainer. Besonders das Wort „Komödie“ blieb hängen, weil Yalcin damit deutlich machte, dass er die Vorgänge nicht bloß als Fehlentscheidungen, sondern als grundsätzlich unverständlichen Umgang mit den Regeln sah.
Auch in seiner weiteren Einordnung blieb der Besiktas-Trainer bei dieser Linie. „Das ist türkischer Fußball. Millionen Euro werden ausgegeben wie in der ganzen Welt. Die Vereine geben sich große Mühe. Morgen haben wir Fenerbahce, Trabzonspor – das sind keine normalen Dinge. Wie man den Kerl nicht mit der zweiten Gelben Karte rauswirft, wie man den Spieler nicht in der 20. Minute rauswirft! Das ist dein Job. Es gibt Regeln. Beim Platzverweis von El Bilal, bei der Roten Karte für Orkun gibt es Regeln, heute gibt es keine Regeln. Das ist Komödie, finde ich„, sagte Yalcin.
Nicht nur der Trainer, auch die Spieler gingen mit sichtbarem Ärger vor die Mikrofone. Orkun Kökcü sprach zwar zunächst über den sportlichen Verlauf und gestand ein, dass Besiktas in der ersten Halbzeit besser hätte starten können. Danach lenkte auch er das Gespräch klar auf das Schiedsrichterthema. „Wir hätten in der ersten Halbzeit besser starten können. In der zweiten Halbzeit waren wir eher bereit. Dann wurden sie zehn Mann. Wir haben die Positionen nicht ausgenutzt. Es passieren immer die gleichen Dinge. Es passiert immer etwas gegen uns. Mehr gibt es nicht zu sagen„, sagte der Mittelfeldspieler.
Gerade dieser Satz zeigte, dass Kokcü die Szene nicht isoliert betrachtete, sondern in einen größeren Zusammenhang stellte. Für ihn wirkte das Derby offenbar wie ein weiterer Abend, an dem sich aus Besiktas-Sicht dasselbe Muster wiederholte.
Am schärfsten nach Yalcin formulierte sich wohl Ersin Destanoglu. Der Besiktas-Torhüter sprach offen aus, dass er seine Worte eigentlich bremsen müsse, um keine zusätzliche Strafe zu riskieren. „Wir haben das Spiel nicht sehr gut begonnen. Wir hatten einen Plan, an dem wir unter der Woche gearbeitet haben. Es gibt eine rote Kartenposition. Sie gehen in Trabzonspor-Spiel zum VAR gegen Fenerbahce ebenfalls, jetzt bei uns reagiert VAR nicht und ruft den Schiedsrichter nicht an den Monitor. Wie kann der VAR nicht reagieren?„, fragte Destanoglu.
Dann wurde er noch deutlicher. „In der zweiten Halbzeit hat Osimhen seine Position. Er wirft den Ball über mich, dreht sich um und geht. Ich möchte keine Strafe bekommen, wenn ich rede. Unglaublich. Ich kann keinen Sinn ergeben. Ich denke, er war dem Spiel einen Schritt voraus„, sagte der Keeper. Damit griff auch Destanoglu die Linie der Spielleitung direkt an und machte keinen Hehl daraus, dass er mehrere Entscheidungen nicht nachvollziehen konnte.
Der Abend endete für Besiktas also doppelt bitter. Auf der einen Seite stand die sportlich schmerzhafte 0:1-Niederlage gegen den großen Rivalen, auf der anderen Seite ein außergewöhnlich scharf formulierter öffentlicher Frust über Schiedsrichter und VAR. Die Wortwahl von Sergen Yalcin, Orkun Kökcü und Ersin Destanoglu zeigt, wie tief der Ärger im Lager der Schwarz-Weißen saß. Für Besiktas bleibt damit nicht nur ein verlorenes Derby, sondern auch eine Debatte, die weit über die neunzig Minuten hinausreichen dürfte.









































