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·31 marzo 2026

Soforthilfen, Perspektivspieler & Problemfälle

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Die Saison neigt sich dem Ende entgegen. Es ist also Zeit, mal auf die Neuzugänge des FC St. Pauli zu schauen. Wer konnte bereits überzeugen, wer nicht und wer hat überrascht?(Titelfoto: Stefan Groenveld)

Mit der Bewertung von Transfers ist das ja immer so eine Sache. Weil nie ganz klar ist, wie der Verein mit Spielern plant und wie der Spieler selbst seinen Weg sieht. Ist es der viel zitierte „Fehleinkauf“, wenn ein Spieler nicht sofort Leistungsträger wird? Oder benötigen manche Dinge einfach mehr Zeit als andere? Ja, würden sicher viele sagen, Spieler in neuen Clubs benötigen Zeit. Das Problem: Im Profifußball ist das mit der Zeit alles nicht so einfach. Denn davon gibt es einfach zu wenig. Zu oft müssen Dinge schnellstmöglich funktionieren, zu selten wird Entwicklungszeit einkalkuliert und eingepreist.


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So ist die Situation auch beim FC St. Pauli. Zeit um die Neuzugänge auf das notwendige Leistungsniveau zu bringen gibt es eigentlich keine. Aber sie muss trotzdem eingeräumt werden. Vor und während der Saison 25/26 wurden insgesamt 13 neue Spieler verpflichtet. Und all diese Spieler hatten eine Sache gemeinsam: Fehlende Bundesligaerfahrung. So ist es wenig verwunderlich, wenn die Neuverpflichtungen im Trikot des FC St. Pauli etwas mehr Zeit zur Entwicklung benötigen. Einige brauchen auch noch länger, bis sie Leistungsträger werden (Danel Sinani ist hier ein gutes Beispiel), andere werden es vielleicht nie beziehungsweise erst woanders. Trotzdem: Nun, knapp neun Monate nachdem der Großteil der Spieler verpflichtet wurde, wollen wir mal schauen und einordnen, wie die einzelnen Neuzugänge des FC St. Pauli mit der Bundesliga und dem neuen Umfeld zurechtkommen.

Simon Spari und Emil Gazdov: Im Team, aber in dritter Reihe

Fangen wir ganz hinten an. Für die dritte Torhüterposition hat der FC St. Pauli in dieser Saison gleich zwei Spieler verpflichtet. Im Sommer kam mit Simon Spari ein Torwart, der zuvor Stammkeeper in der ersten Liga in Österreich gewesen ist. Spari kam in dieser Saison zwölfmal für die U23 zum Einsatz, in der Bundesliga reichte es bisher nicht für einen Kaderplatz und aufgrund seines Syndesmosebandrisses ist fraglich, ob das in dieser Spielzeit noch was wird.

Die Verletzung von Simon Spari hat auch dazu geführt, dass der FC St. Pauli im Winter noch einmal aktiv wurde, um einen weiteren Torhüter zu verpflichten. Emil Gazdov kam aus den USA (war zuletzt nach Kanada verliehen), leihweise für ein halbes Jahr. Er stand bereits kurz nach seiner Ankunft, Mitte Januar, beim Auswärtsspiel gegen den BVB im Bundesligakader. Einsätze in der U23 sind für den Kanadier auch schon einige zusammengekommen, fünfmal stand er bereits in der Regionalliga Nord zwischen den Pfosten. Sein Leihvertrag endet im Juni, der FCSP besitzt aber eine Kaufoption.

Jannik Robatsch: Gefragter Linksfuß, aber keine Option

Richtig interessant fand ich persönlich die Verpflichtung von Jannik Robatsch, der ebenfalls (wie auch Spari) aus Klagenfurt den Weg ans Millerntor fand. Es ist bekannt, dass Alexander Blessin auf der linken Innenverteidiger-Position aufgrund der dadurch vorteilhaften Passwinkel gerne auch einen Linksfuß hat. Da kam vor der Verpflichtung von Robatsch nur Karol Mets infrage, Lars Ritzka spielte diese Position nur aushilfsweise. Nach drei Vierteln der Saison lässt sich festhalten, dass sich daran wenig geändert hat, Robatsch hat bisher noch keine einzige Bundesligaminute sammeln können, obwohl er bereits 17-mal im Ligakader stand.

Dafür sammelt der 21-jährige viele Minuten in der U23. In sieben der letzten zehn Spiele in der Regionalliga Nord stand Jannik Robatsch in der Startelf. Diese Spielpraxis tut dem Linksfuß, dem vom Global Soccer Network Zweitliganiveau attestiert wurde, hoffentlich gut. Er dürfte in der Kaderplanung das Gegenteil von dem verkörpern, was man als Soforthilfe bezeichnen würde. „Wir wollen ihm angesichts seines jungen Alters aber auch die nötige Zeit geben, sich an unsere Spielweise und das Tempo der Bundesliga zu gewöhnen“, erklärte Sportchef Andreas Bornemann im Zuge der Verpflichtung von Robatsch. Er wird dann hoffentlich kommendes Jahr mehr und mehr oder sofort aus dem Schatten von Karol Mets treten.

Tomoya Andō: Kommunikation als einzige Schwäche

Quasi das Gegenteil von Jannik Robatsch verkörpert Tomoya Andō. Der 27-jährige kam im Winter und wurde von Bornemann empfangen mit einer Erwartung: „Wir sind überzeugt davon, dass er auch bei uns direkt eine gute Rolle spielen kann.“ Auch wenn es massiven Nachholbedarf im kommunikativen Bereich gibt, ist er genau dieser Erwartung gerecht geworden. Tomoya Andō ist die zwingend benötigte Soforthilfe und war in zehn von 13 möglichen Einsätzen auch auf dem Platz.

Wie sehr Tomoya Andō dem FC St. Pauli weiterhilft, erklärte nicht nur das Global Soccer Network kurz nach der Verpflichtung, sondern ist auch an den Zahlen ablesbar: Nur vier von 66 Innenverteidigern kommen auf eine bessere Quote bei den direkten Duellen (Offensiv- und Defensiv, sowie Boden- und Luftduelle). Umso bitterer, dass der Verein kurz nach Beginn der Länderspielpause vermeldete, dass sich der 27-jährige eine Verletzung im Adduktorenbereich zugezogen habe. Es ist sehr zu hoffen, dass Andō schnell wieder fit wird, der FCSP braucht ihn dringend.

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Innerhalb kürzester Zeit hat sich Tomoya Andō zu einem echten Leistungsträger beim FC St. Pauli entwickelt. // (c) Stefan Groenveld

Arkadiusz Pyrka: Mehr und mehr Leistungsträger

Etwas mehr Anlauf als Tomoya Andō hat Arek Pyrka benötigt. Ob das aber wirklich ein Fremdeln mit der Bundesliga war oder einfach noch die Auswirkung des ersten Halbjahres 2025, wir werden es wohl nie beantworten können. Zur Erinnerung: Weil Pyrka sich dagegen entschied, seinen Vertrag bei Piast Gliwice vorzeitig zu verlängern, wurde er ab Anfang 2025 vom Spielbetrieb ausgeschlossen, kam also nach einem halben Jahr ohne Spielpraxis zum FC St. Pauli. Und auch ohne jegliche Erwartungen, wie er vor ein paar Wochen in einer Medienrunde erklärte. Trotzdem stand er zu Beginn der Saison 25/26 als Rechtsverteidiger in der Startelf, machte seine Sache ordentlich, wenngleich schon deutlich wurde, dass es ihm an Selbstvertrauen und taktischem Verständnis fehlte – seine defensive Positionierung beschrieben wir vor Saisonbeginn als größte Baustelle.

Bereits kurz vor der Winterpause konnte Pyrka seine Leistungen steigern, wurde offensiv präsenter und defensiv stabiler, nachdem ihm genau das monatelang gefehlt hatte. Der 23-jährige zeigte, dass er sehr schnell dazulernt und das macht große Lust auf mehr. Dabei dürfte er auch stark davon profitiert haben, dass er dank eines wiedererstarkten Manos Saliakas auf die linke Seite wechseln durfte. Denn diese Position spiele er persönlich sehr gerne, weil er von dort als Rechtsfuß leichter nach innen ziehen und mehr Torgefahr ausstrahlen kann. Ein eigener Treffer fehlt ihm zwar noch, doch geht die Entwicklung so weiter, dann dürfte das nur eine Frage der Zeit sein. Sicher ist aber jetzt schon: Die Entwicklung von Arek Pyrka ist überraschend positiv und die Verpflichtung damit ein voller Erfolg.

Louis Oppie: Erst gefragt, jetzt außen vor

Wenn man sich die Leistungskurve von Arek Pyrka anschaut – anfangs holprig, zuletzt aber stark ansteigend – dann ist die von Louis Oppie als exaktes Gegenteil zu bezeichnen. Oppie startete gut in die Saison. Nicht überragend, nicht super auffällig, aber eben sehr bemerkenswert für einen Spieler, der in der Vorsaison noch in der 3. Liga aktiv war. Er schien sich direkt auf Bundesliganiveau zu stabilisieren. Zwar war er noch ein gutes Stück entfernt, um auch in der ersten Liga der offensiv sehr präsente und dynamische Linksverteidiger zu sein, der er in der dritten Liga gewesen ist. Aber in Ansätzen konnte man erahnen, dass da viel Potenzial vorhanden ist.

Drei Monate nach Jahresbeginn ist die Situation von Louis Oppie mit „schwierig“ eher sogar noch beschönigend beschrieben. Statt sich in Richtung eines „international beachteten Allround-Left-Back“ zu entwickeln, wie das Global Soccer Network prognostizierte, ging es zuletzt nur noch rückwärts. Oppies Spiel fehlte es nicht nur an Dynamik, es war auch voll von Fehlern. Noch im Januar verlor er seinen Stammplatz, erst durch die Verletzung von Saliakas kehrte er überhaupt wieder auf den Platz zurück – allerdings hat Ritzka im internen Duell um den Posten auf der linken Seite die Nase vorn gehabt und nun steht Saliakas bald vor der Rückkehr. Die einzige Option, wie Louis Oppie sich aus dieser Situation herausziehen kann? In dem er den Konkurrenzkampf auf seiner Position annimmt (Blessin erklärte kürzlich: „Ich finde schon, dass er den Kampf jetzt angenommen hat.“) und dafür dann irgendwann auch belohnt wird. Denn zwar ist er es aktuell nicht, aber aufgrund seiner individuellen Fähigkeiten kann Louis Oppie zweifelsohne ein Leistungsträger des FC St. Pauli sein.

Mathias Rasmussen: Time to step up

Im Winter wechselte Mathias Rasmussen aus Belgien zum FC St. Pauli. Ein Wechsel, der sich über einen längeren Zeitraum angebahnt hatte: Rasmussen erklärte im Zuge der Verpflichtung, dass der FCSP bereits im Sommer 2024 Interesse an ihm gezeigt habe. Nun, mit einem Verzug von rund 18 Monaten, trägt Matti Rasmussen also das Trikot des FC St. Pauli. Wie sehr er dem Team helfen kann, wird sich nun erst in den kommenden Wochen zeigen. Kurz nach seiner Verpflichtung hatte Rasmussen dem Team bereits mit seiner Ballsicherheit, progressivem Passspiel und umsichtigem taktischem Verhalten helfen können, ehe ihn muskuläre Probleme zu einer Pause von drei Spielen zwangen.

Durch die Verletzung von James Sands und den Ausfall von Eric Smith dürfte es für den FC St. Pauli noch viel mehr als zuvor darauf ankommen, dass Matti Rasmussen dem Team in den kommenden Spielen auf der Sechserposition wirklich weiterhelfen kann. Eine Position, die laut Aussage seines Trainers die Lieblingsposition von Rasmussen ist. Hoffen wir mal, dass er das auch mit Leistung bestätigen kann. Gegen den SC Freiburg hat er mich mit einer sehr guten ersten Hälfte (allein fünf Ballgewinne in der Freiburger Hälfte) überzeugt. Nun muss unbedingt mehr folgen. Aufgrund der personellen Situation dürfte, von allen Neuzugängen, die Entwicklung von Rasmussen für den FC St. Pauli aktuell am wichtigsten sein.

Joel Fujita: Überragend, aber sein Spiel ist nicht das des FC St. Pauli

Es ist nicht zu übersehen, wie gut Joel Fujita ist. Der 24-jährige macht mit dem Ball Aktionen, die auch in der Bundesliga herausragen. Seine Antizipationsfähigkeit sticht klar heraus, Fujita gewinnt dadurch viele Bälle und spielt im Anschluss extrem progressiv: Nur die Herren Amiri (Mainz), Burger (Hoffenheim) und Irvine spielen, anteilig an der Gesamtzahl ihrer Pässe, mehr progressive Pässe als Fujita. Und das obwohl Fujita inzwischen auf einer Position spielt, als schwimmender Zehner, die nicht unbedingt dazu einlädt, ständig progressiv zu agieren. So oder so und egal auf welcher Position: Joel Fujita macht den FC St. Pauli besser.

Nun setze ich mich aber mal ins Wespennest: Joel Fujita könnte dem FC St. Pauli noch viel mehr helfen (und auch sich selbst), wenn er etwas weniger sein Spiel und mehr das des FCSP spielen würde. Damit meine ich nicht, dass auf Weltklasse-Aktionen auch gerne mal Kreisklasse-Aktionen folgen und Fujita sich zum Beispiel nach überragendem Dribbling den Ball dann plötzlich zu weit vorlegt. Nein, es geht eher darum, wie sehr sein Spiel mit dem der restlichen neun Feldspieler auf dem Platz verbunden ist. Oft wirkt es, als wenn Fujita seinen eigenen Kopf hat, Dinge tut, mit denen andere nicht rechnen, vielleicht weil es so nicht vorgesehen ist, keine Ahnung.

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Joel Fujita ist ein echter Gewinn für den FC St. Pauli, doch besteht trotzdem der Verdacht, dass er seinem Team noch viel mehr helfen könnte.

// (c) Stefan Groenveld

Das ist ihm noch nicht einmal wirklich vorzuwerfen, denn diese Phasen gibt es von ihm vor allem immer dann zu sehen, wenn das Spiel des FC St. Pauli nicht rund läuft. Es wirkt dann so, als wenn er das Heft des Handelns an sich reißen möchte, sich aktiv gegen drohende Niederlagen zu stemmen versucht. Ist das verwerflich? Nein, sicher nicht, vor allem da es viel zu oft Spieler gibt, die sich in solchen Momenten eher verstecken. Aber dass zuletzt Rasmussen und eben nicht Fujita auf der Sechs spielte, dürfte unter anderem den Grund haben, dass Fujita auch in der Arbeit gegen den Ball immer mal wieder seinen eigenen Kopf hat (oder nicht ganz da ist, so wie vor dem 1:1 gegen Freiburg). Und das ist, besonders auf der Sechs, wo eine gute Abstimmung erforderlich ist, eben sehr gefährlich.Ich bin mir ganz sicher, dass Joel Fujita ein so guter Fußballer ist, dass er den Unterschied in Spielen machen kann und in schwierigen Phasen die Dinge für sein Team umbiegen kann. Allerdings eben nur dann, wenn er das Spiel des FC St. Pauli spielt – und nicht nur sein eigenes.

Mathias Pereira Lage: Viel Spielzeit, wenig Ertrag

Wenn man sich anschaut, für welche Clubs und in welcher Liga die Neuzugänge des FC St. Pauli vorher gespielt haben, dann müsste Mathias Pereira Lage als ein Königstransfer bezeichnet werden. Denn der 29-jährige hat bereits einige Jahre in der Ligue 1 gespielt, lief sogar in der Champions League auf. Gemessen an den Spielanteilen ist Pereira Lage auch genau das, denn kein anderer Offensivspieler des FCSP länger auf dem Rasen als er (einzig Fujita kommt unter den Neuzugängen auf mehr Spielminuten). In der Defensivarbeit wird Pereira Lage diesem Status auch gerecht, er ist gut in der Arbeit gegen den Ball, gewinnt viele Duelle und ist dadurch eine große Hilfe. Doch irgendwie dürften nur wenige behaupten, dass er dem Team unter allen Neuzugängen auch am meisten weiterhilft. Warum ist das so?

Offensivspieler werden natürlich immer primär daran gemessen, was sie vor dem Tor fabrizieren. Auf drei Torbeteiligungen kommt Pereira Lage in dieser Saison bisher. Lange Zeit war er der Bundesligaspieler mit dem höchsten eigenen xG-Wert, der keinen Treffer erzielt hatte. Nach seinem Treffer gegen Hoffenheim ist er diese Statistik los, doch nur Schmid (Bremen) und Ilić (Union) haben einen schlechteren Wert, wenn man den xG-Wert gegen die Treffer-Anzahl rechnet. Pereira Lage ist einfach nicht effizient genug vor dem gegnerischen Tor. Und nachdem er sich vor der Winterpause zumindest noch eine Vielzahl an Torschüssen erarbeitete (1,7 pro Partie) ist dieser Wert im Jahr 2026 rapide gesunken (einer pro Partie). Noch extremer ist die Bilanz bei den Torschussvorlagen: 16 waren es in den 15 Partien vor der Winterpause. Seitdem ist in zehn Einsätzen nur noch eine einzige hinzugekommen. Nach der Winterpause kommt er nur noch auf rund einen Ballkontakt im gegnerischen Strafraum pro Spiel, davor waren es 2,7 – das Offensivspiel von Mathias Pereira Lage ist also nicht wirklich besser geworden und das ist in Summe bisher einfach zu wenig.

Ricky-Jade Jones: Wenig Spielzeit, hoher Impact

Zu wenig gab es auch von Ricky-Jade Jones zu sehen. Aber anders als im Fall von Pereira Lage geht es dabei vor allem um die Spielzeit. In der Vorbereitung verletzte sich der pfeilschnelle Angreifer schwer an der Schulter. Nachdem er sich gegen Ende des Jahres mühsam zurückgekämpft hatte und nach der Winterpause richtig fit auftrat, konnte man eine Idee davon bekommen, wie das Spiel des FC St. Pauli so sein kann, wenn vorne in der Spitze richtig Tempo vorhanden ist. Ob sie wollten oder nicht, die gegnerischen Abwehrreihen mussten auf die Anwesenheit von Jones reagieren und taten dies meist, indem sie etwas vorsichtiger agierten, nicht mehr so aggressiv nach vorne verteidigten. Dabei war es egal, ob Jones die Ballaktionen gelangen oder nicht, seine Anwesenheit öffnete auch für Mitspieler Räume, die ohne ihn nicht vorhanden waren.

Die Zahlen von Ricky-Jade Jones sind absolut bemerkenswert. Auf der einen Seite ist er der schnellste Spieler der Bundesliga. Auf der anderen Seite jener mit der schlechtesten Passquote der Liga (unter allen Spielern mit mehr als 350 Spielminuten). Weniger als 51 Prozent seiner Zuspiele kamen beim Mitspieler an, auf Platz 350, also dem vorletzten Platz, liegt Michael Gregoritsch mit 59 Prozent.Was aber auch in den Zahlen auffällig ist: Ricky-Jade Jones erzeugt in wenigen Spielminuten viel Torgefahr, deutlich mehr als seine Mitspieler. Die meisten Torschüsse, die meisten Flanken, die meisten Dribblings, die meisten Ballkontakte im gegnerischen Strafraum, die meisten Torschussvorlagen – überall ist Jones führend im internen Ranking, wenn man es auf „pro 90 Minuten“ rechnet. Natürlich gab es von ihm auch viele Aktionen zu sehen, in denen man sich fragte, was bloß in seinem Kopf vorging, aber trotzdem gelang es ihm nahezu konstant, für Gefahr vor dem gegnerischen Tor zu sorgen. Besser als allen anderen Offensivspielern des FC St. Pauli. Schade, dass wir in dieser Saison bisher so wenig von ihm gesehen haben, denn ein fitter Ricky-Jade Jones ist auf jeden Fall eine Verstärkung.

Andréas Hountondji: Starker Start, aber nächster Schritt fehlt

Ebenfalls auf sehr wenig Spielzeit ist bisher Leihgabe Andréas Hountondji gekommen. Nach seinem überragendem Start in die Saison (drei Treffer in den ersten drei Ligaspielen) ist der 23-jährige erst immer weiter abgetaucht und musste dann aufgrund einer Verletzung lange pausieren. Ich bin ehrlich gesagt immer noch nicht ganz sicher, was für den starken Start von Hountondji beziehungsweise seinen darauf folgenden Einbruch ausschlaggebend gewesen ist. Alexander Blessin erklärte kurz nach Saisonbeginn, er habe bemerkt, dass sich Gegenspieler explizit auf Hountondji einstellen. Und solange ich nicht von ihm persönlich in Form von Torgefahr vom Gegenteil überzeugt werde, möchte ich behaupten, dass Andréas Hountondji genau damit bis heute Probleme damit hat.

Am eindrucksvollsten lässt sich das an seiner Schuss-Statistik ablesen: In den ersten rund 180 Minuten Spielzeit (= den ersten drei Ligaspielen) kam Hountondji auf acht Abschlüsse (sechs auf das Tor). Seitdem kam er in den restlichen mehr als 500 Minuten Spielzeit nur noch zu fünf Abschlüssen (einer auf das Tor, das war der Treffer gegen Bayern München). Es mag auch daran gelegen haben, dass Andréas Hountondji bereits seit Herbst immer wieder mit kleineren und im Winter dann mit größeren körperlichen Problemen zu kämpfen hatte. Aber, um es mal etwas spitz zu formulieren, den Nachweis, dass er mehr drauf hat als Tempoläufe (ohne den Gegenspieler ausdribbeln zu müssen), bleibt er seit dem vierten Spieltag schuldig. Für den FC St. Pauli und besonders ihn persönlich wäre es extrem wichtig, wenn er diesen Nachweis im Verlauf der restlichen Saison noch erbringen könnte.

Taichi Hara: Noch kein Faktor

„Wir sind zuversichtlich, dass seine Erfahrungen in Europa ihm helfen werden, sich schnell bei uns zu akklimatisieren“, erklärte Andreas Bornemann im Zuge der Verpflichtung von Taichi Hara. Genau zwei Monate später ist klar, dass das mit der Akklimatisierung nicht so schnell vonstatten geht, wie sich vermutlich einige erhofft haben. Auf drei Einsätze kommt der 26-jährige bisher, zuletzt stand er fünfmal im Kader, wurde aber nicht eingewechselt. Dabei könnte er dem Spiel des FC St. Pauli mit seinen vielen Tiefenläufen, seiner Kopfballstärke und dem klaren Fokus auf Abschlusszonen genau das liefern, was zuletzt immer wieder fehlte, besonders, wenn das Team zurücklag. Man darf gespannt sein, ob Taichi Hara in dieser Saison noch so eine Rolle einnehmen kann und muss sich aber gleichzeitig auch fragen, warum er das bisher noch nicht konnte.

Martijn Kaars: Überraschend viele Probleme

Auch Martijn Kaars ist ein Spieler, der in dieser Saison die ihm zugedachte Rolle noch nicht einnehmen konnte. Allerdings ist hier das Fragezeichen deutlich größer, weil er schon wesentlich mehr Spielzeit sammelte als die Neuzugänge Jones, Hountondji und Hara. Der 27-jährige fremdelt auch in diesem Frühjahr noch merklich mit der Bundesliga, erreicht körperlich und technisch zu oft nicht das notwendige Niveau, so deutlich muss man es leider bezeichnen. Kaars führt die wenigsten direkten Duelle aller FCSP-Offensivspieler. Kein FCSP-Offensivspieler kommt seltener zum Abschluss als er, niemand legt seltener für seine Mitspieler auf. Auch gegen den Ball kommt Kaars zu selten in die Duelle, führt die wenigsten, fängt zudem die wenigsten gegnerischen Pässe ab.

Alexander Blessin betonte immer wieder, wie hoch die Qualitäten von Kaars im Abschluss sind. Doch davon sah man bisher viel zu wenig. Das mag sicher auch daran liegen, dass er von seinen Mitspielern zu selten in Szene gesetzt wird. Aber wenn dem so ist, dann muss hinterfragt werden, warum es anderen Offensivspielern besser gelingt, in Abschlusspositionen zu kommen. Ist das Spiel des FCSP zu wenig auf die Fähigkeiten von Kaars zugeschnitten? Zumindest war das Offensivspiel der Magdeburger in der Vorsaison ganz klar auf die Qualitäten von Kaars ausgerichtet, der dort 19 Treffer erzielte. Und es ist nicht so, dass der 27-jährige keine Fähigkeiten hat, die dem Team weiterhelfen könnten. Unter allen Offensivspielern hat Kaars die beste Passquote, ist (abgesehen von Sinani) öfter als die anderen Offensivspieler ins Kombinationsspiel involviert. Doch meist sind diese Fähigkeiten gar nicht so sehr gefragt beim FC St. Pauli. Oft ist es wichtiger, mit Tempo und Körperlichkeit gegen eine Überzahl an Gegnern klarzukommen. Das gelingt Martijn Kaars selten und das hat sich zuletzt auch in Sachen Spielzeit niedergeschlagen. Lange Zeit war er Stammspieler, inzwischen hat er diesen Platz verloren. Es ist völlig offen, ob sich Martijn Kaars noch in der Bundesliga durchsetzen kann. Zu wünschen wäre es ihm.

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Martijn Kaars bejubelt einen seiner Treffer für den FC St. Pauli. Es ist ein Bild, das wir in dieser Saison bisher leider viel zu selten gesehen haben.

// (c) Stefan Groenveld

Fazit

Von den 13 Spielern, die der FC St. Pauli in oder vor dieser Saison ans Millerntor geholt hat, haben bisher nur wenige überzeugen können. Tomoya Andō und Arek Pyrka sind sicherlich als Lichtblicke zu nennen, Joel Fujita ebenso (auch wenn hier das Gefühl besteht, dass noch viel mehr möglich wäre). Dem gegenüber stehen Spieler, die in Momenten überzeugen konnten, aber durch Verletzungen zurückgeworfen wurden (Ricky-Jade Jones, Andréas Hountondji, Matti Rasmussen) und bei denen daher noch fraglich ist, ob sie wirklich Verstärkungen sind. Andere haben zwar viel Spielzeit (gehabt), können oder konnten bisher aber noch nicht wirklich überzeugen (Mathias Pereira Lage, Louis Oppie, Martijn Kaars), während einige Neuzugänge (Taichi Hara, Jannik Robatsch) bisher noch gar keine Rolle spielten.

Bisher dürfte die Transferbilanz des FC St. Pauli in dieser Saison in der Gesamtheit also eher als durchschnittlich bewertet werden. Allerdings sind die Herausforderungen auch ganz andere als in den Vorjahren. Schließlich muss der FCSP zweigleisig planen, einen Abstieg zumindest derart einkalkulieren, dass dann nicht drei Viertel des Kaders wegbrechen. Spieler zu finden, die in der Bundesliga sofort mithalten können und von denen zumindest einige auch bereit sind, den Gang in die zweite Liga anzutreten, ist sicher extrem schwierig. Ja, auch in der zweiten Liga muss zweigleisig geplant werden (theoretisch sogar dreigleisig). Aber es ist natürlich viel einfacher, einen Spieler zum Zweitligisten FC St. Pauli zu holen, wenn dieser das Gefühl hat, dass er ein oder zwei Saisons später in der Bundesliga spielt, als andersherum.

Zudem muss bei der Bewertung von Transfers auch immer ein Blick auf die längerfristigen Planungen geworfen werden. Ja, einige Spieler sind in dieser Saison keine Soforthilfen, sondern eher gute Kaderergänzungen. Aber damit sie in den kommenden Jahren Leistungsträger werden können, kann es hilfreich sein, wenn sie bereits jetzt beim FC St. Pauli sind. Das ist total unsexy, weil jeder neue Spieler das Team natürlich am besten sofort zu einem Leistungssprung verhelfen soll. Aber eine gewissenhafte und langfristige Kaderplanung ist für solch millionenschwere Unternehmen wie es Fußballclubs nun einmal sind, eigentlich völlig unabdingbar (dafür machen das bemerkenswert wenige Clubs – die dann ja aber auch regelmäßig damit voll auf die Fresse fliegen).Gut wäre, wenn der FC St. Pauli auch langfristig in der Bundesliga bleibt. Dazu müssen aber einige der Neuzugänge, die bisher noch nicht vollends überzeugen konnten, vor allem kurzfristig einen Leistungssprung vollziehen.

// Tim

Sofern nicht anders markiert, stammen sämtliche Statistiken von Wyscout.

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