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·23 aprile 2026
Talente, höhere Transfererlöse, wirtschaftlicher Fortschritt – Wird der 1. FC Köln unter Thomas Kessler zum Entwicklungsclub?

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Simon Bartsch
23 April, 2026
Bereits seit einiger Zeit ist das Vorhaben, aus jungen Spielern und ihrer Weiterentwicklung sportlichen und wirtschaftlichen Profit zu schlagen, eine angestrebte Strategie beim 1. FC Köln. Mit seinen Verpflichtungen und Verhandlungen im vergangenen Sommer hat Thomas Kessler diesen Weg nun maßgeblich in eine vielversprechende Richtung gelenkt. Und das Vorhaben soll die kommenden Jahre weiter ausgebaut werden – nicht umsonst haben die Geißböcke seit kurzen Tim Steidten mit an Bord.

Thomas Kessler vom 1. FC Köln (Foto: Alex Grimm / Getty Images)
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Die Meldung am Freitagabend wird die Fans des 1. FC Köln durchaus erfreut haben. Thomas Kessler überraschte ein wenig damit, dass er eine Personalie ausplauderte. Am Geißbockheim hält man sich eigentlich grundsätzlich bedeckt, was Verträge, Vertragslaufzeiten und Co. angeht. Doch bei Sky erklärte der ehemalige Keeper der Kölner, dass man die Kaufoption von Jakub Kaminski ziehen werde. Möglicherweise sprach Kessler so offen über die Entscheidung, weil ohnehin kaum noch einer Zweifel an der festen Verpflichtung hatte. Denn die Entwicklung von Kaminski ist wohl neben der von Said El Mala die ganz große Überraschung in Köln. Bei Wolfsburg kam der Pole nicht mehr so richtig zurecht, beim FC blüht „Kuba“ zunehmend auf, ist in dieser Saison absoluter Leistungsträger – und das nicht nur aufgrund seiner zwölf Scorerpunkte. Die feste Verpflichtung des polnischen Nationalspielers ist also nur folgerichtig.
Bereits im Sommer war die sportliche Leitung für ihre Transfers gefeiert worden. Kessler hatte ein Dutzend neuer Spieler verpflichtet, rund 25 Millionen Euro in die Hand genommen und dem FC ein neues Gesicht verpasst. Nach dem erfolgreichen Saisonauftakt wurde der Sportboss über den grünen Klee gelobt, von Fans, von Experten. Angesichts der zwischenzeitlichen Bilanz von zwei Siegen aus 18 Spielen ebbte die Euphorie aber auch wieder ab. Nicht alle Transfers konnten die Form vom Sommer halten und dennoch hat der Geschäftsführer ganz offensichtlich viel richtig gemacht. Denn die Geißböcke gehen unter Kessler in eine Richtung, die man schon vor längerer Zeit einschlagen wollte, aber entweder falsch interpretierte oder einfach nicht umgesetzt bekam. Alleine die Vertragsverlängerung von Said El Mala war schon ein Meisterstück des 40-Jährigen. Der Kölner Shootingstar hat den FC-Fans viel Freude bereitet, war lange eine Art Lebensversicherung der Geißböcke.
Ein Abgang würde emotional schmerzen, wirtschaftlich nicht. Sollte El Mala den FC im Sommer verlassen, könnten die Kölner alleine von diesem Erlös finanziell sämtliche Kaufoptionen der Leihspieler bedenkenlos ziehen und den Kader zudem weiter aufpolieren. Wohlgemerkt die Ablöse für einen Spieler, der den FC gerade einmal 300.000 Euro gekostet hat. Bei der Verpflichtung hatte auch Christian Keller seine Finger im Spiel, doch die Vertragsverlängerung ohne Ausstiegsklausel wird dem FC viel Geld einbringen. Und auch beim Deal von Kaminski hat der Geschäftsführer offenbar viel richtig gemacht. Köln kann den Wolfsburger Leihspieler für rund fünf Millionen Euro verpflichten, laut „Kicker“ soll Kaminski dann einen Vertrag mit Ausstiegsklausel erhalten. Die liegt dem Artikel nach bei 20 Millionen Euro. 20! Eine Summe, die der Spieler sicherlich bald schon wert sein wird und die man in England vielleicht auch gerne bezahlt. Aber eben auch eine Summe, die vier Mal über dem Kaufpreis läge.
Wenn es nach den Kölner Verantwortlichen geht soll Kaminski ohnehin beim FC bleiben, wird das in der kommenden Spielzeit auch tun. Doch ist durchaus eine Linie zu erkennen. Die Kölner verpflichten junge Spieler, die den FC bei positiver Entwicklung sportlich und/oder wirtschaftlich weiterbringen. Ein Weg, den Keller schon in Köln gehen wollte. Nur ging der Plan in nur wenigen Fällen auf. Auch Thomas Kessler geht ins Risiko. Rav van den Berg wurde für rund acht Millionen Euro verpflichtet. Der 21-Jährige gilt als großes Talent, das irgendwann in England Fuß fassen will. Aktuell hinkt der Niederländer den Erwartungen hinterher. Doch das Potenzial ist groß. Geht van den Berg den Weg seines Bruders Sepp dürfte für den FC ebenfalls eine stolze Ablösesumme fällig werden. Auch Spieler wie Isak Johannesson befinden sich in einem Alter, in dem mit einer weiteren Entwicklung zu rechnen ist und damit auch einer Steigerung des Marktwerts.
Das Vorgehen ist in der Bundesliga bekanntlich kein neues. Eintracht Frankfurt ist wohl das Paradebeispiel. Mehr als 450 Millionen Euro hat die Eintracht in den vergangenen sechs Jahren an ihren Talenten verdient. An Spielern wie Omar Marmoush, Hugo Ekitiké oder Randal Kolo Muani, die alleine knapp 280 Millionen Euro in die Kassen spülten. Jean-Mattéo Bahoya wurde im vergangenen Jahr ebenfalls heiß umworben, eine Ablöse von rund 80 Millionen Euro stand im Raum. Der Marktwert von Can Uzun soll bei 45 Millionen Euro liegen.
„Ich sage meinen Scouts: ,Leute, das Wichtigste sind die Stärken, aber achtet auch auf die Schwächen, denn vielleicht können wir an diesem Problem arbeiten’“, sagte Krösche im vergangenen Jahr im „The Athletic“. „Bevor wir Omar (Marmoush, Anm. d. Red) verpflichtet haben, gab es schon eine Diskussion. Er war ein Spieler mit zahlreichen Schwächen, aber nur zwei, drei deutlichen Stärken“, so Krösche weiter. „Hätten wir uns also nur auf die Schwächen konzentriert, hätten wir ihn nie unter Vertrag genommen. Aber wir kamen zu dem Schluss, dass der Grund für seine schlechte Entscheidungsfindung darin lag, dass er nicht regelmäßig genug spielte.“ Zur Wahrheit gehört natürlich auch, dass auch externe Faktoren und eine gehörige Portion Glück bei den Transferbewegungen mitspielen. So war die Ablöse für Kolo Muani seinerseits vielleicht ein wenig hoch gegriffen.
Ein Glück, das den Kölner Verantwortlichen oft fehlte. Die Entwicklung beim FC ist aktuell eine Momentaufnahme. Doch ist die Richtung zum Entwicklungsclub aktuell eine spannende. Nicht zuletzt wird auch Tim Steidten in diesen Planungen künftig eine große Rolle spielen. Doch der 46-Jährige ist als „Perlentaucher“ bekannt, der ausgerechnet beim kommenden Gegner mit seiner Kaderplanung schon ein gutes Händchen bewiesen hat und Leverkusen zum Meister machte. Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtet, bauen die FC-Verantwortlichen dazu gerade die Scouting-Abteilung personell um. Insofern sollten potenzielle Talente, mit denen sich der FC aktuell befasst, nicht frühzeitig als zu schlecht abgestempelt werden, nur weil sie nicht in den höchsten Klassenspielten. Ein El Mala spielte in der vergangenen Saison auch noch 3. Liga.
Ein wichtiger Faktor können aber natürlich auch die Eigengewächse spielen. Finn Schenten, Youssoupha Niang und Cenny Neumann haben in dieser Saison schon ihr Profi-Debüt gefeiert. Mit Schenten wurde erst jüngst der Vertrag bis 2030 verlängert. Ein klares Zeichen. Denn auch von den Talenten will man in Köln künftig noch mehr profitieren. Erst einmal sportlich – im Vergleich zu einigen Abgängen in der Vergangenheit im Fall der Fälle dann aber auch wirtschaftlich.









































