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·2 gennaio 2026

Think Big – Das Millerntor im Jahre 2050 – Part 5

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Neues Jahr, neuer Teil der „Think Big“-Artikelserie von Raphael. Mit der Olympia-Bewerbung Hamburgs ist eine neue Dynamik in das Thema Stadionausbau gekommen.Titelfoto: Raphael

Januar 2024. Ein bekloppter Fan gräbt ein untergegangenes Thema aus und wirft eine Zahl in den Raum, die für viele unvorstellbar ist: Das New Millerntor mit einer Kapazität von 50.000.November 2025. Der FC St. Pauli thinkt big und beginnt die Planung für ein größeres Stadion. Ziel-Kapazität: 40-50.000.


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Klar, das lag selbstredend an den überzeugenden Argumenten in dieser Artikel-Serie, harr! (Teil 1 im Januar 2024, Teil 2 inkl. Feedback in Juli 2024, Teil 3 im Januar 2025, Teil 4 im Juni 2025)

Fakt ist: Die Olympia-Bewerbung der Stadt Hamburg hat Dinge ins Rollen gebracht. Grundsätzlich ist es erfreulich, dass man im Verein die Notwendigkeit eines größeren Millerntors erkannt hat; und auch, dass es mit drei- oder viertausend zusätzlichen Plätzen nicht getan sein kann. Bislang war dieser Vorsatz für Außenstehende nicht erkennbar, das Thema schien keines zu sein, man konzentrierte sich aufs Tagesgeschäft und den Ausbau der Kollaustraße, was verständlich ist. Gleichwohl ist die langfristige Zukunft des Vereins mindestens ebenso wichtig. Und wer erschaffen möchte, was in 20 oder 30 Jahren gebraucht wird, sollte jetzt anfangen, sich konkret damit zu beschäftigen. Denn solche Projekte benötigen viel Vorlaufzeit. Es geht um die Periode 2035-2075. Das wird ein Marathon. Den schafft man aber nur, wenn man irgendwann auch startet.

„Die größte Deckelung für sportliche Entwicklung ist das zu kleine Stadion.“ Oke Göttlich, November 2025

Gläserne Decke

In eine ähnliche Kerbe schlug Wilken Engelbracht auf der Mitgliederversammlung am 15. November 2025 im Audimax. Er beschrieb das Bild einer „gläsernen Decke“, durch die der Verein einfach nicht durchkomme.Nun könnte der Einwand kommen, dass die meiste Kohle ja von den Fernsehgeldern komme und die Größe des Stadions nebensächlich sei. Doch so nebensächlich ist es nicht. Tim stellte im MillernTon am 07. Juli diese Rechnung auf:

„Hinzu kommt der Stadionbetrieb an sich. Wer sich immer fragt, warum die Aufsteiger aus Köln und Stellingen bei Transfers und im Spieleretat mit teils anderen Zahlen hantieren können als der FC St. Pauli, obwohl der FCSP bereits letzte Saison in der Bundesliga spielte, sollte sich mal damit befassen, was Clubs durch den Stadionbetrieb einnehmen. Finanziell ist der Unterschied gewaltig, wenn zum Beispiel 30.000 oder über 50.000 Personen im Stadion sind. Nur ein ganz vorsichtiger Vergleich, weil da teils unterschiedliche Positionen einfließen: Die Einnahmen des HSV aus dem Stadionbetrieb (exklusive Catering) lagen 23/24 bei 48,5 Millionen Euro. Jene des FC St. Pauli bei etwa 20 Mio.“

Es gibt neben den klassischen Einnahmen aus dem Stadionbetrieb weitere Effekte. Ein Verein mit einem großen Stadion wird automatisch als größer, wichtiger und beliebter wahrgenommen. Entsprechend mehr Sponsorengelder lassen sich generieren. So zahlt beispielsweise der Trikotsponsor des anderen Hamburger Bundesligisten 7,5 Millionen Euro pro Saison, während Congstar uns mit 2,5 Millionen abspeist. Ähnlich dürfte das Verhältnis bei den Nebensponsoren sein. In der 2. Liga vergrößert sich die Bedeutung der stadionabhängigen Einnahmen um so mehr.

Und das war jetzt nur der finanzielle Aspekt. Der ist bedeutend, denn ohne Moos nix los auf dem Rasen. Aber noch wichtiger sind die anderen Auswirkungen, die in den bisherigen „Think Big“ Artikeln ausführlich behandelt wurden, die Links findet Ihr eingangs.

Auch die Mitgliederzahlen steigen

Wir können an dieser Stelle auch gern einen Blick auf die aktuelle Entwicklung der Mitgliederzahlen werfen. Im März 2024 waren es 40.000, zum Ende der Saison kalkuliert der Verein mit 58.000. Selbst bei konservativer Extrapolation landen wir bei über 124.000 Mitgliedern bereits im Jahr 2040. Hochgerechnet bräuchten wir dann ein Stadion mit einer Kapazität von 70.000. Und 2050? 2060?

Es ist davon auszugehen, dass die allermeisten dieser neuen Mitglieder eintreten werden, weil sie Fans sind. Doch der FC St. Pauli ist zugleich ein beachtlicher Breitensportverein. Das wird in der Politik und in der Öffentlichkeit leider nicht wirklich so wahrgenommen. Beim FCSP waren im Juli 2025 rund 24.000 Menschen in den Sporttreibenden Abteilungen aktiv, Tendenz steigend. Damit ist unser Verein der größte Breitensportverein Hamburgs.

Sportler*innen brauchen Sportstätten. Viele Sportstätten. Gute Sportstätten. Was fehlt in dieser Stadt? Genau. Diese Sportstätten schaffen kann lediglich die Stadt Hamburg. Denn sie hat direkten (Besitz von Grundstücken) und indirekten (Genehmigungen, Ausweisungen) Zugriff auf Flächen. Sie muss es nur wollen und die richtigen Prioritäten setzen. Ob die Bewerbung auf Olympische Spiele dies forcieren wird, werden wir sehen.

Nochmal Oke Göttlich (Abendblatt (€) vom 07.07.25):„Um als Verein weiter zu wachsen, müssen wir in den Diskussionen um fehlende Sportflächen in Hamburg vorankommen. Wir würden beispielsweise auch gerne Sportarten wie Volleyball anbieten – stoßen dabei aber an Grenzen. Die Hallenzeiten sind rar, genauso wie Fußballplätze, Rugbyfelder und viele andere Flächen auch. Darüber müssen wir uns mit der Stadt unterhalten. Die geringe Verfügbarkeit von Sportstätten in Hamburg ist ein Grund, wieso das Präsidium und der Amateurvorstand des FC St. Pauli jegliche Verbesserungen der Sportinfrastruktur gut finden.“

Breitensport, Leistungssport, Spitzensport, Profisport

Apropos Breitensport. Jörn Sturm vom Amateurvorstand hat auf der Podiumsdiskussion am 19. Juli 2025 beim Sommerfest im Millerntor-Stadion etwas Interessantes gesagt. Es gäbe Breitensport, Leistungssport, Spitzensport und Profisport. Das leuchtet ein. Leistungssportler*innen unterscheiden sich von Breitensportler*innen durch die Intensität, insbesondere zeitlich. Spitzensportler*innen sind mindestens bundesweite Top Class. Aber nicht jede*r Spitzensportler*in kann von ihrem/seinem Sport den Lebensunterhalt verdienen. Gerade in weniger populären Sportarten ist das eher die Ausnahme als die Regel. Bei den Olympischen Spielen in Paris wurden beispielsweise fast 96 Prozent aller deutschen Olympia-Starter*innen im Laufe ihrer Karriere von der Stiftung Deutsche Sporthilfe gefördert oder werden noch heute von ihr unterstützt. 

All diese Sportler*innen müssen bei den Sportstätten-Planungen mitgedacht werden. Leistungssportler*innen und erst recht Spitzensportler*innen haben andere Wünsche und Ansprüche als Breitensportler*innen.

Ob sich Hamburg am Ende um die Ausrichtung der Spiele bewirbt oder die Zusage erhält, ist offen. Doch der Senat hat erklärt, unabhängig davon im Volkspark ein sehr großes Stadion bauen zu wollen, das dann von unserem Lokalrivalen als Hauptmieter genutzt werden kann. Und da kommen wir ins Spiel. Denn nur einen der beiden großen Hamburger Clubs zu unterstützen, würde gegen das Gebot der Gleichbehandlung verstoßen. Zum Glück waren die Verantwortlichen des FCSP so clever, den Finger schnell zu heben. Eine grundsätzliche Zusage der Stadt Hamburg wurde auf der Mitgliederversammlung des FCSP am 15. November 2025 verkündet. Und eine Förderung heißt nicht nur Geld, sondern ferner eine behördliche Unterstützung bei den Plänen und ihrer Umsetzung.

Neubau oder Ausbau?

Was für Pläne haben wir eigentlich? Hier kommen wir zu einem entscheidenden Unterschied zwischen den Ideen dieser „Think Big“-Reihe und dem, was der Verein offenbar priorisiert. In den offiziellen Verlautbarungen sind die Wörter „Ausbau“ und „Erweiterung“ gefallen. Das lässt auf eine Vergrößerung am aktuellen Standort schließen.

Im „Think Big“ 1 wurde diese Möglichkeit ziemlich kurz abgehandelt:Unser Stadion ist am aktuellen Standort nicht oder nur sehr schwierig zu erweitern. Von angeblichen („Parkhaus ab 30.000“) oder tatsächlichen Genehmigungsproblemen und der Zuwegung abgesehen, fehlt mir da ein bisschen die Fantasie. Die Ecken bringen nicht sonderlich viel zusätzliche Kapazität. Man müsste wohl eine Art Balkontribüne raufsetzen, aber wo? Wo immer man das macht, die würde nach hinten über den aktuellen Rand hinausragen. Wäre platzmäßig vielleicht nicht das Problem, aber wie soll das halten, so von der Statik her? Vermutlich stünden schon die Baukosten in keinem Verhältnis zur Summe der gewonnenen Plätze. Nee, das verwerfe ich jetzt mal.

Dazu erst mal folgendes: Gegen den derzeitigen Standort habe ich grundsätzlich überhaupt nichts. Ich sehe hier nur zum einen knifflige bauliche Herausforderungen. Zweitens stellt sich die Frage, wie die Probleme des jetzigen Stadions gelöst werden sollen. Drittens wüsste ich nicht, wie man hier die benötigten weiteren Sportflächen unterbringen soll. Und viertens bliebe ein Ausbau weit hinter den Möglichkeiten zurück, die ein Neubau bieten würde:

  • 50.000 Plätze auf jeden Fall möglich
  • Zusätzliches Regional- oder Drittliga-Stadion
  • Mehrzweckhalle mit 2.000 Plätzen
  • Barrierefreiheit, ausreichend Rolli-Plätze
  • Richtige Fankurve
  • Mehr und besserer Platz u.a. für Fanladen, Museum, Fanräume, Clubheim, Geschäftsstelle, Kolumbarium
  • Nachhaltiges Stadion

So oder so, ohne den Willen der Stadt Hamburg wird es nicht gehen. Das New Millerntor als Neubau böte viele Pluspunkte, nicht nur für den FCSP, sondern für die Sportstadt und eine menschenfreundliche Stadtentwicklung. In „Think Big“ 1 und ebenso in Teil 4 sind viele Varianten skizziert. Letztlich muss die Stadt Hamburg entscheiden, was ihr wirklich wichtig ist, wo sie die Prioritäten setzt und wie sich der Stadtteil im Sinne seiner Bewohner*innen verändern kann.

Die Planungen für den Stadionausbau sind noch in einer sehr frühen Phase. Das bietet auch Chancen. Neben den üblichen Machbarkeitsstudien müssen intensive und ergebnisoffene Gespräche mit den Gremien des Vereins, den Arbeitsgruppen, den Mitgliedern, den Anwohner*innen und vor allem den Fans geführt werden.

Ich finde es hervorragend, dass Bewegung in die Sache gekommen ist. Selbstverständlich bleibe ich am Ball und werde die Angelegenheit im Sommer analysieren und kommentieren. Dann bekommt auch endlich das komplexe Thema Viertel / Anwohner*innen eine ausführliche Betrachtung, versprochen.// Gastartikel von Raphael

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