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·6 febbraio 2026
Transfer vs. Talent: Der schwierige Balanceakt zwischen Nachwuchs-Förderung und sportlichen Zielen beim 1. FC Köln

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Hendrik Broschart
6 Februar, 2026
Die ganz großen Namen hat der FC in diesem Winter nicht verpflichtet. Dafür aber junge Spieler, die auf höchstem Niveau ausgebildet wurden, die ein Zukunftsversprechen sein können. Auf der anderen Seite drängen sich Kölner Eigengewächse auf, die auf eine Zukunft beim FC hoffen.

Felipe Chávez im Training gegen Eric Martel
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Für die meisten der Nachwuchskicker, die im Youth-League-Kracher des 1. FC Köln gegen Inter Mailand auf dem Platz standen, war es mit großer Wahrscheinlichkeit das bislang größte Spiel ihrer Karriere. Trotz der 1:3-Niederlage war unübersehbar, mit welcher Intensität die Young Goats darum kämpften, ihre Europapokalgeschichte weiterzuschreiben. Gegen die Nerazzurri hielten sie die Partie bis tief in die Nachspielzeit offen. Die Reise der Mannschaft von Trainer Stefan Ruthenbeck zeigte, dass der FC mit seinen Talenten auch international konkurrenzfähig ist. Spieler wie Fayssal Harchaoui oder Assad Kotya-Fofana stehen exemplarisch für eine Ausbildung, die Perspektiven eröffnet und gezielt auf den Profifußball vorbereitet.
Die langfristige Vertragsverlängerung von Fynn Schenten bis 2030 verstärkt zunächst den Eindruck, dass der Weg aus dem Geißbockheim in den Profifußball beim 1. FC Köln klarer und gradliniger ist als bei manch anderem Bundesligisten. Diese Entwicklung ist auch das Ergebnis der Transfer- und Kaderstrategie von Sportdirektor Thomas Kessler. Doch genau dort gibt es Anzeichen eines Widerspruchs, der hinter der aktuellen Euphorie hervorblitzt. Während die eigenen Talente auf ihren nächsten Schritt hoffen, holt der FC mit Spielern wie Felipe Chávez externe Nachwuchskräfte hinzu, die sofort um dieselben Plätze konkurrieren. Erschwert der Verein seinen Eigengewächsen durch solche Transfers den Weg in die erste Mannschaft und nimmt ihnen wertvolle Entwicklungschancen? Wie durchlässig ist der Weg nach oben tatsächlich, wenn sportlicher Anspruch und Kaderplanung aufeinandertreffen?
Auftritte wie jener gegen Inter Mailand sind der Grund, warum die Verantwortlichen am Geißbockheim alles daransetzen, Fayssal Harchaoui im Verein zu halten. Und ihn behutsam an den Profifußball heranzuführen. Anstatt ihn ziehen zu lassen, soll der Sechser offenbar bewusst Spielklassen tiefer an die physischen und taktischen Anforderungen der Beletage herangeführt werden. Gegen Mailand trieb der U17-Weltmeister den Ball mit bemerkenswerter Selbstverständlichkeit durchs Zentrum. Er suchte konsequent den Weg nach vorne und setzte Mitspieler mit präzisen Schnittstellenpässen wirkungsvoll in Szene.
Die Vorstellung, dass ein Spieler mit diesen Fähigkeiten perspektivisch auch im Team von Lukas Kwasniok eine Rolle einnehmen könnte, ist naheliegend. Doch sie wirkt dann auch wieder fragil, seit der FC verstärkt externe Talente wie Felipe Chávez oder andere Profile aus renommierten Nachwuchsleistungszentren an Bord holt. Die gestiegene Attraktivität des Klubs für solche Leih- und Transferlösungen wird damit zur Geduldsprobe für die Eigengewächse. Gleichzeitig entsteht für Sportdirektor Thomas Kessler eine heikle strategische Frage: Wie geht man mit einem starken Jahrgang um? Ein Jahrgang, der sichtbar bereit für höhere Aufgaben ist, wenn der Weg nach oben immer enger wird? Mit fortschreitender Entwicklung dürften sich Spieler wie Harchaoui jedenfalls nicht dauerhaft mit der Rolle des Wartenden zufriedengeben.
Eine ähnlich komplexe Konstellation deutet sich auch bei Innenverteidigern wie Assad Kotya-Fofana an. Der 17-Jährige zeigte gegen Inter Mailand eine reife und abgeklärte Defensivleistung und ist längst eine feste Größe im Team von Stefan Ruthenbeck. Seine Entwicklung verläuft konstant, sein Profil ist klar, und damit rückt zwangsläufig auch bei ihm die Frage nach dem nächsten Schritt in Richtung Profimannschaft in den Fokus. Doch auch auf dieser Position scheint der Weg nach oben alles andere als frei. Mit Jahmai Simpson-Pusey hat der FC einen Verteidiger-Typus verpflichtet, der nach seinem Wechsel von der Insel vor allem mit seinen spielerischen Qualitäten überzeugt. Hinzu kommen die derzeit verliehenen Eigengewächse Julian Pauli bei Dynamo Dresden und Elias Bakatukanda bei Blau-Weiß Linz, die mittelfristig ebenfalls Ansprüche anmelden dürften.
Für Youngster wie Kotya-Fofana gilt damit ein ähnliches Grundproblem: Die Perspektive ist vorhanden, doch die interne Konkurrenz wächst möglicherweise schneller, als es der eigene Unterbau verkraften kann. Stefan Ruthenbeck bewertete diese brisante Konstellation folgendermaßen: „Die Cheftrainer machen sich am meisten Gedanken darüber, wie ein Spiel gewonnen werden kann. Es ist immer einfach zu sagen, dass sie Mut haben und einfach mal ein Talent reinschmeißen sollen. Aber das bedeutet dann auch, dass andere Spieler nicht berücksichtigt werden können“, sagte der Nachwuchscoach im Oktober gegenüber dem Express. Wenn es dann darum ginge, die Klasse zu halten oder aufzusteigen fehlten bei den Talenten seiner Einschätzung nach „[…] die entscheidenden paar Prozent. Ich finde, das hat auch mit Respekt den Trainern gegenüber zu tun. Die müssen immer genau abwägen, was am besten für die Mannschaft ist“, schlussfolgerte Ruthenbeck.
Und dann ist da noch die andere Seite: Denn es darf nicht unterschlagen werden, dass ein Verzicht auf den Transfer von Felipe Chávez allein aus Rücksicht auf den eigenen Nachwuchs kaum realistisch ist. Die Rahmenbedingungen des Geschäfts sind so gestaltet, dass alle Parteien nachts ruhig schlafen können. Thomas Kessler handelte ein Leihmodell mit Kaufoption aus, während sich der FC Bayern zusätzlich eine Rückkaufklausel sicherte. Für Chávez selbst ist es die Chance, auf hohem Niveau Spielpraxis zu sammeln, Verantwortung zu übernehmen und den nächsten Entwicklungsschritt zu gehen. Ein junger Spieler mit spürbarem Ehrgeiz, der den Wettkampf sucht.
Gleichzeitig sendet der 1. FC Köln weiterhin deutliche Signale an den eigenen Nachwuchs. Auch ein Blick auf den Ligavergleich zeigt, dass der FC beim Einsatz eigener Nachwuchsspieler konstant in der oberen Tabellenhälfte rangiert. Genau hier liegt jedoch die eigentliche Herausforderung. Sportliche Ambitionen und kluge Transferentscheidungen so auszubalancieren, dass der Weg aus dem Geißbockheim in die erste Mannschaft nicht nur als Versprechen existiert. Es soll eine realistische Perspektive für eine Generation, die längst an die Tür klopft.








































