Völler zieht die Linie: Keine Boykott-Debatte, kein zweites Katar-Theater | OneFootball

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·17 maggio 2026

Völler zieht die Linie: Keine Boykott-Debatte, kein zweites Katar-Theater

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Der DFB-Sportdirektor freut sich auf das Turnier in den USA, Mexiko und Kanada – und kritisiert die One-Love-Aktion vor dem Japan-Spiel in Katar deutlich.

Rudi Völler hat sich entschieden, und er hat sich klar entschieden. Der DFB-Sportdirektor freut sich auf die WM in den USA, Mexiko und Kanada vom 11. Juni bis 19. Juli, und er sagt das so deutlich, dass kein Spielraum bleibt für die übliche Begleitmusik aus Bedenken, Forderungen und Symbolpolitik. Im Interview mit den Zeitungen der Funke-Mediengruppe hat er die Boykott-Debatte abgeräumt, bevor sie überhaupt richtig in Fahrt kommt. „Ich freue mich auf diese WM", sagt er. Punkt.


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Man kann diese Haltung billig finden, man kann sie pragmatisch nennen, aber sie hat ein Fundament, das Völler nicht erst seit gestern trägt. Er verweist auf 1980, auf den Olympia-Boykott von Moskau, mitgetragen von den USA, der BRD und vielen westlichen Staaten. „Du hilfst niemandem und schadest nur den Sportlern", sagt er und nennt den damaligen Beschluss einen Riesenfehler. Das ist mehr als ein historischer Verweis. Das ist die Erfahrung einer Generation, die gesehen hat, was passiert, wenn Athleten zur Verfügungsmasse politischer Geste werden – und am Ende stehen leere Hallen, leere Stadien, leere Karrieren.

Völler erkennt die geopolitischen Probleme durchaus an. Er sagt, sie gefielen niemandem, und er hofft auf Normalisierung. Aber er trennt. Trennt zwischen dem, was er als Sportfunktionär beeinflussen kann, und dem, was außerhalb seiner Reichweite liegt. „Am Ende geht es um Fußball", sagt er, und auch dieser Satz ist kein Schulterzucken, sondern eine Arbeitsanweisung. Die WM findet statt, also macht man das Beste daraus, also fokussiert man sich auf das Spiel. Wer das für naiv hält, soll bitte das Gegenmodell präsentieren, das tatsächlich etwas verbessert hat.

Bemerkenswert ist, wie Völler die Frage der Meinungsfreiheit löst. Kein Spieler bekomme einen Maulkorb, sagt er, jeder dürfe sagen, was er für richtig halte – aber zum richtigen Zeitpunkt. Und dann der Seitenhieb, den man so deutlich von einem deutschen Sportdirektor selten hört. Was vor dem Japan-Spiel in Katar mit der Binden-Thematik abgelaufen sei, sei schlicht falsch und überflüssig gewesen. Das ist die wohl klarste interne Abrechnung mit der One-Love-Inszenierung, die der DFB bislang geliefert hat.

Man muss diese Einordnung nicht teilen. Man kann argumentieren, dass Symbolik in einem Turnier wie der Katar-WM eben kein Beiwerk war, sondern Teil der Auseinandersetzung. Man kann argumentieren, dass Spieler nicht in jedem Moment Werkzeug der Meinungssteuerung ihres Verbandes sein wollen. Aber Völler bezieht eine Position, die innerhalb des DFB lange diffus blieb: Politik nicht in der Pressekonferenz vor dem Anpfiff, nicht im Hand-vor-dem-Mund-Foto, nicht in der hastig improvisierten Kapitänsbinde.

Vor einer WM in Nordamerika, mit allem, was an Diskussionen über Einreisefragen, politische Lage und Stimmung vor Ort zu erwarten ist, zieht Völler also früh eine Linie. Keine Boykott-Debatte. Kein Maulkorb. Aber auch kein zweites Katar-Theater. Das ist eine Ansage an die Spieler, an die Verbandsetagen, an die Öffentlichkeit. Man kann sie diskutieren. Man weiß jetzt zumindest, woran man bei diesem Sportdirektor ist – und das ist mehr, als man über manche seiner Vorgänger sagen konnte.

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