FC Bayern München
·1 gennaio 2026
Voll auf die Sechs

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·1 gennaio 2026

Wenn die Geschichte eine Lehre ist, wartet auf die Roten ein besonderes Fußballjahr. Denn immer, wenn das Kalenderblatt mit einer Sechs endet, dann kommt es zu großen Dramen und Triumphen. Eine Zeitreise durch sechs Jahrzehnte.
Im Rückblick fragt man sich, ob den Akteuren bewusst war, dass sie hier gerade Geschichte schrieben. Dass sie den Grundstein legten für eine Dynastie. Dass sie im Begriff waren, zu Legenden zu werden. In der ersten Bundesliga-Saison mischte die goldene Achse aus Torwart Sepp Maier, Libero Franz Beckenbauer und Mittelstürmer Gerd Müller die Liga auf. Und das, obwohl sich Trainer Zlatko „Tschik“ Čajkovski vor Saisonbeginn noch beschwert hatte: „Der Präsident hat mir keine fertigen Spieler gekauft.“ Dafür konnte er die junge Mannschaft nach seinen Vorstellungen formen – mit im Nachhinein fragwürdigen disziplinarischen Methoden. „Du gehen Schuhe putzen!“, hieß es da manchmal, wenn der Kroate an der Einstellung und dem Siegeswillen seiner Spieler zweifelte.
Der Klassenerhalt war vor Saisonbeginn als Ziel ausgegeben. Im ersten Liga-Spiel kassierte der FCB gegen den TSV 1860 schon nach 30 Sekunden das 0:1. Am Ende der Spielzeit erreichten die jungen Bayern als Aufsteiger den dritten Platz – und zeigten ihr Potenzial im DFB-Pokal mit einem 4:2-Finalsieg gegen den Meidericher SV. Ein Jahr später folgte der erste Triumph auf europäischer Ebene: Gegen die Glasgow Rangers gewann der FC Bayern im Pokal der Pokalsieger. Und das war nur der Anfang.
Gut gesagt: „Ohne Fußball ich toter Mann“, antwortete Bayern-Trainer Čajkovski auf die Frage nach dem Stellenwert seines Sports.
Wer die größten Gipfel bezwingen will, darf sich nicht vom Vorgebirge ablenken lassen. Nach dem souveränen 5:1-Sieg des FCB gegen Benfica Lissabon im Viertelfinale war FCB-Trainer Dettmar Cramer „so wortkarg“, notierte die „Süddeutsche Zeitung“, als sei das Spiel „für seine Mannschaft völlig schiefgelaufen“. Cramer lobte die Portugiesen – und ganz am Ende dann doch noch sein eigenes Team: „Die Leistungsstärke ist größer als vor einem Jahr.“
1976 kämpfte der FC Bayern um den Landesmeistercup-Hattrick. In der Liga landete der FCB nur auf Rang drei, im DFB-Pokal schied man im Halbfinale gegen den HSV aus. Die Beckenbauer-Bayern, die in den Jahren zuvor schon so viele funkelnde Trophäen eingesammelt hatten, fanden nur auf internationaler Bühne und zur besten Sendezeit zu voller Stärke, wenn Präsident Wilhelm Neudecker mal wieder vier Kerzen in einer fernen Kathedrale ansteckte und die Fußballwelt den Atem anhielt.
Im Halbfinale wartete Real Madrid, das Spiel der Spiele: FCB-Geschäftsführer Walter Fembeck war laut Presse aufgrund des Kartenansturms einem Herzinfarkt nahe, Real-Legionär Günter Netzer schimpfte über „ein fürchterliches Los“. Nach einem umkämpften 1:1 wurde Torschütze Gerd Müller von einem Real-Rowdy niedergeschlagen. „Beim Beißen habe ich Schwierigkeiten“, meinte er, „aber im Rückspiel packen wir Madrid.“ Und schoss beim 2:0-Heimsieg seine Europapokal-Tore 50 und 51.
Im Finale genügten ihnen eine abgebrühte Leistung und ein Tor des routinierten Final-Torschützen „Bulle“ Roth. Die „Times“ schrieb boshaft-bewundernd über Beckenbauer: „Wie ein Boulevard-Flanierer, der auf den Morgen-Aperitif wartet. Er zeigte kaum Schweiß, war aber Dreh- und Angelpunkt.“
Im Herbst holten die Bayern zum ersten Mal den Weltpokal. Im Hinspiel gewann der FCB 2:0 gegen Cruzeiro Belo Horizonte auf vereistem Platz – der Brasilianer Piazza soll gefragt haben: „Ist das der Weltuntergang?“ Beim Rückspiel in Brasilien staunte Udo Horsmann, der im Jahr zuvor noch für den Beckumer SV spielte, über mehr als 100.000 Zuschauer und den Außenstürmer Jairzinho, einen „Vertreter der hohen Dribbelschule“ mit herrlichem Afro. Horsmanns Fazit: „Ein harter Abend.“ Der FCB erkämpfte ein 0:0 und war erstmals Herrscher von Europa und der Fußballwelt – ein Gipfel, den der Club erst ein Vierteljahrhundert später wieder erklimmen sollte.
Guter Mann: Natürlich war Gerd Müller mit fünf Toren bester Torschütze des FC Bayern in dieser Europacup-Saison. Aber wer weiß noch, dass auf Rang zwei und mit vier Toren ein gewisser Ludwig Schuster folgte? Er war aus Hof gekommen und erzielte gegen Jeunesse Esch in der ersten Runde einen Hattrick.
Franz Beckenbauer war mit gerade 40 Jahren der jüngste Teamchef der DFB-Geschichte – und hatte den ältesten Kader zusammengestellt: Kapitän Karl-Heinz Rummenigge schleppte sich nach zwei Muskelfaserrissen durch die WM 1986 in Mexiko. Die Spieler residierten in der feudalen Hacienda Galindo bei Querétaro – Tür an Tür mit den Journalisten. Eine explosive Mischung.
Die Münchner Fraktion im Kader war stark: Abwehrchef Klaus Augenthaler, Mittelfeldmotor Lothar Matthäus, Verteidiger Norbert Eder und Stürmer Dieter Hoeneß. Wenige Tage vor dem Achtelfinale machten Auge, Hoeneß und weitere Spieler einen abendlichen Ausflug, der Eklat führte später zum Rauswurf von Uli Stein. Und dann geschah das Unerwartete: Der zerstrittene Haufen fand zusammen. Matthäus‘ Freistoßtor rettete einen 1:0-Sieg gegen Marokko im Achtelfinale. Gastgeber Mexiko wurde im Elfmeterschießen besiegt und im Halbfinale auch Favorit Frankreich mit einem souveränen 2:0. Plötzlich stand die Mannschaft im Finale – gegen Argentinien, gegen Maradona.
Am 29. Juni 1986 im Aztekenstadion, 114.000 Zuschauer. Argentinien führte 2:0, als Beckenbauer Dieter Hoeneß für Felix Magath einwechselte. Deutschland glich in nur sechs Minuten aus. Rummenigge! Völler! 2:2! Die Sensation lag in der Luft. Doch dann spielte Maradona einen jener Pässe, die damals nur er spielen konnte: Burruchaga, 3:2. Vorbei.
Deutschland hatte sein zweites WM-Finale in Folge verloren. Aber Beckenbauer hatte aus dem Chaos eine Mannschaft geformt. Vier Jahre später, in Rom, würde er es vollenden.
Zuhause in der Bundesliga war es auch dramatisch zugegangen. Am vorletzten Spieltag hätte Bremen gegen Bayern alles klarmachen können – doch Michael Kutzop verschoss in der 88. Minute einen Elfmeter. Und der FCB entschied eine der knappsten Titelentscheidungen in der Liga-Geschichte für sich. Aber das ist eine andere Geschichte.
Gut gesagt: Wochenlang werde es Krach, Ärger und Frust geben, untereinander, mit ihm und überhaupt. So eine Weltmeisterschaft sei eben „ein echter Scheiß“, meinte Beckenbauer im Vorfeld des Turniers. Aber Spaß macht es halt auch.
Vor der Saison stellte die FCB-Vereinsführung ein Dream-Team zusammen: Gestandene Weltmeister wie Lothar Matthäus liefen neben dem Publikumsliebling Mehmet Scholl und dem neuen Stürmerstar Jürgen Klinsmann auf. Vielleicht war zu dieser Zeit keine Elf in Europa so gut wie diese Bayern. Doch eine Ansammlung von sehr guten Fußballspielern ist noch lange keine Einheit auf dem Platz.
Startrekord, sieben Spiele, sieben Bundesligasiege. Doch dann: Niederlagen, Egos, Schlagzeilen. „Wir haben das Wort Mannschaft damals nicht verdient“, erinnert sich Didi Hamann. Doch in Europa? Unterwegs im Autopilot. Als wollten sie dem Lärm daheim entkommen, reiste der FCB entspannt durch den Kontinent: Moskau, Lissabon, Kirkcaldy, Nottingham – weite Strecken, souveräne Siege. Im Halbfinale wartete der FC Barcelona mit Pep Guardiola und einem jungen Luis Figo. Bayern gewann 2:1 im Camp Nou – sensationell. Elf Tage später wurde Otto Rehhagel nach einem 0:1 gegen Rostock entlassen.
Franz Beckenbauer übernahm, und der Kaiser führte Bayern zum ersten europäischen Titel seit 20 Jahren. Gegen Bordeaux – mit Zinedine Zidane und Bixente Lizarazu im Kader – gewann der FCB das Finale 5:1 nach Hin- und Rückspiel. Bayern war erst der dritte Verein nach Juventus und Ajax, der alle drei klassischen Europapokale geholt hatte. Und es war nur das erste von drei großen Finals in fünf Jahren.
Guter Mann: Im UEFA-Cup schoss Klinsmann 15 Tore und wurde Torschützenkönig. In der Liga landete er mit 16 Toren auf einem geteilten dritten Rang.
Absolute Dominanz auf nationaler Ebene: Zum zweiten Mal in Folge holt der FC Bayern in der Saison 2005/2006 das Double. Es ist eine erfahrene Mannschaft rund um internationale Topstars wie Oliver Kahn, Lúcio, Michael Ballack, Roy Makaay oder Willy Sagnol, die von Trainer Felix Magath mit strenger, aber ruhiger Hand gecoacht wird. Von einer „plüschig-heimeligen Welt“ schrieb die Presse im Frühjahr 2006. Der FCB im Flow - international aber herrschte eher Ernüchterung: Im Achtelfinale der Champions League war gegen Pippo Inzaghi und die AC Mailand früh Schluss. „Wir brauchen wieder Führungsspieler“, resümierte Karl-Heinz Rummenigge, auch mit Hinblick auf den abwanderungswilligen Michael Ballack.
Zum Glück gab es in diesem Sommer noch eine weitere Chance, auf größtmöglicher Bühne etwas zu reißen: die Weltmeisterschaft im eigenen Land. Kaum sechs Minuten lief das Eröffnungsspiel gegen Costa Rica in der Allianz Arena, da zimmerte der 22-jährige Philipp Lahm den Ball von der linken Strafraumkante zum 1:0 ins Kreuzeck – und verzauberte mit einem Schuss ein ganzes Land.
Und auch Lahms Vereinskollege Bastian Schweinsteiger beeindruckte mit Dribblings und Pässen auf der linken Seite. „Die Lausbuben machen Spaß“, schrieb die „Süddeutsche Zeitung“ belustigt. Von Match zu Match wurden die Kritiken überschwänglicher. Von Spielverstehern und Dynamos. Die Führungsspieler, die Rummenigge so schmerzlich vermisst hatte, wuchsen in diesem märchenhaften Sommer heran. Im eigenen Garten.
Gut gesagt: „Die Bremer sollen ruhig oben stehen bis Weihnachten. Aber der Nikolaus war noch nie der Osterhase“ – Manager Uli Hoeneß über einen nur vorübergehenden Wechsel an der Tabellenspitze.
Diego Simeone wäre die Idealbesetzung für einen Gangster in einem Italo-Western. Eiskalte Augen, ein schwarzer Anzug und ein Spitzname, der gefährlich klingt: „El Cholo“. Wenn so ein Haudegen zu schwärmen beginnt, muss etwas Besonderes geschehen sein. „Ich habe in meiner ganzen Karriere noch nicht gegen so einen guten Gegner gespielt.“ Sagte Simeone nach dem Champions League-Halbfinal-Rückspiel in München. Dabei spielte Erleichterung mit. Dass seine Mannschaft das Finale erreicht hatte. Aber es war eben auch: wahr.
Im Jahr 2016, der letzten Saison unter dem Cheftrainer Guardiola, erreichte der FC Bayern „Peak Pep“: Philipp Lahm und David Alaba als Passmaschinen auf den Flügeln, der Dirigent Xabi Alonso im Zentrum und Thomas Müller war überall, wo ihn der Gegner nicht erwartete. Der FCB brandete wie Ozeanwellen gegen die Atleti-Abwehr, flüssig, unerbittlich, gewaltig.
73 Prozent Ballbesitz. 556 zu 145 Pässe. 23 zu 2 Flanken. Aber in der ersten Halbzeit traf nur Alonso per Freistoß. Und Müller verschoss einen Elfmeter. Nach Atlétis tödlichem Konter kam Robert Lewandowskis Siegtor zu spät. Ein Team, das den Fußball so schön spielte wie kaum eines zuvor, schied zum dritten Mal in Folge im Champions League-Halbfinale aus. Sie haben den letzten Schritt nicht gemacht. Trotzdem wird keiner, der in München dabei war, diese Nacht je vergessen.
Gut zu wissen: In den beiden Partien gegen Atlético gab Bayern 53 Torschüsse ab, dreimal so viele wie der Gegner.
Der Text entstammt der aktuellen Ausgabe des Magazins „51“:









































