FC Bayern München
·23 maggio 2026
Was den Erfolg in Berlin zu einem historischen Moment macht

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·23 maggio 2026

Um 22:03 Uhr, eine angenehm kühlende, dunkle Nacht hatte den ersten richtig heißen Tag des Sommers in der Hauptstadt vertrieben, sprang Harry Kane mit seinen Kollegen vor den Treuesten der treuen Anhänger in der Ostkurve des Berliner Olympiastadions voller Glück und Freude durch die Luft. Ganz so, als hätte es diese 90 Minuten packenden Pokalkampf gegen einen vor allem in Halbzeit eins beeindruckenden VfB Stuttgart nie gegeben. Ganz so, als seien sie alle mit Schlusspfiff in einen Zaubertrank gefallen, der ihnen nun, beim Tanzen und beim Feiern, noch einmal Superkräfte verlieh: Mit einem 3:0 hatte der FC Bayern nach sechs Jahren den DFB-Pokal wieder nach München gebracht, sich im 83. Pokalfinale zum 21. Mal zum Sieger gekürt.
„Das war definitiv einer der schönsten Abende meiner Karriere. Ich habe mich unglaublich auf dieses Finale gefreut. Ich habe von vielen Spielern, die dieses Endspiel hier mit dem Club schon erlebt haben, so viel darüber gehört“, verriet Matchwinner und Dreifachtorschütze Harry Kane und strahlte: „Ich wollte die Mannschaft stolz machen, ich wollte die Fans stolz machen. Und dann in einem Finale einen Hattrick zu erzielen – das ist einfach ein ganz besonderes Spiel und ein ganz besonderes Gefühl. Darauf bin ich extrem stolz. Es war eine lange und harte Saison. Sie so zu beenden, ist perfekt.“
Das Ergebnis jedoch, es täuschte zumindest über die erste Hälfte des Endspiels ein wenig hinweg. Da war es dem tapferen Titelverteidiger noch gelungen, die Partie nicht nur offen, sondern sogar mit leichten Vorteilen für den VfB zu gestalten. Dann aber stahl sich Harry Kane aus Leytonstone bei London bei einer Hereingabe mit dem eigentlich schwächeren rechten Fuß von Michael Olise die entscheidenden Zentimeter davon und köpfte den Ball zur 1:0-Führung für den FC Bayern über die Torlinie und mitten hinein ins Stuttgarter Fußball-Herz.
In der Startviertelstunde noch, da hatte sich der FC Bayern die Zähne ausgebissen an aggressiven, intensiven und laufstark um jeden Zentimeter kämpfenden Stuttgartern. Doch die Schwaben, sie verteidigten nicht nur mit einer äußerst massiven Dreierkette, sie zwangen den FC Bayern vor allem über dessen rechte Defensivseite immer wieder zum Rückwärtsgang. Während man dem Favoriten aus München die Nervosität im ersten DFB-Pokalendspiel seit sechs Jahren anfangs bis hinauf unters runde Stadiondach anmerkte, schüttelte sich der VfB mit dem Mut des Underdogs jede Anspannung schnell aus den Beinen. Bayern suchte und fand die Ordnung nur in der eigenen Spielhälfte, immer jedoch, wenn die Roten sich über die Mittellinie kombinierten, schnappte die engmaschige Defensive der Gegner zu: Aggressiv beackerten die Stuttgarter vor allem die pfeilschnellen Außenverteidiger des deutschen Meisters, Luis Díaz und Michael Olise fehlte so meist der Raum, um ihre Raffinesse auszuspielen.
Und wenn sie doch einmal enteilt schienen, bremsten die nächsten Stuttgarter die Angreifer noch wie ein Stück Holz, das man in die Speichen eines rollenden Rades wirft. „Wir hatten die ganze Saison über schon Spiele, in denen wir Widerstände überwinden mussten, in denen wir zurück lagen oder in Unterzahl spielen mussten. Der ganze Weg hat sich in diesem Spiel gezeigt“, meinte Sportvorstand Max Eberl.
Es entwickelte sich so ein von der Taktik bestimmtes, aber spannendes Aufeinandertreffen, das zwei in Rot und in Weiß gekleidete Fankurven mit ihren ohrenbetäubenden Gesängen in eine außergewöhnliche Atmosphäre hüllten. Beide Kurven entfachten gewaltige Energiewellen, die sie Richtung Feld hinunterschickten und die in der Mitte dieses riesigen Ovals mit einem lauten Knall aufeinanderprallten und nicht weniger monströs wieder zurückrollten. Es war atemberaubend! „Jeder hat gemerkt, wie geil dieses Finale hier ist – die ganze Atmosphäre, alles drumherum ist Wahnsinn“, meinte Konrad Laimer: „Das macht richtig Spaß, das sollte in den nächsten Jahren ruhig öfter passieren.“
Die ersten Möglichkeiten hatte aber ein von Trainer Sebastian Hoeneß taktisch clever eingestellter VfB, doch Jonas Urbig im Tor des FC Bayern entschärfte alle Torannäherungen. Urbig blieb lange der Mittelpunkt, weil er im Spielaufbau gegen hoch verteidigende Stuttgarter die wichtigste Anspielstation war. Über 45 Prozent des Spiels spielten sich im Spielfelddrittel des FC Bayern ab, Stuttgart sammelte 5:0 Torschüsse und mit jedem Pass, mit jedem gewonnenen Zweikampf, der vom Anhang fast wie ein Torerfolg gefeiert wurde, eine weitere Lasterladung Mut und Hoffnung: Leverkusen hatte im Halbfinale gegen den FC Bayern in 90 Spielminuten nur vier Mal aufs Tor geschossen. Die Münchner indessen versuchten es erst nach einer halben Stunde erstmals in Richtung VfB-Tor. Auch einen wuchtigen, gewaltigen Versuch von Josip Stanišić (156 km/h) faustete Stuttgarts Keeper in einem aufgrund der heißen Tagestemperaturen dampfigen und brodelnden „Suppenkessel“ Olympiastadion gerade noch zur Seite.
Es war bald klar: Der erste Fehler würde diese Begegnung wohl entscheiden – und je länger der VfB zu wenig aus seiner zumindest statistischen Überlegenheit machte, würde die Uhr für die Bayern laufen. So war es in allen bisherigen Aufeinandertreffen in dieser Saison gewesen, die allesamt München vor allem in den Schlussphasen gewann. Und so kam es auch diesmal wieder, als Harry Kane die Olise-Flanke eiskalt verwertete. „Wir wollten es eklig machen“, sagte Deniz Undav, der Stuttgarter Angreifer: „Aber dann darfst du Harry Kane nicht alleine lassen, der macht die Dinger eiskalt. Wir haben lange mitgehalten.“
Erst einmal in den vergangenen zehn DFB-Pokalfinals hatte ein Verein einen 0:1-Rückstand noch drehen können. Nun erdrückte die bayerische Dominanz die Schwaben, als hätte man eine Löschdecke auf einen Flammenherd geworfen. „Es tut brutal weh, wir haben alles in die Waagschale geworfen. Am Ende können wir uns nichts vorwerfen lassen“, fand Ermedin Demirović, Stuttgarts Stürmer.
Dann krachte es und klingelte es im Doppelschlag im VfB-Kasten: Erst nagelte Kane einen Fernschuss ans Lattenkreuz, Sekunden später drehte er sich auf Zuspiel von Luis Díaz unnachahmlich in engstem Raum wie im Tanz um die eigene Achse und um Bewacher Chema, um den Ball zum 2:0 einzuschieben (80.). Der VfB indessen hatte seit Minute 28 keinen Torschuss mehr abgegeben.
So blieb es auch, denn als in der Nachspielzeit Stuttgart auch noch ein Handspiel im Strafraum unterlief, verwandelte ein völlig entfesselter Harry Kane den Elfmeter sicher zum 3:0-Endstand und vollendete sein persönliches Kunststück eines Finalhattricks. Erst vier Spielern war das in der langen Historie des DFB-Pokalendspiels gelungen, unter anderem Roland Wohlfahrt 1986 – ebenfalls gegen den VfB. Einen „lupenreinen“ Hattrick, also drei Treffer binnen einer Hälfte, hatte noch niemand vorher in diesem Finale erzielt. Außerdem bemerkenswert: Mit Kane (zehn Tore), Díaz (drei) und Michael Olise (zwei) schossen nur drei unterschiedlichen Torschützen den FC Bayern von der 1. Pokalrunde bis zum Titel – das gab es seit BL-Gründung nur ein einziges Mal zuvor: 1968/69 hatten die Bayern sogar nur deren zwei (Gerd Müller sieben Tore, Rainer Ohlhauser ein Tor).
Als das Glück dann amtlich war, Schiedsrichter Sven Jablonski den Pokalsieg des FC Bayern mit seinem Abpfiff besiegelte, sprintete die Mannschaft freudetrunken in die Ostkurve zu ihren Fans. Alle waren sie außer Rand und Band – allen voran Leon Goretzka. „Ich habe mich auch schon bei Harry Kane bedankt. Er hat heute komplett abgeliefert – das hatte er mir vorher aber auch versprochen“, meinte der Mittelfeldspieler, der den Verein nach acht Jahren nun mit einem Double verlässt. Dort tanzten, sprangen und jubelten sie zusammen voller Glück und Freude.
„Die ganze Saison war außergewöhnlich“, sagte auch Max Eberl, der Sportvorstand, glücklich: „Es war sehr verdient, dass wir das Double geholt haben. Der Pokal kommt wieder nach München – die Krönung einer großartigen Saison.“ Dann stemmte Kapitän Manuel Neuer den DFB-Pokal in die Luft und es regnete goldenes Konfetti vom Berliner Nachthimmel. Ein mehr als treffender Abschluss der sechs Jahre dauernden Münchner Pokalsehnsucht.
Die Stimmen zum Pokalfinale gegen Stuttgart:
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