FC Bayern München
·12 marzo 2026
Was Hjulmands Werkself für den FC Bayern so unbequem macht

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Bayer 04 Leverkusen taumelt zwischen europäischem Glanz und stockendem Liga-Alltag – und trifft am Samstag (15:30 Uhr) ausgerechnet auf den Spitzenreiter aus München. Wie Kasper Hjulmand sein Team mit einem Systemwechsel neu ausrichtet, warum der VfB Stuttgart als Blaupause für den FC Bayern dienen könnte und welche Waffen Leverkusen mit Ball und bei Standards in der Hand hat, zeigt ein genauerer Blick auf die Werkself.
Nach drei Niederlagen zu Beginn des Jahres gegen den VfB Stuttgart (1:4), bei der TSG Hoffenheim (0:1) und bei Olympiakos Piräus (0:2) stabilisierte sich die Elf von Kasper Hjulmand und gewann sechs der folgenden acht Begegnungen. Zwar erreichte Bayer 04 über die Playoffs (2:0 und 0:0 gegen Olympiakos Piräus) die Runde der besten 16 Teams in der Champions League, blieb in der Bundesliga zuletzt jedoch wieder hinter den eigenen Erwartungen zurück: Ein Sieg aus den jüngsten vier Ligapartien sind zu wenig für die gewachsenen Ansprüche der Werkself. Da kommt das Aufeinandertreffen mit dem Tabellenführer aus München inmitten der beiden Achtelfinalduelle gegen den ebenfalls stark aufspielenden FC Arsenal in der Königsklasse eher zur Unzeit, auch wenn Leverkusen im Hinspiel am Mittwoch (1:1) eine bemerkenswerte Vorstellung bot.
Etwas überraschend wechselte Hjulmand in den vergangenen beiden Bundesliga-Partien die Grundformation seines Teams. Statt im bewährten 3-2-4-1 mit einer defensiven Dreierkette und einem klaren Mittelstürmer agierte Leverkusen aus einem 4-2-2-2-System mit vier Verteidigern und einer Doppelspitze heraus. Was auf dem Papier wie ein grundlegender Kurswechsel erscheint, erweist sich in der Praxis eher als Feinjustierung.
Alejandro Grimaldo, der nominell als Linksverteidiger aufläuft, hat dem Spiel der Werkself in den vergangenen Wochen und Monaten seinen Stempel aufgedrückt. Auf der linken Seite agiert er dabei in verschiedenen Rollen - mal als klassischer Außenverteidiger, mal als Achter oder sogar als Zehner - und interpretiert seine Position folgerichtig sehr fluide. Während der Spanier sich ins Aufbauspiel von Bayer 04 einbindet und kreative Elemente im Spiel nach vorne einbringt, konzentriert sich sein Pendant auf der rechten Seite, Jarell Quansah, eher auf die Defensivaufgaben. Der Sommerneuzugang vom FC Liverpool fühlt sich eigentlich in der Innenverteidigung am wohlsten, bringt durch seine Schnelligkeit jedoch die physischen Voraussetzungen für die Außenbahn mit und orientiert sich ohne Ball stärker ins Zentrum.
Vor der Innenverteidigung aus Kapitän Robert Andrich und Edmond Tapsoba setzt Hjulmand auf eine Doppelsechs: Dem passsicheren Aleix Garcia assistiert meist ein lauf- und zweikampfstarker Spieler wie Exequiel Palacios oder Ezequiel Fernández. Auf den Außen, die je nach Ausrichtung etwas in die Mitte rücken, agierten zuletzt Ibrahim Maza (links) und Ernest Poku (rechts). Mit Montrell Culbreath erhielt in den zurückliegenden beiden Partien ein 18-jähriges Mittelfeldtalent eine Chance. Ähnlich flexibel ist Bayer 04 im offensiven Zentrum aufgestellt: Sturmtalent Christian Kofane (fünf Tore in der laufenden Saison) ist der Fixpunkt, dahinter gehören Martin Terrier, Jonas Hofmann und Ex-Münchner Malik Tillmann zu den Optionen.
Wie die Leverkusener gegen den Ball zu bezwingen sind, hat der VfB Stuttgart im Bundesliga-Duell Mitte Januar vorgemacht. Dass die Schwaben beim 4:1-Erfolg so überlegen waren, lag auch daran, dass sie konsequenter in den Duellen Mann-gegen-Mann agierten (53 Prozent gewonnen Zweikämpfe). „Wir haben schlecht verteidigt und müssen es insgesamt einfach viel, viel besser machen“, musste sich Hjulmand nach der VfB-Partie eingestehen. „Wenn der Gegner Eins-zu-Eins über den ganzen Platz verteidigt, ist jeder einzelne Zweikampf wichtig. Von denen haben wir aber zu viele verloren und zahlreiche Bälle verspielt.“ Dabei hatte er seine Elf eigentlich auf diesen Plan eingestellt: „Über die Herangehensweise des VfB waren wir nicht überrascht, aber es war überhaupt nicht unser Spiel.“
Spannend wird im Duell am Samstag zu beobachten sein, welches Team das Geschehen am Ball an sich reißt, zumal die beiden Bundesligisten mit den dominantesten Spielweisen aufeinandertreffen. Der FC Bayern ließ die Kugel in dieser Saison so lange in den eigenen Reihen zirkulieren wie keine andere Mannschaft (62 Prozent), Leverkusen kommt auf den zweitmeisten Ballbesitz (knapp 58 Prozent). Auch in puncto Passanzahl und Passquote markieren beide Mannschaften die Spitze der Bundesliga, wobei der FCB in dieser Statistik noch knapp vor Bayer 04 rangiert. Es stehen sich also zwei Teams gegenüber, die den Ball nicht nur haben wollen, sondern mit ihm das Spieltempo diktieren.
Beim Blick auf die Defensive muss sich der deutsche Rekordmeister auf intensive körperliche Duelle einstellen: Nur RB Leipzig (2.681) hat mehr Zweikämpfe gewonnen als die Werkself (2.543). Auffällig dabei: Leverkusen überzeugt weniger über hohe Laufintensität als über kluge Staffelung. Mit nur 15.723 intensiven Läufen belegt Bayer 04 in dieser Statistik den vorletzten Platz aller Bundesliga-Clubs, während die Bayern, die ihren Ballbesitz mit größeren Risiken im Positionsspiel verbinden, hier auf Rang zwei liegen (17.921). So oder so ist Leverkusen mit seinem Ansatz äußerst erfolgreich: Nur zwei Mannschaften kassierten weniger Gegentore als Leverkusen (32). Im Champions League-Duell beim FC Arsenal am Mittwoch zeigten Robert Andrich und Co., wie diszipliniert sie gegen den Ball agieren: Der Spitzenreiter der Premier League kam gerade einmal zu sechs Torschüssen.
Auch offensiv präsentiert sich die Hjulmand-Elf höchst effektiv: Einzig der FC Bayern erspielte sich mehr Großchancen als Leverkusen (42). Besonders von außerhalb des Strafraums suchen Ibrahim Maza und Co. immer wieder den Abschluss – in diesem Bereich verzeichnen die Leverkusener ligaweit bislang die meisten Torschüsse (138). Nur zwei Mannschaften trafen häufiger aus der Distanz als Bayer 04 (siebenmal). Ein besonderes Augenmerk sollte die bayerische Defensive auf Christian Kofane legen: Der 19-jährige Youngster war in den jüngsten drei Begegnungen an vier Treffern beteiligt und steht sinnbildlich für die Offensivfreude und Unbekümmertheit dieser Mannschaft.
Gefahr droht den Münchnern nicht nur aus dem Spiel heraus, sondern auch bei ruhenden Bällen. In der laufenden Spielzeit kamen die Leverkusener schon nach fünf Freistoßsituationen zum Torerfolg – derzeit ist kein Team der Bundesliga so gefährlich bei diesen Standards wie die Werkself. Ein wichtiger Erfolgsfaktor wird Leverkusen im Duell mit den Bayern aber abgehen: Alejandro Grimaldo, der seit seinem Wechsel zu Bayer 04 bereits acht direkte Freistoßtore erzielt hat (auch gegen den FC Bayern war er beim 2:2 am 4. Spieltag der Saison 2023/24 auf diese Weise erfolgreich), wird das Spiel aufgrund einer Gelbsperre verpassen.
So trifft der FC Bayern am Samstag auf eine Leverkusener Mannschaft, die zwischen Topniveau und Wackelphasen pendelt, aber genug Qualität besitzt, um jeden Gegner vor Probleme zu stellen. Am Ende wird dieses Duell weniger eine Frage der klar besseren Idee sein, sondern der Mannschaft, die ihre Stärken konsequenter auf den Platz bringt.
Hier gibt es weitere Fakten zum Duell mit Leverkusen:









































