MillernTon
·7 luglio 2026
Wer ist Branimir Hrgota? – Ein Spielerprofil

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Mit Branimir Hrgota bekommt der FC St. Pauli einen erfahrenen Offensivspieler ablösefrei aus Fürth, der gleich mehrere Lücken im Kader füllen kann.(Titelfoto: FC St. Pauli)
Branimir Hrgota ist der dritte Neuzugang des FC St. Pauli in diesem Sommer. Nach Sam Klein und Marcus Mathisen ist er der erste Offensivspieler, der in dieser Transferperiode den Weg ans Millerntor findet. Wie auch Mathisen bringt Hrgota Zweitligaerfahrung mit und wird neben einer Rolle als auf dem Platz sicherlich auch die Rolle eines Führungsspielers im Team einnehmen.
Fürth. End of story. Zumindest so die allgemeine Wahrnehmung der Karriere von Branimir Hrgota.Tatsächlich ist Hrgota aber im Januar 1993 in Zenica (Bosnien und Herzegowina) geboren. Seine Eltern flohen etwa ein Jahr später nach Schweden, was dann auch die schwedische Staatsangehörigkeit erklärt.Im Süden von Jönköping trat Hrgota dann erstmals organisiert gegen einen Ball, vom Amateurverein IK Tord ging es 2008 im Alter von 15 Jahren zum damaligen Zweitligisten Jonköpings Sodra IF. 2011 begann er dort im Erwachsenenbereich auf sich aufmerksam zu machen: Er wurde Torschützenkönig (18 Treffer in 25 Spielen) und es ging für ihn im Sommer 2012 zu Borussia Mönchengladbach.
Angekommen bei Borussia Mönchengladbach in der Bundesliga begann es für ihn erwartungsgemäß schwierig. In seiner ersten Saison kam zu einigen Kurzeinsätzen eine Seltenheit: Er zog sich mit einem ein Außenbandriss eine Verletzung zu. Immerhin konnte er Thomas Tuchel beeindrucken, denn bei dessen Mainzern gelangen ihm bei seinem ersten Startelfeinsatz am 33. Spieltag beim 4:2-Auswärtssieg gleich drei Tore.Die Folgesaison klingt besser, wenn man auf die Zahl der Einsätze schaut: 30! Davon aber 27 Spiele nach Einwechslung, bei keinem davon kam er auf mehr als 35 Spielminuten. Auch in den Folgejahren gelang der Durchbruch nicht – trotz eines verheißungsvollen Starts in die Saison 14/15, als er im DFB-Pokal und der Euro League-Quali in drei Spielen sieben Tore erzielte. Doch spätestens als er 15/16 dann nicht mal mehr auf 90 Einsatzminuten in der gesamten Ligasaison kam, war es Zeit weiterzuziehen und er schloss sich Eintracht Frankfurt an.
Dort fand sich Branimir Hrgota direkt in seiner ersten Saison (16/17) viel besser zurecht als anfangs in Mönchengladbach. Am Saisonende kam er in 28 Einsätzen auf fünf Treffer und drei Vorlagen. Doch obwohl Hrgota weiterhin fit war, ging es im Anschluss für ihn unter der Leitung von Niko Kovač in Frankfurt nicht so richtig voran. Im Gegenteil: In der Saison 16/17 kam er auf mehr als 1.800 Spielminuten in der Bundesliga. In der Spielzeit darauf waren es nur noch knapp 200 (sechs Einsätze, eine Vorlage), 18/19 kam er dann nur ein einziges Mal für wenige Minuten zum Einsatz. Spätestens nach dieser letzten Spielzeit in Frankfurt war klar, dass es für Branimir Hrgota woanders weitergehen muss. Es folgte der Schritt in die 2. Bundesliga zur Spielvereinigung Greuther Fürth. Und das sollte der Beginn einer wirklich erfolgreichen Zeit sein.
In den sieben Jahren beim Kleeblatt kam Branimir Hrgota auf insgesamt 242 Einsätze und 111 Torbeteiligungen. Direkt in der ersten Saison war er mit 14 Torbeteiligungen die zentrale Figur der Fürther Offensive. In der Folgesaison wurde er nicht nur Kapitän des Teams, sondern steuerte gar 16 Tore und acht Vorlagen zum Bundesligaaufstieg bei und ohne seine 15 Torbeteiligungen in der Saison 21/22 wäre die ohnehin schon eher triste Bundesligasaison von Fürth noch deutlich niederschmetternder geworden. Auch in den Folgejahren (22/23: 15 Torbeteiligungen; 23/24: 17 Torbeteiligungen) war Hrgota weiterhin der wichtigste Offensivspieler des Teams. In den letzten beiden Saisons ließen die nackten Zahlen aber etwas nach: 24/25 waren es „nur noch“ zehn Torbeteiligungen. Doch Hrgota zeigte weiterhin, wie wichtig er für das Team sein kann: Auch dank seiner vier Treffer und neun Vorlagen schaffte es das Kleeblatt in der Vorsaison überhaupt noch in die Relegation, gewann diese unter anderem durch seinen Treffer im Rückspiel und blieb so in der zweiten Liga.
Bereits vor Ende der Saison erklärte „Brane“ dann aber seinen Abschied nach der Saison 25/26. Mit 33 Jahren lassen andere Spieler ihre Karriere irgendwo in der Heimat ausklingen. Bei Branimir Hrgota ist das nicht der Fall – oder aber er sieht seine Heimat in der 2. Bundesliga. Ein Wechsel zu Hertha BSC, wo sein ehemaliger Trainer Stefan Leitl Cheftrainer ist (mit dem er 2021 in die Bundesliga aufstieg), war vermutet worden. Doch es kam anders, Hrgota scheint ein neues Kapitel mit einigen Ambitionen aufschlagen zu wollen, so erklärte es der 33-jährige zumindest im Zuge der Verpflichtung: „Weil für mich auch die sportliche Perspektive und der Plan, den die Verantwortlichen mir aufgezeigt haben, stimmen, ist mir die Entscheidung für den Wechsel nach Hamburg leichtgefallen.“Nun wird es sehr schnell zum Wiedersehen mit seinem alten Club kommen: Der FC St. Pauli empfängt am ersten Spieltag am Millerntor das Kleeblatt aus Fürth.

Ein Abschied nach Maß: In seinem letzten Spiel für die Spielvereinigung Greuther Fürth traf Branimir Hrgota und hatte somit großen Anteil am Klassenerhalt des Clubs.
(Adam Pretty/Getty Images/via OneFootball)
Um Branimir Hrgota etwas besser kennenzulernen, haben wir uns mit Michael Fischer unterhalten. Michael begleitet die SpVgg Greuther Fürth für die Nürnberger Nachrichten, ist zudem ein gern gesehener Gast im Rasenfunk und unserem VdS-/NdS-Format. Entsprechend hat er Hrgota in den letzten sieben Jahren intensiv beobachtet und uns nun ein paar Fragen zu ihm beantwortet.
Moin Michael, Branimir Hrgota wechselt zum FC St. Pauli. Passt der Wechsel aus Deiner Sicht?Für mich kommt der Wechsel durchaus überraschend. Hrgota hatte zwar rund um seinen Abschied verkündet, dass er wohl in der zweiten Liga bleiben wird, ich hatte aber eher erwartet, dass er zu seinem Ex-Trainer und großen Förderer Stefan Leitl und Hertha BSC wechselt. Der Transfer zeigt, dass Hrgota auch mit 33 Jahren noch lange nicht daran denkt, seine Karriere so langsam ausklingen zu lassen. Das hatte er auch in seinem letzten Interview mit unserer Redaktion angedeutet. „Ich bin weit weg vom Karriereende“, sagte er damals. „Mein Körper ist unglaublich fit. Ich weiß nicht, wie viele Trainingseinheiten ich überhaupt verpasst habe in den sieben Jahren. Es wird etwas Neues geben im Sommer.“Auch geographisch passt der Wechsel. Hrgota ist dadurch 600 Kilometer weiter im Norden und der Weg zur Familie nach Schweden deutlich kürzer.
Was sind seine Stärken auf dem Platz?Branimir Hrgota will immer gewinnen. Nach einem verlorenen Trainings(!)spiel hat man ihn oft auffällig schlecht gelaunt erlebt. Neben diesem unbedingten Siegeswillen hat er sich in den vergangenen Jahren immer mehr zu einem Vorbereiter denn zu einem Vollstrecker entwickelt. In der vergangenen Saison schoss er nur noch vier Tore, bereitete aber neun weitere vor. Hrgota hat ein gutes Gespür für Räume, bewegt sich klug zwischen den Ketten, lässt sich als Zehner oft auch auf die Seite fallen, um sich Freiräume zu schaffen, aus denen er seine Kollegen in Szene setzen kann. Im Relegations-Rückspiel gegen Essen hat man beim erlösenden 2:0 aber auch gesehen, wie gut sein linker Fuß noch immer ist.
Was können wir von ihm nicht erwarten?In 195 Zweitliga-Spielen hat Hrgota 58 Tore geschossen und 35 vorbereitet. Er wird, vermutlich für immer, der Zweitliga-Rekordtorschütze des Kleeblatts bleiben. Nachdem er zuvor jahrelang immer zweistellig getroffen hat, darunter im Aufstiegsjahr 2020/21 16-mal, konnte er diese Zahlen zuletzt nicht mehr bestätigen. Trotzdem ist Branimir Hrgota immer für eine Torbeteiligung gut – womöglich auch durch einen Second Assist.Was man von ihm weniger erwarten kann? Läuferische Zahlen wie einst von Marcel Hartel. Hrgotas Spiel ist durchaus anzumerken, dass er älter geworden ist. Wie er selbst im Interview sagte, ist er zwar noch fit und war nahezu nie verletzt, hinter vorgehaltener Hand beklagte sich mancher in Fürth dann aber doch über seine mangelnden Lauf- und Sprintwerte. Der neue Trainer Heiko Vogel wechselte ihn deshalb einige Male auch deutlich früher aus, als es sich mancher Coach zuvor getraut hätte.
Der FC St. Pauli benötigt unter Marcel Rapp vermutlich einen Zehner hinter zwei Spitzen. Ist das eine Rolle, die zu Hrgota passt?Kurze Antwort: Ja. Hrgota war in den vergangenen Jahren immer Zehner, nachdem er zuvor unter Leitl noch mehr als Angreifer gespielt hatte.
Hrgota ist bereits 33 Jahre alt. Hast Du zuletzt gemerkt, dass er älter geworden ist? Oder funktioniert sein Spiel unabhängig vom Alter?Wie weiter oben beschrieben, merkt man ihm deutlich an, dass er älter geworden ist. Hrgota kann immer noch ein „Unterschiedsspieler“ sein, aber die Zahl der Spiele, die er entscheidet, ist in den vergangenen Jahren sukzessive zurückgegangen. Sein Gespür für Räume, für den richtigen Pass und seinen guten Abschluss (aber nur mit links!) hat er sich mit dem Älterwerden bewahrt, läuferisch aber muss man sich einen Hrgota in der Startelf auch leisten können.
Der FC St. Pauli benötigt nicht nur leistungsstarke Spieler, sondern auch solche, die ein Team führen können und wollen. Ist Hrgota ein Führungsspieler?Auch hier ein ganz deutliches: Ja! Stefan Leitl hat Hrgota 2020 zum Kapitän ernannt, ein Jahr später führte er seine Mannschaft zum Aufstieg und durfte das Kleeblatt auch in München und Dortmund anführen. Seither war er unumstrittener Kapitän, dem es allerdings in den vergangenen zwei Jahren oftmals nicht gelungen ist, voranzugehen und seine Mannschaft nach Tiefschlägen aufzurichten. In den entscheidenden Spielen der abgelaufenen Saison aber war Hrgota nochmal ein perfekter Führungsspieler, ging mit Leistung und als Leader voran und verabschiedete sich deshalb mit dem Klassenerhalt. „Brane war die letzten Jahre ein vorbildlicher Kapitän und hat eine Ära geprägt mit Auf- und Abstiegen“, sagte Trainer Heiko Vogel nach dem Sieg gegen Essen. „Er hat immer seinen Mann gestanden und ist Rekordtorschütze.“
Lieber Michael, vielen Dank für Deine Antworten! Wir sehen uns sicherlich zum Saisonauftakt am Millerntor!
Zwar ist der Kader des FC St. Pauli bereits ganz gut gefüllt, doch eine Position ist bisher noch gar nicht besetzt gewesen: Die Position direkt hinter der Doppelspitze. Marcel Rapp ließ in Kiel gerne mit zwei Angreifern und einem Zehner spielen. Seit dem Abgang von Danel Sinani gibt es aber gar keinen richtigen Zehner im Kader. Metcalfe und Fujita können diese Rolle theoretisch übernehmen, aber das ist eher eine Notlösung, weil die Spieler entweder nicht so kreativ sind wie auf dieser Position notwendig oder einfach nicht torgefährlich genug. (Und ohnehin ist es unklar, ob beide beim FCSP bleiben).Zum Vergleich: In den letzten beiden Phasen, in denen der FC St. Pauli mit begeisternder Offensive bestach, gab es solche Spielertypen im Kader. Daniel-Kofi Kyereh und Marcel Hartel füllten diese Rollen sehr, sehr gut aus. Nun darf Hrgota zeigen, dass ihm diese Rolle liegt.
Fraglich ist dabei, inwiefern sein Alter ihn daran hindert, die Zehnerposition beim FC St. Pauli als Stammspieler einzunehmen. Dass die nackten Zahlen in den letzten beiden Saisons insgesamt etwas nachgelassen haben, könnte durchaus darauf zurückzuführen sein, dass Hrgota inzwischen 33 ist. Oder aber das Fürther Team um ihn herum hat in den letzten Jahren nachgelassen. Klarheit dürfte es erst im Laufe der Saison geben, wenn er für den FC St. Pauli auf dem Rasen steht. Es ist ein Fragezeichen unbekannter Größe, das ihn und den FCSP bis dahin begleiten wird. Unabhängig vom für den Profifußball bereits gehobenen Alter kann man zumindest erwarten, dass Branimir Hrgota ein steter Bestandteil des Kaders sein wird. Seit der Saison 21/22 hat er insgesamt nur vier Pflichtspiele verpasst, drei davon aufgrund von Gelbsperren, einmal fehlte er krank.
Doch Branimir Hrgota soll beim FC St. Pauli vermutlich mehr sein als „nur“ ein torgefährlicher Offensivspieler. Sein neuer Cheftrainer Marcel Rapp sagte im Zuge der Verpflichtung: „Er war viele Jahre Kapitän und ist ein Leader, der sich auch für Defensivaufgaben nicht zu schade ist und weiß, worauf es in dieser Liga ankommt.“ Hrgota war sechs Jahre lang Kapitän in Fürth, hat einiges an Zweit- und Erstligaerfahrung und „hat immer wieder nachgewiesen, dass er Verantwortung übernehmen und auch in wichtigen Spielen den Unterschied ausmachen kann“, wie Andreas Bornemann erklärte. Hrgota dürfte beim FC St. Pauli also eine ganz zentrale Rolle einnehmen, mindestens im Team – und hoffentlich auch auf dem Rasen.Herzlich Willkommen am Millerntor, Branimir Hrgota!// Tim
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