FC Bayern München
·8 aprile 2026
Wie gefährlich wird St. Pauli für den FC Bayern?

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Auf dem Papier wirkt die Ausgangslage vor der Auswärtspartie beim FC St. Pauli eindeutig: Der FC Bayern reist als Spitzenreiter zum Tabellensechzehnten. Ein Gegner im Krisenmodus, der seit Wochen auf den nächsten Dreier wartet – das klingt nach einer Pflichtaufgabe. Doch der Eindruck täuscht.
Der FC St. Pauli ist laufstark, gefährlich bei Standards und steckt mitten im Abstiegskampf. Genau diese Mischung macht den Kiezclub vor dem Duell am Millerntor zu einem Gegner, den der Rekordmeister keinesfalls unterschätzen darf. Worauf sich der deutsche Rekordmeister am Samstag (18:30 Uhr) im hohen Norden einstellen muss, erfahrt Ihr in unserem Gegnercheck.
Die zweite Bundesliga-Saison nach dem Aufstieg wird immer die schwerste. Das sagte einst schon HSV-Legende Uwe Seeler. Der FC St. Pauli kann davon ein Lied singen: Stand die Blessin-Elf in der vergangenen Spielzeit noch auf Rang 14, sind die Kiezkicker dem Abstieg inzwischen deutlich näher als im Premierenjahr. Die Realität heißt aktuell Platz 16, mit 25 Punkten nach 28 Spieltagen spielt St. Pauli seine drittschwächste Runde im deutschen Oberhaus überhaupt: Nur 2001/02 (21) und 1977/78 (umgerechnet 22) waren es weniger Zähler zu diesem Zeitpunkt.
Vier Punkte trennen die Braun-Weißen derzeit von einem direkten Abstiegsplatz, zwei fehlen bis zum rettenden Ufer. Kein Wunder, dass Alexander Blessin mit dem 1:1 bei Union Berlin am Sonntag haderte. „Zufrieden ist das falsche Wort“, sagte der Cheftrainer – drei Punkte wären einem Befreiungsschlag gleichgekommen, zumal der Tabellensiebzehnte VfL Wolfsburg tags zuvor leer ausgegangen war. „Wir nehmen den einen Punkt aber mit, der hilft uns auf jeden Fall.“
Seit dem 2:1-Heimsieg gegen Werder Bremen Ende Februar wartet St. Pauli auf den nächsten Dreier. Vor allem in der Offensive fehlt den Kiezkickern aktuell die Durchschlagskraft: In den vergangenen fünf Partien gelang Danel Sinani und Co. nie mehr als ein eigener Treffer, in vier dieser Duelle lag der xGoals-Wert der Blessin-Elf unter eins. Überhaupt hat kein anderer Bundesligist in dieser Saison so wenige Tore erzielt wie der FC St. Pauli (25).
Das hängt auch mit der defensiv geprägten Spielidee zusammen. Mit bislang 45 Gegentoren präsentiert sich das Team um Kapitän Jackson Irvine in der Rückwärtsbewegung stabiler als der Großteil der Konkurrenz im Tabellenkeller. Nicht ohne Grund bezeichnete Mathias Pereira Lage die ausstehenden sechs Spiele als „Endspiele“ – nach dem Duell mit dem FC Bayern warten mit Köln, Heidenheim, Mainz und Wolfsburg noch vier direkte Rivalen im Kampf um den Klassenerhalt.
Herzuschenken haben die Hamburger auch am Samstag gegen den Spitzenreiter nichts. Die Favoritenrolle ist den Bayern genauso wenig abzusprechen wie die Aussicht, dass sie das Geschehen am Ball kontrollieren werden. Irvine und Co. kommen im Schnitt auf 43 Prozent Ballbesitz, ligaweit lässt nur Union Berlin die Kugel seltener in den eigenen Reihen laufen (40 Prozent).
Entsprechend fokussiert sich das Angriffsspiel des FC St. Pauli stark auf ruhende Bälle: Als einziger Bundesligist erzielten die Kiezkicker in dieser Saison über die Hälfte ihrer Tore nach Standardsituationen (13 von 25) – allein acht der letzten elf Ligatore fielen auf diese Weise. Nichts vorzuwerfen hat sich der Tabellensechzehnte in Sachen Laufpensum: 3350,7 Kilometer hat St. Pauli bisher zurückgelegt, nur drei Bundesligisten liefen mehr – unter anderem der FC Bayern (3.450 Kilometer).
Personell setzte Blessin in den vergangenen Wochen eher auf Rotation als auf Konstanz. In den zurückliegenden fünf Partien schickte St. Paulis Cheftrainer fünf verschiedene Anfangsformationen ins Rennen, lediglich die 3-4-2-1-Grundordnung blieb dieselbe.
Im Tor ist Bosniens Nationalkeeper Nikola Vasilj gesetzt, davor könnten Karol Mets, Hauke Wahl und Eric Smith, der zuletzt angeschlagen fehlte, verteidigen. Adam Dzwigala wäre die Alternative für Smith. Auf den Außenbahnen wird Blessin aller Voraussicht nach auf eine defensivere Variante aus Lars Ritzka (links) und Arkadiusz Pyrka (rechts) setzen.
Mathias Pereira Lage wäre ebenfalls eine Option für die linke Seite. Seine größte Stärke ist das Tempo in der Tiefe: Mit 562 Sprints gehört er in dieser Kategorie zu den besten acht Spielern der Bundesliga, bei den intensiven Läufen (1957) liegt er sogar auf Platz sieben. Deshalb könnte der Portugiese auch in der offensiven Dreierreihe auflaufen – etwa an der Seite von Joel Chima Fujita und Topscorer Danel Sinani (fünf Tore, drei Assists) – und gegen ballsichere Bayern auf Konter lauern.
Blessins größte Baustelle liegt derweil auf der Doppelsechs: Kapitän Jackson Irvine fehlt am Samstag rotgesperrt, ein Einsatz von James Sands (Sprunggelenksverletzung) ist fraglich. Somit könnten Mathias Rasmussen und Connor Metcalfe im Zentrum agieren.
Vor dem Duell mit dem FC Bayern steht der FC St. Pauli damit beispielhaft für die Realität vieler Aufsteiger im schwierigen zweiten Jahr: defensiv organisiert, laufstark, mit klaren Stärken bei Standards – aber offensiv zu selten zwingend und tabellarisch unter Druck. Für die Blessin-Elf sind die kommenden Wochen „Endspiele“.
Aus Sicht des FC Bayern bedeutet das: ein Gegner im Krisenmodus, der um jeden Ball kämpft, bei Standards jederzeit gefährlich ist und in der Millerntor-Atmosphäre nichts zu verlieren hat. Für St. Pauli ein mögliches Befreiungsspiel – für den Rekordmeister eine Pflichtaufgabe mit klarer Favoritenrolle, aber ohne Spielraum für Nachlässigkeiten.
Die Fakten zur Partie bei St. Pauli:









































