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·11 febbraio 2026
Zerlegt sich Schalke selbst? Warum die mediale Unruhe fadenscheinig ist

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·11 febbraio 2026

"Wir werden unseren Weg gehen und lassen uns von niemandem davon abbringen!" Miron Muslic betont dieses Motto für Schalke immer wieder.
Das gilt umso mehr nach der jüngsten Sieglos-Serie von fünf Spielen und dem Verlust der Tabellenführung. Dass S04 die Bundesliga-Rückkehr anpeilt, will von den Klub-Bossen öffentlich zwar keiner hinausposaunen. Insgeheim ist es aber das klare Ziel.
Auch für Trainer Muslic, der seit Saisonbeginn am Werk ist und die Knappen endlich wieder auf solide Beine gestellt hat. Wie solide, wird sich aber vor allem in den kommenden Wochen zeigen.
Denn es herrscht plötzlich wieder Schalke-typische Unruhe in Gelsenkirchen. Bereits vor Rückrunden-Start ließ Felix Kroos aufhorchen, als er in seiner Funktion als TV-Experte für RTL erklärte, er könne sich keinen Schalke-Aufstieg vorstellen. Offensiv sei S04 dafür viel zu harmlos.
Muslic moderierte das noch mit dem Hinweis weg, in der zweiten Saisonhälfte eine Entwicklung im Spiel mit dem Ball vorantreiben zu wollen. Unterstützt wurde das durch die Euphorie des Transfer-Winters. Verpflichtungen wie Edin Dzeko, Dejan Ljubicic und Adil Aouchiche unterstrichen den Schalker Aufstiegsanspruch und lassen auf mehr offensive Torgefahr hoffen.
Nach nur vier Treffern aus den ersten vier Partien des neuen Jahres - davon drei von Star-Neuzugang Dzeko - fällt die erste Zwischenbilanz aber ernüchternd aus. Zweimal blieb Schalke sogar ohne eigenes Tor. Auf der anderen Seite scheint derzeit aber auch die große defensive Stabilität flöten gegangen zu sein. Sechs Gegentore setzte es in den letzten drei Partien. In den 18 zuvor waren es lediglich zehn.
Unruhe ist bei den Königsblauen da fast schon vorprogrammiert. Hineingebracht wird sie auch von den eigenen Fans. Teile der Ultras brachen im jüngsten Heimspiel gegen Dresden eine Diskussion um Ex-Chef Clemens Tönnies vom Zaun, weil dieser einen Platz im Ehrenpräsidium bekommen könnte. Der Klub reagierte mit einem Statement: "Weder Plakate, die Einzelpersonen beleidigen, noch Briefe, die innerhalb kürzester Zeit bewusst an Medien gegeben werden, helfen Schalke dabei, seine Ziele zu erreichen", heißt es darin unter anderem.
Die Botschaft ist klar: Nebenkriegsschauplätze sind im Aufstiegsrennen unerwünscht. Zumal die mögliche Tönnies-Rolle im Ehrenpräsidium kaum nennenswerte Auswirkungen haben dürfte. Entsprechend ist es völlig unnötig, dieses Thema größer zu machen, als es eigentlich ist. Gut, dass der Großteil der Ultras dieses Thema abhaken möchte und wieder zu einer positiveren Stimmung aufruft.
Doch auch medial wird auf Schalke gerne mächtig Öl ins Feuer gekippt. Weil das in den vergangenen Monaten kaum möglich war, scheint man die Flamme nun umso heftiger zum Lodern bringen zu wollen. Die Bild titelt nun sprachgewaltig: "Schalke 04 zerlegt sich selbst!"
Begründet wird das im Artikel neben der Tönnies-Unruhe und dem angeblichen Frust von Edin Dzeko über seine frühe Auswechslung gegen Dresden auch mit Stress innerhalb der Mannschaft. Beim 2:2 gegen Kaiserslautern habe Abwehrchef Nikola Katic Youngster Mertcan Ayhan kurz vor der Halbzeit "auf dem Platz und für jeden sichtbar zur Schnecke" gemacht.
Außerdem sei aus der Kabine zu hören, "dass mittlerweile viel - manchen Spielern zu viel - bosnisch, bzw. kroatisch gesprochen wird. Eines der meistgenutzten Worte soll demnach 'Brate' (Bruder) sein -und einigen Kickern gehörig auf die Nerven gehen".
Wie stichhaltig diese Argumente für die "Selbstzerlegungs-These" sind, muss jeder für sich bewerten. Man kann aber gut begründen, dass sie ziemlich fadenscheinig sind. Klar, mit Katic, Dzeko, Ljubicic und auch Trainer Muslic sprechen die führenden Köpfe der Mannschaft bosnisch bzw. kroatisch. Das geflügelte Wort "Brate" dürfte daher häufig fallen. Vom Klub selbst wurde die gemeinsame Herkunft von Muslic, Dzeko und Katic rund um den Transfer auch zelebriert. Anders hätte Schalke wohl auch überhaupt keine Chance auf eine Dzeko-Verpflichtung gehabt.Das nun als Argument für genervte Stimmung im Team zu nutzen, klingt sehr durchschaubar. Zumal es im Team mit u.a. Sylla, Gomis, Lasme und Winter-Neuzugang Aouchiche mehr französisch sprechende Spieler gibt. Was folgt also als nächstes: Genervte Schalker vom "Bonjour" am Morgen?
Ebenso wenig stichhaltig ist vermeintliche Unruhe innerhalb der Teamkollegen, weil ein erfahrener Leistungsträger wie Katic mal einen jungen Spieler wie Ayhan auf dem Platz zur Sau macht. Und nicht wie von der Bild gefordert im stillen Kämmerlein in der Kabine. Jeder, der mal in einer Fußballmannschaft gespielt hat, weiß, dass es auf dem Platz auch mal lauter werden kann. Emotionen gehören dazu. Gerade bei einem Klub wie Schalke. Der Fußballer-Codex besagt vielmehr, dass das nach dem Spiel vergessen ist.Und auch wenn alles vielleicht etwas empfindlicher geworden ist: Einen Keil zwischen Katic und Ayhan zu sehen, weil der 29-Jährige den 19-Jährigen einmal verbal angegangen ist, dürfte nicht viel mehr als wilde Effekthascherei sein.
Am Ende des Tages kommen solche medialen Argumentationen ohnehin nur auf, weil es aktuell sportlich nicht mehr so gut läuft. Dieselben Vorgänge bei einer Siegesserie würden vermeintlich sogar umgekehrt positiv ausgelegt werden: Wie emotional Katic die Mannschaft wachrüttelt, wie stark der Zusammenhalt mit den neuen Spielern schon ist und wie sehr die "Bosnien-Fraktion" das Team anleitet.Es erscheint eben alles anders im Lichte des (Miss-)Erfolgs. Auf Schalke umso mehr.
Die Knappen sind gut beraten, das Unruhe-Feuer nicht zum Flächenbrand ausarten zu lassen. Helfen können dabei nur Siege. Dann sind bei S04 auch garantiert wieder alle "Braćo" oder frères (bosnisch und französisch für Brüder). Oder ganz einfach: Eine erfolgreiche Mannschaft dick im Aufstiegsrennen.
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