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·31 de julho de 2026
21 Millionen Tickets – und Paderborn erhöht um 36 Prozent

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·31 de julho de 2026

21.404.258 abgesetzte Tickets, 96,1 Prozent Auslastung, allein in Bremen 18.000 Menschen auf einer Warteliste. Die Bundesliga meldet den größten Zuschauerzuspruch ihrer Geschichte – und genau das ist der Grund, warum die Kurve teurer wird.
Ein Hinweis gehört zur Ehrlichkeit dazu, und die Liga macht ihn selbst: Grundlage der Statistik ist die Gesamtzahl der abgesetzten Tickets einschließlich Ehren- und Freikarten. Das ist seit Beginn der Datenerhebung so und international üblich – aber es ist eben ein Absatzrekord, kein Drehkreuzrekord.
Das Plus von 9,1 Prozent in der Bundesliga hat einen simplen Grund, und die Liga benennt ihn ohne Umschweife: Mit dem 1. FC Köln und dem Hamburger SV kehrten zwei zuschauerstarke Traditionsklubs zurück, deren Stadionkapazitäten die der Absteiger Darmstadt 98 und Holstein Kiel deutlich übersteigen.
Die Gegenrechnung steht eine Zeile tiefer in derselben Tabelle. In der 2. Bundesliga sank der Ticketabsatz von 9,33 auf 8,69 Millionen, der Schnitt von 30.493 auf 28.386. Es sind also nicht plötzlich Hunderttausende neu ins Stadion gegangen. Zwei große Adressen haben die Etage gewechselt. Der Gesamtrekord bleibt einer – nur ist er zu einem erheblichen Teil eine Umverteilung.
Paderborn ist der Extremfall und zeigt, wie das Muster funktioniert: Der Aufsteiger hätte mit diesen Preisen in der Vorsaison zu den teuersten Bundesligisten gezählt. Auf Instagram diskutierten Fans nach der Veröffentlichung tagelang, die Vokabeln reichten von „unverschämt“ bis „frech“. Die interessanteste Frage stellte ein Leserkommentar auf nw.de: Ob die Preise nach einem möglichen Abstieg im gleichen Maß wieder sinken.
Die Argumente ähneln sich und sind nicht aus der Luft gegriffen. Werder-Geschäftsführer Klaus Filbry verweist auf gestiegene Kosten unter anderem beim Sicherheits- und Ordnungspersonal und darauf, den Klub wirtschaftlich stabil und sportlich konkurrenzfähig halten zu wollen. Hannover 96 nennt Energie-, Betriebs- und Lohnkosten sowie deutlich erhöhte Ausgaben für externe Dienstleister. Der BVB will die Kategorien gemeinsam mit Fanvertretern neu ordnen und stellt in Aussicht, dass dabei auch günstigere Kategorien entstehen.
Alles nachvollziehbar. Nur erklärt Kostendruck keine 36 Prozent, und er erklärt schon gar nicht, warum ein Klub wie Schalke bei 45.000 Dauerkarten mit 199 Euro für Mitglieder auskommt, während anderswo die Kategorie 2 um 55 Euro nach oben rutscht. Die ehrlichere Erklärung steht in der ersten Tabelle: Bei 96,1 Prozent Auslastung und Wartelisten im fünfstelligen Bereich kostet eine Preiserhöhung keinen einzigen Zuschauer.
Die Debatte über Ticketpreise ist in diesem Jahr durch das Turnier in Nordamerika eskaliert, allerdings an anderer Stelle. Bereits im März reichten die Fanorganisation Football Supporters Europe und die Verbraucherorganisation Euroconsumers bei der Europäischen Kommission eine förmliche Beschwerde gegen die FIFA ein – wegen „überhöhter Eintrittskartenpreise“ und intransparenter Kaufbedingungen.
Die Zahlen aus dieser Beschwerde sind eine eigene Liga. Die günstigsten offen verfügbaren Finaltickets begannen bei 4.185 Dollar, mehr als das Siebenfache der billigsten Karte für das Endspiel 2022. Zum Vergleich führten die Beschwerdeführer die EM 2024 an, wo das Finale ab 95 Euro zu haben war. In den eigenen Bewerbungsunterlagen hatte die FIFA einen durchschnittlichen Ticketpreis von 1.408 Dollar prognostiziert. Beworbene 60-Dollar-Karten für die Gruppenphase waren praktisch vergriffen, bevor der freie Verkauf begann. Kernvorwurf ist das Dynamic Pricing – ein Preismodell, das bei begrenztem Angebot und hoher Nachfrage aus Treue ein Bietgefecht macht.
Hier ist die Trennlinie wichtig: Es gibt keinen Beleg dafür, dass die deutschen Preiserhöhungen eine Folge der WM sind. Die Bremer, Dortmunder und Hannoveraner Beschlüsse fielen im Mai und Juni, begründet mit Betriebskosten. Was WM und Bundesliga verbindet, ist kein Kausalzusammenhang, sondern derselbe Mechanismus: Wo die Nachfrage das Angebot dauerhaft übersteigt, entscheidet der Anbieter allein über den Preis.
Und weil in der öffentlichen Debatte gerade alles in einen Topf wandert, gehört diese Einordnung dazu: Der europäische Verband hat die Preise nicht erhöht, sondern gedeckelt – und den Deckel zweimal gesenkt. Seit 2024/25 darf ein Gästeticket in der Champions League maximal 60 Euro kosten, in der Europa League 40, in der Conference League 20. Zur Saison 2025/26 sanken die Obergrenzen auf 50 und 35 Euro. Entschieden wurde das nach Konsultationen mit der Klubvereinigung ECA und ausgerechnet mit Football Supporters Europe.
Erste Obergrenzen hatte die UEFA 2019 eingeführt, damals bei 70 Euro in der Königsklasse. Dass sie überhaupt existieren, ist das Ergebnis jahrelanger Proteste auf den Rängen, an denen deutsche Fanszenen prominent beteiligt waren. Es ist der einzige Bereich im europäischen Fußball, in dem eine Preisgrenze nicht nur diskutiert, sondern eingezogen wurde.
Der Ticketrekord wird in den kommenden Tagen als Beleg dafür zitiert werden, dass in Deutschland alles richtig läuft. Er belegt zunächst nur, dass die Nachfrage stabil ist – und eine stabile Nachfrage ist für einen Verein ein Traum und für einen Preisverhandler ein Freibrief.
Die Frage, die im Herbst zu stellen sein wird, ist nicht, ob die Stadien voll bleiben. Sie werden voll bleiben. Die Frage ist, wer nächstes Jahr noch drinsitzt: 850 Euro für eine Sitzplatz-Dauerkarte in Paderborn sortieren ein Publikum genauso zuverlässig wie 4.185 Dollar für ein WM-Finale, nur langsamer. Der Rekord ist kein Beweis dafür, dass alles stimmt. Er ist der Grund, warum niemand etwas ändern muss.







































