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·15 de junho de 2026

Brasiliens WM-Start: Nur ein Punkt, nur ein Tor und viele bange Fragen

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Vinícius Júnior trifft beim WM-Auftakt unter Ancelotti zum Ausgleich. Brasilien wirkt fehleranfällig, Neymar fehlt angeschlagen auf der Bank.

Vielleicht hat es etwas Tröstliches, dass Brasilien in East Rutherford nicht verloren hat. Vielleicht ist das 1:1 gegen Marokko aber schon die ehrliche Auskunft über den Zustand dieser Selecao. Der Rekordweltmeister hat sein WM-Auftaktspiel überstanden, mehr nicht. Und die erste Auftaktpleite seit 1934 verhinderte ein Einzelner, was man ruhig als Hinweis nehmen darf, in welcher Verfassung diese Mannschaft hier ankommt.


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Vinícius Júnior traf in der 32. Minute, nachdem Ismael Saibari elf Minuten zuvor nach einem simplen Steilpass durch die Mitte frei vor Alisson aufgetaucht war und den Ball lässig ins Tor gelupft hatte. Das war die nüchterne Beschreibung dessen, was man in der ersten Halbzeit sah: Marokko mutig, Brasilien fehleranfällig im Aufbau, defensiv mit Lücken, die ein Geheimfavorit gnadenlos bestraft. Dass die "Löwen vom Atlas" 2022 bis ins Halbfinale gestürmt sind, ist kein Zufall, das war auch hier zu besichtigen. Und der verdiente Punkt am Ende ist die mildere Version eines Spiels, das Marokko in der Nachspielzeit beinahe gewonnen hätte, als Alisson in höchster Not retten musste.

Man sollte über dieses Spiel nicht sprechen, ohne über Neymar zu sprechen, auch wenn er nicht spielte. Der Mann, den eine ganze Fußballnation zum Heilsbringer erklärt hat, hat seit 2023 kein Länderspiel mehr absolviert. Er saß angeschlagen mit weißer Kappe am Rand und redete in der Trinkpause auf seine Mitspieler ein. Das ist ein Bild, das man sich merken sollte: Der Spieler, an dem das brasilianische Selbstbewusstsein hängt, ist nicht auf dem Platz, sondern dirigiert von außen, und seine Leistungsfähigkeit ist mit einem dicken Fragezeichen versehen, das in den nächsten Wochen niemand wirklich auflösen kann.

Die strukturelle Frage, die sich daraus ergibt, ist unangenehm. Wenn Brasilien gegen einen mutigen, aber eben nicht überragenden Gegner derart abhängig ist von einer Einzelaktion eines Mannes — Vinícius zog nach innen, legte sich den Ball zurecht, traf kompromisslos ins lange Eck —, dann fehlt dieser Mannschaft das, was Weltmeister auszeichnet: ein Plan, der auch funktioniert, wenn der erste Plan nicht funktioniert. Ancelotti setzte in der zweiten Halbzeit auf Impulse von der Bank, Marokko ließ nach, und trotzdem fehlten den bemühten Brasilianern die Ideen bis zum Schluss. Das ist die eigentliche Diagnose dieses Abends.

Carlo Ancelotti, der schon fast alles erlebt hat, ist erstmals als Cheftrainer bei einer WM dabei. Das ist eine Pointe, die man in der italienischen Fußballbiografie dieses Mannes erst einmal sortieren muss. Er soll Brasilien nach 24 Jahren zum sechsten Titel führen, und auf der Tribüne saßen die Idole von 2002 — Ronaldo, Kaká, Roberto Carlos —, dazu Tom Brady im brasilianischen Trikot. Der Erwartungsdruck ist also nicht etwa subtil, er ist physisch anwesend.

Das alles wäre weniger erdrückend, hätte Brasilien souverän gewonnen. Hat es aber nicht. Vinícius hat nach seinem Tor sogar eine Defensivaktion feiern lassen und die Fans angepeitscht — eine schöne Geste, die aber auch verrät, wie wenig sonst da war, das man feiern konnte. Die WM-Mission der Selecao beginnt mit einem Punkt und einer Frage, die größer ist als das Ergebnis: Was ist diese Mannschaft eigentlich ohne Neymar? An diesem Abend in East Rutherford war sie zu wenig.

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