Das Tagebuch zum Saisonfinale von Hannover 96: Alles auf Klassenverbleib | OneFootball

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·22 de maio de 2026

Das Tagebuch zum Saisonfinale von Hannover 96: Alles auf Klassenverbleib

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Auch wenn unser letzter Aufstiegsversuch 2017 ebenso spannend verlief und erst auf den letzten Metern von Erfolg gekrönt war, lassen sich die vergangenen Tage und Wochen kaum in Worte fassen. Das war extrem – emotional wie lange nicht mehr. Zum Glück hilft beim Verarbeiten das Tagebuch …

T-1 (Samstag)

Während Liga 3 und die Bundesliga ihre Gewinner und Verlierer ausspielten, war mein Puls bereits hoch und die Fingernägel kurz. Im Laufe der Woche steigerte sich mein innerer Ausnahmezustand immer weiter. Am Samstag war schließlich alles gesagt und diskutiert – in Chatgruppen, auf der Arbeit und selbst im Einkaufszentrum. Man wollte einfach nur noch, dass es endlich losgeht.

Zu unserem persönlichen Pech waren wir während des Vorverkaufs im Urlaub und unterschätzten die Dynamik des rasanten Ticketverkaufs. Zwei Kinder und ein Vater fanden bis kurz vor Anpfiff keine Chance mehr, drei zusammenhängende Plätze zu ergattern.


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Die Euphorie meiner Nachwuchskicker kannte jedoch keine Grenzen, als ich nachmittags verkündete, dass wir auch ohne Karten nach Hannover fahren und vor Ort schauen würden, was sich ergibt. Der Abend wurde dementsprechend in Partystimmung damit verbracht, Trikots, Schals und Fahnen bereitzulegen. Hannover ist eben immer einen Ausflug wert.

Spieltag (Sonntag)

Bei bestem Wetter und guter Laune machten wir uns auf zum kleinen Bahnhof unseres Ortes südlich der Landeshauptstadt. Am zahlreichen Pfandgut konnte man erkennen, wie früh einige heute schon unterwegs waren. Auch der gewählte Regionalzug transportierte bereits im Hinterland mehr „Rote“ als gewöhnlich.

Es tut immer wieder gut zu sehen, wie sich hier – an der Grenze zwischen blau-gelbem und rotem Gebiet – die Euphorie für unsere Farben sammelt. An Bord herrschte ausgelassene, erwartungsvolle Stimmung. Als ich jedoch versuchte, mutig einen Gesang anzustimmen, bekam ich von meinen Kids sofort einen konsequenten Ellbogen in die Rippen.

In Hannover angekommen, erledigten wir den Weg vom Hauptbahnhof Richtung Stadion diesmal schneller als sonst – in der Hoffnung, noch irgendwo Karten zu ergattern. Doch weder auf den Wegen, noch auf dem Vorplatz oder an den Eingängen rund ums Stadion hatten wir Glück. Immerhin: ein schöner Rundgang war es trotzdem.

Als Team entschieden wir uns schließlich, uns in einen Biergarten am Waterloo-Platz zu quetschen. Am Rand, hinter Bäumen und ohne klare Sicht auf die Leinwand, versorgten wir uns mit Getränken und Pommes, während ich den Stream auf dem Handy startete. Unsere Fahnen und Schals hängten wir hinter uns an den Zaun – und tatsächlich kam so etwas wie Stadionatmosphäre auf.

Diese bekam jedoch früh einen Dämpfer in der 25. Minute. Der energische Ausgleich durch Oudenne wurde lautstark bejubelt – noch bevor wir ihn 30 Sekunden später auch auf dem Handy sehen konnten. Ein geiles Tor von Kolja! Die Hoffnung war zurück, zumal Hannover 96 inzwischen besser im Spiel war und Druck machte.

Ein weiterer Treffer (Taibi, mon amour!) noch vor der Pause sorgte für beste Stimmung zur Halbzeit. Sogar ein Elfmeter wäre fast noch drin gewesen – aber nach dieser Saison wagt man es kaum noch, so etwas zu fordern. Das Ergebnis in Elversberg konnten wir ohnehin nicht beeinflussen. Wichtig war nur, dass unsere Roten weiter nach vorne spielten und Paderborn auf Abstand hielten.

Das funktionierte auch – bis eine weitere Halbfeldflanke ihren Abnehmer fand und uns traditionell die drei Punkte kostete. Am Ende stand ein 3:3 – ein Spiel mit vielen Höhen und Tiefen, aber leider wieder ein Gegentor zu viel für den wichtigen Sieg.

96 scheiterte einmal mehr an einer Schwäche, die sich wie ein roter Faden durch die Saison zog: Wir schafften es nicht, Führungen über die Ziellinie zu bringen. Ein 3:2 lähmte die Mannschaft mehr, als dass sie es mit Gier und Leidenschaft verteidigte.

Eine Saison wie das Leben

Als ich nach Hause kam, brauchte ich Ruhe. Ich trank noch ein letztes Bier im Garten, die sozialen Medien hatte ich seit dem Verlassen des Biergartens nicht mehr geöffnet. Es dauerte nicht lange, bis ich ins Bett ging.

Ich fühlte mich emotional erschöpft – aber nicht unglücklich.

Plötzlich sah ich Parallelen zwischen dieser Saison und dem Leben. Man ist vielleicht nicht aufgestiegen, aber man hat Menschen um sich herum glücklich gemacht. Man hat nichts verloren, sondern viel gewonnen. Dieser Gewinn ist ein Fundament für das nächste Jahr.

Wie viele stolze Menschen – und Mannschaften – stolpern und steigen im übertragenen Sinne ab, wenn es schlecht läuft? 96 aber bleibt in der besten zweiten Liga der Welt und weiterhin im Rennen.

Dann greifen wir eben ab Sommer wieder an. Denn wir sind Hannover. Sollte uns das nicht für den Moment zufriedenstellen?

Der Tag danach

Der Tag nach dem großen Finale fühlte sich leer an. Dieses Meme mit Kermit dem Frosch, der gedankenverloren aus dem Fenster starrt – es traf die Stimmung ziemlich genau.

Ein Aufstiegskater, aber im negativen Sinne.

Und trotzdem begann im Netz und in der oft unruhigen Presse sofort die Suche nach Schuldigen. Trainer, Torwart, Tomiak – alle wurden kritisiert. Doch genau das hat dieser Verein und diese Mannschaft nicht verdient.

Es gab kein Versprechen, nur den Versuch, gemeinsam zu wachsen. Unser mittlerweile ausgeschiedener Geschäftsführer Markus Mann hatte die Saat gelegt, die überraschend schnell aufging und den Traum greifbar machte.

Wir sollten die vielen unerwarteten Höhepunkte schätzen – und nicht alles kurz und klein schlagen. Zu tun gibt es ohnehin genug: neue Strukturen, Scouting, Trainerfragen im Nachwuchsbereich.

Ausblick nach vorne

Freunde aus Berlin, Hamburg, Kiel, Bielefeld und dem Rheinland meldeten sich in den Tagen danach und fragten, wie wir uns fühlen. Auch das ist ein schöner Aspekt: Wir bleiben in derselben Liga und können uns rund um die Spieltage wieder treffen.

Das tröstet – und weckt bereits Vorfreude.

Wenn wir Glück haben, bleibt ein Großteil des Kaders zusammen. Die erfolgreiche Leihe von Noel Aseko könnte weitere Talente an den Maschsee locken. Hannovers Strahlkraft wirkt.

Lars Gindorf wird zurückkehren und seinen Platz finden. Und Christian Titz ist erfahren genug, um aus den Defiziten dieser Saison zu lernen und die Mannschaft weiterzuentwickeln.

Dann setzen wir wieder alles auf Rot.

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