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·22 de junho de 2026

Das WUndavon Toronto

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Joker Deniz Undav schießt Deutschland fast im Alleingang zum Sieg gegen die Ivorer. Nagelsmanns Aufstellung ohne Mittelstürmer sorgt erneut für Diskussionen.

Deniz Undav, im Friesischen geborener schwäbischer Kurde, hat die deutsche Nationalmannschaft gegen die Ivorer quasi im Alleingang zum glücklichen Sieg geschossen. Trainer Nagelsmann ließ ihm für diese Meisterleistung gerade mal eine knappe halbe Stunde Zeit, denn ein deutscher Trainer wechselt grundsätzlich nicht vor der 60. Spielminute, Verletzungen ausgenommen. Daher hoffe ich, Sie gestatten mir das etwas bemühte Wortspiel im Titel.


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Bis zu Undavs Erscheinen war das Spiel wie erwartet verlaufen: Nagelsmann beginnt wieder mit einer Aufstellung, die etliche internationale Experten  verwundert – nämlich ohne Mittelstürmer. Er lässt Undav und Woltemade draußen und bringt den phlegmatischen Havertz. Im Mittelfeld macht zwar nicht mehr ständig Goretzka das Spiel langsam, sondern Musiala und mit Abstrichen auch Pavlovic glänzen durch einen Auftritt, der mit Nichtexistenz noch euphemistisch beschrieben wäre. Aber hinten dafür Kimmich in (für die Nationalmannschaft) bewährter Manier: als permanent herab- bzw. hereinkippender Außenverteidiger reißt er riesige Lücken, die weder sein Vordermann auf der Seite noch der träge Tah natürlich niemals nicht werden schließen können. Dass Schlotterbeck verletzungsbedingt raus musste, ist für ihn natürlich bedauerlich und in keinster Weise Grund zur Schadenfreude – aber wenigstens konnte dafür Antonio Rüdiger ein wenig Angst und Schrecken beim Gegner verbreiten.

Gibt es Wunder wirklich immer wieder?

Da können wir Kimmich auf die andere Seite ziehen, Nathaniel Brown rüberholen, Leroy Sane nach hinten arbeiten lassen wie wir wollen – auf unseren Flügeln dürfte sich der junge Ivorer Diomande austoben, und wenn, so die Götter wollen, am 4. Juli gegen Frankreich gespielt wird, stehen unsere nicht eben pfeilschnellen (Kimmich, Tah) und unbedarften (Brown) Defensiven gegen die geisteskrank schnellen und quirligen Mbappes und Dembeles und Olises auf verlorenem Posten. Doppelt schlimm, wenn das Mittelfeld in erster Linie Zweikampfvermeidungsstrategien fährt. Passmaschine Pavlovic, im Gegensatz zum FC Bayern nicht mit Kimmich (ebenfalls Passmaschine) an seiner Seite, wird zusammen mit Nmecha wahre Wunderdinge vollbringen müssen, um uns vor einem Fiasko zu bewahren. Und dass Undav ein weiteres Wunder vollbringen und auch die Franzosen im Alleingang erledigen wird, das ist gegen die französische Hintermannschaft ja wohl komplett ausgeschlossen. Sollte es wider Erwarten trotzdem passieren (wir singen: „Wunder gibt es immer wieder…“) werde ich natürlich sagen, ICH hätte ja SCHON IMMER an diese Jungs geglaubt, diese phantastischen Jungs.

Wider den deutschen Autokorso

Erwartbares Szenario allerdings: Die Franzosen werden uns auffressen, und wir sitzen mit Julian rum wie begossene Pudel. Am Ende wird der anorektische Tuchel noch Weltmeister. Und Hansi sitzt an der Costa Brava am Strand, einen Cocktail mit Sonnenschirmchen in der Hand, und fiebert mit seinen Blaugrana-Graugänsen mit. Aber wenigstens gibt es dann ein paar Autokorsos weniger, die hierzulande weniger mit Freude und Feiern zu tun haben sondern vielmehr von einem Haufen aggressiver Proleten als Gelegenheit wahrgenommen werden, endlich mal wieder ungestraft rumgrölen und besoffen Autofahren und dabei auch noch hupen zu dürfen. An dieser Stelle auch ein Gruß an die türkischen Freunde, die im Rahmen ihrer üblichen Autokorsoaktivitäten ja bisweilen sogar noch mit scharfer Munition rumballern.

Nennen Sie, werte Leserschaft, mich gerne einen Defätisten – aber das Autokorsogeprole schon nach beliebigen Gruppenspielen ist einfach nur peinlich und hat überhaupt nichts mehr mit früheren Feiern zu tun. Gerne erinnere ich mich an die WM 1990, wo ich, damals vorübergehend autolos, einfach irgendwo eingestiegen und wieder ausgestiegen und wieder irgendwo eingestiegen bin. Aber früher war halt alles besser, nicht wahr…?

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