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·26 de março de 2026

Die FIFA ignoriert ihre Fans – weil sie es kann

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Einen Tag nach EU-Beschwerde wegen Monopol und Preistransparenz kündigt die FIFA die letzte WM-Ticketphase an – ohne ein Wort zur Kritik.

Einen Tag nachdem europäische Fanorganisationen formell bei der EU-Kommission Beschwerde eingereicht haben, kündigt die FIFA die letzte Verkaufsphase für WM-Tickets an. Kein Wort zur Kritik, kein Wort zu den Preisen, kein Wort zu den Vorwürfen. Stattdessen der freundliche Hinweis, dass ab dem 1. April Restkarten erhältlich seien – solange der Vorrat reiche. Das Timing ist kein Zufall. Es ist eine Ansage: Wir haben gehört, dass ihr euch beschwert. Es interessiert uns nicht.


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Die Beschwerde, eingereicht von Football Supporters Europe und der Verbraucherorganisation Euroconsumers, wiegt schwer. Der Vorwurf: Die FIFA halte ein Monopol auf den Ticketverkauf und nutze diese Macht, um Fans Bedingungen aufzuzwingen, die in einem funktionierenden Markt niemals akzeptiert würden. Konkret geht es um dynamische Preisgestaltung ohne Obergrenze, ohne Transparenz und mit Preissprüngen von bis zu 25 Prozent zwischen den Verkaufsphasen. Ursprünglich hatte die FIFA Tickets ab 21 Dollar versprochen. Die günstigsten tatsächlich verkauften Karten kosteten 60 Dollar – und waren nur in kleinen Mengen für Fans qualifizierter Nationen erhältlich. Das günstigste Finalticket liegt bei 4.185 Dollar. Zur Einordnung: Das ist mehr als das Siebenfache des billigsten Tickets beim WM-Finale 2022. Wer auf der FIFA-eigenen Wiederverkaufsplattform handelt, zahlt obendrein 15 Prozent Gebühr – als Käufer und als Verkäufer.

Wer solche Zahlen liest, versteht, warum die FSE den Weg über die EU-Kommission gewählt hat. Die Frage ist nur, ob dieser Weg irgendetwas bewirkt. Die FIFA teilte der Associated Press mit, die Beschwerde nicht formell erhalten zu haben, und verwies darauf, als gemeinnützige Organisation die Einnahmen in die Fußballentwicklung zu reinvestieren. Das klingt gut, aber es verdeckt den eigentlichen Punkt: Der Weltverband erwartet bei dieser WM Rekordeinnahmen von neun Milliarden Dollar. Rund drei Milliarden sollen allein aus dem Verkauf von Tickets und VIP-Paketen kommen – fast eine Verdreifachung im Vergleich zu 2022. In den eigenen Bewerbungsunterlagen hatte die FIFA noch einen durchschnittlichen Ticketpreis von 1.408 Dollar prognostiziert. Was daraus geworden ist, sehen wir jetzt. Gemeinnützigkeit als Argument wirkt da bestenfalls zynisch.

Strukturell offenbart der Vorgang ein Grundproblem, das weit über Ticketpreise hinausreicht. Die FIFA agiert als Monopolist in einem Markt ohne Korrektiv. Es gibt keinen alternativen Anbieter, keinen regulierten Wettbewerb, keine unabhängige Instanz, die Preise prüft. Mehr als 500 Millionen Ticketanfragen allein in der Random-Selection-Phase belegen die gigantische Nachfrage – und genau diese Nachfrage nutzt der Verband, um die Preise nach oben zu treiben. FIFA-Präsident Gianni Infantino begründete das mit dem in den USA üblichen dynamischen Preiswesen. Das stimmt für Konzerte und NFL-Spiele. Aber eine Weltmeisterschaft ist kein privates Entertainment-Produkt. Sie wird auf dem Rücken öffentlicher Infrastruktur ausgetragen, mit öffentlichen Geldern subventioniert und lebt vom emotionalen Kapital von Milliarden Fans weltweit. Wer so tut, als sei das ein normaler Markt, verkennt – oder ignoriert bewusst –, was dieses Turnier ausmacht.

Seien wir ehrlich: Die FIFA wird ihre Preispolitik nicht ändern, weil Fans sich beschweren. Nicht, weil die Argumente schlecht wären, sondern weil es keinen Mechanismus gibt, der den Verband dazu zwingt. Die Beschwerde bei der EU-Kommission ist der Versuch, einen solchen Mechanismus von außen zu schaffen. Ob Brüssel liefert, ist offen. Sicher ist nur eines: Ein Verband, der am Tag nach einer formellen Beschwerde kommentarlos zur Tagesordnung übergeht, hat längst entschieden, wem er sich verpflichtet fühlt – und wem nicht.

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