FC Red Bull Salzburg
·13 de janeiro de 2026
„Ehrliche Arbeit zahlt sich aus“ – Marcus Mann im Interview

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·13 de janeiro de 2026

Blauer Himmel und schönster Sonnenschein über Belek, aber der Blick von Marcus Mann bleibt fest auf den Rasen gerichtet. Während unsere Burschen bei hoher Intensität um jeden Meter kämpfen, scannt unser neuer Geschäftsführer Sport jede Bewegung, jede Reaktion und jedes Detail. Es ist eine Phase der intensiven Bestandsaufnahme.

Wir haben uns mit dem neuen sportlichen Leiter nach einer Trainingseinheit zum großen Trainingslager-Interview zusammengesetzt. Dabei spricht er über notwendige Konstanz, den Austausch mit unseren Akademie-Talenten und warum er ausgerechnet im größten Stress seine Zufriedenheit findet. Ein Gespräch über ehrliche Arbeit, das Ausfahren der Ellbogen und den „Salzburger Weg“.

Marcus, es ist Halbzeit hier im Trainingslager. Du hattest jetzt schon mal ein bisschen Zeit, dir einen Eindruck zu verschaffen, hast seit deinem Amtsantritt zwei Testspiele und einige Trainingseinheiten unserer Burschen gesehen. Wie ist dein Eindruck von den Spielern als auch generell vom Teamspirit in der Mannschaft Marcus: „Ja, also zunächst muss man erst mal sagen, dass wir hier wirklich absolut perfekte Bedingungen vorfinden, sowohl hinsichtlich des Hotels als auch der Trainingsplätze. Für mich ist das Trainingslager wichtig, um mich rein mit dem Fußball, mit der Mannschaft und dem Trainerteam zu beschäftigen. Insofern gibt mir das hier die Möglichkeit, gute Einblicke zu bekommen und die Mannschaft einfach schneller kennenzulernen. Die Intensität im Training ist hoch, die Jungs ziehen gut mit und das Testspiel gegen Rakow war in Ordnung. Man muss aber auch sagen, dass man aus dieser Anzahl an Chancen einfach mehr Tore machen muss. Und defensiv müssen wir stabiler werden, selbst wenn wir nur ein Tor bekommen haben. Wir müssen uns konstant über 90 Minuten hinweg auf einem höheren Level einpendeln. Die Schwankungen innerhalb eines Spiels sind zu hoch. Dafür ist die Zeit in der Vorbereitung wichtig. Trotzdem: Wir haben nicht allzu lang und deswegen sollten wir die Schritte so schnell wie möglich machen.“ Mit wie vielen Umstellungen ist der Arbeitsalltag bei dir, bedingt durch deinen Wechsel, aktuell verbunden? Unterscheiden sich die Routinen und Arbeitsabläufe sehr von Klub zu Klub oder ist doch vieles ähnlich?
Marcus: „Es gibt natürlich immer Unterschiede und jeder Klub tickt auch ein bisschen anders, geht die Sachen in manchen Bereichen anders an. Ich bin in Salzburg aber wirklich super aufgenommen worden, und alle waren sehr hilfsbereit. Und doch prasselt am Ende des Tages viel Neues auf einen ein. Der Zeitpunkt meines Starts ist herausfordernd, da es einiges zu tun gibt und das erste Pflichtspiel doch zeitnah ansteht. Daher musste ich die letzten Tage natürlich ein bisschen filtern und schauen, was jetzt für den Beginn wichtig ist und was ich vielleicht auch noch in drei Wochen erledigen kann. Intern versuche ich, viele Gespräche zu führen, um die bisherigen Abläufe kennenzulernen und zu verstehen. Aber trotzdem macht es Spaß und ich freue mich auf die kommenden Wochen.“
Wir müssen auf jeden Fall anpacken.
Du hattest bei deiner Antritts-PK erwähnt, dass der Kader durchaus recht groß ist und du dir jetzt mal alle anschauen möchtest. Wie weit fortgeschritten ist deine erste Evaluation des Teams?
Marcus: „Ganz wichtig sind für mich neben den Trainingseinheiten hauptsächlich die Spiele, wo man die Spieler einfach am besten kennenlernt. Und da hat jetzt fast jeder die Chance gehabt, sich zu zeigen. Wir hatten die Tage immer mal wieder Ausfälle, sodass sich die Anzahl von 26 Feldspielern auf den Trainingsalltag nicht unbedingt negativ ausgewirkt hat. Es ist allerdings schon so, dass ich bereits den einen oder anderen Punkt sehe, wo wir uns definitiv verbessern müssen. Aber im nächsten Schritt stellt sich dann die Frage, wie schnell man das ändern kann. Wir müssen auf jeden Fall anpacken.“
Wenn ich ehrlich bin, brauche ich auch ein bisschen Stress, um abends zufrieden ins Bett zu gehen.
Vergangenen Sommer hattest du bei Hannover einen extremen Umbruch mit 18 Neuzugängen und ungefähr gleich vielen Abgängen zu stemmen. Wie intensiv war diese Zeit, ist das Handy sehr heißgelaufen und was waren vielleicht Dinge, die du auch daraus ziehen konntest, wenn es darum geht, ebenso einen Umbruch zu managen?

Marcus: „In dieser Phase, in der die ganzen Transfers stattfinden, spüre ich das ehrlicherweise gar nicht so, da funktioniert man einfach und arbeitet die Dinge ab. Rückblickend wirkt es dann etwas mehr nach – deutlich mehr, als man es in dem Moment wahrnimmt. Aber das ist Teil von unserem Geschäft, diese Dinge abzuarbeiten und zu managen. Außerdem mache ich das einfach gerne. Wenn ich ehrlich bin, brauche ich auch ein bisschen Stress, um abends zufrieden ins Bett zu gehen. Wir werden jetzt hier im Winter definitiv nicht diesen Umbruch haben, und trotzdem ist es unsere Aufgabe, in beide Richtungen Augen und Ohren offen zu halten, solange das Transferfenster geöffnet ist.“ Wie du selbst schon gesagt hast: Die erste Zeit hier bei uns war jetzt von viel Austausch mit vielen neuen Gesichtern geprägt. Ein sehr wichtiges Gesicht ist natürlich unser Trainer Thomas Letsch. Wie sah euer bisheriger Austausch aus, hattet ihr schon Zeit, euch vielleicht mal länger hinzusetzen? Marcus: „Wir haben uns natürlich schon viel ausgetauscht und nutzen es auch, dass wir uns hier im Trainingslager oft sehen, um über die Spieler zu sprechen. Mich interessiert seine Sicht auf das letzte halbe Jahr. So ergibt sich für mich ein umfassendes Bild. Insgesamt bin ich im Moment noch viel am Beobachten und würde auch behaupten, dass ich schon ein paar Dinge für mich einordnen konnte.“
Es wird ihnen nichts geschenkt, aber gute Leistungen sollen belohnt werden.

Du hast schon bei deiner Antritts-PK durchklingen lassen, dass für dich als ehemaliger Nachwuchsakademie-Leiter in Hoffenheim das Thema eine wichtige Rolle spielt. Wie sehr kribbelt es da bei dir jetzt hier in einem Klub, der mit seiner Philosophie sehr für Youngsters steht, auch mit Hinblick auf den kürzlichen Erfolg bei der U17-WM? Marcus: „Vor der Abreise ins Trainingslager war ich noch in der Akademie, die natürlich herausragende Bedingungen bietet, die man so international selten vorfindet. Ich bin schon viel mit Manfred Pamminger und mit Bernhard Seonbuchner im Austausch, habe auch ein paar Worte an die Liefering-Mannschaft gerichtet und ihnen da zu vermitteln versucht, dass, wenn die Leistung stimmt, die Tür zu uns nach oben immer offen ist. Das sollen keine bloßen Worte sein, sondern das sollte das sein, was bei unserem Klub gelebt wird. Wir alle haben es bei der U17-Weltmeisterschaft gesehen, dass da guter Nachwuchs dabei ist. Ich hatte da auch schon den einen oder anderen direkten Kontakt. Die Jungs sollen wissen, dass ein Auge drauf geworfen wird, was sie in der Akademie und beim FC Liefering leisten, und gute Leistungen belohnt werden.“ Hast du also schon bestimmte Spieler, auf die du ein besonderes Auge geworfen hast und die man vielleicht bald mal bei uns sieht? Marcus: „Also, ich sag mal so: Am meisten wird man natürlich im Moment auf Johannes Moser angesprochen, (Anm.: der gerade noch verletzt pausieren muss). Mir ist schon in Hannover bewusst gewesen, dass er eine sehr gute Weltmeisterschaft gespielt hat. Ich will jetzt eigentlich nicht einen einzelnen Spieler herausheben, aber es ist schon Fakt, dass diese Jungs auch nach und nach bei uns eingebaut werden sollen – sofern ihre Leistungen weiterhin passen. Es wird ihnen nichts geschenkt, aber gute Leistungen sollen belohnt werden.“
Du hast ja auch selber gesagt: Das Ziel muss ja eigentlich sein, dass aus der eigenen Akademie möglichst viele dann den Sprung in die erste Mannschaft schaffen. Welche Rolle hast du darin als Geschäftsführer Sport, damit diese Pipeline-Durchlässigkeit am Ende des Tages auch erfolgreich funktioniert?
Marcus: „Es ist natürlich die Aufgabe von allen, allen voran von unseren Mitarbeitern in der Akademie, unserer Scoutingabteilung und von den Spielern selbst, aber eben auch meine, dass wir die Jungs da bestmöglich fördern, ausbilden und auf den ,Salzburger Weg‘ bringen. Der Austausch und die Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen aus der Akademie müssen dafür sehr eng sein, damit wir diese Verbindung mit viel Leben füllen.“
Ich war kein Filigran-Techniker, das muss ich ehrlich zugeben. Ich habe mich eher durch meinen Einsatz ausgezeichnet.
Kommen wir mal ein bisschen zu den Themen abseits des Fußballplatzes. Du hast ja angekündigt, dass du dir noch eine Wohnung suchen musst, aktuell bist du im Hotel. Gab es schon ein bisschen Zeit, um dir die Stadt anzuschauen, oder findet dein Leben in Salzburg bisher wirklich nur in Taxham und im Hotel statt?

Marcus: „Stadtführungen könnte ich noch keine geben, aber ich habe schon ein paar Ecken in Salzburg gesehen. Aktuell geht es noch darum, eine Wohnung zu finden. Wenn wir dann zurück sind, werde ich auch beginnen, mir diese genauer anzuschauen, damit ich so schnell wie möglich meine eigenen vier Wände habe. Aber alles, was ich jetzt bislang von Salzburg gesehen habe – sowohl das Trainingsgelände, die Akademie, das Stadion, aber auch die Stadt selbst –, wirkt sehr, sehr positiv auf mich und ich glaube, dass ich mich nicht weit aus dem Fenster lehne, wenn ich sage, dass man sich hier sicher sehr wohlfühlen kann. In erster Linie sind wir aber zum Arbeiten hier und um erfolgreich zu sein. Wenn man dann noch eine schöne Stadt hat, ist es umso besser.“ Was war denn die erste Reaktion deiner Familie, als du mit dem Thema eines Salzburg-Wechsels auf sie zugekommen bist? Marcus: „Ich habe da echt große Unterstützung von meiner Frau und von der ganzen Familie, das ist nicht immer selbstverständlich. Aber sie haben es auch unter anderem deshalb sehr positiv aufgenommen, da es ja zirka 150 Kilometer näher an zu Hause als Hannover ist, was die Besuche etwas einfacher macht.“
Wenn du dann doch mal Zeit brauchst, um den Kopf freizukriegen, was steht da auf deinem Programm?

Marcus: „Ich versuche zumindest, mal eine Stunde Sport am Tag zu machen. Ansonsten muss ich ganz ehrlich sagen, habe ich gar nicht so viele Hobbys auf meiner Liste, weil der Fußball doch viel Zeit in Anspruch nimmt, und ich versuche, die Freizeit dann bestmöglich mit meiner Familie zu verbringen.“ Früher warst du ja selbst auch Kicker. Was war deine größte Stärke am Platz? Marcus: „Ach, das war schon der Einsatz und der Wille. Ich war kein Filigran-Techniker, das muss ich ehrlich zugeben. Ich habe mich eher durch meinen Einsatz ausgezeichnet und bin damit aber immer ganz gut gefahren. Und ich konnte das auch ganz gut ins spätere Berufsleben übernehmen, weil ich einfach die Überzeugung habe, dass sich Fleiß und ehrliche Arbeit am Ende auszahlen.“ Gab es denn Momente als aktiver Spieler, die dich für deine heutige Laufbahn geprägt haben? Marcus: „Ja, die gab es. Als ich als junger Spieler beim KSC zu den Profis hochgekommen bin, war ich wohl ein Stück zu anständig, habe mich zu sehr hinten angestellt und es unter anderem deswegen nicht geschafft, mich durchzusetzen. Dann bin ich nach Darmstadt gewechselt, wo es direkt in den Abstiegskampf ging, wodurch ich den Fußball noch mal von einer anderen Seite kennengelernt habe. Druck von außen, sportlicher Druck, eine Mannschaft, die gespalten war, jeder schaute nur auf sich. In dieser Phase habe ich gelernt, dass man auch mal die Ellbogen ausfahren muss, wenn es notwendig ist. Das hat mich schon insoweit geprägt, dass ich eigentlich ein umgänglicher Mensch bin und man mit mir lange keine Probleme bekommt. Aber wenn es drauf ankommt, muss man auch mal klipp und klar sagen, in welche Richtung etwas laufen muss. Sportlich war es in Darmstadt mit dem Abstieg kein erfolgreiches Jahr, aber für mich persönlich war es damals ein ganz wichtiger Entwicklungsschritt.“
Die Jungs ziehen gut mit, der Wille ist vorhanden – das sind schon mal die Grundvoraussetzungen.
Zum Thema, in welche Richtung es laufen muss, zum Abschluss noch mal die Frage: Mit welchem Gefühl gehst du in die nächsten Tage und in die nächste Zeit, und was sorgt dabei vielleicht für Vorfreude bei dir?
Marcus: „Wir haben jetzt mit Basel und Aston Villa gleich mal zwei interessante Spiele in der Europa League vor der Brust. Dann kommen ja schon Cup und Meisterschaft. Wir müssen ein größeres Bewusstsein für die entscheidenden Situationen in einem Spiel entwickeln, bewusster verteidigen und mit den Torchancen nicht so sorglos umgehen. Diese Situationen entscheiden Spiele und da haben wir noch enormes Potenzial. Die Jungs ziehen gut mit, der Wille ist vorhanden – das sind schon mal die Grundvoraussetzungen. Jetzt müssen wir diesen nächsten Entwicklungsschritt nehmen, dann bin ich positiv für die Zukunft gestimmt.“
Vielen Dank für das Interview, Marcus!









































