Ein besonderes Band und eine bittere Realität: Warum Alonso und Arbeloa den Nachwuchs bislang nicht fördern | OneFootball

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·01 de janeiro de 2026

Ein besonderes Band und eine bittere Realität: Warum Alonso und Arbeloa den Nachwuchs bislang nicht fördern

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Arbeloa (l.) und Alonso (r.) konnten bisher noch nicht durch den erhofften Talente-Tausch glänzen – Fotos: getty images

Über zweihundertmal Seite an Seite

Die Verbindung zwischen Xabi Alonso und Álvaro Arbeloa ist außergewöhnlich. Vom FC Liverpool über Real Madrid bis hin zur spanischen Nationalmannschaft standen sie während der erfolgreichsten Epoche des spanischen Fußballs gemeinsam auf dem Platz. 262 Pflichtspiele, knapp 20.000 Minuten, Titel wie La Décima 2014, die Europameisterschaften 2008 und 2012 sowie die Weltmeisterschaft 2010. Für Arbeloa war kein Mitspieler präsenter, Alonso spielte lediglich mit Iker Casillas und Sergio Ramos noch öfter. Eine gemeinsame Vita, wie sie selbst im Profifußball Seltenheitswert besitzt. Aus dieser sportlichen Nähe entwickelte sich früh eine enge Freundschaft. Arbeloa sprach öffentlich davon, Alonso habe in Madrid „sein Zuhause“, Alonso selbst betonte eine „bedingungslose Freundschaft“. In einem Klub, der nicht nur sportlich, sondern auch politisch komplex ist – in der Mourinho-Zeit gehörten beide eher dem Lager des Portugiesen an –, wurde dieses Band als möglicher struktureller Vorteil verstanden.


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Alonsos und Arbeloas gemeinsame Statistik

  • Spiele: 262
  • Minuten: 19.937
  • Vereine: FC Liverpool, Real Madrid, spanische Nationalmannschaft
  • Titel: 8

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Neue Rollen, große Erwartungen

Mit Alonso an der Seitenlinie der Profis und Arbeloa an der Spitze der Castilla verband sich die Hoffnung auf einen echten Kurswechsel. Nicht nur personell, sondern vor allem strukturell schien Real Madrid erstmals seit Jahren wieder bewusst auf interne Kontinuität und Identität zu setzen. Arbeloa hat sich im Jugendbereich, unter anderem mit dem nationalen Triple der Juvenil A, einen exzellenten Ruf erarbeitet. Seine Arbeit gilt als intensiv, klar strukturiert und konsequent auf Entwicklung ausgerichtet – Eigenschaften, die viele Beobachter auch auf höherer Ebene sehen wollten. Alonso wiederum gilt als moderner Trainer mit klaren Ideen und dem Mut, junge Spieler zu entwickeln. Seine analytische Herangehensweise, gepaart mit internationaler Erfahrung und guten kommunikativen Fähigkeiten, nährte die Erwartung, dass er Talente nicht nur erkennt, sondern ihnen auch echte Verantwortung zutraut. Nach Jahren, in denen La Fábrica unter Carlo Ancelotti oft wie ein isolierter Satellit neben dem Starensemble wirkte, schien die Zeit reif für Veränderung. Die Hoffnung vieler Madridistas war, dass die Wege zwischen Valdebebas und dem Estadio Santiago Bernabéu wieder kürzer werden. Die Frage lag auf der Hand: Wenn nicht jetzt, wann dann?

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Schon als Spieler verband Alonso und Arbeloa eine tiefe Freundschaft – Foto: MARCA

Die Zahlen widersprechen der Vision

Ein Blick auf die Einsatzdaten liefert jedoch ein ernüchterndes Bild. Unter Carlo Ancelotti kamen in der Vorsaison neun Canteranos in 62 Einsätzen auf 3.751 Spielminuten, während die sieben Nachwuchsspieler unter Xabi Alonso bis dato gerade einmal in 17 Spielen auflaufen durften und lediglich 781 Minuten sammeln konnten – darunter aber auch Gonzalo García, der während der Klub-WM quasi schon als Profi galt.

Zum Vergleich: In der Spielzeit 2024/25 kamen die Blancos auf 62 Pflichtspiele, während man in der laufenden Saison zum jetzigen Zeitpunkt auf 31 Partien kommt (inklusive Klub-WM). Natürlich hat besonders Raúl Asencio mit 42 Einsätzen großen Einfluss auf die Werte unter Ancelotti, noch deutlicher wird der Befund der aktuellen Spielzeit aber bei genauerem Hinsehen, denn sowohl der junge Innenverteidiger als auch Gonzalo García sammelten zwar weiterhin Minuten, doch nur ein Bruchteil davon als tatsächliche Canteranos, ehe beide ihre Profiverträge unterschrieben. Reine Nachwuchsspieler ohne festen Profistatus kamen folglich bislang kaum zum Zug. Der Eindruck vieler Fans bestätigt sich damit statistisch: Selbst unter Ancelotti erhielten Nachwuchsspieler mehr Vertrauen als bislang unter Alonso. So wurde in Ancelottis letzten 62 Spielen quasi in jedem ein Nachwuchsspieler eingesetzt, unter Alonso liegt die Quote nur bei 0,55, also bei jeder zweiten Partie.

Canterano-Einsätze 2024/25 unter Ancelotti

*die FIFA Klub-WM wird aufgrund des Trainerwechsels der Saison 2025/26 zugeordnet

Canterano-Einsätze 2025/26 unter Alonso

Krise statt Aufbau

Hinzu kommt eine pikante, fast ironische Dynamik. Xabi Alonso befindet sich trotz seines Status als Hoffnungsträger und eines erfolgreichen Saisonstarts bereits in einer sportlichen Krise. Der Stuhl des Cheftrainers wackelt enorm, nicht auszuschließen also, dass es im Januar schon zu Ende gehen könnte. Von einem ruhigen Entwicklungsprozess kann bislang keine Rede sein. Parallel dazu wurde ausgerechnet Álvaro Arbeloa in mehreren Medien als möglicher interner Backup-Plan gehandelt. Der enge Vertraute des Cheftrainers plötzlich als dessen potenzieller Ersatz: eine Konstellation, die die vermeintliche Harmonie relativiert und den Druck auf beide zusätzlich erhöht. Gerade in dieser Lage überrascht die fehlende Risikobereitschaft kaum. In Madrid gilt: Wer um sein sportliches Überleben kämpft, experimentiert nicht. Mutige Entscheidungen zugunsten junger Spieler werden zur Gefahr, nicht zur Chance. So wartet Joan Martínez als aktuell vermeintlich spannendstes Talent immernoch auf seine ersten Profi-Minuten, wurde wie Thiago Pitarch lediglich ein paar Male ohne Einsatz in den Kader berufen, wohingegen Jesús Fortea noch nie im Kader stand. Zu Forteas Nichtberufung hatte in der vergangenen Saison bereits REAL TOTAL auf einer Pressekonferenz eine spannende Antwort des damaligen Castilla-Trainers Raúl González Blanco entlocken können: „Das sind Entscheidungen des Klubs.“ Heißt: Wie bei Transfers haben die Trainer auch bei den Talenten nicht immer die volle Entscheidungsgewalt.

Fundament vorhanden, Mut fehlt

Trotz allem: Noch ist es zu früh für ein endgültiges Urteil. Alonso steht immer noch am dank kurzer Saisonvorbereitung und etlicher Verletzungen steinigen Beginn seiner Amtszeit, Arbeloa ebenfalls in einer neuen Rolle. Beide müssen sich zunächst in ihren Positionen etablieren, interne Abläufe verstehen und ihre Visionen mit dem bestehenden System in Einklang bringen. Philosophische Veränderungen benötigen Zeit, vor allem bei einem Klub, in dem Titel nicht erhofft, sondern erwartet werden. Der Druck, sofort Ergebnisse zu liefern, lässt wenig Spielraum für Experimente und selbst die besten Ideen müssen sich zunächst gegen den harten Real-Alltag und interne Hierarchien bewähren. Doch die Enttäuschung der Madridistas ist nachvollziehbar. Denn die Voraussetzungen für einen neuen Weg waren ideal, die Erwartungen entsprechend hoch. Das besondere Band zwischen Alonso und Arbeloa existiert zweifellos – bislang jedoch mehr auf dem Papier als auf dem Platz. Ein starkes Fundament ist vorhanden, doch ohne Mut zur Umsetzung bleibt es theoretisch. Nun müssen Taten folgen.

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