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·08 de janeiro de 2026

Ein Mensch für die Menschen: Gerhard Rehberg feiert 90. Geburtstag

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In der Politik und mit seinen Königsblauen hat Gerhard Rehberg viele sprichwörtliche Höhenflüge erlebt, doch sein höchstes Gut hat er dabei nie aus den Augen verloren: Bodenständigkeit. Seine persönliche Geschichte fußt nämlich auf einer früh verlorenen Grundlage, die ihn fürs lange Leben prägen sollte. Am Donnerstag (8.1.) feiert Schalkes Ehrenpräsident seinen 90. Geburtstag.

Es wird beileibe kein Dinner for One, wenn zahlreiche Wegbegleiter ihm in der VELTINS-Arena ab 11.04 Uhr die Hand schütteln. Eine Hand, die über Jahrzehnte schon viele Vereinbarungen besiegelt hat, weil Gerhard Rehbergs Wort immer etwas gezählt hat. Bergmann, Bürgermeister, Präsident, könnte man seine Vita raffen, wobei er das mit dem Präsidententitel ja anfangs gar nicht wollte. In der Historie haben sich längst nicht alle solche Würdenträger als Menschen des Volks hervorgetan, doch ein solcher ist der Jubilar stets gewesen. Was nicht wenig mit seiner Kindheitsgeschichte zu tun hat.


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Am 8. Januar 1936 in Powunden/Ostpreußen geboren, verliert er Vater Walter sechs Jahre später an den Krieg. Die Dorfgemeinschaft fängt die Hinterbliebenen auf, und den Gemeinschaftsbegriff verinnerlichen der kleine Gerhard und Mutter Auguste auch auf der Flucht vor der Roten Armee. Man hilft sich im Lager Oksböl, wo Dänemark 20.000 der insgesamt 36.000 Flüchtlinge unterbringt. Den Gestank zertretenen Ungeziefers wird er später ebensowenig vergessen wie manch menschliche Ungerechtigkeit, die er dort erlebt. „Deswegen habe ich immer ein Herz für Benachteiligte gehabt“, erklärt er. „Das wischst du nicht einfach so weg.“

Mitten im Nirgendwo findet der Junge aus wenig heiterem Himmel zu Königsblau. Ein wenige Jahre Älterer schwärmt Tag und Nacht von Schalke 04. Sein Vater sei Torwart bei Hindenburg Allenstein aus dem Gau Ostpreußen gewesen und habe sich sieben Tore gegen diese unglaubliche Mannschaft gefangen. Gerhard Rehbergs Augen kleben an den Sammelbildern aus Zigarettenschachteln, die sein neuer Kumpel in einem kleinen Album präsentiert. Dass sein Weg ihn mal zu diesem Verein aus dem weit entfernten Ruhrgebiet führen würde, kann er nicht ahnen.

Die Rehbergs finden 1948 in Schleswig-Holstein eine neue Heimat, den Sohn zieht es zur See, doch dann schickt die Bergwerksgesellschaft Hibernia ihre Werber bis in den hohen Norden. Es locken die Aussicht auf guten Lohn und die Hoffnung, es als Steiger einmal in den Beamtenstatus zu schaffen. Er entscheidet sich für die Zeche Westerholt, wo der angehende Knappe seinen Knappen nah sein kann. Er verfolgt in der Oberliga West beinahe jede Partie, erlebt 1958 in Hannover die siebte Deutsche Meisterschaft. Überhaupt, 1958: Beim Heimaturlaub in Schleswig-Holstein lernt er die Liebe seines Lebens kennen, heiratet Ilka, die vier Jahre später Sohn Thorsten auf die Welt bringen wird. Auf dem Pütt wird Gerhard Rehberg Hauer, tritt dazu in die SPD ein.

Der Bergarbeiterbezirk Gelsenkirchen-Hassel wird später sein Wahlkreis, für die Sozialdemokraten übernimmt er den Ortsverein Hassel-Nord. Sein Leitbild in der lokalpolitischen Arena: nah am Menschen sein. Er ist ein Mann des Volks, ohne Leuten nach dem Mund zu reden; einer, der versucht, seinen Stadtteil und das große Ganze, die Region besser zu machen. 1979 wählen sie ihn zum ehrenamtlichen Bürgermeister, am Ende wird er das Amt mehr als ein Vierteljahrhundert bekleidet haben.

1967 steigt er buchstäblich auf zum Steiger und ist als solcher 25 Jahre auf der Zeche Westerholt tätig. Mit Ankunft der türkischen Arbeitsimmigranten, ist es Rehberg, der sich um ihre betriebliche Integration kümmert. Auch dies eine stark prägende Episode. Die sogenannten Gastarbeiter sind zugewandert, wie er selbst. Unter Tage sind alle gleich, man fährt zusammen runter, und man kommt zusammen wieder hoch, egal was passiert. Als ein Dolmetscher ihm rät, nicht zu viel zu erklären, weil die alle „ein bisschen doof“ seien, muss er sich stark beherrschen, nicht seinen Job zu verlieren wegen verbaler Entgleisung, denn ja: hemdsärmelig kann er auch gut. Deswegen treiben ihn solche Themen bis heute um: wie sehr der Zusammenhalt nachgelassen hat über die Dekaden, in der großen, weiten Welt wie im Kleinen vor der Haustür, wo er damals regelmäßig ältere und einsame Mitbürger zu Kaffee und Kuchen einlädt. Die wachsenden Bande mit den neuen Kumpels wecken Rehbergs Leidenschaft für die Türkei, so geht die spätere Städtepartnerschaft Gelsenkirchens mit Büyükcekmece aus der Provinz Istanbul auf seine Initiative zurück.

Neue Wege beschreitet 1994 auch der S04. Die modernste Satzung der Bundesliga führt den einstigen „Chaosclub“ in ruhigeres Fahrwasser – mit Rehberg am Steuerrad, nicht als Präsident, weil ihm das zu hoch gegriffen erscheint, sondern als Vorsitzender des Vorstands neben Rudi Assauer, Peter Peters und Josef Schnusenberg – und ohne Zankereien, wie der ebenfalls meinungsstarke, jedoch mit ausgleichendem Talent gesegnete Vorsitzende es nennt. Er ist quasi der richtige Mann zur richtigen Zeit zwischen teils herausfordernden Figuren. Weil er aber nie das Rampenlicht sucht, muss man ihn schon explizit hervorheben, denn sportliche Glanzlichter wie der UEFA-Cup-Triumph von 1997 oder die Pokalsiege 2001 und 2002 sind ebenso Produkte seines Mitwirkens wie ein Meilenstein namens Arena.

Im Spagat zwischen Kommunalpolitik und königsblauer Lobbyarbeit vollbringt er sein persönliches Meisterstück, denn ohne ihn als verlässliches Bindeglied, das darf man behaupten, hätte der kaum noch großkreditwürdige Verein wahrscheinlich nicht die dreistellige Millionenbürgschaft vom Land Nordrhein-Westfalen erhalten. Zumal kurz vor knapp die finale Bürgschaftsunterschrift von Finanzminister Heinz Schleußer aussteht. Rehberg wird es später auf seinen „ostpreußischen Dickschädel“ schieben, doch damals entert er das Ministerbüro und macht klar, dass er es nicht ohne das kostbare Autogramm zu verlassen gedenke. Das Ergebnis des Ganzen begrüßt heute etwa alle zwei Wochen mehr als 60.000 Besucher.

Seit 2007 ist Gerhard Rehberg Ehrenpräsident des S04, darf sich Ehrenbürger Gelsenkirchens und Büyükcekmeces sowie Träger der Bundesverdienstkreuze am Bande und 1. Klasse nennen, aber eigentlich geschieht das nur, wenn ihn jemand darauf anspricht, denn er steht weiterhin für das alte Ruhrgebiet, für heute leider oft verblasste Tugenden: „Wenn man in gewisser Weise im Blickpunkt steht oder auch Karriere gemacht hat, sollte man nie die Bodenhaftung verlieren“, betont der Jubilar: „Ich habe mich immer nur als Gleicher unter Gleichen gesehen.“

Der FC Schalke 04 wünscht seinem Ehrenpräsidenten zum 90. Geburtstag alles Gute und ein herzliches Glückauf!

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