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VfL Osnabrück

·17 de abril de 2026

Ein Rätsel zum Geburtstag: Der VfL Osnabrück und sein fast vergessener Spitzname

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Es ist eines der ungelösten und vielleicht auch für immer unlösbaren Rätsel der VfL-Geschichte. Woher stammt der Spitzname des VfL Osnabrück, der noch in den 50er Jahren geläufig war und später in Vergessenheit geriet? Aus Anlass des 127. Vereinsgeburtstages erzählen wir eine Geschichte aus dem VfL-Museum.

Es war eine der Lieblingsgeschichten von Bernhard Lanfer. Auf fast jeder Stadiontour erzählte „Berni“, dass man früher nicht zum VfL ging, sondern stattdessen sagte, man gehe „zum alten Fritz“. Und stets fügte er hinzu: „Wieso und wie das zustande gekommen ist, wissen wir leider nicht – wenn jemand einen Tipp hat oder jemanden kennt, der sich daran erinnert, melde er sich bitte!“ Während die Ehrenamtlichen des Museums so manches knifflige Rätsel wie beispielsweise die Herkunft der lila-weißen Vereinsfarben lösen und so manche Lücke in der Geschichtsschreibung des VfL schließen konnten, blieb die Herkunft des Kosenamens im Dunkeln – und auch zeitgenössische Belege gab es bisher nicht.


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Wenn Harald Pistorius 70 Jahre nach deren Erreichen über die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft 1952 im Jahr 2022 schrieb, griff er den Namen gerne auf und kannte natürlich selbst noch viele der alten Kämpen, die sich persönlich an den Sprachgebrauch der Zeit erinnerten, der Fußballromantiker das Herz höher schlagen lässt: „Eine Stadt liegt in Wallung, ist im Fußballfieber“, schrieb das „Tageblatt“, das nicht nur im Sportteil , sondern auch auf den Lokalseiten über die Facetten der Begeisterung für den „Alten Fritz“ berichtete. „Der Alte Fritz“ – so nannten die VfL-Anhänger ihren Club; warum, wurde nie zufriedenstellend geklärt.

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Wie gefestigt war nun dieser Name tatsächlich, wann kam er auf – und natürlich: Warum? Fündig wurden wir nach langer Suche in den Vereinsnachrichten des VfL in der Ausgabe Mai/Juni/Juli 1947. In dem auf dünnem Papier eng bedruckten Heft sind noch deutlich die Auswirkungen der Nachkriegszeit zu erkennen. In einer eigenen Rubrik geht es um Nachrichten aus den Kriegsgefangenenlagern. Der Vorstand des Vereins hatte dazu aufgerufen, die Verbindung zu den dort befindlichen Mitgliedern nicht abreißen zu lassen. An einer Stelle heißt es: „Otto Twiehaus […] läßt alle Vereinskameraden in zwei Briefen herzlich grüßen. Er ist überzeugt, daß der „alte Fritz“ in der kommenden Saison seinen Weg machen wird.“ Damit ist erstmals eindeutig belegt, dass der Spitzname schon vor den Teilnahmen an den Endrunden um die Deutsche Meisterschaft 1950 und 1952 in der VfL-Familie genutzt wurde. In Anbetracht des noch im Aufbau befindlichen Spielbetriebs im Nachkriegsdeutschland der 40er Jahre erscheint sogar sehr wahrscheinlich, dass der Name schon vor dem Zweiten Weltkrieg gebräuchlich und allgemein geläufig war.

Warum nun „alter Fritz“? Dass Spitznamen nicht immer einen tiefen Sinn haben müssen und manchmal ganz spontan und zufällig entstehen, ist bekannt, doch eines, so sie denn nicht spöttisch gemeint sind, haben sie fast alle gemeinsam: Sie drücken Gemeinschaft aus. Wenn sie nicht gerade eine Verkürzung eines Namens sind, basieren sie oft auf persönlichen Eigenschaften, Erlebnissen oder einem Gefühl. Und, wie wir am vorliegenden Beispiel sehen: Spitznamen vergehen teilweise auch wieder, wenn sich die Lage wandelt oder der Entstehungsanlass in der Erinnerung verblasst. Doch aus der VfL-Geschichte ist uns kein Anlass bekannt, der in besonderer Weise auf die Namenszuweisung hindeuten würde – und eine Übertragung von einer handelnden Person auf den Gesamtverein ist ebenfalls nahezu auszuschließen, denn auch, wenn der Name Friedrich oder auch Fritz unter den VfL-Mitgliedern und auch den Verantwortlichen jener Zeit durchaus auftaucht, so ist keiner in dem Maße präsent gewesen, dass ein solcher Übergang denkbar wäre.

Dementsprechend nehmen wir an, dass die VfLer mit dem Namen eher eine liebevolle Zuschreibung tätigten, wie sie für den „echten“ „alten Fritz“, König Friedrich II. von Preußen galt, den dessen Untertanen damit in einer gewissen Vertrautheit und Beliebtheit darstellten. Friedrich, dessen Beiname „der Große“ wohl vielen zu förmlich war und keine direkte persönliche Verbindung transportiert, wurden viele Eigenschaften zugesprochen, welche die VfLer jener Zeit vermutlich auch in ihrem Verein sahen: Neben einer gewissen Reife, Weisheit, Beständigkeit und Größe und auch den (militärischen) Erfolgen, die ihre Entsprechung auf dem „Schlachtfeld“ des Fußballs finden sollten, waren dies zum Beispiel auch Aufgeklärtheit, Pflichtbewusstsein und harte Arbeit. In gewisser Weise konnte jeder dem VfL auf seine Weise positive Eigenschaften zusprechen – und dabei auch gerne die negativen weglassen, die es zweifelsfrei auch zu jener Zeit gab. Der Spitzname war so eine Möglichkeit, ein Gemeinschaftsgefühl darzustellen, dem sich alle zugehörig fühlten, auch wenn der „alte Fritz“ nicht ohne Unzulänglichkeiten war und in späteren Zeiten etwas „schrullig“ daherkam.

Zudem war er auch eine Möglichkeit, die aus vier Ur-Vereinen stammenden Mitglieder unter einem gemeinsamen Namen zu vereinen. Denn der „alte Fritz“ konnte alles in einem sein – und jedes Mitglied, das schon einem der Stammvereine angehört hatte, konnte diesen Namen ebenso auf sich und seine Mitgliedschaft beziehen wie jemand, der erst nach den Vereinsfusionen zum VfL gekommen war.

Für die Forschung in der VfL-Geschichte steht fest, dass es schwierig sein wird, die Frage nach dem Warum endgültig zu klären, falls nicht eine entsprechende Quelle, die noch gefunden werden muss, dies ermöglicht. Um es mit Bernis Worten zu sagen: Wenn jemand einen Tipp hat oder jemanden kennt, der sich daran erinnert, melde er sich bitte!

Bis dahin wünschen wir unserem „Alten Fritz“ erst einmal alles Gute zum 127. Geburtstag und hoffen – angelehnt an die Worte von Otto Twiehaus – dass der VfL in dieser und auch in der kommenden Saison seinen Weg machen wird!


Text: David Kreutzmann Fotos: VfL-Museum

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