Miasanrot
·06 de fevereiro de 2026
Evolution unter Vincent Kompany: Welche Probleme der FC Bayern in Ballbesitz lösen muss

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·06 de fevereiro de 2026

Der FC Bayern München und Vincent Kompany bestreiten ihre zweite Saison gemeinsam. Gerade der Ballbesitz macht dem Belgier aktuell aber leicht zu schaffen.
Zum ersten Teil: Das Pressing des FC Bayern in der großen Analyse
Dem FC Bayern München fällt die aktuelle Saisonphase nicht ganz so leicht. Gerade zu Saisonbeginn zeigte der Rekordmeister bessere Leistungen. Zuletzt gab es auch das eine oder andere schwächere Ergebnis.
Doch was hat sich verändert? In einem ersten Teil unserer großen Taktik- und Datenanalyse haben wir auf das Pressing geschaut und wie es sich unter Vincent Kompany entwickelt hat.
Im zweiten Teil schauen wir auf den Ballbesitz und damit auf die Phase des Spiels, in der sich die Münchner am häufigsten befinden. Denn die Probleme, die die Bayern gegen den Ball haben, hängen unmittelbar mit den Problemen zusammen, die sie aktuell in der Ballzirkulation haben.
Alle verwendeten Daten sind dabei von der Plattform Wyscout (insofern nicht anders gekennzeichnet).
Schaut man sich den bisherigen Saisondurchschnitt in Bundesliga, Supercup, DFB-Pokal und Champions League an, dann fallen direkt einige Veränderungen zur Vorsaison auf – einige davon sehr positiv. Zwar hat sich die Anzahl der eigenen Abschlüsse von knapp über 18 auf knapp über 17 verringert, dafür ist aber die Qualität der Chancen gestiegen.
So erspielen sich die Münchner in dieser Saison rund 2,7 Expected Goals (xG) pro 90 Minuten. In der vorangegangenen Spielzeit waren es noch etwas mehr als 2,4. Generell ist auffällig, dass der Anstieg an Toren und Chancenqualität mit weniger Quantität einhergeht. So kamen die Bayern in der vergangenen Saison noch auf fast 22 Pässe oder Flanken in die Gefahrenzone mit einem Radius von 20 Metern zum gegnerischen Tor. In dieser Saison sind es „nur“ noch rund 19.
Die Münchner spielen zudem weniger progressive Pässe: 76 im Vergleich zu 88. Dafür sind die Zuspiele im Schnitt um 0,8 Meter kürzer geworden (rund 17 Meter) und die Gegner fangen pro 90 Minuten zwei Pässe weniger ab. Obwohl die Passgeschwindigkeit mit rund sieben Pässen pro Minute Ballbesitz in etwa gleich geblieben ist, ist davon auszugehen, dass die Münchner insgesamt kontrollierter und etwas weniger vertikal spielen und spielen wollen.
Ein Prozess, den Kompany schon in seiner ersten Saison angestoßen hatte: Mehr Kontrolle, weniger Hektik und ausgewähltere Momente für die Angriffe. Statt 73 Balleroberungen pro 90 Minuten kommen die Gegner des FCB in dieser Saison auf etwas weniger als 71. Keine Riesenveränderung, aber eine in die richtige Richtung – zumal der Schnitt zuletzt etwas gestiegen ist. Gegen Eindhoven (88), Augsburg (88) und Köln (72) lag man darüber. Heißt: Vorher war der Unterschied deutlicher.
Obwohl also manche Statistik rückläufig ist, sind es die wichtigen Daten wie Tore oder xG eben nicht. Kompany scheint nach Wegen zu suchen, seinem Team innerhalb der 90 Minuten und innerhalb einer Saison Phasen zu ermöglichen, in denen es nicht die volle Intensität braucht – beispielsweise, indem der Ball auch mal häufiger laufen gelassen wird, ohne den direkten Weg zum gegnerischen Tor zu suchen. Je weniger Ballbesitzwechsel es gibt, desto rhythmischer ist das Spiel der Münchner.
Via Wyscout lassen sich die Ballverluste in die Spielfelddrittel unterteilen: Verlieren die Bayern eher im Angriffsdrittel die Bälle? Oder doch eher im Mittelfeld beziehungsweise im eigenen Aufbaudrittel?
Hier ist wiederum eine Entwicklung zu erkennen, die nicht so positiv ist. Mit mehr als 16 Ballverlusten im Aufbaudrittel haben die Münchner in dieser Saison fast vier mehr pro 90 Minuten als in der Vorsaison. Im Mittelfeld ist der Wert marginal angestiegen (von 30 auf 31), dafür verliert man im Angriffsdrittel seltener den Ball: 52-mal statt zuvor 59-mal. Ballverluste sind statistisch etwas anderes als die Balleroberungen des Gegners. Denn hier zählen auch jene, die nicht unmittelbar zu einem Ballbesitzwechsel führen.
Mit Blick auf die Spiele in diesem Kalenderjahr lässt sich ein weiterer Trend feststellen: Nur in drei Partien lagen die Bayern unter ihren durchschnittlichen Ballverlusten in den ersten beiden Dritteln (47) – Wolfsburg (43), Union Saint-Gilloise (31) und Hamburg (36). Wobei man gegen Wolfsburg in der ersten Halbzeit mit 27 Ballverlusten auf dem Weg war, ebenfalls über dem Durchschnitt zu landen.
Die Zahlen decken sich mit einigen Problemen, die die Bayern zuletzt gegen manchen Gegner hatten:
Die Entscheidungsfindung ist im Aufbau nicht mehr optimal. Und das betrifft nicht nur die Verteidiger, sondern auch die Offensivspieler. In der ersten Halbzeit gegen Köln gab es mehrere gute Beispiele dafür, dass die Bayern im Moment nicht ganz auf der Höhe sind, wenn es um das Initiieren von Angriffen geht. Schon nach etwas mehr als einer Minute sorgte Konrad Laimer für den ersten schlimmen Fehlpass.

Die Bayern verlagerten kleinteilig vom linken auf den rechten Flügel. Laimer hätte hier mehrere Optionen gehabt. Entweder selbst vertikal andribbeln und ein 2v2 mit Michael Olise (rechter Flügel) erzwingen – oder sogar ein 3v3, wenn Harry Kane diagonal einläuft. Oder er hätte den Ball schnellstmöglich auf Olise weiterleiten können, der hier in einer vielversprechenden Position ist, um mit Tempo auf den Strafraum zuzugehen.
Stattdessen kontrollierte der Österreicher den Ball zunächst zu langsam, um dann genau in die Pressingfalle ins Zentrum zu spielen, wo Aleksandar Pavlović sich freigelaufen hatte. Tom Krauß eroberte den Ball, weil er seinen Gegenspieler direkt bei der Annahme stören konnte. Es entstand die erste gute Chance des Spiels: Saïd El Mala kam aus spitzem Winkel zum Abschluss, Manuel Neuer parierte.
Noch eine weitere Szene als Beispiel: In der zweiten Halbzeit presste der FC Augsburg nochmal deutlich aggressiver und mutiger als in den ersten 45 Minuten. Dabei kamen sie vor allem auf den Flügeln zu einigen Ballgewinnen.

In der 72. Minute probierten sich die Münchner mit einem schnellen Kurzpassspiel aus dem Pressingdruck zu befreien. Jonathan Tah spielte auf Joshua Kimmich, der wiederum direkt in den Halbraum auf Leon Goretzka. Sie alle wurden aggressiv angelaufen. Gerade Goretzka hatte jedoch Zeit, den Ball zu kontrollieren und spielte ihn dann sehr risikoreich auf den rechten Flügel, wo Michael Olise und Harry Kane entgegenkamen. Kanes Gegenspieler erkannte die Situation und lief Olise ebenfalls an. Augsburg kam in Ballbesitz und hatte direkt viele Spieler offensiv positioniert für einen guten Angriff.
Goretzka hätte stattdessen auch aufdrehen und den Ball entweder kurz auf Pavlović weiterspielen können oder er hätte direkt die Verlagerung auf den linken Flügel gespielt, wo Bayern dann sehr viel Raum gehabt hätte. Auch hier entschied man sich aber dazu, etwas zu lange im Pressingdruck des Gegners zu bleiben.
Im Umkehrschluss bedeutet das nicht, dass die Bayern in Zukunft jeglichen Pressingdruck meiden sollten. Das würde zum berühmten „U“ führen – also dass die Münchner nur noch quer und dann auf den Flügel spielen. Das ist vorhersehbar und leicht zu pressen. Es braucht Kombinationen wie die gegen Augsburg, um den Gegner zu locken und ballferne Räume zu öffnen. Die Bayern haben die Qualität dafür.
In den Pressingdruck zu spielen ist ein elementarer Bestandteil dessen, was den Fußball unter Kompany so druckvoll und erfolgreich macht. Wenn man sich aus diesem aber nicht befreien kann, drohen gefährliche Gegenstöße. Nun ist es nicht so, dass das ständig passiert. In jedem Fall aber etwas häufiger als im ersten Saisondrittel.
Und dieses „etwas“ macht einen Unterschied. Ebenso wie die Nuancen, die im Pressing gerade nicht optimal funktionieren. Erklärungsansätze gibt es einige. Von Müdigkeit über Verletzungen bis hin zu Rotation und der Frage, ob die Qualität der zweiten Reihe ausreicht. Mit den schwierigen Aufgaben gegen Hoffenheim und Leipzig vor der Brust wird es jetzt jedoch entscheidend sein, den berühmten Schalter wieder umzulegen.
Wie auch beim Pressing kann es sinnvoll sein, die Abläufe im Ballvortrag zu hinterfragen und hier und da neue Abläufe zu integrieren, um wieder für mehr Überraschungsmomente sorgen zu können. Es kann jedoch ebenso der richtige Weg sein, am Bestehenden festzuhalten und darauf zu vertrauen, dass das Spiel bald wieder präziser wird.
Denn eines ist auch klar: Schaffen es die Münchner, ihr Spiel wieder auf den Rasen zu bringen, gibt es nur wenige Mannschaften auf der Welt, die ihnen überhaupt gefährlich werden können. Aber genau das muss jetzt wieder gelingen, wenn es in die entscheidenden Wochen geht.
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