90PLUS
·10 de julho de 2026
Im Halbfinale wartet Frankreich: Wird Spanien gegen Belgien seiner Favoritenrolle gerecht?

In partnership with
Yahoo sports90PLUS
·10 de julho de 2026

Los Angeles ist gemeinhin auch als die Stadt der Engel bekannt. Am Freitagabend wird dieser wunderbare Ruf jedoch auf eine harte Probe gestellt. Grund dafür ist das WM-Viertelfinale zwischen Spanien und Belgien – Die rote Furie trifft im SoFi-Stadium auf die roten Teufel. Die Fans erwartet ein heißer Tanz, gesucht wird der Halbfinalgegner Frankreichs.
Les Bleus warf am Donnerstagabend Marokko durch einen 2:0-Sieg aus dem Turnier. Dem Team von Didier Deschamps halfen dabei vor allem zwei Einzelaktionen ihrer Superstars Kylian Mbappé und Ousmane Dembélé. Solche Ausnahmekönner entscheiden enge Spiele in der entscheidenden Phase eines Turniers, auch Spanien hat einen solchen in den eigenen Reihen. Viele Augen werden sich am Freitagabend auf Lamine Yamal richten. Dabei ist allerdings längst nicht nur der 18-Jährige der entscheidende Grund, warum die Seleccion sich große Hoffnungen auf den ersten WM-Triumph seit 2010 macht und gegen Belgien als Favorit ins Rennen geht.
Wer an die Furia Roja denkt, dem kommt schöner und kreativer Offensivfußball in den Kopf, der sich durch das typische spanische Kurzpassspiel in seiner vollen Blüte entfaltet. Das hat sich auch nicht groß verändert, allerdings stiehlt die eigene Defensivabteilung den Offensivstars um Yamal, Dani Olmo, Mikel Oyarzabal und Co. in diesem Turnier die Show. Spanien hat noch kein einziges (!) Gegentor schlucken müssen und sorgt damit für einen beachtlichen neuen Bestwert. Torhüter Unai Simon hat bei WM-Spielen seit dem 01.12.2022 beim letzten Gruppenspiel gegen Japan kein Gegentor mehr kassiert (Elfmeterschießen ausgenommen) und ist mit 610 gegentorfreien Minuten neuer Rekordhalter in dieser Statistik.

Foto: Getty Images
Simon ist ein Top-Keeper (erhielt den Vorzug vor Joan Garcia und David Raya), profitiert aber auch von der überragenden Arbeit seiner Vorderleute. Marc Cucurella, Aymeric Laporte, Pau Cubarsi und Pedro Porro sind allesamt Akteure auf Weltklasse-Niveau und halten ihrem Schlussmann den Rücken frei. Vor der Viererkette räumt Kapitän Rodri auf, selbst Regisseur Pedri ist sich zuweilen nicht zu schade für die Drecksarbeit.
Das bedeutet im Umkehrschluss enorme Freiheiten für die Offensivstars um Yamal, die gegen Portugal im Achtelfinale zwar kein Offensivfeuerwerk abfackelten, eine ihrer guten Chancen schlussendlich aber zu nutzen wussten. Ironischerweise erzielte Mittelfeld-Joker Mikel Merino den Siegtreffer. Spanien hat den Luxus, auch von der Bank viel Qualität nachlegen zu können, und das bisher sogar zum Großteil ohne Linksaußen Nico Williams. Zum Viertelfinale ist der Tempodribbler aber wieder fit, damit steht de la Fuente eine weitere Waffe zur Verfügung. Die rote Furie gleicht eher einer mehrköpfigen Hydra, Gefahr droht von überall. Ob sich Belgien daran die roten Teufelshörner abstößt?
Das Team von Rudi Garcia konnte gegen die USA im Achtelfinale auf unerwartet viel Unterstützung aus aller Welt bauen. FIFA-Präsident Gianni Infantino hatte auf Anraten von US-Präsident Donald Trump die rote Karte gegen Stürmer Folarin Balogun aus dem Sechzehntelfinale gegen Bosnien und Herzegovina überprüfen lassen – mit dem kontroversen Ergebnis, die Sperre auf Bewährung auszusetzen. Balogun war also doch spielberechtigt für das Achtelfinale, beeindrucken ließen sich die roten Teufel in jedem Fall aber nicht von der aufsehenerregenden Entscheidung.
Auf dem Papier stand am Ende mit dem 1:4-Sieg (zusammen mit Marokkos 3:0 über Kanada) der deutlichste Erfolg eines Teams im Achtelfinale. Wie aussagekräftig ist der deutliche Sieg über die USA allerdings wirklich? Der Gastgeber hatte mit der Balogun-Situation mehr Probleme als die roten Teufel und lieferte eine ganz schwache Performance ab (kein US-Boy mit einer besseren Kicker-Note als 4,0). Die Stars and Stripes brachten kaum eigene Offensive zustande und defensiv eine Aneinanderreihung von kostspieligen Fehlern.

Foto: Getty Images
Nichtsdestotrotz: Belgien hat – schwacher Gegner hin oder her – definitiv eine positive Entwicklung im Turnierverlauf genommen. Nach einer biederen Gruppenphase, die nur durch den Kantersieg gegen Neuseeland aufgehübscht wurde, war man gegen den Senegal im Sechzehntelfinale eigentlich schon ausgeschieden. 85 Minuten zeigte Belgien viel zu wenig und lieferte den Eindruck, man sei gedanklich schon im Hotel beim Koffer packen. Dann ging wie auf Knopfdruck ein Ruck durch die Mannschaft, Lukaku und der doppelte Tielemans (unter freundlicher Mithilfe des Senegals) hievten Belgien auf dramatische Art und Weise in die nächste Runde. Nun der ausgesprochen souveräne Sieg gegen den Gastgeber – findet ein Teil der übriggebliebenen goldenen Generation Belgiens doch noch ein spätes Happy End?
Möglich ist natürlich alles. Nichtsdestotrotz wird es einer weiteren Leistungssteigerung bedürfen, um den amtierenden Europameister ins Wanken zu bringen. Einfache Fehler wird Spanien nicht anbieten, Garcia muss andere Lösungen finden. Wem schenkt der Franzose dafür das Vertrauen? Garcia bewies gegen die USA definitiv Mut, als er Kevin de Bruyne und Jeremy Doku nach schwacher Leistung gegen den Senegal auf die Bank beorderte. Der Erfolg gab ihm Recht, Garcia bleibt eigentlich keine andere Wahl, als erneut Charles de Ketelaere und Dodi Lukebakio von Beginn an zu bringen.

Foto: Getty Images
Das naheliegende Erfolgsrezept: Lange dem Halten der eigenen Null höchste Priorität einräumen. Zu offensiven Nadelstichen sind die roten Teufel dann definitiv fähig. Bei allem Selbstbewusstsein um die eigene Defensive, dürften die zwölf belgischen Treffer in den letzten drei Spielen zumindest mal auf dem Vorbereitungs-Sheet von Luis de la Fuente auftauchen. Große Hoffnungen ruhen natürlich erneut auf Sturmtank Romelu Lukaku, der bereits drei Joker-Tore erzielen konnte. Durch seine Physis und seinen Torriecher ist ,,Big Rom“ vor allem spät in einer Partie gegen müde Verteidiger ein gewaltiges Ass im Ärmel von Garcia.
Der Lohn wäre ein Duell mit Frankreich im Halbfinale. Ein Kräftemessen mit Les Bleus in der Vorschlussrunde eines großen Turniers? Daran haben Spanien und Belgien gemischte Erinnerungen. Während die Iberer im EM-Halbfinale von 2024 mit 2:1 als Sieger hervorgingen, unterlag Belgien 2018 knapp mit 1:0 gegen den späteren Weltmeister. Zunächst einmal steht jedoch das Viertelfinale an. Eins nach dem Anderen.
Ao vivo







































