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·02 de abril de 2026

Italiens Fußballbeben: Verbandspräsident Gravina & Sportchef Buffon treten zurück

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Verbandspräsident Gabriele Gravina stellt sein Amt nach dem historischen Scheitern der Azzurri zur Verfügung, wenige Tage nachdem Sportchef Gianluigi Buffon ebenfalls seinen Rücktritt erklärt hat. Buffon kündigte seinen Abschied in einem emotionalen Instagram-Post an und schrieb, er habe intern bereits eine Minute nach dem Ende des Spiels seinen Rücktritt erklärt. Der italienische Verband FIGC beschloss nach einer Sondersitzung die Demission Gravinas; auf einer außerordentlichen Verbandsversammlung sind Neuwahlen für den 22. Juni angesetzt. Das Ausscheiden Italiens nach dem 0:0 und der Niederlage im Elfmeterschießen gegen Bosnien-Herzegowina hatte politische Folgen und löste Forderungen nach tiefgreifenden Reformen im gesamten Fußballbetrieb aus.

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Gravina tritt zurück: FIGC kündigt Neuwahlen für 22. Juni an

Der italienische Verband FIGC verkündete nach einer Sondersitzung seines Präsidiums den Rücktritt von Verbandspräsident Gabriele Gravina. Gravina, seit 2018 im Amt, gab dem Druck aus Politik und Öffentlichkeit nach und stellte sein Amt am Donnerstag zur Verfügung. Auf einer außerordentlichen Verbandsversammlung sind Neuwahlen für den 22. Juni angesetzt. Die Entscheidung folgte auf tagelange Proteste und die Forderungen nach einem Neuanfang an der Verbandsspitze.

Buffon erklärt Rücktritt: Emotionaler Instagram-Post und interne Demission

Neben Gravina hat auch Sportchef Gianluigi Buffon zwei Tage nach dem Scheitern der italienischen Fußball-Nationalmannschaft in den WM-Playoffs seinen Rücktritt erklärt. Dies teilte der Weltmeister-Torhüter von 2006 in einem emotionalen Post auf Instagram mit. Buffon erklärte, er habe seinen Rücktritt intern schon „eine Minute nach dem Ende des Spiels“ erklärt. Seit September 2024 hatte er neben seiner Rolle als Delegationsleiter auch als Sportdirektor gearbeitet.

Das bittere Playoff-Aus gegen Bosnien-Herzegowina

Am Dienstag hatte Italien auch die dritte WM-Endrunde in Folge verpasst: Der viermalige Weltmeister unterlag Bosnien-Herzegowina im Elfmeterschießen. Das Playoff-Aus folgte auf zwei frühere Playoff-Niederlagen gegen Schweden und Nordmazedonien und markiert eine tiefgreifende sportliche Krise. Die sportliche Peinlichkeit wurde rasch zum Politikum mit weitreichenden Forderungen nach personellen und strukturellen Veränderungen.

Politische Forderungen: Lega, Sportminister Abodi und das Parlament

Die Personalie Gravina war in Italien schnell zum Politikum geworden. Zunächst hatte die zweitstärkste Regierungspartei Lega den Rücktritt des 72-Jährigen gefordert, dann sprach sich Sportminister Andrea Abodi für eine Demission des seit 2018 amtierenden Verbandschefs aus. Teile des Parlaments schlossen sich dieser Forderung an.

Abodi sagte: „Es ist offenkundig, dass der italienische Fußball neu aufgebaut werden muss. Dieser Prozess muss mit einer Erneuerung der Verbandsspitze beginnen“. Damit war das Schicksal Gravinas weitgehend besiegelt, zumal sich Dutzende Parlamentsabgeordnete dieser Forderung anschlossen. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni soll sogar im Parlament über den Verfall des „Calcio“ sprechen.

Mediale Warnungen und Forderungen nach Reformen

Die Gazzetta dello Sport warnte den Verband FIGC und das gesamte Land: „Wenn wir 2030 die vierte Ohrfeige vermeiden wollen, müssen wir uns beeilen.“ Medien und Experten sehen das jüngste Scheitern als deutliches Alarmsignal und fordern tiefgreifende Änderungen. Giuseppe Bergomi forderte „Tiefgreifende Reformen“ und kritisierte im Interview mit web.de sogar die Spielweise: In Italien, sagte Bergomi, werde „zu defensiv gespielt!“

Gleichzeitig riet UEFA-Präsident Aleksander Ceferin zur Selbstreflexion: „Die Politiker tragen mehr Schuld als Gravina“, der sein erster Vize-Präsident bei der Europäischen Fußball-Union ist, sagte Ceferin. Er fügte hinzu: „Ihr habt hier eine der schlechtesten Fußball-Infrastrukturen Europas.“ Darüber hinaus äußerte Ceferin seine Enttäuschung über das mediale Gezerre: „Es macht mich wütend und traurig, dass es Menschen gibt, die versteckt darauf warten, dass etwas schiefgeht, um dann hervorzuspringen“, sagte er. „Sagt mir, welcher italienische Spieler wurde nicht berufen – und hätte berufen werden sollen?“

Strukturelle Probleme: Stadien, Ausländerquote und nationale Talente

Die Kritik an der Infrastruktur und der Nachwuchsförderung richtet sich auf mehrere Baustellen: marode Stadien auf der einen Seite und eine starke Fixierung auf ausländische Profis auf der anderen. So stellte der AC Mailand zuletzt nur einen Italiener in die Startelf, Tabellenführer Inter Mailand und Meister SSC Neapel jeweils zwei.

Nach 30 Spieltagen hat der beste einheimische Schütze der Serie A acht Tore erzielt. Als Vergleich zeigt ein Blick nach Deutschland: Bayern München, Borussia Dortmund und der VfB Stuttgart boten am vergangenen Bundesliga-Spieltag zusammen nicht fünf, sondern 16 Deutsche von Beginn an auf. Sechs Deutsche haben nach 27 Spieltagen acht oder mehr Tore erzielt. Diese Zahlen illustrieren die Debatte über die fehlende Durchlässigkeit für nationale Talente in Italien.

Vereine, Prozentregel und Beispiele aus der Serie B

Als mögliche politisch-administrative Maßnahme brachte der Präsident des Senats, Ignazio La Russa, eine Prozent-Regel ins Gespräch: Die Vereine sollten verpflichtet werden, „mindestens vier italienische Spieler über die gesamte Spielzeit einzusetzen“. Befürworter sehen darin einen Hebel, um Nachwuchsspielern mehr Einsatzzeiten zu garantieren.

Auch Vereine wie Como Calcio stehen exemplarisch für die Widersprüche: Como stürmt mit fünf Siegen in Serie Richtung Champions League, in keinem der Spiele stand ein Italiener von Beginn an auf dem Platz. Kritiker sehen darin eine Fehlentwicklung, die mittel- und langfristig die nationale Kaderqualität schwächt.

Nachfolge: Giovanni Malagò und Trainerdiskussionen

Als aussichtsreicher Kandidat für Gravinas Nachfolge gilt Giovanni Malagò, Ex-Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (CONI). In den Medien werden auch populäre Trainernamen gehandelt, die Gennaro Gattuso als Nationaltrainer ablösen könnten.

Als mögliche Kandidaten für das Nationaltraineramt werden Napoli-Coach Antonio Conte sowie Roberto Mancini, Italiens Europameistertrainer von 2021, genannt. Die Personaldebatte zeigt, dass Verband, Politik und Sportwelt nach schnellen Lösungen suchen, aber zugleich grundlegende Reformen fordern.

Historische Einordnung: „una corea“ und frühere Blamagen

Vor fünf Jahren war Italien das heißeste Eisen im europäischen Fußball. Heute dagegen listen die Medien die schlimmsten Blamagen auf, beginnend mit der Niederlage gegen Nordkorea bei der WM 1966 – seitdem heißt eine schändliche Pleite in Italien „una corea“. Dieses Vokabular steht symbolisch für die Scham und die Forderung nach einer umfassenden Erneuerung.

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