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·02 de abril de 2026
Italiens Fußballkrise: Wenn die Politik eingreift, ist sie Teil des Problems

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40 Senatoren, Rücktritt Gravinas, Pflichteinsatz-Vorschläge: UEFA-Chef Ceferin kritisiert Italiens Politik für marode Infrastruktur und Einmischung in den Fußball.
Vier Italiener müssen spielen. Über die gesamte Spielzeit. Das ist kein Auszug aus einem Regelwerk der Serie A, sondern ein Vorschlag des italienischen Senatspräsidenten Ignazio La Russa – vorgetragen im Parlament, nicht im Verbandsrat. Wer verstehen will, wie tief die Krise des italienischen Fußballs reicht, muss nicht auf das Elfmeterschießen von Zenica schauen. Er muss nach Rom schauen.
Dort haben 40 Senatoren – aus Regierungskoalition und Opposition – einen Antrag unterzeichnet, der Ministerpräsidentin Giorgia Meloni auffordert, „dringend" vor dem Parlament über den Zustand des italienischen Fußballs zu berichten. 40 Senatoren, ein Sport. Das wiederholte WM-Aus sei nicht nur eine sportliche Niederlage, „sondern ein Rückschlag für einen der wichtigsten sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Bereiche des Landes". Das klingt nach nationalem Notstand. Es ist die Selbstüberhöhung einer Politik, die vom eigenen Versagen in der Sportinfrastruktur ablenken will.
Denn die eigentliche Pointe liefert UEFA-Präsident Aleksander Ceferin – von außen, mit einer Klarheit, die in Rom offenbar niemand aufbringen mag: „Vielleicht sollten sich italienische Politiker fragen, warum Italien eine der schlechtesten Fußball-Infrastrukturen Europas hat." Und weiter: „Das größte Problem im italienischen Fußball ist das Verhältnis zwischen Fußballpolitik und ‚normaler' Politik."
Wer die Diagnose ernst nimmt, erkennt ein Muster: Seit 2014 hat Italien keine WM-Endrunde mehr erreicht. Drei Vorgänger an der Verbandsspitze – Giancarlo Abete nach dem Vorrunden-Aus 2014, Carlo Tavecchio nach dem Playoff-Aus 2018 gegen Schweden – traten zurück. Gabriele Gravina, seit 2018 im Amt und im Februar 2025 noch mit 98,68 Prozent wiedergewählt, weigerte sich bislang. Laut Berichten von Sky Sport hat er die Entscheidung zum Rücktritt inzwischen offenbar getroffen.
Nur: Was ändert ein Rücktritt, wenn das System dahinter weiterläuft? Gravina bestätigte nach dem WM-Aus 2022 zunächst Trainer Roberto Mancini, entließ dann verspätet dessen Nachfolger Luciano Spalletti und setzte schließlich auf das Trio Buffon–Gattuso–Bonucci. Jetzt steht Gennaro Gattuso nach dem 1:1 und der 1:4-Niederlage im Elfmeterschießen gegen Bosnien-Herzegowina unter Beschuss. Als mögliche Nachfolger werden Antonio Conte und Mancini selbst gehandelt – der Europameistertrainer von 2021, der den Verband vor drei Jahren verließ. Das ist kein Neuanfang. Das ist ein Personalkarussell, das sich im Kreis dreht.
Sportminister Andrea Abodi hat recht, wenn er sagt: „Es ist offenkundig, dass der italienische Fußball neu aufgebaut werden muss." Aber sein eigener Lösungsansatz – Druck auf den Verbandschef, politische Forderungen, öffentliche Rücktrittsdiplomatie – ist Teil des Problems, das Ceferin beschreibt. Der Vorschlag La Russas, Klubs zum Einsatz von mindestens vier Italienern über die gesamte Spielzeit zu verpflichten, ist symptomatisch: ein regulatorischer Schnellschuss, der das Gefühl von Handlung erzeugt, ohne die eigentlichen Baustellen – Nachwuchsförderung, Stadionbau, Verbandsstrukturen – auch nur zu berühren. Italiens jüngste WM-Teilnahme liegt zwölf Jahre zurück. Drei Verbandspräsidenten sind seitdem gegangen oder gehen. Die Infrastruktur ist marode, die Reformzyklen werden kürzer, die Eingriffe von außen größer.
Wenn Parlamente Pflichteinsatzzeiten debattieren und Ministerpräsidentinnen vor dem Senat über Fußball Bericht erstatten sollen, ist das kein Zeichen politischer Verantwortung. Es ist der Beweis, dass ein Verband die Kontrolle über seine eigene Zukunft verloren hat – und dass die Politik nicht die Lösung ist, sondern längst Teil des Schadens.
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