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·30 de maio de 2026
Kommentar zum Atlético-Barca-Transferzoff: Willkommen im modernen Fußball

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·30 de maio de 2026

Als Bastian Schweinsteiger 2015 seinen Vertrag verlängerte, da tat er dies vor der Südkurve. Mit einem Mikrofon in der Hand verkündete er unter großem Jubel seinen Verbleib beim FC Bayern. Kein vorheriger Twitter-Post, kein "Here we go".
Es waren gewissermaßen einfachere und irgendwo auch bessere Zeiten. Denn längst ist das Transfer-Business zu einem Wettstreit um Reichweite, Klicks und dem gegenseitig Überbieten geworden – ganz nach dem Motto: Je krasser und größer die News, desto besser.
Der Journalismus selbst bleibt dabei häufig auf der Strecke. Das zeigte Atlético Madrid mit seinen Vorwürfen gegen den FC Barcelona und die Bubble der Transfer-Journalisten generell.
Als Reaktion auf einen Tweet von Fabrizio Romano, in dem er davon sprach, dass Barca ein 100-Millionen-Euro-Angebot für Julian Alvarez an Atléti verschickt hatte, posteten die Rojiblancos drei Bilder im Stil des italienischen Transfer-Gurus, in denen Lamine Yamal, Pedri und Raphinha Atlético-Trikots trugen.
Die Bilder waren mit "Angeboten" für die Spieler versehen, unter anderem bot Atléti für Lamine Yamal vier Eintrittskarten zum Konzert von Bad Bunny. Zudem schrieben die Rojiblancos, dass es "nur fünf Minuten gedauert habe", diese Collagen zu erstellen und dass man nicht sofort alles glauben soll, was man ließt – "vor allem nicht vom FC Barcelona". Mehrere Vereine, mit denen Barca in den letzten Jahren, sprangen Atléti in der Folge zur Seite. Unter anderem auch Borussia Dortmund, wobei sie behaupteten, dass Barca noch immer nicht die komplette Summe für Spieler wie Ousmane Dembélé oder Ferran Torres gezahlt hätten.
Atlético Madrid hat damit dem modernen Fußball gewissermaßen den Spiegel vorgehalten. Insbesondere Fabrizio Romano sieht sich in den letzten Jahren immer mehr Kritik ausgesetzt.

Fabrizio Romano hat die Transfer-Berichterstattung verändert | Nicolò Campo/GettyImages
Der Italiener, vor Jahren mit seinem "Here we go" berühmt geworden, ist mittlerweile mehr Influencer als Journalist. Dass er von Spielern und deren Berater Summen annimmt, um über sie zu berichten, ist ein offenes Geheimnis. Gleichzeitig finden sich auf seinem X-Kanal auch immer mehr Product Placements.
Die journalistische Integrität ist irgendwo zwischen all den "Here we go's" oder den ageschickten Tweets aber irgendwo verloren gegangen. Dafür ist die Causa Alvarez das beste Beispiel.
Atlético selbst erklärte, dass nie ein Angebot von Barca bei ihnen eingegangen sei, womit sie Romano deutlich widersprechen. Und so verfestigt sich immer mehr der Eindruck, dass zum Wohl von Klicks und Reichweite teilweise auf journalistisches Arbeiten verzichtet wird.
Das ist nicht per se die Schuld von Romano oder anderen Journalisten, sondern einfach der Zeit geschuldet, in der wir leben. Social Media ist so wichtig wie nie, jeder will irgendwo der Erste sein, es muss immer noch höher, noch schneller, noch weiter gehen.
Das konnte man auch gut bei der Kadernominierung des DFB-Teams für die Weltmeisterschaft beobachten. Im Vorfeld wurde ein Großteil des Kaders bereits geleakt, womit vielen Fans die Vorfreude auf die echte Nominierung genommen wurde – und im Fall von Said El Mala sogar falsch war.

Die Kadernominierung des DFB sorgte für viel Gesprächsstoff | Markus Gilliar - GES Sportfoto/GettyImages
Sky-Reporter Marlon Irlbacher sprach auf der Plattform X später davon, dass dies "Part of the Game" sei – und in gewisser Weise hat er auch Recht, denn dorthin hat sich der Sport-Journalismus in den letzten Jahren entwickelt. Man hält mit einer Exklusivnews eben nicht mehr hinter dem Berg, sondern veröffentlicht sie so schnell wie möglich, um möglichst viele Interaktionen zu bekommen und, um zu informieren – egal, ob der Zuschauer oder Leser das möchte.
Transfer-Journalismus ist in den letzten Jahren so omnipräsent geworden, dass die Transfer-Phase selbst für viel schon deutlich spannender und interessanter ist, als die eigentliche Saison. Eben weil es minütlich Updates gibt, eben weil man quasi bei jedem Transfer "live dabei" sein kann – und weil man das alles mit nur einem Klick tun kann.
Atlético Madrid zeigte allerdings, dass dieses Business in manchen Punkten ein dreckiges Business und damit gewissermaßen auch die dunkle Seite des Fußballs ist. Es ist kein Wunder, dass sich viele die Zeit aus den 2000er- oder 2010er-Jahren zurückwünschen, in denen der Fokus noch mehr auf dem Spiel selbst lag – und nicht auf dem drumherum.
Die aktuelle Schlammschlacht zwischen Atlético und Barca zeigt einmal mehr, dass der Fußball auf dem besten Weg ist, seine Seele endgültig zu verkaufen – wenn er das nicht schon längst getan hat.
Gleichzeitig finde ich persönlich den Schritt der Rojiblancos gut, dass sie sich so eminent gegen Barca und die aktuellen Gerüchte wehren. Denn am Ende sind es immer noch die Vereine, die den Fußball bestimmen – und kein "Here we go".
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