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·08 de abril de 2026
Mehr als Salah vs. Dembele: Der wahre Schlüssel zu PSG gegen Liverpool

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PSG gegen Liverpool klingt zunächst nach Flügelduell, nach Tempo, nach Dembele in offenen Räumen und nach Salah in eins-gegen-eins-Situationen. Aber gerade dieses Viertelfinale könnte an einem anderen Ort kippen: Nämlich im Zentrum.
Denn die Ausgangslage ist klar. Paris kommt mit Rückenwind, Liverpool mit Wunden. PSG hat in der Ligue 1 wieder die Kontrolle übernommen, zuletzt Chelsea in der Königsklasse deutlich aus dem Weg geräumt und vier Siege in Serie eingefahren. Liverpool dagegen reist nach dem 0:4 im FA Cup bei Manchester City mit mehr Fragezeichen nach Paris. Zumal Arne Slot auch noch auf Alisson verzichten muss.
Die spannendste Frage wird sein, ob Liverpool es überhaupt schafft, dieses Spiel in die Zonen zu ziehen, in denen es kontrollierbar wird. Denn Luis Enrique hat vor dem Spiel ziemlich offen angedeutet, was PSG will: wieder mehr Ballbesitz als Liverpool, wieder ein dominantes Spielbild, wieder die Kontrolle, wie schon im Vorjahresduell trotz des 0:1 im Hinspiel. Der Spanier sagte sogar, er würde die damalige Leistung sofort wieder unterschreiben, nur eben nicht das Ergebnis.
Hier kommt Florian Wirtz ins Spiel. Nicht als glamouröser Unterschiedsspieler im letzten Drittel, sondern als taktischer Hebel. Liverpool braucht in Paris keinen wilden Schlagabtausch, sondern Verbindung. Verbindung zwischen erster Pressinglinie und Mittelfeld, zwischen Ballgewinn und Entlastung, zwischen Kontrolle und Tempo. Wirtz ist dafür eigentlich der logischste Spieler im Kader.

Foto: Getty Images
Die Frage ist nur: wo? Berichten aus England zufolge könnte er wieder zentraler hinter der Spitze agieren, während Ekitike eher von links kommt und Salah rechts startet. Das würde Sinn ergeben, weil Liverpool damit zumindest einen zusätzlichen Verbindungsspieler zwischen PSGs Mittelfeld und letzter Linie hätte.
Zieht Wirtz zu häufig auf den Flügel, droht jedoch ein bekanntes Problem. Dann bleiben Gravenberch und Mac Allister zu oft allein gegen ein PSG-Zentrum, das ohne Fabian Ruiz zwar an Balance verliert, mit Vitinha, Joao Neves und wohl Warren Zaire-Emery aber weiterhin enorme Intensität und Dynamik mitbringt. Fabian fällt aus, Barcola ebenfalls für das Hinspiel. Luis Enrique muss also anpassen, bekommt aber mehrere ausgeruhte Stammkräfte im Mittelfeld und auf den Außen zurück.
Für Liverpool ist das die heikle Gleichung. Wirtz muss frei genug sein, um das Spiel zu verbinden, aber nicht so frei, dass das Mittelfeld hinter ihm auseinanderbricht. Gerade gegen City war genau das phasenweise zu sehen. Slot sprach von zehn, 15 oder 20 Minuten, in denen Liverpool nicht seinen besten Fußball gespielt habe und sofort bestraft worden sei. Wirtz selbst mahnte, man dürfe nicht wieder „zu wild“ werden.
Das führt zur zweiten Kernfrage: Presst Liverpool hoch oder lässt es PSG kommen? Beides ist riskant. Ein tiefer Block gegen diese Pariser Mannschaft kann schnell zu 65 oder 70 Prozent Ballbesitz für PSG führen, also genau zu jenem Spiel, das Luis Enrique will. Ein aggressives Pressing öffnet Räume für Dembele, Kvaratskhelia und Co. Chelsea hat im Achtelfinale gezeigt, dass PSG unter Druck durchaus zu Fehlern gezwungen werden kann, aber auch, wie brutal Paris sofort umschalten kann.

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Darum spricht viel für einen Mittelweg. Liverpool muss PSG anlaufen, aber selektiv. Nicht jede Szene hoch pressen, nicht jeden Aufbau zwanghaft jagen. Eher Trigger setzen: Gerade Torhüter Safonov wirkte zuletzt nicht komplett sattelfest. Das ist ein möglicher Hebel für Liverpool, aber nur dann, wenn die erste Pressinglinie sauber abgestimmt ist.
Ohne Alisson bekommt diese Komponente eine zweite Ebene. Denn Liverpool kann den Pariser Aufbau nicht nur attackieren, es muss selbst im Aufbau stabiler bleiben. Giorgi Mamardashvili ist ein guter Vertreter, aber nicht Alisson. Gerade gegen PSG wäre ein naiver flacher Aufbau durchs Zentrum fast eine Einladung.
Natürlich wird am Ende viel auf den Außen passieren. Salah gegen Nuno Mendes ist ein Top-Duell, Dembele gegen Kerkez oder die jeweilige linke Liverpool-Seite ebenso. Und doch dürfte das alles erst dann relevant werden, wenn das Zentrum nicht vorher kippt.

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Denn PSGs Plan ist relativ leicht zu erkennen: Ballbesitz herstellen, Liverpool laufen lassen, das gegnerisches Mittelfeld auseinanderziehen und dann im richtigen Moment auf die Flügel beschleunigen. Liverpools Plan müsste eigentlich spiegelverkehrt sein: PSGs Sechserraum stören, Vitinha aus dem Rhythmus bringen, Wirtz als Verbindungsspieler nutzen und verhindern, dass aus jeder offenen Situation ein Rennen in Richtung eigener Viererkette wird.
PSG wirkt aktuell runder, eingespielter und in seinem Stil klarer. Liverpool hat vielleicht die individuell spektakuläreren Antwortspieler für offene Spielphasen, aber Paris hat im Moment das geschlossenere Kollektiv. Genau deshalb könnte das Hinspiel nicht dort entschieden werden, wo es am lautesten wird, sondern in den unscheinbaren zweiten Bällen, in den Halbräumen, in den Duellen um Kontrolle. Oder anders gesagt: Wer das Mittelfeld gewinnt, gewinnt wahrscheinlich den Abend. Und aktuell spricht mehr dafür, dass PSG genau dort den klareren Plan hat.









































