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·05 de abril de 2026
Nach den Krawallen von Dresden gehen den Fan-Verstehern die Argumente aus

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Vermummte Fans stürmen das Spielfeld, Pyrotechnik wird auf Menschen geschossen. Herthas Geschäftsführer Görlich: Uns gehen langsam die Argumente aus.
Minute 19. Auf dem Rasen des Rudolf-Harbig-Stadions läuft ein Zweitligaspiel, als Dutzende vermummte Gestalten in gelben und schwarzen Ponchos aus dem K-Block über das Spielfeld Richtung Gästeblock stürmen. Raketen fliegen, Pyrotechnik wird auf Menschen geschossen, die Polizei muss eine Kette bilden. Dresdens gesperrter Kapitän Stefan Kutschke versucht zu schlichten – und dreht unverrichteter Dinge wieder um. Rund 25 Minuten steht das Spiel still. Und mit ihm steht eine ganze Debatte still: die Debatte derer, die bisher glaubten, man könne Fankultur und Sicherheit ohne schärfere Gesetze zusammenhalten.
Was in Dresden passiert ist, lässt sich nicht als Randnotiz abheften. Die Ausschreitungen beim Spiel Dynamo Dresden gegen Hertha BSC fallen exakt in die laufende Diskussion über verschärfte Stadionverbotsrichtlinien. Wer den politischen Kalender kennt, weiß: Timing ist in solchen Debatten alles. Und dieses Timing hätten die Befürworter härterer Maßnahmen nicht besser bestellen können. Eine Minderheit vermummter Fans hat an einem Samstagabend die Agenda für Millionen friedlicher Stadionbesucher gesetzt – nicht durch Argumente, sondern durch Gewalt.
Bemerkenswert ist, wer das Ausmaß des Schadens am deutlichsten benennt. Nicht die Hardliner, nicht die Innenminister – sondern die Vereinsverantwortlichen selbst. Dresdens Finanz-Geschäftsführer Stephan Zimmermann sprach von einem „ganz großen Schuss in den Ofen, vollkommen daneben" und fügte hinzu: „Das ist nicht das, wofür wir stehen, arbeiten und kämpfen." Dresdens Sport-Geschäftsführer Sören Gonther sagte, alle stünden „ein Stück weit unter Schock". Auslöser der Eskalation soll „wohl ein Fahnenklau" gewesen sein. Ein Fahnenklau – und als Antwort Jagdszenen auf dem Spielfeld.
Herthas Geschäftsführer Peter Görlich formulierte das Dilemma mit einer Offenheit, die man selten hört. „Das ist natürlich Wasser auf die Mühlen der großen Kritiker. Das ist uns bewusst", sagte er bei Sky. Görlich betonte, er stehe für „eine lebendige Fankultur", doch sobald man „auf die Idee kommt, andere Menschen mit Pyrotechnik zu beschießen, hört es bei mir auf." Und dann der Satz, der nachhallt: „Uns gehen langsam die Argumente aus." Das ist kein Kritiker von außen, das ist ein Geschäftsführer, der sich zum Dialog bekennt – und zugeben muss, dass ihm der Boden unter den Füßen weggezogen wird.
Görlich warnte auch davor, „alles zu pauschalisieren und diese Thematik direkt hiermit zu verknüpfen". Er hat recht damit, und es wäre falsch, diesen Einwand zu ignorieren. Die allermeisten Stadionbesucher wollen Stimmung, nicht Gewalt. Aber genau das ist das Perfide an solchen Abenden: Sie machen differenziertes Argumentieren fast unmöglich. Wer nach Dresden noch für eine liberale Linie wirbt, muss gegen Bilder ankämpfen, die stärker sind als jede Statistik. Politik reagiert auf Bilder – nicht auf Nuancen.
Das Spiel selbst ging übrigens weiter und endete 1:0 für die lange in Unterzahl spielende Hertha durch einen abgefälschten Kopfball von Marten Winkler in der 80. Minute. Aber das Ergebnis ist Nebensache. Was von diesem Abend bleibt, ist nicht der Treffer, sondern der Schaden: für Dresden, für die Fanszene, für alle, die an den Dialog zwischen Vereinen, Ultras und Politik geglaubt haben.









































