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·27 de junho de 2026

Schweinsteigers Stilkunde: Wenn Fußballanalyse einen ganzen Kontinent vereinnahmt

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Ivorer-Trainer Faé reagiert enttäuscht auf Schweinsteigers Worte vom afrikanischen Fußball. Die ARD verteidigt ihren Experten und schlägt ein Gespräch vor.

Es ist ein Streit, der die Grenzlinie zwischen Fußballanalyse und Pauschalurteil markiert – und Bastian Schweinsteiger steht mittendrin. Der Weltmeister von 2014, inzwischen TV-Experte der ARD, hatte vor dem Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen die Elfenbeinküste, das die DFB-Elf 2:1 gewann, „ein bisschen afrikanischen Fußball" angekündigt. Den beschrieb er als „ein bisschen unorthodox", „ein bisschen wild" und „vielleicht auch manchmal nicht ganz so von der Taktik geprägt". Drei Beschreibungen, die nicht einer konkreten Mannschaft galten, sondern einem ganzen Kontinent zugeschrieben wurden. Genau hier setzt die Kritik an.


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Emerse Faé, Trainer der Elfenbeinküste, hat darauf am Donnerstag mit einer bemerkenswert ruhigen, aber unmissverständlichen Replik reagiert. „Wir können es rassistisch nennen", sagte er. Und er fügte etwas hinzu, das den Vorgang vom reinen Schlagabtausch löst: Er sei „traurig" über die Äußerungen, er habe Schweinsteiger als Spieler stets verehrt. „Ich liebe ihn persönlich. Aber als ich seine Kommentare gehört habe, war ich persönlich enttäuscht." Das ist kein Empörungsreflex. Das ist die Enttäuschung eines Kollegen, der einen Begriffsraum betritt, in dem der andere ihn nicht erwartet hat.

Schweinsteiger selbst hat sich in einer Stellungnahme der ARD gewehrt. „Ich habe über Fußball gesprochen, nicht über Menschen. Das ist eine Fußballanalyse. Nicht mehr und nicht weniger", erklärte er und betonte: „Auf keinen Fall wollte ich jemandem zu nahe treten." Diese Trennung – hier Fußball, dort Menschen – ist der Kern seiner Verteidigung. Sie funktioniert allerdings nur, wenn man akzeptiert, dass eine Stilbeschreibung, die einen Kontinent als Einheit fasst, sich auf das Spielerische beschränken lässt. Faés Einwand zielt genau auf diese Voraussetzung.

Rückendeckung bekommt Schweinsteiger von ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky. Der Experte habe sich nach dem ersten Gruppenspiel der Elfenbeinküste gegen Ecuador, das die Ivorer mit 1:0 gewannen, „zu seinen Erwartungen des Spielstils der Mannschaft der Elfenbeinküste geäußert. Darin hat er seine Erfahrungen und Beobachtungen der letzten Spiele zusammengefasst. Es ging hier nicht um die Menschen, sondern um eine fußballerische Einordnung." Balkausky könne „darin und auch in der Wortwahl (...) keine Form von Rassismus entdecken". Und er macht einen Vorschlag: einen direkten Austausch zwischen Faé und Schweinsteiger. „Wenn sich Faé direkt mit Bastian austauschen würde, wäre sein Verdacht in kürzester Zeit revidiert – da bin ich mir sicher."

Das ist ein nachvollziehbares Angebot, aber es verschiebt die Frage, statt sie zu beantworten. Denn der Streit dreht sich nicht darum, was Schweinsteiger gemeint, sondern was er gesagt hat. „Unorthodox", „wild", „nicht ganz so von der Taktik geprägt" – diese Begriffe haben in der Beschreibung afrikanischer Mannschaften eine lange Geschichte. Sie tragen Konnotationen mit, die ein TV-Experte mitbedenken muss, gerade weil er Millionen Zuschauer erreicht. Dass Schweinsteiger das nicht bewusst war, mag stimmen. Dass es dadurch unproblematisch wird, folgt daraus nicht.

Bleibt die Frage, was nun trägt. Ein Dialog, wie Balkausky ihn anregt, wäre der schmalere, aber ehrlichere Weg. Faé hat die Tür dafür nicht zugeschlagen – er hat von Verehrung gesprochen, von Liebe sogar. Schweinsteiger hat versichert, niemandem zu nahe treten zu wollen. Was beide trennt, ist nicht die Person des anderen, sondern eine Wortwahl, die im Studio noch als Analyse durchgeht und auf dem Trainerstuhl längst etwas anderes geworden ist.

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