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·12 de junho de 2026

Time To Say Goodbye, U23!?

Imagem do artigo:Time To Say Goodbye, U23!?

Die U23 des FC St. Pauli darf dank des verspäteten Klassenerhalts des TSV Havelse doch noch ein weiteres Jahr in der Regionalliga spielen. Ein Grund zur Freude oder nur eine Verlängerung des Leidens?

Ein Kommentar von Maik.


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Ihr habt sicher alle das Schicksal von Timmy/Hope mitbekommen. Jener Wal-Kuh, deren Leid man durch unwürdige Rettungsaktionen künstlich verlängert hat. Der Vergleich mag etwas hinken, aber zumindest mir kam dieses Bild jetzt auch mit dem nachträglichen Klassenerhalt der FC St. Pauli U23 in den Sinn. Statt also in die Freude über den Verbleib in der Regionalliga einzustimmen, dachte ich gedanklich eher: „Yay, Hope… dann schwimme halt noch ’ne Runde.“

Als ich in dieser Fanszene groß geworden bin, da wurde das Team der U23 noch liebevoll „Amateure“ genannt und hatte einen extrem hohen Stellenwert, zumindest in der aktiven Fanszene. Man folgte dem Team zu den diversen Heimspielorten, die in Hamburg regelmäßig wechselten. Die Duelle mit „Scheiß-Cordi“ waren hochemotional und entwickelten bei einigen ein ähnliches Kribbeln wie heutzutage die Stadtmeisterschaft. Die echten „kleinen Derbys“ gegen die II. des HSV sorgten für große Zuschauer*innen-Zahlen. Für Auswärtsspiele, beispielsweise beim VfR Neumünster, wurden Busse (plural!) gechartert. Mit dem „Hossa“ gab es sogar ein eigenes Fanzine für die Amateure.

Heimspiele sowohl im Sternschanzenpark als auch später an der Waidmannstraße waren oft Wohlfühltermine für die ganze Familie beziehungsweise eben die Fanszene. Die Beziehung zu den Spielern war sehr viel persönlicher, regelmäßig standen diese auch bei Terminen im „Zum letzten Pfennig“ Rede und Antwort. Das DFB-Pokalspiel gegen Bayer 04 Leverkusen (welches es auch auf das Übersteiger Cover #35 schaffte) gehört bis heute zu den schönsten Abenden meiner Fan-Karriere.Dementsprechend wird das hier auch kein Artikel im Sinne einer Berichterstattung, sondern der harte Stoff über das Ende einer Beziehung. Und so gerne ich auch ein „Es liegt nicht an dir, es liegt an mir“ formulieren würde, muss ich hier leider ganz klar sagen müssen: Doch, es liegt an dir.

Die Spielstätten

Wie erwähnt war das Verfolgen der Spiele der U23 lange Jahre von einer gewissen Flexibilität begleitet, so ganz sicher konnte man sich bezüglich des Heimspielortes oft nicht sein. Mit dem Sternschanzenpark (inzwischen ein Kunstrasenplatz) unter dem ehemaligen Wasserturm (inzwischen ein Hotel) aber gab es ab der Saison 1997/98 sowas wie eine Heimat. Der größte Kritikpunkt an den dortigen Umständen wäre heute wohl, dass das dortige Vereinsheim zur „Sportvereinigung der Polizei von 1920 e. V.“ gehörte.

Im Jahr 2007 wechselte man dann zu Union 03, dem wirklich schönen Areal an der Waidmannstraße. Fantrennung war in der Liga leider doch immer mal wieder nötig, hier ließ sie sich zumindest in der Theorie leichter bewerkstelligen als im Sternschanzenpark. Den heutigen Anforderungen an die Regionalliga entspricht der Platz aber leider bei Weitem nicht. Viele Jahre später sollte auch der HFC Falke sich hier für einige Zeit zuhause fühlen.

2009 ging es dann für eine Saison ans Millerntor(!), dann wieder an die Waidmannstraße und ab 2011 zum SC Victoria an die Hoheluft. 2014 gab es die erste Saison im Edmund-Plambeck-Sportpark in Norderstedt. Es ging dann nochmal für zwei Jahre zurück an die Hoheluft und seit 2017 spielt man dauerhaft in Norderstedt. Und damit, das muss man einfach ganz nüchtern einmal festhalten, spielt die U23 des Hamburger Stadtteilvereins FC St. Pauli seit nunmehr fast neun Jahren in Schleswig-Holstein.

Fehlende Alternativen

Wenn man aus Hamburg die Heimspiele der U23 in den letzten Jahren besuchen wollte, dann stand nicht nur die lange Fahrt mit dem ÖPNV (U1 nach Garstedt) an, sondern anschließend auch noch ein Fußmarsch von etwa einer Viertelstunde – wenig verlockend, selbst die Anreise in den Volkspark erscheint einfacher.

Das Problem für den Verein ist die fehlende Alternative. Zumindest mit den bestehenden Vorgaben des Verbandes und den Wünschen des FCSP – denn alle geeigneten Spielorte in Hamburg, die für die Regionalliga zugelassen sind, haben inzwischen Kunstrasen. Das ist ein Ausschlusskriterium für die sportliche Leitung, zum Wohle der Gesundheit der Spieler. Nachvollziehbar. Aus Fansicht ist diese Entscheidung aber ein komplettes Desaster. Okay, das Millerntor wäre noch frei… aber eine gewisse Fanbase, damit man zumindest eine Tribüne sinnvoll öffnen könnte, hat man über die Jahre konsequent vertrieben. Fehlende Wertschätzung für das Team, sowohl was die Durchlässigkeit als auch die Präsentation nach außen anbelangt. Man hätte ja beispielsweise ab und an mal ein Spiel am Millerntor ermöglichen können, dies ist in all den Jahren aber nur ein einziges Mal realisiert worden.

Hinzu kommen natürlich die Parallelansetzungen zu den Profispielen, erreicht durch die Polizei, die selbst den wenigen verbliebenen Stammgästen einen Besuch immer schwieriger werden ließen.

Es rächt sich auch, dass die sich bis vor kurzem für Olympia bewerbende „Active City“ Hamburg kein Stadion vorweisen kann, in dem 3. Liga (und damit eben auch Regionalliga) gespielt werden könnte. Vor ähnlichen Problemen stand auch das Frauenteam des HSV, welches nach erfolgtem Bundesliga-Aufstieg nun im Volksparkstadion spielen „muss“. Eine mögliche, dauerhafte Lösung ist aktuell weder geplant noch zeitnah zu erwarten, das neue Stadion von Altona 93 am Diebsteich ist noch Jahre entfernt und würde außerdem auch wieder nur Kunstrasen bieten. Fraglich, ob der FCSP dies dann überhaupt in Erwägung zieht.Ein kleines Stadion auf dem Heiligengeistfeld, an dem neben der U23 auch die 1. Frauen, U19 und U17 spielen können, wäre die perfekte Lösung für alle und würde vielleicht auch dauerhaft wieder mehr Zuschauende für das Team akquirieren – aber dies scheint derzeit ähnlich realistisch wie „Weltfrieden“.

Die sportliche Perspektive

Kleines Quiz: Nennt doch bitte mal die letzten fünf Spieler, die sich über regelmäßige Einsätze in der U23 für den Profikader empfahlen und dort dann auch regelmäßig zum Einsatz kamen.[Jeopardy-Melodie]

Nur wenige Spieler schaffen es dauerhaft beim FC St. Pauli

Okay, das ist gemein, die Frage dürfte so manches KI-Tool überfordern.Also, kürzen wir es ab: Luca Günther, Nick Schmidt, Romeo Aigbekaen und Marwin Schmitz wären da vielleicht die Namen, die bei dem ein oder der anderen im Hinterkopf rumwabern. Zumindest sprang da schon mal sehr vereinzelt eine Kadernominierung oder eine Teilnahme am Trainingslager oder Testspielen bei heraus. Pflichtspieleinsätze für die Profis des FCSP allerdings: Null.Hier die Spieler „der Neuzeit“ mit U23-Vergangenheit, die auf Einsätze bei den Profis gekommen sind, sortiert nach Anzahl der Profi-Einsätze:

  • Finn Becker (U23: 1(!) Spiel / Profis: 88 Spiele), aktuell beim 1. FC Nürnberg
  • Igor Matanović: (U23: 3(!) / Profis: 57), aktuell bei der WM (sonst beim SC Freiburg)
  • Yi-Young Park (U23: 106 / Profis: 25), inzwischen bei Phnom Penh Corn (Kambodia)
  • Florian Carstens (U23 / 44 / Profis: 22), inzwischen bei Hansa Rostock
  • Jannes Wieckhoff (U23: 30 / Profis: 12), zuletzt bei Heracles Almelo
  • Christian Viet (U23: 60 / Profis: 10), aktuell beim MSV Duisburg
  • Christian Conteh (U23: 26 / Profis: 9), aktuell beim 1. FC Heidenheim
  • Leon Flach (U23: 3 / Profis: 9), aktuell bei Jagiellonia Bialystok (1. Liga Polen)
  • Svend Brodersen: (U23: 80 / Profis: 6), aktuell bei Kawasaki Frontale
  • Marvin Senger (U23: 21 / 4), aktuell bei Stal Mielec (2. Liga Polen)
  • Jakub Bednarczyk (U23: 50 / Profis: 2) aktuell bei Gornik Leczna (2. Liga Polen)
  • Tjark Scheller (U23: 35 / Profis: 2), aktuell beim SC Paderborn
  • Eric Silva de Moreira (U23: 10 / Profis: 1(!) (eine(!!) Minute in Nürnberg)), inzwischen bei Nottingham Forest

Tatsächlich also immerhin fünf Spieler mit einer zweistelligen Anzahl an Profi-Einsätzen für den FCSP. Insbesondere bei den beiden, die dauerhaft den Durchbruch bei den Profis geschafft haben, nämlich Finn Becker und Igor Matanović, fällt aber auf, dass die den Weg auch ohne U23, direkt von der U19 aus gegangen sind. Ähnlich ist es bei Leon Flach, der seinen Weg dann ja international machte.

Und auch nicht viel mehr schaffen es woanders

Aber klar, Erfolg bemisst man in der Nachwuchsförderung nicht nur daran, wer es in den eigenen Profikader schafft, sondern auch, wenn Spieler es dann anderswo schaffen. Auch wenn der eigene Verein dann nichts oder nur wenig davon hat. Youssoufa Moukoko (FC Kopenhagen) oder Tom Rothe (Union Berlin) könnte man nennen – aber die verließen das NLZ lange bevor sie alt genug waren, überhaupt für die U23 zu spielen.Okay, also wer hat denn Vergangenheit bei der U23 gespielt, aber nie bei den Profis – und spielt heute oberhalb der Regionalliga? (Aufzählung nach bestem Wissen und Gewissen, gerne ergänzen.)

  1. 2. Liga: Franz Roggow (Hannover 96) Max Marie (Eintracht Braunschweig) Sirlord Conteh (1. FC Heidenheim)
  2. 3. Liga: (inkl. Auf- und Absteigern aus/in Regionalliga) Kwasi Wriedt (Alemannia Aachen) Mika Clausen (Erzgebirge Aue) John Posselt (Jahn Regensburg) Niklas Jessen (MSV Duisburg) Max Brandt (SSV Ulm) Niclas Nadj (SV Meppen) Aurel Loubongo (VfB Oldenburg/Erzgebirge Aue – jaja, beides nur Regionalliga)

Infrastrukturelle Nachteile

Es ist leicht, über den fehlenden Output des NLZ zu meckern. Sowohl U19 als auch U17 verpassten in der abgelaufenen Saison auch die erhoffte Qualifikation für die Meisterrunde. Das „Rebellution“-Konzept als gescheitert zu betrachten, wäre allerdings zu einfach und viel zu früh.

Insbesondere, weil die Standortnachteile immens sind. Wer schon mal auf der Trainingsanlage des HSV in Norderstedt war und diese mit dem einen Kunstrasenplatz am Brummerskamp vergleicht, weiß was gemeint ist. Dies wird sich hoffentlich mit dem Ausbau der Kollaustraße mittel- und langfristig verbessern – ob dies auch zwingend der U23 hilft, bleibt aber abzuwarten.

Die neue U21-Liga

Ab kommender Saison gibt es die neu geschaffene U21-Liga der DFL. Andreas Bornemann hatte sich sehr schnell für die Teilnahme ausgesprochen, die für alle Erst- und Zweitligisten optional ist, ligaunabhängig („Lage“ vom 5. Februar): „Wir befürworten die Einführung einer U21-Liga, in der unsere Talente dringend benötigte, zusätzliche Spielpraxis sammeln könnten. Sollte der Beschluss für diesen zusätzlichen Wettbewerb auf der nächsten Mitgliederversammlung der DFL im März gefasst werden, dann würden wir entsprechend auch teilnehmen. Unsere U23 bleibt unabhängig davon und auch unabhängig der Ligazugehörigkeit ein fester Bestandteil unserer Nachwuchsausbildung.

Zuletzt klang er bezüglich des Themas etwas zurückhaltender: „Den Wettbewerb haben wir grundsätzlich ins Auge gefasst, müssen jetzt aber vielleicht nochmal überlegen, in welchem Umfang wir daran teilnehmen.“, (Pressekonferenz 08. Juni 2026). Trotzdem dürfte der FC St. Pauli an dieser neuen Ligaform teilnehmen, für die kein eigener, separater Kader erstellt wird, sondern für die man aus Profis, U23, U19 und U17 wild mixen könnte. Die verbindliche Anmeldung muss bis zum 15. Juni erfolgen.

Die Austragung der Spiele an neutralem Ort sorgt für weniger Aufwand, man muss weder langfristige Mietverträge schließen noch den Ordnungsdienst bezahlen. Und wenn Zuschauer*innen in den letzten Jahren eh nicht mehr zur U23 gingen, passt das Konzept „unter Ausschluss der Öffentlichkeit“ ja auch ganz hervorragend.Ältere Spieler, die aus Verletzungen zurückkommen, können ebenfalls eingesetzt werden. Bisher stets auch ein Argument für den Erhalt der U23, um Spieler zurück zur Wettkampfpraxis zu führen, wie beispielsweise bei David Nemeth geschehen.

„Amateure raus aus den Regionalligen“

Es war schon immer schwierig, für den Erhalt der eigenen zweiten Mannschaft innerhalb der oberen Ligen zu argumentieren. „Die anderen machen das auch und es ist ja erlaubt!“ war sowohl inhaltlich korrekt als auch argumentativ sehr schwach. Mag für Altona 93 ein Spiel gegen die II. des FCSP noch eine gewisse, kleine Faszination haben, so ist dies abseits von wirklichen Derbys kaum noch vermittelbar und holt auch niemanden mehr vom Sofa zu den kleineren Vereinen, die um ihre Zuschauer*innen ohnehin schon kämpfen müssen. Dass dies oberhalb der Regionalliga noch schlimmer ist und Stuttgart II und Hoffenheim II den niedrigsten Zuschauerschnitt in der 3. Liga haben, sei hier der Vollständigkeit halber ergänzt, Ihr habt es Euch aber sicher denken können.

Und wenn man ganz ehrlich ist: Ein Aufbäumen, ein echter Wille – der war beim Team der U23 in der abgelaufenen Saison oft nicht zu erkennen. Komplettausfälle wie beim 0:5 gegen Drochtersen/Assel oder dem 1:7 bei Jeddeloh II gab es in der Rückrunde nicht mehr so häufig, das 0:5 gegen Schöningen aber war hart an der Grenze zur Selbstauflösung. Fehlt es an Identifikation mit dem FC St. Pauli? Wo doch viele der Spieler durch das NLZ gegangen sind? Oder ist es eher fehlende Identifikation mit dem Team selbst – eben auch aufgrund all der eben beschriebenen Faktoren, inklusive der eigenen Perspektivlosigkeit?

Neue*r Trainer*in

Wie der Verein heute Mittag bekanntgab, wird Karsten Neitzel kommende Saison nicht mehr als Trainer das Team führen. Da der Trainingsauftakt, wie der Verein gestern mitteilte, bereits am kommenden Montag (15. Juni) sein soll, dürfte diese Personalie aber kaum überraschend kommen und die Nachfolge zeitnah kommuniziert werden.

Braucht es die U23 dann noch?

Aus meiner Sicht wäre dies der richtige Zeitpunkt, langsam die U23 vom Spielbetrieb abzumelden. So schwer mir diese Zeilen (siehe Eingangsabsätze) persönlich auch fallen.Klar, es gibt bestehende Verträge mit Spielern und wie man hört, soll auch der Vertrag mit Eintracht Norderstedt bezüglich der Spiele im Edmund-Plambeck-Stadion noch für zwei Spielzeiten gelten. Aber dies ließe sich sicher alles klären oder zumindest dann das absehbare Ende bereits einleiten.

Wenn die U21-Liga der DFL sich einigermaßen bewährt, wird sie in den kommenden Jahren sicher ausgebaut werden. Hier kann man dann die Jugend-Förderung weiterfahren, ohne dafür einen kompletten Kader vorhalten zu müssen. Der Profikader könnte um ein paar wenige Spieler im Bereich „ein bis drei Jahre zu alt für die U19“ erweitert werden, zudem könnten Spieler wie Marwin Schmitz oder Nick Schmidt vielleicht konsequenter und früher verliehen werden. Sei es in die 3. Liga oder eben an Topteams der Regionalliga, wo sie zumindest auch mit dem Druck von Auf- und Abstieg und der Erwartungshaltung von Fans früher konfrontiert werden.

Zunächst aber geht die U23 jetzt doch noch in die Saison 2026/27 der Regionalliga Nord. Ich wünsche viel Erfolg und werde auch wieder versuchen, möglichst oft in Norderstedt vorbeizuschauen – und dabei nicht allzu oft an jenen Wal zurückzudenken.// Maik

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