feverpitch.de
·15 de junho de 2026
Tuchels alte Rechnung: Ausgerechnet Turpin pfeift sein allererstes WM-Spiel

In partnership with
Yahoo sportsfeverpitch.de
·15 de junho de 2026

Pikantes Wiedersehen zum WM-Start gegen Kroatien: Schiedsrichter Turpin, den Tuchel einst mit Note sechs abkanzelte, leitet die Partie der Three Lions.
Ein pikanteres Wiedersehen lässt sich für einen Auftakt kaum konstruieren. Wenn England am Mittwoch um 22 Uhr MESZ in Gruppe L gegen Kroatien in die WM startet, steht in der Mitte des Platzes ein Mann, mit dem Thomas Tuchel noch eine offene Rechnung haben dürfte — zumindest in der eigenen Erinnerung. Clément Turpin (44) leitet die Partie. Es ist sein sechstes großes Turnier, und unter Fachleuten gilt der Franzose als einer der besten Schiedsrichter Europas. Tuchel hat ihn vor gut drei Jahren öffentlich anders bewertet.
Damals, nach dem Champions-League-Viertelfinal-Aus mit dem FC Bayern gegen Manchester City, kannte der heute 52-Jährige kein Halten. „Note sechs", schimpfte Tuchel über Turpin, dieser habe „absolut furchtbar" gepfiffen, und zwar „von der ersten Minute, von der ersten Entscheidung an". Jede kleine Entscheidung sei gegen seine Mannschaft ausgefallen, monierte er. Im Rückspiel hatte Turpin unter anderem zwei umstrittene Elfmeter gegen Bayern gepfiffen, Tuchel selbst flog in der Schlussphase mit Gelb-Rot vom Platz. „Ich würde ihm eine eins von zehn geben. Er war absolut furchtbar. Das ist auf diesem Niveau kaum zu glauben", sagte Tuchel und schob jenen Satz hinterher, mit dem Trainer ihre Sätze gegen Schiedsrichter gerne abfedern: Normalerweise würde er nichts über die Schiedsrichter sagen, „aber heute war es schon sehr auffällig, welch schwache Entscheidungsfindung er da hatte".
Worte verschwinden nicht, weil ein Trainer den Arbeitgeber wechselt. Sie wandern in Archive, in Zitatensammlungen, in das Gedächtnis des Mannes, über den sie ausgegossen wurden. Turpin musste die Bewertung „Note sechs" damals stehenlassen, ohne Mikrofon, ohne Pressekonferenz auf Augenhöhe. Drei Jahre später leitet er das WM-Auftaktspiel jenes Trainers, der ihn so deutlich abgekanzelt hat — als Cheftrainer einer anderen Nation, in einem Turnier, in dem die FIFA die Ansetzungen vornimmt. Die Konstellation hat etwas Lehrhaftes: Wer im Affekt benotet, wird im Beruf wieder benotet — diesmal von der Person mit der Pfeife.
Sportpolitisch ist die Ansetzung bemerkenswert. Turpin ist kein Aufsteiger, der einen Beweis schuldig ist, sondern ein Schiedsrichter mit einem Endspiel der Europa League 2021 und einem Champions-League-Finale 2022 in der Vita. Wenn die FIFA ihn für ein Spiel der Three Lions nominiert, ignoriert sie die Tuchel-Episode entweder bewusst oder hält sie für unerheblich. Beides ist eine Botschaft. Im Reglement der großen Turniere zählt die Bewertung der Beobachter, nicht die nachträgliche Schulnote eines Trainers, der ein Spiel verloren hat.
Für Tuchel ist das ein Test in Disziplin, lange vor dem Anpfiff. Er kann Turpin nicht aus dem Weg gehen, er kann ihn nicht umstimmen, und jede Geste an der Seitenlinie wird in den Kontext der alten Zitate gesetzt. Wer „eins von zehn" gesagt hat, muss damit leben, dass dieser Satz mitläuft, wenn die Entscheidungen am Mittwochabend wieder eng werden. Tuchel hat als Trainer gelernt, Personalfragen pragmatisch zu lösen. Die Personalie Turpin gehört nicht ihm. Sie gehört dem Turnier, und das Turnier hat entschieden.







































