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·12 de junho de 2026
USA vor der WM 2026: Heim-Euphorie, goldene Generation und große Fragezeichen

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·12 de junho de 2026

Die USA gehen als einer der drei Gastgeber in die WM 2026 und stehen damit automatisch im Fokus. Auf dem Papier bringt diese Mannschaft vielleicht mehr Talent mit als jede amerikanische Auswahl zuvor. Spieler wie Christian Pulisic, Weston McKennie oder Chris Richards stehen für eine Generation, die längst nicht mehr nur aus MLS-Spielern und kämpferischen Underdogs besteht. Viele Leistungsträger spielen in Europa, einige sogar auf sehr hohem Niveau. Dementsprechend ist die Erwartungshaltung hoch.
Nichtsdestotrotz ist die Stimmung vor dem WM-Auftakt gegen Paraguay (13.06., 3:00 Uhr) nicht nur von Euphorie geprägt. Die USA haben in den vergangenen Monaten immer wieder gezeigt, dass zwischen individueller Qualität und mannschaftlicher Stabilität noch eine erhebliche Lücke klafft. Insbesondere die schwachen Auftritte gegen Belgien (2:5) und Portugal (0:2) haben die Zweifel verstärkt. Die Mannschaft hat nicht nur defensive Probleme, sondern wirkt auch im eigenen Ballbesitz noch nicht klar genug strukturiert. Für Trainer Mauricio Pochettino wird diese Heim-WM deshalb zu einer großen Bewährungsprobe.
Pochettino übernahm die Mannschaft 2024 und sorgte angesichts seines großen Namens direkt für eine Euphoriewelle. Doch auch wenn seine Zeit insbesondere bei den Spurs von Erfolg geprägt war, ist das Trainieren einer Nationalmannschaft eine ganz andere Aufgabe. Pochettino muss aus einer sehr talentierten, aber nicht immer homogenen Gruppe innerhalb kurzer Zeit ein funktionierendes Turnierteam formen. Genau hier liegt kurz vor der WM noch eines der größten Fragezeichen: Eine klare Idealformation hat sich bislang nicht vollständig herauskristallisiert. Systematisch scheint ein 3-4-2-1 ebenso möglich wie ein 4-2-3-1.

Foto: Getty Images
Potenzielle Startelf der USA: Freese – McKenzie, Richards, Ream – Dest, Adams, McKennie, Robinson – Tillman, Pulisic – Balogun
Bei der USA geht es weniger darum, ob Pochettino am Ende mit Vierer- oder Dreierkette beginnt. Entscheidend ist vielmehr, ob er eine Mannschaft findet, die Kontrolle und Tempo miteinander verbinden kann. Die Amerikaner wollen nicht mehr nur über Leidenschaft, Athletik und Umschaltmomente kommen, sondern Spiele aktiver gestalten. Dafür braucht es vor allem Stabilität im Zentrum und klare Abläufe im Aufbau. Mit Tyler Adams (Bournemouth) und Weston McKennie sind Spieler mit internationalem Format auf Schlüsselpositionen vorhanden. Sie sollen der Mannschaft jene Balance geben, die in den vergangenen Monaten noch zu oft gefehlt hat.
Offensiv lebt die USA vor allem von Tiefenläufen, Dynamik und schnellen Verlagerungen. Über die rechte Seite können Sergino Dest oder Timothy Weah mit ihrem Tempo Räume hinter der Abwehr attackieren, während Folarin Balogun als Stürmer immer wieder Tiefe anbietet. Dadurch kann die Mannschaft nach Ballgewinnen sehr schnell gefährlich werden und im Konterspiel gute Akzente setzen. Phasenweise war diese Spielidee auch bei der 1:2-Niederlage gegen Deutschland zu erkennen, als Fehler der DFB-Elf immer wieder mit schnellen und vertikalen Angriffen bestraft wurden.
Auf der linken Seite liegt der Fokus auf Christian Pulisic und Antonee Robinson. Pulisic sucht häufiger den Ball in engeren Räumen, rückt ein und will aus dem Zentrum heraus kreative Lösungen finden. Robinson kann dadurch mit Tempo nachschieben und die linke Seite öffnen. In der Theorie ist das eine vielversprechende Idee, die die beiden Legionäre aus der Serie A beziehungsweise der Premier League nun auch bei der WM konstant auf den Platz bringen müssen.
Pulisic bleibt ohnehin das Gesicht dieser Mannschaft. In den USA wird er medial teilweise größer gemacht, als es seine Rolle im europäischen Spitzenfußball tatsächlich hergibt. Trotzdem ist er für die Nationalmannschaft der klare Unterschiedsspieler. Er kann Gegner im Eins-gegen-eins binden, Räume öffnen, Standards übernehmen und aus wenigen Situationen Gefahr erzeugen. Die große Frage ist allerdings seine Form. Nach einer hervorragenden Hinrunde für Milan kam der ehemalige BVB-Spieler in der zweiten Saisonhälfte nicht mehr richtig in Schwung. Wenn Pulisic bei dieser WM nicht ins Turnier findet, fehlt den USA ein großer Teil ihrer offensiven Durchschlagskraft.

Foto: Getty Images
Neben Pulisic dürfte Malik Tillman starten. Der Leverkusener, der eine unterdurchschnittliche Bundesliga-Saison zu verbuchen hatte, bringt eine hohe Qualität zwischen den Linien mit und kann genau dort helfen, wo die USA zuletzt immer wieder Probleme hatte: im kontrollierten Herausspielen von Chancen gegen tiefstehende Gegner. Im Umschaltspiel, bei schnellen Angriffen und mit Tempo in die Tiefe hat diese Mannschaft klare Waffen. Wenn sie aber selbst dauerhaft das Spiel machen muss, fehlt noch zu häufig der letzte Pass.
Ähnliches gilt für Folarin Balogun. Der Stürmer der AS Monaco könnte für die USA ein enorm wichtiger Faktor werden, da die USMNT lange nach einer klaren Nummer neun gesucht hat. Balogun bringt Tempo, Tiefgang und Abschlussqualität mit und spielte mit 18 Scorern eine starke Saison für die AS Monaco. Bei dieser WM bekommt er nun die Chance, sich auf großer Bühne als verlässlicher Turnierstürmer zu zeigen.
Das größte Fragezeichen bleibt allerdings die Defensive. Die Niederlagen gegen Belgien und Portugal haben deutlich gemacht, dass die USA gegen individuell starke Gegner schnell an Grenzen stoßen können. In den vergangenen Monaten wirkte die Mannschaft zu selten über 90 Minuten stabil. Gerade wenn die Abstände zwischen Mittelfeld und Abwehr nicht passen oder die Außenverteidiger hoch stehen, entstehen Räume, die bessere Gegner konsequent bespielen können.

Foto: Getty Images
Umso wichtiger wird Chris Richards. Der Innenverteidiger von Crystal Palace bringt Athletik, Zweikampfstärke und Ruhe am Ball mit und dürfte in der Defensive der zentrale Fixpunkt sein. Wenn die USA bei dieser WM weit kommen will, braucht es von Richards ein sehr konstantes Turnier. Auch die Torhüterfrage ist noch nicht vollständig geklärt. Ob Matt Freese oder Patrick Schulte startet, ist noch nicht abschließend geklärt.
Abseits aller taktischen Fragen kommt der besondere Druck dieser Weltmeisterschaft hinzu. Für die USA ist dieses Turnier nicht nur sportlich, sondern auch symbolisch von enormer Bedeutung. Die WM im eigenen Land soll den Fußball in den Vereinigten Staaten auf das nächste Level heben. Zudem sind die Erwartungen in den USA traditionell hoch, auch weil diese Generation seit Jahren als möglicherweise beste amerikanische Auswahl aller Zeiten gilt. Ein erneutes Aus im Achtelfinale würde deshalb vermutlich als Enttäuschung wahrgenommen werden. Mindestens das Viertelfinale soll es aus Sicht der USA schon werden.
Bis wohin führt Pochettino seine Mannen also? Eine Prognose abzugeben ist unheimlich schwer. Die individuelle Qualität ist vorhanden, die Heimkulisse kann ein echter Faktor werden und mit Spielern wie Pulisic, Balogun, Tillman, McKennie oder Robinson gibt es genügend Waffen, um fast jedem Gegner Probleme zu bereiten. Gleichzeitig sind die Defensivprobleme, die fehlende Konstanz und die Abhängigkeit von individueller Klasse rund um Christian Pulisic nicht zu übersehen.
Die USA ist damit eine der Wundertüten dieser WM. Läuft das Turnier gut an, kann aus Skepsis schnell Euphorie werden. Gerät die Mannschaft aber früh unter Druck, könnten die hohen Erwartungen im eigenen Land schnell zur Belastung werden. Ein ernsthafter Titelkandidat sind die Amerikaner definitiv nicht. Für einen tiefen Lauf ist aber genug Qualität vorhanden. Wenn Pochettino rechtzeitig die richtige Balance findet.

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