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·08 de abril de 2026
VfL Wolfsburgs Problem ist nicht Großkreutz – es ist die eigene Instabilität

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Drei Trainer, zwei Führungskräfte in sechs Monaten, Platz 17 mit 21 Punkten: Wolfsburgs Problem liegt nicht im Podcast-Spruch, sondern im eigenen Chaos.
Kevin Großkreutz sagt in einen Podcast, er wünsche sich den Abstieg des VfL Wolfsburg. Sarkasmus über leere Ränge, ein launiger Spruch, fertig. Die Empörung, die darauf folgt, ist bei den Wölfen größer als die über vier Niederlagen in fünf Spielen. Und genau das ist das eigentliche Problem.
Großkreutz' Worte sind stillos, keine Frage. Einem Klub öffentlich den Abstieg zu wünschen („Ich will, ich wünsche mir, dass die absteigen! Und fertig"), das ist nicht mutig, das ist billig. Es trifft Menschen, die jeden Tag arbeiten, um den Klassenerhalt zu schaffen: Spieler, Mitarbeiter, Fans. Wer so redet, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass ihm die Konsequenzen egal sind, solange der Podcast-Clip klickt.
Nur macht es sich Dieter Hecking mit seiner Gegenreaktion zu leicht. „Wenn ein Verein knapp 30 Jahre in der Bundesliga spielt, hat er jede sportliche Berechtigung, dort zu bleiben", sagt der Trainer in der Sport Bild. Klingt souverän, ist aber ein Zirkelschluss: Tradition als Argument gegen den Abstieg. Platz 17, 21 Punkte nach 28 Spieltagen, sechs Zähler Rückstand auf den rettenden 15. Rang – das Tabellenblatt kennt keine Tradition. Heckings Verweis auf knapp drei Jahrzehnte Erstklassigkeit ist kein sportliches Argument. Es ist ein sentimentales.
Der Kontext macht die Reaktion noch aufschlussreicher. Hecking ist seit dem 8. März im Amt, sein Vorgänger Daniel Bauer wurde nach neun Niederlagen in 15 Spielen freigestellt, gemeinsam mit Geschäftsführer Sport Peter Christiansen. Davor hatte der Klub bereits Sportdirektor Sebastian Schindzielorz und Trainer Paul Simonis ausgetauscht. Drei Trainer, zwei Führungskräfte in sechs Monaten – wer so viel Personal verschleißt, hat ein Strukturproblem, kein Podcast-Problem.
Hecking räumt selbst ein: „Der Kader ist zu groß." Er spricht von unterschiedlichen Nationalitäten und Charakteren, die verschieden mit Niederlagen umgehen. Das klingt weniger nach geordnetem Abstiegskampf als nach dem Chaos, das er gleichzeitig dementiert.
Großkreutz' Sarkasmus über ein „Stadion immer voll, geile Stimmung" trifft deshalb einen Nerv, weil er die Kulisse anspricht, die der VfL Wolfsburg trotz VW-Finanzierung nie wirklich aufbauen konnte. Wolfsburg hat Titel gewonnen – Meisterschaft 2009 unter Felix Magath und DFB-Pokal 2015 unter Dieter Hecking selbst –, aber nie eine organisch gewachsene und gleichzeitig bundesweite Fankultur, die sich mit der von Dortmund, wo Großkreutz herkommt, auch nur ansatzweise vergleichen ließe. Es ist der wunde Punkt, und Großkreutz drückt mit dem Zeigefinger drauf.
Dass Hecking sich überhaupt zu einem Podcast-Spruch eines Ex-Profis äußert, verrät die Nervenlage. Ein Verein, der sportlich Antworten hätte, würde schweigen. Oder gewinnen. Am vergangenen Spieltag führte Wolfsburg in Leverkusen 3:1 – und verlor am Ende 3:6, fünf Gegentore nach der Halbzeit. Wer so zusammenbricht, dem fehlt nicht die richtige Antwort auf Kevin Großkreutz. Dem fehlt die Stabilität auf dem Platz.









































