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·12 de junho de 2026
WM 2026: Deutschland-Gruppengegner Curaçao in der Taktikanalyse

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Zum allerersten Mal ist Curaçao für eine WM-Endrunde qualifiziert. Die kleine Insel aus der Karibik, die eigentlich zum Königreich der Niederlande gehört, aber einen unabhängigen Fußballverband besitzt, ist mit rund 150.000 Einwohnern der bislang kleinste Kandidat, der sich jemals für eine Weltmeisterschaft qualifizieren konnte, doch der Schein trügt etwas: Bei Curaçao spielen keine Amateure, die in ihrem Alltagsleben eigentlich anderen Berufen nachgehen, sondern durch die Verbindung zur Niederlande sind praktisch alle Spieler in Europa ausgebildet worden und Trainerfuchs Dick Advocaat hat aus diesem zusammengewürfelten Haufen durchaus eine schlagkräftige Truppe zusammengestellt. Wie stark Curaçao tatsächlich ist, wo die Stärken und Schwächen der Mannschaft liegen und ob man sich aus deutscher Perspektive vielleicht doch nicht zu sicher sein sollte, erfahrt ihr hier. Eine Taktikanalyse von LIGABlatt-Redakteur Ove Frank.
Durch den Umstand, dass es die wortwörtlich "größte Weltmeisterschaft aller Zeiten" ist und inzwischen nicht mehr nur 32, sondern gleich 48 Verbände teilnehmen können, haben es auch einige Mannschaften zum Turnier geschafft, die noch nie zuvor bei einer WM dabei waren und für gewöhnlich als "Fußballzwerge" gelten. Zu nennen sind hier beispielsweise Kap Verde, Usbekistan, Jordanien, oder eben der nominell kleinste Teilnehmer aller Zeiten, Curaçao, der sich in einer Gruppe mit Deutschland, der Elfenbeinküste und Ecuador behaupten muss. In dieser Gruppe ist Deutschland von den reinen Namen, der Geschichte und der Platzierung auf der FIFA-Weltrangliste her natürlich der klare Favorit, doch die letzten beiden Weltmeisterschaften haben den Deutschen schmerzlich klargemacht, dass die Dinge ganz schnell ganz anders laufen können und man als Fußballnation nicht mehr unantastbar ist. Auf der anderen Seite hat man im Auftaktspiel in Houston am Sonntag, den 14. Juni um 19:00 Uhr MEZ mit Curaçao natürlich einen vermeintlich dankbaren Gegner, der allerdings deutlich mehr Zähne hat als viele Fans es wahrscheinlich auf dem Schirm haben dürften.
Der WM-Kader Curaçaos
Tor: Tyrick Bodak (SC Telstar), Trevor Doornbusch (VVV-Venlo), Eloy Room (Miami FC)
Abwehr: Riechedly Bazoer (Konyaspor), Joshua Brenet (Kayserispor), Roshon Van Eijma (RKC Waalwijk), Sherel Floranus (PEC Zwolle), Deveron Fonville (NEC Nijmegen), Juriën Gaari (Abha Club), Armando Obispo (PSV Eindhoven), Shurandy Sambo (Sparta Rotterdam)
Mittelfeld: Juninho Bacuna (FC Volendam), Leandro Bacuna (Igdır), Livano Comenencia (FC Zurich), Kevin Felida (FC Den Bosch), Ar’Jany Martha (Rotherham United), Tyrese Noslin (SC Telstar), Godfried Roemeratoe (RKC Waalwijk)
Angriff: Jeremy Antonisse (AE Kifisia), Tahith Chong (Sheffield United), Kenji Gorré (Maccabi Haifa), Sontje Hansen (Middlesbrough), Gervane Kastaneer (Terengganu FC), Brandley Kuwas (FC Volendam), Jürgen Locadia (Miami FC), Jearl Margaritha (SK Beveren)
Was beim Kader Curaçaos auffällt, ist, dass man zwar keine Spieler auf weltklasse-Niveau hat, sie jedoch alle entweder in Europa spielen, oder zumindest eine europäische Vergangenheit haben. Das liegt daran, dass die allermeisten Spieler in den Niederlanden geboren sind, aber aufgrund dessen, dass die Eltern, oder teilweise sogar Urgroßeltern aus Curaçao stammen eine Berechtigung haben, für den entsprechenden Verband zu spielen. Viele von ihnen haben allerdings in den U-Nationalmannschaften für die Niederlande gekickt. Der ehemalige Wolfsburger und derzeitige Konyaspor-Profi Riechedley Bazoer hat zwischen 2015 und 2016 sogar sechs Länderspiele für die A-Nationalmannschaft der Niederlande gemacht. Da es sich hierbei allerdings lediglich um Testspiel-Einsätze handelte, durfte der heute 29-Jährige den Verband noch wechseln. Daraus ergibt sich durchaus ein Kader, der zwar nicht unbedingt erstklassig wäre, aber in einer zweitklassigen europäischen Liga Anschluss finden könnte.
Player(s) to watch
Bei jedem Team, das wir hier unter die Lupe nehmen, picken wir uns ein bis drei Spieler heraus, auf die man besonders ein Auge werfen sollte, da diese bei der WM für ihr jeweiliges Nationalteam eine ganz besondere Rolle einnehmen könnten. Im Fall von Curaçao handelt es sich hierbei vor allem um Spieler, die bereits Erfahrung auf hohem europäischen Niveau sammeln konnten und noch immer dazu in der Lage sind, ihr Potenzial abzurufen. Für viele dieser Spieler ist die Teilnahme an der Weltmeisterschaft mit dem kleinen Inselverband eine zweite Chance, ihre persönlichen Träume zu erfüllen, da es für den Durchbruch in der niederländischen Nationalmannschaft vielleicht nicht gereicht hat, was natürlich zusätzlich beflügeln kann. Da die Niederlande allerdings als eine europäische Top-Nation gilt, bedeutet dies nicht, dass man keine Qualität hat, nur weil man sich in diesem Nationalteam nicht durchsetzen konnte.
So könnte Curaçao spielen

Kader-Tool: fotmob.com
Nominell lässt Curaçao-Coach Dick Advocaat, für den es bereits die insgesamt dritte WM-Teilnahme als Trainer ist, in einem 4-3-3-System auflaufen. Diese Aufstellung ist dabei meist ideal, um sich auf unterschiedliche Gegner schnell anpassen zu können. Während man gegen schwächere Gegner gerne mit einer Viererkette spielt, wird es gegen größere Teams wie gegen Deutschland in Wahrheit wohl ein tiefer Block sein, bei dem sich vor allem Livano Comenencia situationsbedingt in die Zwischenräume fallen lässt, um vor allem das gegnerische Flügelspiel im Keim zu ersticken. Im Aufbau dann setzt man prinzipiell eher auf lange Bälle durch Armando Obispo oder eben Comenencia. Sollte es durchs Mittelfeld gehen, ist es hier Kapitän und Rekord-Nationalspieler Leandro Bacuna, der die Strippen zieht. Meist lässt er sich in den rechten Halbraum fallen und wartet auf Anspielmöglichkeiten der sich freilaufenden Flügelstürmer. Passend dazu zieht es einen Tahith Chong, der am liebsten eigentlich im Zentrum oder rechts spielt, aber auch links agieren kann, prinzipiell in die Mitte, um anspielbar zu sein und sich je nach Situation auf einen der beiden Flügel fallen lassen zu können, um dann mit Dynamik aufzudrehen. Der rechte Flügelstürmer Sontje Hansen hat dabei den klareren Zug zum Tor und versucht prinzipiell den Mittelstürmer zu unterstützen. So kann aus dem nominellen 4-3-3 situativ auch ein 5-2-1-2 oder ein 4-4-2 mit enger Raute werden. Allgemein bringt Curaçao eine ordentliche Mischung aus Athletik und technischer Stärke mit.
Da praktisch alle Spieler in den Niederlanden ausgebildet wurden, kennen sie das schnelle Flachpass- und variable Positionsspiel, sodass sie in der eigenen Struktur sehr flexibel sind. Trotz der soliden Ausbildung der einzelnen Spieler, fehlt es Curaçao unterm Strich an den Einzelkönnern, bei denen man sich bis zu einem gewissen Punkt auch auf diese besonderen Momente verlassen kann. Stattdessen kommt das Team von Dick Advocaat über eine enorme mannschaftliche Geschlossenheit. Eigentlich war der frühere Fenerbahçe-Coach zwischenzeitlich als Nationaltrainer zurückgetreten und Fred Rutten hatte übernommen, im Frühjahr rebellierten die Spieler gegen Rutten und Dick Advocaat, der bei seiner Mannschaft als sehr angesehen gilt, kehrte zurück. Von daher wird man von Curaçao sehr viel Leidenschaft, aber auch fußballerische Disziplin und ein klares Verschieben im Positionsspiel erwarten können. Ob gegen Deutschland, Ecuador oder die Elfenbeinküste aber wirklich etwas Zählbares herumkommen kann, da darf man skeptisch bleiben.
Foto: WM Sports Media / Getty Images







































