Ziel 3. Liga: Wie die VSG Altglienicke den Osten aufschreckt | OneFootball

Ziel 3. Liga: Wie die VSG Altglienicke den Osten aufschreckt | OneFootball

In partnership with

Yahoo sports
Icon: liga3-online.de

liga3-online.de

·29 de julho de 2026

Ziel 3. Liga: Wie die VSG Altglienicke den Osten aufschreckt

Imagem do artigo:Ziel 3. Liga: Wie die VSG Altglienicke den Osten aufschreckt

Zu den zahlreichen Ex-Drittligisten, die in dieser Saison in der Regionalliga Nordost um den direkten Aufstiegsplatz in die 3. Liga kämpfen, kommt mit der VSG Altglienicke ein noch recht unbeschriebenes Blatt dazu. Die Berliner um Sportchef Thorsten Mattuschka haben sich ein stark aufstiegsverdächtiges Luxusteam zusammengestellt und zählen daher zu den Favoriten. Was steckt hinter der VSG Altglienicke? Ein Blick in den Südosten von Berlin.

Und plötzlich schraubt sich John Anthony Brooks hoch

Ein 45-facher Nationalspieler der USA braucht nicht allzu viel, um in der vierten deutschen Liga Eindruck zu hinterlassen. Kurz vor der Halbzeitpause des Regionalliga-Auftakts zwischen Erzgebirge Aue und der VSG Altglienicke springt John Anthony Brooks entspannt wie im Training in Richtung einer punktgenauen Ecke von der rechten Seite. Von seinen 1,94 Metern und mehr als 90 Kilogramm benötigt er nur seinen rechten Unterarm, um den direkten Gegenspieler auf Abstand zu halten und locker-leicht zur zwischenzeitlichen 2:1-Führung des Berliner Stadtteilklubs einzunicken, dass 8.600 Zuschauer über diese Urgewalt nur staunen.


Vídeos OneFootball


Auch wenn das Gastspiel beim Drittliga-Absteiger mit einem 3:3-Remis endete: Die Altglienicker hatten in einem rasanten Match nicht nur ihr Können angedeutet, sondern auch ihr Potenzial, sämtlichen Traditionsvereinen im Osten die Aufstiegshoffnungen 2027 kräftig zu verhageln. Der 33-jährige Brooks, in seiner Karriere dekoriert mit mehr als 250 Bundesliga-Einsätzen sowie Erfahrung in Champions- & Europa League, ist dabei nur die Speerspitze eines Kaders, der qualitativ in dieser Liga unerreicht bleibt. Der aktuell noch verletzte Tolga Cigerci (34) schoss vor zwei Monaten noch Energie Cottbus mit einem platzierten Distanzschuss umjubelt in die 2. Bundesliga und wurde mit Galatasaray Istanbul einst Türkischer Meister.

Vorlagengeber von Brooks' Premierentreffer war Lennart Czyborra (27), vor einigen Jahren noch Serie-A-Spieler mit einem Marktwert im mittleren Millionenbereich. Dazu kommen etwa Sven Sonnenberg (27), Damian Roßbach (33), Anthony Barylla (29), Tim Rieder (32), Erik Tallig (26) oder der in Deutschland fast einzigartig flexible Stürmer Jonas Nietfeld (32), der in Halle mal lange als Innenverteidiger agierte, seit 2025 aber wieder Torjäger vom Dienst für die VSG ist. Es ist ein Potpourri an Drittliga-Erfahrung, teils sogar darüber hinaus. Geballte Erfahrung für das große Ziel: Aufstieg in die 3. Liga.

Erfahren auf dem Platz, jung und dynamisch im Management

Dass die VSG mit dieser Ansammlung von Veteranen auf dem Platz mit einem Durchschnittsalter von 26,8 die älteste und mit einem Marktwert von drei Millionen Euro auch die wertvollste Elf der Liga stellt, verwundert nicht. Völlig im Kontrast dazu stehen die Macher im Hintergrund: Das Brüderpaar Johannes Manske (26) und Paul Manske (24) fungieren als Geschäftsleiter Strategie & Entwicklung beim ambitionierten Viertligisten, nachdem sie ihre aktive Karriere – mit jeweils wenigen Drittliga-Einsätzen für den SV Meppen als Höhepunkte – beendet haben. "Wir sind faktisch die dritte Fußball-Kraft nach Hertha und Union in Berlin", sagte Johannes Manske im Interview mit der "Bild". Aber wir wollen uns keine absurden Ziele setzen."

Sein Weg hinauf auf die Karriereleiter klingt derweil durchaus berlinerisch flott: ein Jura-Grundstudium, gepaart mit Kontakten in der Start-up-Szene. Genau in diesem Business ist übrigens auch Quirin Graf Adelmann erfolgreich, der seit April 2026 als zweiter Geschäftsführer neben Daniel Böhm bestellt worden ist. Und doch: Wo auch immer VSG-Verantwortliche von Adelmann bis Manske öffentlich über die Zukunft sprechen, wird Langfristigkeit gepredigt.

Es gibt mit Blick auf die sportliche Vergangenheit wenige Gründe, dem Verein dies nicht abzunehmen: Relativ unbemerkt vom deutschen Profifußball hat der Klub, der nur etwa 300 bis 400 eigene Fans pro Spiel anzieht, sich sein Standing in der Nordost-Staffel erarbeitet. Seit neun Jahren nimmt die VSG teil, 2019 stand sie letztmals am Ende der Saison in der unteren Tabellenhälfte – mit einigen der besucherstarken Konkurrenten wie Chemnitz oder Zwickau ist man auf Augenhöhe. Warum also nicht den nächsten Schritt anpeilen?

Mattuschka erklärt, womit Altglienicke werben muss

Einer, der zunächst als Spieler im blau-weißen Altglienicker Trikot für Aufsehen sorgte, war Torsten Mattuschka. Über die Posten als Co- und Interimstrainer ist der mittlerweile 45-Jährige heute zum Sportchef aufgestiegen. Selbstverständlich ist der parallel als Sky-Experte jobbende Funktionär dazu weiterhin mit dem einen oder anderen Spruch präsent. Naturgemäß führen Anfeindungen über den Vorwurf, dass mit Geld um sich geworfen werde. Abstreiten tut Mattuschka dies nicht. "Als ob andere nicht ebenfalls Geld für ihren Kader ausgeben."

Weil Altglienicke eben nicht mit lautstarken Kulissen werben könne, derzeit mangels eines tauglichen Stadions sogar für Heimspiele in das 60 Kilometer entfernte Fürstenwalde reisen muss, "müssen wir zusätzliche Alternativen bieten wie Perspektiven nach der Karriere, Jobs für die Spielerfrau oder Wohnungen", verriet der Ex-Unioner bei "Tag24".

Wie dies gelingt, zeigen die Verpflichtungen dieses Sommers: Der vierfache Vater John Anthony Brooks wollte nicht weg aus der Heimat Berlin und hielt sich erst bei der VSG fit, hatte dazu über die Freundschaft zum Teammanager einen kurzen Draht. Cigercis Bruder Tolcay kickte vor einigen Jahren für die VSG, auch hier waren die Kontakte kurz. Auch Czyborra stammt aus der Hauptstadt und verzichtete laut "RBB" sogar auf Geld, um nahe seiner Familie spielen zu können.

Maximal besorgniserregend für Erfurt, Jena und Co.

Für die geballte Konkurrenz ist die Entwicklung in Altglienicke maximal besorgniserregend. Mit dem Abstieg von Erzgebirge Aue ist der Ballungsraum für ehemalige Profiklubs noch dichter geworden: Aue, Chemnitz, Erfurt, Halle, Jena, Zwickau, dazu Lok & Chemie Leipzig sowie Babelsberg tummeln sich bereits in der Spielklasse. Alleine die Veilchen, RWE und Jena begrüßten am Wochenende zum 1. Spieltag mehr als 8.000 Zuschauer – annähernd so viele, wie die VSG Altglienicke in einer ganzen Saison.

Nicht viele, die es außerhalb des VSG-Dunstkreises mit dem Fußball halten, werden sich angesichts dieser Alternativen für die Regionalliga als auch 3. Liga einen Aufstieg der Berliner wünschen. "Wir tun ja keinem etwas", sagt Torsten Mattuschka dazu. "Vielleicht werden wir Pfiffe erfahren, aber das müssen wir als unseren Applaus ansehen." Beim 3:3 in Aue klappte das gut genug, um die Mitfavoritenrolle erstmals zu bestätigen.

Saiba mais sobre o veículo