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·28. September 2026

0:1 gegen Griechenland – Niederlage ja, Krise nein

Artikelbild:0:1 gegen Griechenland – Niederlage ja, Krise nein

Erste Niederlage gegen Griechenland überhaupt, erste Pleite unter Jürgen Klopp, Platz drei in der Gruppe – die Schlagzeilen nach Augsburg schreiben sich von selbst. Nur: Wer daraus jetzt eine Krise bastelt, hat das Spiel nicht gesehen.

Die Zahlen sprechen für den Verlierer

75 Prozent Ballbesitz. 16:8 Torschüsse. 30:11 Ballaktionen im gegnerischen Strafraum. Das ist die Bilanz einer Mannschaft, die ein Spiel kontrolliert und trotzdem verliert – nicht die einer Mannschaft, die auseinanderfällt. Der Siegtreffer von Dimitrios Kourbelis in der 74. Minute war ein Linksschuss, den Joshua Kimmich unglücklich abfälschte und der für Alexander Nübel damit unhaltbar wurde. Sieben Minuten vorher hatte Fotis Ioannidis die bessere Chance liegen lassen. Griechenland hat in Augsburg nicht dominiert. Griechenland hat abgewartet, einmal zugestochen und den Rest weggeklammert.


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Man kann das als Unvermögen der Deutschen lesen. Man kann es auch als das nennen, was es war: ein Nations-League-Abend im September, an dem die eine Seite ihren Spielplan durchzog und die andere ihren Kader sichtete.

Fünf Neue, ein Debütant – das war ein Casting, kein Endspiel

Klopp hat in seinen ersten beiden Aufgeboten bereits 44 Spieler durchrotiert, gegen Griechenland tauschte er die Startelf im Vergleich zu Amsterdam auf fünf Positionen. Bambasé Conté feierte sein Debüt, Yann Aurel Bisseck spielte, als hätte er nie gefehlt – und hätte er nicht anderthalb Jahre lang gefehlt, wüsste man das längst. Musiala und Havertz fallen verletzt aus, Wirtz und Burkardt wurden vorzeitig hochgezogen. Wer unter diesen Vorzeichen Automatismen erwartet, erwartet das Falsche.

Es hat eine gewisse Ironie, dass ausgerechnet der Mann, der die Nations League einst als sinnlosesten Wettbewerb der Welt bezeichnete, sie jetzt als Labor nutzt. Aber genau dafür taugt sie. Die Frage ist nicht, ob Klopp im zweiten Spiel gewonnen hat. Die Frage ist, ob er im Oktober mehr über seinen Kader weiß als im August. Die Antwort lautet ja.

Was wirklich stört – und was nicht

Zwei Dinge gehören trotzdem auf den Tisch. Erstens Felix Nmecha, der beim Gegentor so passiv stand, dass Kourbelis in Ruhe ausholen konnte; solche Szenen entscheiden Länderspiele, und Klopp wird sie nicht ein zweites Mal durchgehen lassen. Zweitens das alte Leiden gegen tiefstehende Gegner: viel Ball, wenig Zug, kaum Tiefenläufe. Das war unter Nagelsmann das Thema, und es ist nach 180 Minuten Klopp noch nicht verschwunden. Jonathan Tah brachte es in der ARD nüchtern auf den Punkt: „Wir haben es ehrlich gesagt nicht gut genug gemacht.“

Was dagegen nicht stört: der Gegner. Griechenland hat vor zwei Jahren in Wembley gewonnen, steht mit sechs Punkten an der Tabellenspitze und hat mit Tzolis und Karetsas zwei Außen, die in jeder Bundesliga-Abwehr Unruhe stiften. Bastian Schweinsteigers Urteil, Deutschland habe sich mit Mittelmaß abgefunden, ist die Einordnung eines Ergebnisses – nicht die einer Entwicklung, die gerade erst beginnt.

Am 1. Oktober kommt Serbien nach München, drei Tage später steht das Rückspiel in Griechenland an. Bis dahin wird sich Klopps Bild vom Kader weiter schärfen. Ein 0:1 nach abgefälschtem Schuss gehört in die Kategorie Lernkosten. Wer nach zwei Spielen ein Urteil fällt, urteilt über einen Kader, den es in dieser Form gar nicht mehr gibt.

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